EDITORIAL:

Willkommen bei NEGATIV - Filmmagazin und Diskussionsplattform zum Thema Film! - Wir wünschen viel Spass beim Lesen!
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FESTIVALS: Wir waren beim Fantasy Filmfest! Und bald startet Lucas!
WEITBLICK: Durch die Nacht mit... Noé, Korine, LaBruce, wir stellen sie vor. Dazu Emmy Awards mit Videos.
GAMES: NEGATIV auf der Gamescom in Köln!
GEWINNSPIEL: Freikarten für Mary und Max, Pianomania, Black Death und Resident Evil Afterlife. Tolle Fanartikel zu A Serious Man, Verrückt nach Dir, Cherrybomb, The American und Ponyo!

Durch die Nacht mit H. Korine und G. Noé auf ARTE

von Amos Borchert, am 3.9.10

Ein Datum, dass sich Cineasten besonders dick in den Kalender schreiben sollten, ist der 7. September 2010. Dann zeigt ARTE um 23.55 Uhr eine weitere Folge des legendären Durch die Nacht mit... Starring: Harmony Korine und Gaspar Noé! Ist das nicht allein schon Grund genug, seine Wochenplanung auf dieses Ereignis hin auszurichten, begleitete das Ganze auch noch Bruce LaBruce hinter der Kamera!
Wem diese Namen jetzt überhaupt nichts sagen. Hier ein kleiner Überblick:



Bruce LaBruce

Sie nannten ihn Underground-Ikone.

Es wird gemunkelt, dass Kurt Cobain LaBruces No Skin off My Ass (1990) zu seinem Lieblingsfilm ausgerufen haben soll... Eine Gayromanze in verkrisseltem Schwarz/Weiß. Bruce LaBruce - wie er einem Skinhead Pickel ausdrückt und Zehen ableckt.

Sein Film Hustler White (1996) verarbeitet den labruce´schen Humor auf dem sonnigen Straßenstrich von L.A. In Co-Regie mit dem Fotografen Rick Castro realisierte LaBruce (selbst wieder vor der Kamera aktiv) einen eigenwillig-überdrehten Blick auf Pornoindustrie, Prostitution und Fetisch (der Auftritt von Performancekünstler Ron Athey ist phänomenal).

Otto, or Up with Dead People (2008) dreht sich um den melancholischen Emozombie Otto, der sich in eine politische Avantgarde-Pornoproduktion der untoten Art verläuft.

Der Kanadier ist wahrscheinlich einer der sympathischsten Regisseure dieses Planeten. Selbst schon in einer grandiosen Episode von Durch die Nacht mit... an der Seite von Jörg Buttgereit zu genießen, führte er jetzt Regie beim Aufeinandertreffen der zwei Kinoanarchisten Korine und Noé.



Harmony Korine

Er hat das Drehbuch zu Larry Clarks Kids geschrieben und spielte kleine Nebenrollen in Gus van Sants Good Will Hunting und Last Days.

Sein Debüt Gummo, an dem seine damalige Freundin Chlöe Sevigny mitgearbeitet hat (Kids - wir erinnern uns) ist ein ultra-fieser Bastard von Film. Eigentlich unbeschreibbar. Aufopferungsvolle Freakshow, Psychotrip ins madenzerfressene Herz Amerikas, Hasen-Skateboard-Western. Jonathan Caouttes Tarnation (2003) erinnert von seiner Energie ein wenig an Gummo.

Es folgten kürzere Arbeiten (u.a über David Blaine) und 1999 dann Julien Donkey Boy und man kann gar nicht anders als fasziniert zu sein, wie ein formelles Experiment derart harmonisch mit solch erschreckend gutem Schauspiel verschmelzen kann. Chlöe Sevigny, Ewen Bremner (Spud aus Trainspotting) und Werner Herzog als soziopathischer Familienkomplex. Ebenso verstörend, weniger durch Schock (wie in Gummo), eher durch die anrührende Geschichte, deren Hoffnungslosigkeit sich einbettet in Bilder, denen ein weiches Rauschen - wie Schneegestöber- zu eigen ist. In Julien Donkey Boy kommt der Zuschauer den Figuren wirklich nahe. Und das ängstigt.

Sein dritter abendfüllender Spielfilm heißt Mister Lonely. Diego Luna als Michael-Jackson-Imitator, der von Marilyn Monroe auf eine schottische Insel eingeladen wird, in ein Schloss voller Doubles, die eine Varieté auf die Beine stellen wollen (mit Leos Carax sowie Denis Lavant als Charlie Chaplin, der hier nicht nur im Äußeren Adolf Hitler ähnelt).
Erneut Werner Herzog - diesmal in der Nebenhandlung - als fliegender Regenwald-Missionar, dem eine Nonne aus dem Flugzeug fällt.
Ein Sammelsurium an Skurrilität, enorm unterhaltsam, voller Humor, voller Tragik.
2009 dann Trash Humpers, dessen Premiere in Nashville Noé und Korine zu Beginn von Durch die Nacht mit... beiwohnen.

Bezeichnend, dass eine der Nachwuchshoffnungen im wirklichen Independentbereich in Deutschland so gut wie völlig übersehen wird.


Gaspar Noé

Harmony Korine gegenüber gesellt sich niemand anderes als Gaspar Noé, einer der wichtigsten Filmemacher unserer Zeit. Als Skandalregisseur abgestempelt und mit ungerechten Vorurteilen des Publikums verbunden, prägt der aus Argentinien stammende Regisseur seine Filme durch eine Kompromisslosigkeit, die sie, selbst in einer fragmentierten Gesellschaft wie unserer, in unvermutet viele Schichten ankommen lässt.

Gaspar Noé ruft mit seinem Werk eine filmische Apokalypse und ein Neudenken des Filmemachens hervor. Von Carne (1991), über Menschenfeind (1998) und Irreversibel (2002) bis, seit diesem Sommer in deutschen Kinos, Enter the Void (2009), etabliert er ein eigenes, kritisches System der filmischen Erzählung. Im Vordergrund steht immer das bewegte Bild als schöpferische Instanz, unterstützt von sinngebenden Kamerabewegungen – möglichst ohne Schnitt. Denn Montage, so Noé - im Gegensatz zum klassischen Erzählkino - verfremdet die Bilder, verändert oder dekonstruiert ihren Sinn (wie Irreversibel gezeigt hat).

Noés Charaktere sind stets verlorene Seelen, zu einem Ende in Chaos und Vernichtung verdammt. Gesellschaftliche Rollen und Beziehungen sind bei Noé - wie bei S. Kubrick - Anlass für den Untergang seiner Helden, ob innerlich oder in äußerer Einsamkeit, auf ewig getrennt von ihren Nächsten.

Trotz des Eigensinns seiner nicht auf finanziellen Erfolg zielenden Werke, schafft es Noé immer, diese in den Medien auf große Resonanz treffen zu lassen. Ob das seinen Schauspielern zuzuschreiben ist (Philippe Nahon, Monica Belucci, Vincent Cassel, Paz de la Huerta spielten in seinen Filmen mit) – oder der Skandalträchtigkeit der Filme, eines steht fest: Gaspar Noés Konzept des Filmemachens vereint Genialität und Weltbühne.
(Noé-Text: Ciprian David)

Man darf also zu Recht gespannt sein. Wer die Ausstrahlung am 7.9. um 23.55 Uhr dann tatsächlich verpasst haben sollte, kann 7 Tage danach unter www.arte.tv seinen Fehler beseitigen.

Jeder, der einen witzigeren Anfang als den von Korines Mister Lonely kennt, möge ihn im Kommentar posten...oder für immer schweigen!

Am Sonntag startet das Internationale Kinderfilmfestivals LUCAS!

von Ciprian David, am 3.9.10


Das Programm des 33. Internationalen Kinderfilmfestivals LUCAS steht fest: Vom 5. bis zum 12. September 2010 zeigt das vom Deutschen Filminstitut – DIF in Frankfurt am Main veranstaltete Festival insgesamt 27 Filme. Für die sechs bei LUCAS vergebenen Preise gab es mit 350 Filmen eine Rekordeinreichung. Ausgewählt wurden Filme aus 22 Länden (von Sri Lanka bis Argentinien, von Kanada bis Südafrika), vertreten sind alle Kontinente. LUCAS bietet eine Welt-Premiere und zwei Europa-Premieren, alle Wettbewerbsfilme feiern ihre Deutschland-Premiere. Zahlreiche Filmschaffende präsentieren ihre Filme als Gäste in Frankfurt. Festivalkino ist das CineStar Metropolis, da das Deutsche Filmmuseum wegen seiner zeitgemäßen Erneuerung bis Frühsommer 2011 geschlossen ist. LUCAS-Filme des Rahmenprogramms sind auch im Filmforum Höchst zu sehen.


Im Wettbewerb der Langfilme sind mit DER WEIßE LÖWE (ZA 2009, Regie: Michael Swan),
BINDU (LK 2009, Regie: Somaratne Dissanayake) und ULULU (JP 2009, Regie: Makoto
Naganuma) drei Filme vertreten, die auf unterschiedliche Art die Freundschaft zwischen Kindern und Tieren beleuchten. Sowohl BINDU als auch DER WEIßE LÖWE feiern bei LUCAS ihre Europapremiere. Als fantastische Märchenfilme konkurrieren MAGISCHES SILBER (NO 2009, Regie: Katarina Launing, Roar Uthaug) und ES LEBEN DIE RITTER (CZ 2009, Regie: Karel Janák) um die Gunst der LUCAS-Jury. In die frühen Achtziger entführt der kanadische Beitrag 1981 (CA 2009, Regie: Ricardo Trogi), in dem ein Junge sich in eine Lügenwelt verstrickt, um seine Klassenkameraden zu beeindrucken. Wie mit Pfiffigkeit ein kleiner Junge die Erwachsenenwelt an der Nase herumführt zeigt ICH BIN KALAM (IN 2010, Regie: Nila Madhab). Ein besonders sensibles Thema greift DER SOMMER MIT MARIO (AR, ES, FR 2009, Regie: Julia Solomonoff) auf, der sich mit den körperlichen Veränderungen in der Pubertät auseinandersetzt. Wie aus Gegenwehr eine Spirale der Gewalt werden kann, wird im eindrucksvollen dänischen Beitrag MEIN LIEBSTER FEIND (Dänemark 2010, Regie: Oliver Ussing) deutlich. Außerhalb der Konkurrenz läuft als zehnter Beitrag das bemerkenswerte Drama RAFIKI (NO 2009, Regie: Christian Lo), das sich mit der Gefahr der politischen Abschiebung auseinander setzt.

Bei LUCAS 2010 konkurrieren achtzehn Kurzfilme, davon sieben Realfilme und elf Animationen aus drei Kontinenten um die zwei Kurzfilmpreise. Die Filmbeiträge sind sorgfältig nach Altersgruppen ausgewählt und in vier Programmen zusammengefasst. Das Kurzfilmprogramm 1 wendet sich an Kinder ab sechs Jahren. Die fünf präsentierten Animationsfilme bestechen durch unterschiedliche Trickfilmtechniken und liebevoll erzählte Geschichten. In der Puppentrick-Animation EISIGER ZAUBER (Litauen 2009 Regie: Evalds Lacis) entführt ein erboster Zauberer die Prinzessin in eine Welt aus Schnee und Eis. Klassischen Zeichentrick neu interpretiert gibt es beim litauischen BRUDER BEBE (LT 2009, Regie: Rasa Joni) zu bewundern. Das zweite Kurzfilmprogramm ist ab acht Jahren empfohlen, zeigt sechs Animationsfilme und wartet mit einer Weltpremiere auf. DER JÄGER UND DAS MÄDCHEN (CH 2010, Regie: Jadwiga Kowalska) befindet sich noch in der Produktion und wird im September bei LUCAS uraufgeführt. Zum Träumen lädt die malerische Winterlandschaft in DIE STILLE UNTER DER RINDE (Frankreich 2009, Regie: Joanna Lurie) ein, in der zwei Waldgeister nach Schneeflocken jagen. Über Ausgrenzung im Alltag berichtet der norwegische Beitrag GURI GURSJEN & GURSJAN GRU (Norwegen 2009, Regie: Eirik Aure, Johanne Anda) in dem die beiden Punker Guri und Gursjan sich nicht unterkriegen lassen. Für Kinder ab neun Jahren bietet das dritte Kurzfilmprogramm vier Realfilme. Zum ersten Mal außerhalb Koreas wird ZURÜCK ZUM MEER (Republik Korea 2009, Regie: Rain Jung) als Internationale Premiere gezeigt, in der ein kleines Kätzchen der Hauptprotagonistin hilft, ihre Probleme in der Schule zu überwinden. In DER BALL (Großbritannien 2010, Regie: Katja Roberts) ist es der Sport, in diesem Fall das Fußball spielen, dass die Protagonisten zusammen führt. Ein Mischung aus Realfilm und Animation ist die originelle Filmidee von VEETI UND DIE BOHNENSTANGE (FI 2009, Regie: Susanna Kotilainen), einem der drei Filme aus dem Kurzfilmprogramm 4 ab zehn Jahren. Der Film aus Finnland setzt die Trauerbewältigung des kleinen Veeti in für Kinder verständliche Bilder um. In eine völlig andere Welt entführt uns KAVI (US 2009, Regie: Gregg Helvey), der von moderner Kindersklaverei handelt.

Unter dem Titel PANORAMA – Filme für (junge) Erwachsene startet das diesjährige LUCAS-Rahmenprogramm. Die hier gezeigten Filme legen den Fokus auf Schicksale von Kindern und Jugendlichen, die in ihren Inhalten für ältere Festivalbesucher gedacht sind. Die plötzlichen Veränderungen auf dem Weg zum Erwachsenwerden, individuelle Lebensentwürfe, die sich bewähren müssen – das sind Themen, mit denen sich junge Erwachsene identifizieren können. Passend zum Schwerpunkt zeigt LUCAS den deutschen Dokumentarfilm ADRIANS TRAUM (DE 2010, Regie: Manuel Fenn), der über acht Jahre den Werdegang des Balletttalents Adrian Dörne begleitet. Der junge Protagonist und der Regisseur werden zum Festival persönlich anwesend sein. THE MAN WHO LOVED YNGVE (NO 2008, Regie: Stian Kristiansen) handelt vom rebellischen Jarle, der sich zum sensiblen Yngve hingezogen fühlt und verwirrt ist über seine Gefühlswelt. Für Fachbesucher bietet LUCAS in Kooperation mit dem eDIT Filmmakers Festival ein Werkstattgespräch anlässlich der Deutschlandpremiere von PANIQUE AU VILLAGE (BE, FR,
LU 2009 Regie: Stéphane Aubier, Vincent Patar) an. In dem unkonventionellen und witzigen Puppentrickfilm überschlagen sich die Ereignisse rund um Cowboy, Indianer und Pferd. Der Film lief im Ausland sehr erfolgreich auf zahlreichen Festivals und erreicht trotz seiner kindgerechten Puppenfiguren auch ein älteres Publikum.

Im Rahmenprogramm von LUCAS werden insgesamt 32 Filme gezeigt, davon sieben in der
Animationsfilmreihe für Kinder ab vier Jahren, im Mini-Programm, das auf die Bedürfnisse und Konzentrationsleistung von Vorschulkindern abgestimmt ist.

Gewinnspiel zum DVD-Start von #9

von Ciprian David, am 3.9.10


Ein Krieg zwischen Mensch und Maschine hat die Welt in eine apokalyptische Trümmerwüste verwandelt. Die einzigen Überlebenden sind neun kleine Stoffpuppen, auf die ein Heer von mechanischen Bestien gnadenlos Jagd macht. Als #9 nach den Gründen für die Angriffe sucht, stößt er auf das Geheimnis seiner eigenen Existenz: Ein Wissenschaftler hatte die Puppen in den letzten Tagen der Menschheit erschaffen und auf eine Mission geschickt. Sie sollen die Herrschaft der Maschinen beenden und dem Leben auf der Erde eine neue Chance erkämpfen ...


Die Produzenten Tim Burton (Coraline) und Timur Bekmambetov (WANTED) präsentieren ein einzigartiges Endzeit-Abenteuer, das mit modernster Animationstechnik, visionärer Optik und originellen Figuren ein unvergessliches Filmerlebnis bietet.





Gewinnt zum DVD-Start von #9 eine der beiden von uns verlosten DVDs! Ein glücklicher Gewinner darf sich sogar noch über ein Original-Filmplakat freuen!

Teilnahmeschluss ist der 20. September 2010.
Beantwortet einfach die folgende Frage:



Eure Postadresse erfragen wir erst, falls Ihr gewonnen habt und Eure Daten werden selbstverständlich vertraulich behandelt.
Mit der Teilnahme akzeptiert Ihr automatisch die hier einsehbaren Teilnahmebedingunge.

FFF 2010: Harry Brown

von Sven Safarow, am 3.9.10

Death Proof und Planet Terror haben es nicht geschafft, das Grindhouse-Kino zu beleben. Amer hat es nicht geschafft, den Giallo zu reanimieren. Und Black Dynamite hat (trotz viel Witz und Tempo) auch dem Blaxploitation-Kino keine neuen Impulse geben können.
Diese Filme haben gemeinsam, dass sie von dem Genre, dem sie huldigen, ideologisch viel zu weit entfernt sind. Zu viel Selbstreferentialität, zu viel Zitatenspiel bremst die Authentizität.
Nun hat es ein britischer Film geschafft, ein Genre wieder zu beleben, das oft genug für tot erklärt wurde: den Selbstjustizthriller.
Harry Brown ist waschechte, bitterböse Vigilantenaction in ihrer reinsten Form, wie man sie nur noch selten antrifft.

Harry (Michael Caine), ein einsamer Rentner und Ex-Marine betrauert den Tod seiner Frau, die im Krankenhaus dahingeschieden ist. Auch seine Tochter ist vor langer Zeit gestorben, er hat nur seinen Freund Len (David Bradley), mit dem er ab und zu im Pub Schach spielt. Sorgenvoll betrachten sie ihre Nachbarschaft, die nach und nach den Bach runtergeht: Es wird gedealt, es wird randaliert, die Jugendbanden beherrschen das Viertel. Jeden Morgen geht Harry an der Unterführung vorbei, die eine praktische Abkürzung darstellt. Niemals geht er hindurch, da aus der Unterführung ständig Jugendliche, und Rap-Musik zu hören ist.
Als Len sich endlich zur Wehr setzen will, bezahlt er dies mit dem Leben. Die Polizei kennt die Täter, hat aber keine Beweise, und muss die offiziell Verdächtigen auf freien Fuß setzen.
Das kann Harry nicht tolerieren. Erst ersticht er einen Kleinkriminellen, der sein Portemonnaie will, dann kauft er sich eine Waffe.

Michael Winner und Charles Bronson haben den Selbstjustizfilm geprägt wie keiner vor ihnen. Zusammen machten sie Death Wish 1-3, und zeigten, wie der einfache Mann von der Straße sich das Verbrechen nebenan nicht mehr gefallen lässt. Die Death Wish-Reihe war und ist höchst umstritten, den Filmen wurden regelmäßig rechtskonservative und gewaltverherrlichende Züge attestiert. Auch wenn die Tendenz sicherlich da war, reichte die Kritik doch meistens zu kurz. Death Wish (der erste Teil) war vor allem Ausdruck einer geistigen Ohnmacht. Wenn die Kriminalität steigt, die Polizei dich im Stich lässt, was bleibt dir noch? Aus diesen und ähnlichen Fragen speist sich eine exploitative Kraft, die nicht nur ideologisch fragwürdig, sondern auch dramaturgisch höchst fesselnd ist.  
noch so ein gewaltbereiter, jugendlicher Punk! 

Der Selbstjustizfilm ist meist nach demselben Muster gestrickt: Ein Mann verliert alles, was er im Leben hatte (Familie, Geliebte, Freunde), und durch die Passivität der Polizei fühlt er sich genötigt, das Recht in die eigene Hand zu nehmen. Auf seinem Rachefeldzug fließt eine Menge Blut, aber ein Sinn stellt sich niemals ein.
Die letztendliche Sinnlosigkeit des Vigilantentums schwingt im Selbstjustizfilm immer mit. Am Ende hat der Held nichts gewonnen. Ihn erwartet das Gefängnis, die Leere, der Tod.
Deshalb sind die besten Filme des Genres (Death Wish, Vigilante, Der Exterminator), auch keine Spaßgranaten, sondern bedrückende, düstere Filme, die sich einerseits hinter den Protagonisten stellen, ihn andererseits aber auch allein lassen.

James Wan hat mit Death Sentence (das wie Death Wish auf einem Roman von Brian Garfield basiert) eine zeitgemäße Variante des Genres inszeniert, die deutlich an dessen Exploitation-Wurzeln anknüpft.
Daniel Barbers Harry Brown (nach einem Drehbuch von Gary Young) ist ein weiterer, geradliniger Vertreter dieser speziellen Filmgattung, der ohne jedweden postmodernen Unsinn auskommt.
Der Plot ist altbekannt, aber auch altbewährt, und wird durch die hervorragenden Darsteller (Michael Caine, Emily Mortimer, Iain Glen, Liam Cunningham, David Bradley und Ben Drew) veredelt.
Barbers Inszenierung ist sehr solide, mit besonderem Blick aufs Detail (allein die Szene, in der uns Harry vorgestellt wird, als einsamer, zerbrechlicher Mann ist grandios). Dieser Blick ist es, der uns den im Grunde sehr konstruierten Film sehr lebendig und spontan vermittelt.
Harry Brown lebt natürlich auch von den kontroversen Themen, die er behandelt: Jugendkriminalität, Drogenhandel, soziale Unruhen, Selbstjustiz. Dass der Film dabei eher zur konservativen Richtung tendiert, ist eher als Genrekonvention denn als sozialer Kommentar zu verstehen.




Harry Brown
R: Daniel Barber
D: Michael Caine, Emily Mortimer, David Bradley, Iain Glen, Liam Cunningham, Ben Drew
GB 2009, 103 Min.
Ascot Elite



FFF 2010: 14 Blades

von Ciprian David, am 2.9.10


Daniel Lees Beitrag zum diesjährigen Fantasy Filmfest serviert uns eine Handvoll etablierte Schauspieler: Donnie Yen (außerdem in Ip Man 2 auf dem Festival zu sehen) als Hauptcharakter, an seiner Seite Wie Zhao (u.a. Red Cliff), Kate Tsui, Sammo Hung und die Liste geht weiter. Es handelt sich natürlich um ein historisches Martial Arts Epos, um ein Wuxia.

In einer gewaltigen Bilderflut entfaltet sich eine Welt zwischen beeindruckend gestalteten Städte und der Endlosigkeit der Wüste. Wie der Originaltitel ankündigt, steht im Mittelpunkt die machtvolle und grausame Garde des Kaisers, eine Truppe von furchtlosen Waisen, die von klein auf nach einem strengen Kodex erzogen und trainiert wurden: die Jinyiwei. Ein Netz von Intrigen sorgt dafür, dass Anführer Qinglong in Ungnade fällt und verfolgt wird. An ihm liegt es nun, seine Ehre wiederherzustellen, sei es mit dem Preis des eigenen Lebens.

Wie die Musik nicht selten andeutet, ist 14 Blades (mittlerweile gar nicht ungewöhnlich) ein Wuxia-Western-Hybrid. Im Mittelpunkt steht immer der einsame, unanfechtbare Held, dessen Kampfkunst von allen bewundert wird, und lediglich in seinem späteren Verbündeten, dem Richter der Wüste (Chun Wu, sympathisch mit seiner Bande als Festland-Piraten dargestellt) ein Gleiches und, nach der Lebensart zu urteilen, einen Gegenpart findet. Seine Klarsicht, was die Intrigen der Feinde angeht, ist lediglich vom auktorialen Zuschauer gepaart. Die schöne Xiao Hua (Wie Zhao) sorgt dafür, dass die romantische Seite des Films mehr als bedient wird.

Die Welt des Films ist überraschend sachlich. Anstelle von Religion ist sie von Politik und Machtspielen dominiert. Ihre Organisation erfolgt über ein kompliziertes System von Rängen und Regeln. An der Spitze und als letztes Ziel aller Intrigen befindet sich jedoch der Kaiser als Divinitätsersatz. Bezeichnend in dieser Richtung ist nicht nur der strenge Kodex der Jinyiwei als Teil eines gesamtgesellschaftlichen Uhrwerks, sondern auch ihre Verbildlichung in den 14 Klingen, die Qinglong als Anführer der Jinyiwei mit sich trägt: jede mit einer genauen Bestimmung, die letzte für den Jinyiwei selbst, um ihn aus seinem Versagen zu entlassen.

Doch Chaos stellt diese organisierte Welt auf Probe, und genauso wie die Ordnung, hat dieses auch ein Symbol: Tuo Tuo (Kate Tsui). Eine Kriegerin aus dem Westen, die sich viel schneller bewegt als alle anderen und ab und zu während den Kämpfen ins Übersinnliche greift. Ein Schatten, der nicht zu besiegen ist, außer durch Zusammenarbeit und Hinterhalt.

Alles in allem ist der Film ein großes Spektakel, makellos umgesetzt, woran eben das Publikum durch das Wuxia der letzten Jahre gewöhnt wurde. Die gradlinige Geschichte kündigt zwar schon nach wenigen Minuten das Ende an, aber die imposanten Bilder und Kampfszenen sorgen durch und durch für beste Unterhaltung.


14 Blades / Jin yi wei
R: Daniel Lee
D: Donnie Yen, Wei Zhao, Sammo Hung
HongKong, China, 2010, 114 Min.
Koch Media

FFF 2010: Devil´s Playground

von Simon Frauendorfer, am 2.9.10


Ein Pharmakonzern testet das neue Mittel RAK-295 an freiwilligen Probanten, doch es kommt zu unerwarteten Nebenwirkungen: Fast alle verwandeln sich in blutrünstige Zombies. Nur die junge Angela bleibt von den horrenden Konsequenzen des Medikaments verschont und wird zur Schlüsselfigur, die die ausbrechende Seuche eindämmen kann. Gemeinsam mit anderen Überlebenden – unter ihnen ein ehemaliger Mitarbeiter des Pharmakonzerns – bahnt sie sich ihren Weg durch die Horden der Untoten. 

Devil´s Playground ist ein recht konventioneller britischer Zombie-Streifen, der sich in keinster Weise vom üblichen Genredurchschnitt abhebt. Nach dem Strichlisten-Prinzip werden alle Standardsituationen und Figurenkonstellationen des Subgenres durchdekliniert, ohne dass es zu großartigen Neuinterpretationen kommt. Die recht athletischen Monster und die krampfhafte Seriösität  – vor allem im Rahmen der klischeehaften Dialoge – verfestigen das Déjà-Vu Erlebnis des Zuschauers. Während sich der Altmeister der Untoten George A. Romero in seinen letzten Werken auf neue Pfade begibt, begnügt sich Regisseur Marc McQueen mit abgestandenen Grundideen. Dabei lässt sich doch an einigen Stellen das Potenzial des jungen Filmemachers erahnen, beispielsweise bei der Betrachtung des gelungenen Endes, das bewusst mit Konventionen bricht, um den blutdurstenden Gorehound unbefriedigt zu verabschieden. Als Wehrmutstropfen bleiben die bekannten Gesichter der Protagonisten: Danny Dyer (Severance) und Craig Fairbrass (Far Cry) sind mit von der Partie und können wie gewohnt überzeugen. Es ist äußerst schade, dass sich kommende Genrehandwerker nicht von ihren Vorbildern lösen wollen, um eigenständige Filme zu realisieren. Somit verdammt man die armen Zuschauer und die armen Zombies zu ewiger Wiederholung.     

Devil's Playground teaser trailer
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Devil´s Playground
R: Marc McQueen
D: Danny Dayer, Craig Fairbrass, Jaime Murray, Shane Taylor
GB 2010, 95 Minuten
Splendid Film

Duell der Magier

von Dennis Vetter, am 2.9.10




Wie wir sie lieben, die Filme, in denen unbedeutende Loser zu Helden erkoren werden, zunächst überfordert sind und an ihrem mangelnden Selbstbewusstsein immer wieder zu scheitern drohen, sich dann in Zeiten höchster Not in die schönste Frau weit und breit verlieben, ihr Herz erobern und schließlich alles richtig machen. Duell der Magier erfindet das Rad wahrlich nicht neu. Eher reduziert er die ausgetretenen dramaturgischen Pfade dieser Art von Film noch weiter und nimmt sich nicht einmal genug Zeit für seinen ‚Nerd‘.

Für die Hintergrundgeschichte muss erneut der legendäre Zauberer Merlin herhalten. Diesmal daf er das zeitliche Segnen, was in einer Rückblende mit Voice Over erzählt wird, die durch ihre Sprunghaftigkeit beinahe schon wie ein Trailer anmutet. Was in dem hektischen Getümmel seiner letzten Schlacht klar wird, ist, dass Merlin während seines Lebens drei Schüler auserkoren und zu großen Magiern herangezogen hat. Im Kampf gegen die bösartige Hexe Morgana wendet sich einer seiner Schüler aus Eifersucht gegen seinen Meister und seine Mitstreiter, wodurch der Zauberguru ums Leben kommt. Nachdem Morgana Besitz von der zweiten Schülerin (völlig deplatziert: Monica Belucci) ergriffen hat, kann sie zusammen mit dem bösen Schüler Maxim Horvarth (Alfred Molina) in ein magisches Gefängnis verbannt werden, besiegt ist das teuflische Gespann jedoch nicht. Der verbliebene Schüler Merlins, Balthazar Blake (derzeit verliebt in schräge Rollen: Nicolas Cage), erhält vom sterbenden Meister den Auftrag, einen würdigen Erben Merlins zu finden, der die Hexe mit seinen schlummernden Zauberkräften irgendwann besiegen kann. Fertig ist die Vorlage für eine mehr oder weniger spannende Geschichte im Manhattan des 21. Jahrhunderts. 1000 Jahre benötigt Balthazar nämlich, um Dave Stutler (Jay Baruchel) aufzustöbern. Natürlich wird für Action und Spannung ein Widersacher benötigt: Maxim Horvarth kommt frei und setzt während der übereilten Ausbildung des Jungen alles daran, fies zu sein und natürlich seine noch fiesere Meisterin zu befreien.



Duell der Magier, der Name ist Programm. Das klapprige Storygerüst und die Figurenentwicklung des Films halten keiner kritischen Betrachtung stand, sondern dienen lediglich als Vorlage für Humor und – natürlich – immer spektakulärere Duelle zwischen Magiern. Mit Effekten geizt diese Jerry Bruckheimer-Produktion entsprechend keineswegs und einige Dialoge wissen durchaus Spaß zu machen. Vor allem Jay Baruchel und Alfred Molina – ohne dessen allgegenwärtige Leinwandpräsenz einige aktuelle Produktionen totlangweilig wären – retten in den wenigen Gelegenheiten, die ihnen das Drehbuch bietet, mit einer großen Portion Ironie das ruhelose Geschehen. Der Drang, den Film zu verlassen konnte trotz ihrem Spiel aber letztlich nur durch eine liebenswerte Anekdote an den Disney-Klassiker Die Hexe und der Zauberer unterdrückt werden (Besenalarm!). Und durch den Apekt, dass Magie in Duell der Magier erstmals mit neuzeitlichen Elementen, in diesem Fall Physik gekreuzt wird.



Die dritte Zusammenarbeit von Regisseur Jon Turteltaub und Nicolas Cage, die zuvor Das Vermächtnis der Tempelritter mitsamt Fortsetzung inszenierten, taugt zweifellos für ein Publikum, das Teenieromanzen noch selbst nachvollziehen kann und Spaß an einem kurzweiligen Abenteuertrip hat. Für alle anderen sei betont: Kurzweil wird hier wirklich SEHR groß geschrieben. So erinnert man sich nach dem Ende des Films, der fast ohne bemerkenswerte Sequenzen in gefühlten 30 Minuten an einem vorbeirauscht, nicht wirklich an Highlights. Wer also schon ein wenig Magieerfahrung hat und wert auf Substanz legt, sollte die zeit lieber nutzen, um den Blick die herrlich bösartigen Märchenhexen richten, die in Disneys Animationsklassikern wüten durften und Morgana schlichtweg lächerlich aussehen lassen. Früher war eben einfach alles besser...


Duell der Magier
R: Jon Turteltaub
D:  Nicolas Cage, Jay Baruchel, Alfred Molina, Teresa Palmer, Toby Kebbell, Omar Benson Miller, Monica Bellucci, Alice Krige
USA 2010, 109 Min.
Copyright: Walt Disney Studios
Kinostart: 02.09.2010

Summer Wars

von Dennis Vetter, am 2.9.10

(c) Summer Wars Film Partners / AV Visionen


2003 startete ein Online-Portal in den Weiten des Internets, das die Kommunikation zwischen Menschen nicht weniger als revolutionieren wollte. Nutzer sollten hier die Möglichkeit haben, durch Avatare, selbst erstellte, virtuelle Ebenbilder ihrer Persönlichkeit, miteinander in Kontakt zu treten, eigenen Content zu schaffen, Handel zu treiben und sich so letztlich eine komplette zweite Existenz, ein zweites Leben aufzubauen. Natürlich ist die Rede von dem Onlinedienst Second Life, der wohl nach seinem Erscheinen in sämtlichen Medien auf seine Relevanz hin untersucht und von vielen Stellen extrem gehyped wurde. Letztlich blieb die Nutzerschaft der Webplattform verschwindend gering, aktuell beläuft sich die Zahl gleichzeitiger Nutzer laut offizieller Statistik der Homepage auf rund 100.000 täglich – verglichen mit den über 10 Millionen World of Warcraft-Abonnenten eine verschwindend geringe Zahl. Kaum verwunderlich, dass Unternehmen, die hier laut Medienberichten ursprünglich ein Geschäftspotenzial sahen, sich letztlich nicht wirklich in der Plattform engagierten.

Was hat dies nun mit dem neuen Film von Mamoru HOSODA zu tun, mag man sich fragen. Bereits nach wenigen Sekunden, liefert Summer Wars die Antwort: Denn hier präsentiert sich das Szenario, welches die Second Life-Macher sich wohl erträumt hatten. Die ganze Welt ist über das Online-Portal OZ, eine Art virtuelle Großstadt, miteinander vernetzt. Reguläre Internetuser können sich über Computer, Handy oder sonstige Zugangsgeräte einloggen, miteinander in Kontakt treten und Spaß haben, recherchieren, oder etwa einkaufen. Spieler finden Herausforderungen in allerlei Sonderbereichen, Firmen richten sich virtuelle Bereiche ein und nutzen das System zur einfachen Vernetzung ihrer Mitarbeiter, zur Adressierung ihrer Kunden, ja sogar zur Steuerung technischer Abläufe. OZ verbindet die Nutzer der ganzen Welt durch die permanente Übersetzung aller Kommunikationsprozesse in Echtzeit und schützt dabei persönliche Daten durch ein hochentwickeltes Sicherheitssystem. Der Wunsch nach einem allumfassenden Netzwerk ist in Summer Wars also Realität.

Wahre OZ-Exterten sind Mathe-Crack Kenji und sein bester Freund, die wie viele fortgeschrittene Nutzer als Systemtechniker Fehler in der Welt der unbegrenzten Möglichkeiten beheben. Nur Natsuki, der Schwarm der Schule, kann Kenji von seiner Arbeit abhalten. Sie bittet ihn, anlässlich einer großen Feier mit ihr zusammen in ihr Elternhaus zu fahren. Der unsichere Kenji willigt nervös und überfodert ein und wendet sich für ein spannendes Abenteuer mit seiner Traumfrau von der virtuellen Welt ab. Natsukis Familie nimmt ihn mit offenen Armen auf und lässt ihn eine Geborgenheit spüren, die er sonst nie erfahren durfte. Als jedoch ein unbekannter Hacker das System von OZ infiltirert und auf der ganzen Welt Chaos und Zerstörung verbreitet, muss Kenji zurück vor den Bildschirm und all seine Fähigkeiten nutzen, um eine globale Katastrophe mit realen Opfern zu verhindern.

(c) Summer Wars Film Partners / AV Visionen


Mamoru HOSODA, der mit seinem vorherigen Film Das Mädchen, das durch die Zeit sprang (2006) einen großen internationalen Erfolg feiern konnte, hat sich vier Jahre Zeit genommen, um ein neues Projekt zu realisieren. Mit dem gleichen Team schuf er nun Summer Wars, der sicherlich das Potenzial hat, an seinen ersten Erfolg anzuknüpfen. Sein Film stellt klassische, gezeichnete Bilder während regulärer Sequenzen den aufwändigen Computeranimationen der Online-Welt gegenüber und konfrontiert so gleichermaßen die Bilder einer traditionsorientierte Großfamilie mit der Bedrohung des globalisierten, modernen OZ-Systems. ‚Zufälligerweise‘ ist die Familie von Natsuki dabei auf enorm vielfältige Weise mit der weltweiten Katastrophe verbunden und besitzt auch noch die nötigen Fähigkeiten, um den Kampf gegen die bald sehr reale Bedrohung aufzunehmen. Nicht immer wirkt die Konstellation der einzelnen Familie gegen das weltumspannende Technikchaos in HOSODAS Film ganz plausibel und die Inszenierung der virtuellen Welt ist doch etwas sehr überbordend. Auch der Showdown des Films weis mit dem etwas gewöhnungsbedürftigen Auftritt von Natsuki nicht vollends zu überzeugen.

(c) Summer Wars Film Partners / AV Visionen


All das mag man angesichts der liebevoll präsentierten Figuren aber durchaus vernachlässigen. Vor allem abseits der Onlinethematik, die stellenweise - vielleicht bewusst - ein wenig wie ein etwas ungeschickt präsentierter Fremdköper anmutet, weiß Summer Wars mit viel menschlicher Wärme zu bewegen und zu überzeugen. Summer Wars erzählt eine sehr unkonventionelle und daher recht interessante Geschichte, die durch ihren Subtext auch ein erwachsenes Publikum überzeugen kann. Somit ist der Film zweifellos einen Blick wert, sowohl für junge, als auch für ältere Zuschauer. Noch ist der Film auf der Leinwand zu sehen, eine DVD-Auswertung ist bereits angekündigt.


Summer Wars
R: Mamoru HOSODA
S (OV): Ryunosuke Kamiki, Nanami Sakuraba, Mitsuki Tanimura, Sumiko Fuji
J 2009, 114 Min.
Copyright: Summer Wars Film Partners / AV Visionen
Kinostart: 26.08.2010

Empfehlungen für die Kinowoche (2. September)

von Sascha Eggers, am 2.9.10


Und auch diese Woche stellen wir Ihnen wieder die Neuheiten der Kinowoche vor.
Schreiben Sie uns Ihre eigene Meinung zu den Filmen auch gerne als Kommentar.


Highlights:
The Happiest Girl in the World von Radu Jude
Bitterernste Tragikomödie [siehe die Rezension von Ciprian David] 


Für Fans:
Avatar - Aufbruch nach Pandora (Special Edition) von James Cameron
Der erfolgreichste Film aller Zeiten kehrt, mit ein paar zusätzlichen Minuten an Spielzeit, in die Kinos zurück. Natürlich auch in 3D.
Daniel Schmid - Le chat qui pense von Pascal Hofmann und Benny Jaberg
Doku über den Schweizer Regisseur Daniel Schmid
Jane's Journey - Die Lebensreise der Jane Goodall von Lorenz Knauer
Dokumentation über die legendäre Tierforscherin Jane Goodall 

Lieber auf die DVD warten:
Männertrip von Nicholas Stoller
Komödie über einen exzentrischen Rockstar  
Zwischen uns das Paradies von Jasmila Zbanic
Bosnisches Drama [Ciprian David hat bereits eine Rezension verfasst] 

Nicht anschauen:
Duell der Magier von Jon Turteltaub
Fantasy-Blockbuster über einen jungen Zauberlehrling  
Verrückt nach Dir von Nanette Burstein
Liebeskomödie

FFF 2010 - Higanjima

von Dennis Vetter, am 2.9.10

Ärzte warnen: Blutarmut tut selten gut

 
Vampire scheinen seit Langem eine große Faszination auf Filmemacher auszuüben. Vermutlich liegt es an der großen Gestaltungsfreiheit, welche dieses Fabelwesen in sich birgt. Als rattenartigen Mörder, das Assoziationen an Seuchen und Krankheit hervorrief, sah man den Vampir bereits bei F.W. Murnaus Nosferatu, eine Symphonie des Grauens. Christopher Lee etablierte mit seinen zahlreichen Dracula-Verkörperungen wohl am prägnantesten das Gegenbild des souveränen Gentlemans, des Verführers. Auch als brutales, blutrünstiges Monster der Vampir auf, etwa in 30 Days of Night. Auch wenn derartige Darstellungen immer wieder vorkommen, schient in der jüngeren Kinovergangenheit mittlerweile das Image des faszinierenden, weil erotischen, elitären, überlegenen Killers (etwa in der Underworld-Reihe) zu dominieren, der durch die Ziellosigkeit seines ewigen Lebens immer wieder auch zur tragischen Figur wird, wie es in Interview mit einem Vampir oder Let the Right One In sehr prägnant inszeniert wurde. Zweifellos hat der Vampir von heute dabei auch als positive Figur seinen Weg in die Popkultur gefunden und gehört zum festen Wissensfundus des aktuellen Publikums. Die Twilight-Reihe oder Serien wie Buffy the Vampire Slayer und jüngst True Blood lassen hieran wohl keinen Zweifel.

Die koreanische Mangaverfilmung Higanjima bedient sich ebenfalls der Blutsauger, die im asiatischen Kontext ebensowenig wie im westlichen eine Seltenheit sind. Reihen wie beispielsweise Vampire Hunter D oder Hellsing zeigen, dass der Stoff vor allem in japanischen Mangas bzw Animes gerne intensiv und auch sehr erfolgreich bearbeitet wird. Kim Tae-gyoon, der Regisseur von Higanjima, hält sich an die ebenfalls japanische Mangavorlage und erzählt mit seinem Film die Geschichte um eine Gruppe von Jugendlichen um Akira, dessen Bruder auf der abgelegenen Insel Higanjima verschollen ist. Dies erfährt er von einer mysteriösen Frau, deren Absichten zunächst unklar sind. Sie überzeugt ihn, zusammen mit seinen Freunden zu der mysterösen Insel zu reisen, um Akiras Bruder zu finden. Als die Gruppe dort eintrifft, sehen sie sich mit einer Umgebung konfrontiert, die lebensfeindlicher kaum sein könnte: Die Insel wird ausschließlich von Vampiren bewohnt, alle Menschen scheinen vertrieben oder ausgerottet zu sein. Ein Kampf ums Überleben beginnt.

Zeitlos: Militärmütze


Das Setting lässt es schon erahnen: Higanjima ist ein temporeich erzählter Film voller Actionsequenzen, der ganz auf die klassische, aber auch etwas antiquierte Konfrontaion von Mensch und Vampir, von Gut und Böse aus ist. Bereits die ersten Begenungen mit den Untoten verlaufen hier allerdings ganz und gar nicht elegant. Vielmehr handelt es sich bei den Vampiren des Films um blutgierige Rowdies, die in Gruppen auftreten und ihre Beute ohne Respekt niedermachen. Auch sind sie keineswegs so anfällig, wie es in vielen Geschichten der Fall ist. Nicht nur wandeln sie bei Tageslicht umher, sondern sie sind auch ganz und gar nicht einfach zu bezwingen. Ein einfacher Stoß ins Herz ringt ihnen bloß ein angespanntes Grinsen ab. Das weiß auch die unbekannte Frau, die Akira vor einem ersten Vampirangriff durch Aufspießen des Angreifers auf einem Gabelstapler und anschließendem Zerschmettern seines Kopfes mit einem Vorschlaghammer rettet. 

Weiteres Anschauungsmaterial: Auf der Insel tritt immer wieder ein wahnsinniger Arzt auf, der einen besonders zähen Vampirkrieger mehrfach zusammenflickt und mit diversen Protesen wieder kampffähig macht. Ein Beispiel, das klar macht: Spektakel, Fantasy und Gewalt dominieren in Higanjima das Geschehen. Das kann natürlich durchaus sehr viel Spaß machen, noch dazu, wenn bösartige Inhalte hin und wieder mit einem Augenzwingern garniert werden. Leider fehlen letztendlich jedoch sowohl auffällige Splatterszenen, als auch schräge Momente, die das ganze Haudrauf etwas auflockern. Echte Freude kommt hier also durch fehlende Geschmacklosigkeit leider nie auf. Fatal ist, dass sich abseits des reinen Spatteraction-Potenzials keine Alternative eröffnet, die den Film wirklich interessant macht. Zu sehr versteift sich die Handlung darauf, eine möglichst gefühlstriefende Geschichte der beiden Brüder zu vermitteln und den Anführer des Vampirclans immer wieder aufs neue als so unendlich böse zu stilisieren, dass es ein wenig komisch wirkt.

Mit einer großen Portion Humor hätte diese Geschichte durchaus das Potenzial zu einem ansprechenden Popcorn-Streifen gehabt. Leider nimmt sich Higanjima aber bierernst und langweilt so über seine zweistündige Laufzeit hinweg schon sehr. Als einzige Unterhaltung bleibt dem Zuschauer das Lachen über den Film, statt mit ihm. Auch das kann Spaß machen, war aber wohl nicht die Idee seiner Macher. Schade.

Higanjima - Trailer
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Higanjima
R: Kim Tae-gyoon
D: Dai Watanabe, Asami Mizukawa, Hideo Ishiguro, Kôji Yamamoto, Miori Takimoto. Tomohisa Yuge
KOR/J 2009, 122 Min.
Copyright: Ascot Elite

Raritäten der Kinowoche vom 2. September bis 8. September

von Elisabeth Maurer, am 1.9.10

Copyright: Diane S. Murphy
CAPITOL Mainz

Grundeinkommen - Ein Film-Essay (Daniel Hänni, Enno Schmidt, 2008)
Di., 7.9. um 20 Uhr
„Ein Film über das Zukunftsthema, das jeden angeht: Eine neue Art von Einkommen, bedingunglos für alle. Das löst Emotionen aus und viele Fragen. Mehr Möglichkeiten zur eigenen Initiative? Oder der Untergang der Leistungsgesellschaft? Und wie soll es bezahlt werden? Der Film mischt Festgefahrenes auf, zeigt Überraschendes, lässt mit- und weiterdenken. Der Film folgt der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens, einer Idee, die neue Energien in alle gesellschaftlichen Bereiche bringt.”
Der Verein der Anthroposophischen Gesellschaft in Mainz veranstaltet diese Kinovorführung. Die Eintrittsgelder gehen komplett an den Verein, wodurch selbiger versucht, die Unkosten der Veranstaltung auszugleichen.
CALIGARI FILMBÜHNE Wiesbaden

Zur Einstimmung auf das Atlantis Natur- und Umweltfestival, das ab dem 24. September im Caligari veranstaltet wird:
Filmabend mit Mythos Wald Teil 1: Tierparadies und Schattenreich (Jan Haft, 2009) und Der Bauer, der das Gras wachsen hört (Bertram Verhaag, 2009)
Sa., 4.9. um 18 Uhr
Filmabend Mythos Wald Teil 1: Tierparadies und Schattenreich sowie Mythos Wald Teil 2: Der Kampf ums Licht (Jan Haft, 2009) und Der Bauer, der das Gras wachsen hört (Bertram Verhaag, 2009)
So., 5.9. um 20 Uhr

Zum 80. Geburtstag von Mario Adorf:
Nachts wenn der Teufel kam (Robert Siodmak, 1957)
Mo., 6.9. um 18 Uhr
Momo (Johannes Schaaf, 1985)
Di., 7.9. um 18 Uhr

Stummfilm mit Musik:
Der Schatz (Georg Wilhelm Pabst, 1922/23)
Di., 7.9. um 20 Uhr

MURNAU FILMTHEATER Wiesbaden

Brüche und Kontinuitäten:
Der verzauberte Tag (Peter Pewas, 1944)
Fr., 3.9. um 18 Uhr
Straßenbekanntschaft (Peter Pewas, 1948)
Fr., 3.9. um 20 Uhr
Seine Arbeit als Werbegrafiker brachte den 1904 in Berlin geborenen Peter Pewas mit dem Kino in Kontakt. 1932 begann er mit Dreharbeiten zu einem Dokumentarfilm über das Leben rund um den Alexanderplatz. 1934/35 wurde er von der Gestapo wegen Verdachts auf Hochverrat mehrfach kurzzeitig inhaftiert, das Filmmaterial beschlagnahmt. 1938 begann er ein Studium an der Filmakademie, deren Leiter Wolfgang Liebeneiner ihn als Regie-Assistenten einstellte. Pewas' erster Spielfilm Der verzauberte Tag wurde verboten, er selbst daraufhin zum Volkssturm eingezogen.
Menschen im Hotel:
Die Nacht in Venedig (Paul Verhoeven, 1941/42)
Mi., 8.9. um 15:30 Uhr

Zum 80. Geburtstag von Mario Adorf:
Das Totenschiff (Georg Tressler, 1959)
Mi., 8.9. um 20 Uhr

MAL SEH'N KINO Frankfurt

Villa Henriette (Peter Payer, 2004)
Fr., 3.9. um 15 Uhr
Sa., 4.9. und So., 5.9. um 16 Uhr
Die zwölfjährige Marie hat ein ganz besonderes Verhältnis zu dem Haus, in dem sie mit ihrer Großfamilie lebt. Es spricht mit ihr und zeigt menschliche Reaktionen. Als Maries Großmutter, eine passionierte Erfinderin, einem windigen Gauner auf den Leim geht und dadurch das Haus zu verlieren droht, setzt Marie gemeinsam mit ihren beiden Freunden Konrad und Stefan alle Hebel in Bewegung, um ihr Zuhause zu retten.

Gewinnspiel zum Kinostart von Black Death

von Ciprian David, am 1.9.10



Im Nebel seiner naturgemäßen Unwissenheit kann der Mensch den Tod nicht erfassen. Die eigentlich existenzbestimmende Furcht ist die vor dem Tod und eben vor dem was danach kommt oder eben nicht.

Eine Epidemie wie die Pest verstärkt diese Furcht zusätzlich. Einerseits rückt so der Tod noch näher in die Gemeinschaft, außerdem wird es auch unverständlicher, warum ein einer der Krankheit erliegt, ein anderer vielleicht verschont bleibt. Im Mittelalter als Zeitalter am Vorabend der Moderne ist das Referenzsystem, dem sich die Menschen bei Problemen zuwenden, eben keine empirische, logische Wissenschaft, sondern die Religion.




Gewinnt zwei Freikarten für Black Death!
Teilnahmeschluss ist der 15. September 2010.
Beantwortet einfach die folgende Frage:




Damit wir die Freikarten so früh wie möglich an den Gewinnern losschicken können, erfragen wir diesmal Eure Anschrift bereits bei der Teilnahme. Die Daten werden selbstverständlich vertraulich behandelt.

Mit der Teilnahme akzeptiert Ihr automatisch die hier einsehbaren Teilnahmebedingungen

FFF 2010: Black Death

von Elisabeth Maurer, am 1.9.10


Obschon der Trend der großen Kinoproduktionen immer noch in Richtung immer größerer Spektakel und unglaublicherer Effekte geht, kann gleichzeitig auch eine andere Bewegung erkannt werden. Besonders in der Darstellung vergangener Zeiten scheint vermehrt größerer Wert auf Authentizität gelegt zu werden, oftmals fehlen die romantische Verklärung und der nostalgische Blick auf die Vergangenheit völlig. Beispiele wären Ridley Scotts Robin Hood, der die Geschichte in viel rauhere und schmutzigere Bilder faßte als Kevin Reynolds zwei Jahrzehnte früher, und viel stärker als in Gladiator oder Königreich der Himmel die realistische Wirkung des Films betonte. Auch Michael Mann entschied sich für seine Darstellung von der Person John Dillingers in Public Enemies für eine durch ihre Handkamera und Videooptik fast dokumentarisch wirkende Ästhetik. Dazu entstehen in jüngerer Zeit in diesem Zusammenhang offenbar immer mehr historische Filme, die, auch im Zuge der Authentizität, sehr harte und brutale Geschichten erzählen und vor dem Zeigen von extremer Gewalt nicht zurückschrecken. Zu nennen seien Van Diemens Land und Valhalla Rising, die beide wie Black Death an der Grenze zum Horrorgenre stehen.

So geht es also in Black Death auch nicht um irgendwelche Ehrenkämpfe, Rittergeschichten, Kriege oder ähnliches, was allgemeinhin zuvorderst mit dem Mittelalter assoziiert wird. Thema ist der Tod und zwar in seiner ganzen Unverständlichkeit. Die ersten Aufnahmen sind statisch, zeigen Nebel, darin sind Bäume zu erahnen, vielleicht auch ein paar Felder, ein Fluß. Wenige Bilder später wackelt die Handkamera über Leichenhaufen, die am Straßenrand liegen. Die Unruhe der Kamera macht es unmöglich auf einer Person zu verharren, ein Gesicht zu fokussieren, die einzelnen Körper zu unterscheiden. Im Nebel seiner naturgemäßen Unwissenheit kann der Mensch den Tod nicht erfassen. Die eigentlich existenzbestimmende Furcht ist die vor dem Tod und eben vor dem was danach kommt, oder eben nicht.

Eine Epidemie wie die Pest verstärkt diese Furcht zusätzlich. Einerseits rückt so der Tod noch näher in die Gemeinschaft, außerdem wird es auch unverständlicher, warum ein einer der Krankheit erliegt, ein anderer vielleicht verschont bleibt. Im Mittelalter als Zeitalter am Vorabend der Moderne ist das Referenzsystem, dem sich die Menschen bei Problemen zuwenden, eben keine empirische, logische Wissenschaft, sondern die Religion. Als der einleitende Voice-over einsetzt, ist eine Ratte zu sehen. Die Stimme behauptet, sie hätten damals gewußt, woher die Pest kam. Jeder Zuschauer wird wissen, daß die mangelnden hygienischen Bedingungen hauptausschlaggebend für die Verbreitung der Seuche waren, die dann auch von Ratten und Ungeziefer übertragen wurde. Doch der Voice-over wird erklären, daß sie, im Gegensatz zu der Meinung, Gott schicke die Krankheit, vom Teufel stamme. Denn bei den zentralen Figuren handelt es sich um eine Gruppe englischer Soldaten, die vom Bischof beauftragt wurden, ein Dorf zu suchen, in dem Gerüchten zu folge noch niemand an der Pest gestorben sei, obschon die Hälfte der Bevölkerung Englands bereits der Pest erlegen ist. Unter den Dorfbewohnern vermuten die Soldaten Dämonen und Hexen, die bösen Zauber einsetzen um nicht krank zu werden. Im Angesicht des Schwarzen Todes versuchen die Menschen verzweifelt irgendeinen Halt und vielleicht sogar Rettung zu finden. Dies kann dazu führen, daß sie sich auch mit Magie beschäftigen. Die christliche Kirche muß also alles daran setzen, ihre Macht über die Menschen zu behalten. Dadurch unterdrückt sie gegebenenfalls auch Praktiken, die wirklich gegen die Pest helfen können, denn wie heute allgemeinhin bekannt ist, waren die Menschen, die als Hexen und Ketzer verbrannt wurden, oftmals einfach nur kundig im Umgang mit Heilkräutern. Dazu werden einzelne Menschen auch einfach als Sündenbock geopfert, damit die Bevölkerung ihre Wut und ihren Schmerz durch die Hinrichtung einer vermeintlichen Hexe etwas lindern kann. Die Kirche bekämpft also den Tod zunächst einfach einmal nur mit noch mehr Tod.



Als Führer der Gruppe stößt der junger Novize Osmund (Eddie Redmayne) hinzu, der sich eigentlich nur für diese Aufgabe anbietet, weil er sich in der Nähe des fraglichen Dorfes mit seiner heimlichen Geliebten Averill (Kimberley Nixon) treffen möchte. Der Weg der Gruppe ist die klassische Reise ins Herz der Finsternis. Anführer ist Ulric (Sean Bean), der, wenn er auch sehr abgehärtet auftritt, doch Mitgefühl zeigt. Allerdings ist er sehr gefestigt im Glauben an die Existenz der bösen Mächte, die sie angeblich in dem Dorf erwarten. Am Ziel ihrer Reise stoßen sie jedoch auf eine Idylle im Vergleich zu allem, was sie unterwegs erlebt und gesehen haben. Das kleine, an einem Fluß gelegene Dorf ist sauber, ebenso wie die Bewohner, die die Fremden freundlich und scheinbar ohne Argwohn aufnehmen. Schnell jedoch keimt der Verdacht in den Soldaten, daß Dorfvorsteherin Carice van Houten eine Hexe ist. Ob nun wirklich übernatürliche Kräfte am Werk sind und was von den Dorfbewohnern zu halten ist, bleibt lange unklar. So ist der Zuschauer hin- und hergerissen, wem nun das Vertrauen zu schenken ist. Ebenso ergeht es Osmund. Zusätzlich wird er immer mehr von seinen Schuldgefühlen beherrscht, seinen Zölibatsbruch betreffend. Die Suche nach einem Schuldigen für alles, was geschieht, für die Pest, das persönliche Leid, den Schmerz der Freunde, dies ist der Antrieb hinter dem Vorhaben der Soldaten, hinter Osmunds Zweifeln, hinter der Hexenverfolgung der Bevölkerung, hinter den heidnischen Ritualen der Dorfbewohner. Denn wenn es einen Schuldigen gibt, dann gibt es auch einen Sinn, dann läßt sich der Tod fassen.



Die durchaus drastische Brutalität des Gezeigten dient nicht einfach nur der Befriedigung des Wunsches der Zuschauer nach Exzessen und Gewalt, wie dies vielleicht eher in früheren Filmen von Regisseur Christopher Smith der Fall war. Vielmehr ist sie notwendig, um das Thema der Geschichte zu transportieren. Smith wählt sich eben auch diese Zeit der Menschheitsgeschichte aus, weil dort der Tod so allgegenwärtig war und wissenschaftliches Denken sowie Aufklärung nicht existierten. Diese Zeit setzt er dann auch mit einer akribischen Detailtreue in Szene, wie sie bisher selten auf der Kinoleinwand zu sehen war. Die nebeligen, entfärbten, übrigens in Deutschland entstandenen Aufnahmen sowie der häufige Einsatz der Handkamera unterstreichen diesen authentischen Eindruck und ermöglichen es dem Zuschauer, sich in das Denken und das Leben der Menschen sehr gut einzufühlen. Im Übrigen ist es natürlich so, daß das zentrale Thema universell ist. Auch mit wissenschaftlichem Fortschritt, bleibt der Tod ein Mysterium, dessen Unergründlichkeit uns auch heute in die tiefsten Gegenden unseres Selbst, in religiösen Fanatismus oder einfach nur in Verzweiflung führen kann.


Black Death
R: Christopher Smith
D: Sean Bean, Eddie Redmayne, Kimberly Nixon, Carice van Houten
Deutschland, Großbritannien, 2010, 102 min.
Copyright Wild Bunch / Central Film
Kinostart: 9.September 2010
FSK: 16.

Region: reel to real - filmischer Aufbruch in Lateinamerika am 5. September in Frankfurt

von Elisabeth Maurer, am 1.9.10


Am 5. September veranstaltet das Künsterlhaus Mousontrum in Frankfurt einen Filmabend unter dem Titel reel to real - filmischer Aufbruch in Lateinamerika mit dem Fokus auf Argentinien.
Die Veranstaltung beginnt um 21 Uhr.
In den 60er Jahren entstand auch in Lateinamerika ein engagiertes, politisches und innovatives Kino, das heute fast vergessen scheint. Nähern wir uns dieser Zeit noch mal an und nutzen die Gelegenheit, besonders das diesjährige Ehrengastland der Frankfurter Buchmesse bereits im Vorfeld filmisch kennenzulernen. Dieses reel to real-Programm mit zentralen Arbeiten aus dem filmischen Widerstand gegen Armut, Diktatur und US-Imperialismus legt seinen Schwerpunkt auf Argentinien, beinhaltet aber auch selten zu sehende Klassiker der kurzen Form aus Kuba, Kolumbien und Uruguay.
Folgende Kurzfilme aus dem Archiv der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen werden zu sehen sein:
Grupo Cine Liberacion: OLLAS POPULARES, Argentinien 1968, 16mm, s/w, spaOF, 5'
Die argentinische Provinz Tucuman ist ein typisches Beispiel für die kapitalistische Ausbeutung in Lateinamerika. In dieser Gegend ist ein "Volkskochtopf" für die gemeinsame Ernährung der Bewohner ein Beweis für die kritische Situation des Hungers und des Elends.

Carlos Alvarez: COLOMBIA 70, Kolumbien 1970, 16mm, s/w, ohne Text, 5'
Die Regierung macht Propaganda mit der fortschrittlichen baulichen Entwicklung einer Stadt wie Bogota. Unterdessen stirbt eine arme Frau aus Schwäche, während ein verschwenderisches und heuchlerisches Bürgertum gleichgültig bleibt.

Mario Handler: LIBRE ARCE, Uruguay 1969, DVD, s/w, spaOF mit deuUT, 10'
Liber Arce: Name eines ermordeten Studenten. Liberarse: sich befreien. Der Student Liber Arce wurde bei einer Demonstration von der Polizei getötet. Sein Begräbnis wird zu einer neuen Demonstration, zu einer der größten, die Montevideo je erlebt hat.

Cine de la Base Argentina: LAS A.A.A. SON LAS TRES ARMAS, Argentinien 1977, 16mm, s/w, deuFassung, 18'
Am 23.3.1977 wurde der bekannte argentinische Schriftsteller und Journalist Rodolfo Walsh von einem Rollkommando der argentinischen Streitkräfte verschleppt. Seither ist er verschollen. Er hatte wenige Tage zuvor einen offenen Brief an den Chef der Militärjunta gerichtet, in dem er eine Bilanz der einjährigen Terrorherrschaft zog. Der Film ist einer ersten Beiträge des argentinischen Kinos im Widerstand.

Grupo Los Vagos: LA ZONA INTERTIDAL, EL SALVADOR / Mexiko 1982, 16mm, Farbe, engOF mit spaUT, 15'
Ein experimenteller politischer Kurzspielfilm über die von der christdemokratischen Diktatur begangenen Morde an Lehrern in El Salvador, deren Zahl seit 1979 ständig zunahm. Die Lehrer sind aber nur einige der zahlreichen Toten, die täglich an die Küste angeschwemmt werden. Die Filmemacher haben die traditionelle Form des dokumentarischen Berichts zerstört und divergierende Elemente zu einer irritierenden Einheit montiert.

Santiago Alvarez: LBJ, Kuba 1968, DVD, s/w, Farbe, engOF mit spaUT, 18'
Die Initialien L.B.J. (Lyndon B. Johnson) entsprechen den Anfangsbuchstaben der einzelnen Kapitel des Films: L. steht für das Kapitel Luther, B. steht für das Kapitel Bob, J. steht für das Kapitel John oder Jack, drei Morde an nordamerikanischen Politikern, die die Welt bewegten. Eine historische, didaktische, poetische und satirische Synthese der Gewalttätigkeit in den USA von der Zeit des Wilden Westens mit seinen Indianern bis heute.

Claudia Aravena: 11 DE SEPTIEMBRE, Chile 2002, DVD, Farbe, spaOF engUT, 5'
Seite an Seite: der 11. September 1973 in Chile und 2001 in New York.

Andres Denegri: UYUNI, Argentinien 2005, DVD, Farbe, spaOF engUT, 8'
Sie möchte gehen. Er fühlt sich hier sicher. Die Spannungen in Lateinamerika werden in dem starken Wind widergespiegelt.
Derzeit tourt auch ein Wanderkino mit argentinischen Filmen durch Deutschland, hier mehr zu den Cine Móviles, die über 30 Vorstellungen in allen Bundesländern vom 28.8. bis 10.10. organisieren.