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DVD: Ein Engel im Winter (2008)

von Christian Alt, am 17.2.10






Memento Mori (lat. Gedenke der Sterblichkeit), eines der Hauptmotive des Barock, hat bis in die heutige Zeit seine Gültigkeit bewahrt. So ist es auch das Hauptthema von Gilles Bourdos' Film "Ein Engel im Winter".


Eines Tages tritt in das Leben des erfolgreichen New Yorker Anwalts Nathan (Romain Duris) Dr. Kay (John Malkovich), der Nathan offenbart, dass er bald sterben wird. Dr. Kay ist ein Bote des Todes, dessen Aufgabe es ist, Menschen auf ihren nahenden Tod vorzubereiten. Nathan, der dem mysteriösen Fremden keinen Glauben schenkt und nach Antworten sucht, kommt nach und nach dem wirklichen Grund für Kays Besuch auf die Spur.

Eben diese Suche ist es, der der Film in der ersten Hälfte seine Kraft verdankt. Denn Kay kann zwar sagen, dass jemand sterben wird, aber er kann den genauen Zeitpunkt des Todes nicht bestimmen. So entwickelt selbst der Zuschauer im Laufe des Films paranoide Züge und vermutet hinter jedem herannahenden Auto den plötzlichen und unerwarteten Tod des Protagonisten. Dieser versucht nicht nur hinter Kays Geheimnis zu kommen, sondern auch sein Leben so weit in Ordnung zu bringen, dass er in Ruhe sterben kann.

Leider schöpft der Film sein Potential nicht aus. Nach etwas mehr als einer halben Stunde ist die Luft raus und der Film dümpelt vor sich hin. Die Suche nach dem wahren Grund von Dr. Kays Besuch verliert sich in immer mehr Nebenhandlungen mitsamt hölzernen Dialogen. Auch scheinen manche Stellen des Skripts nicht wirklich durchdacht, so fragt Nathan völlig zu Recht, warum Dr. Kay einen Selbstmord nicht verhindert hat, obwohl er davon wusste. Das kann auch das mehr oder weniger überraschende Ende nicht wirklich wett machen. Ebenso wie mancher Dialog wirkt auch Duris‘ Spiel oft hölzern und ungelenk. Er bleibt neben dem großartigen John Malkovich und Evangeline Lilly äußerst blass.

Was den Film aber dennoch sehenswert macht, ist das, was über das Drehbuch hinausgeht. Der Memento Mori-Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch den Film und wird von Regisseur Gilles Bourdos opulent in Szene gesetzt. So ist in der ersten Einstellung bereits ein Schwan zu sehen, dessen Federn in einer späteren Szene durch die Luft schweben, als Zeichen des nahenden Todes. Doch verkehrt Bourdos den Memento Mori-Gedanken äußerst geschickt: Gedenke deiner Sterblichkeit – also koste dein Leben in vollen Zügen aus. Auch wenn diese Botschaft hauptsächlich durch die Bildsprache portiert wird, eingeprägt hat sie sich schon.






Ein Engel im Winter / Afterwards
R: Gilles Bourdos
D: Romain Duris, John Malkovich, Evangeline Lilly
Kanada, 2008, 107 Min.
Fidélité Films





 

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