Ein Film über Musik ist meistens eine komische Mischung zwischen der Musik, von der er handelt, natürlich, den Macher(n) dieser Musik und der Geschichte der Macher oder dieser Musik.
Berlin Calling besitzt alle diese Attribute, als Film über Musik funktioniert er jedoch nicht richtig. Sein Inhalt lässt ihn leider auf der Ebene eines Videoclips schweben, getragen von den „eins eins eins – und eins eins eins – und geil geil geil geil geil“ der elektronischen Musik, eine Aussage, der acht Jahren nach der Erscheinung von
Rainald Götzs
Rave nichts hinzuzufügen ist.
Inhaltlich erzählt der Film die Geschichte der Entstehung des gleichnamigen Musikalbums und die der Drogentherapie des Machers, DJ Ickarus (gespielt von Paul Kalkbrenner), die gleichzeitig seine Befreiung vom Rausch der Musik oder wie Götz damals sagte, vom Rave ist. Vollgepumpt mit Medikamenten, seinen Höhen und Tiefen beraubt, gelingt es dem Hauptcharakter seine Drogensucht und sein Ego zu überwinden und gleichzeitig einen international zum Hit werdendes Album (welches deswegen nicht „Techno, Titten und Trompeten“ heißen darf) zu produzieren.
Optisch erzählt der Film eine im deutschen Kino der letzten Jahre oft wiederkehrende Geschichte: die des inhaltslosen Stils, der Entfernung von der Realität zugunsten des Looks. Ein vielleicht perfider Trick, denn Glamour und Style sind der Musikindustrie eigen. Aber davon wird man schnell müde, denn die einzige Szene, die realitätsnaher wirkt, zeigt den Eingang einer Diskothek. Leider verweilt man dort, wie üblich, nicht lange.
Es gibt in Berlin Calling viele Versuche, Ideen zu materialisieren, sie bleiben aber nur Ansätze. Wie etwa das Bild des Künstlers als eine Kreativitätsinsel, als Einzelgänger, wie die Unmöglichkeit, dem Rausch des Nachtlebens zu entgehen, oder wie eine Anstalt die ruckartig zum Zuhause wird, nachdem man die Beziehungen draußen vernichtet hat. Diese Ansätze werden aber im Sog der Handlung weggetilgt, der politischen Korrektheit oder den Fluss der „schönen“ Bilder folgend.
So bleibt Berlin Calling ein gut gemachter Clip, den man mit oder ohne Bild genießen kann, wann immer es einem „urban“ im Herzen ist. Und doch darum geht es immer, um das Gefühl, dass man hat wenn man dabei ist, um das Inhaltlose das die Menschen in seinem Bann hält, um das Verschwinden von Zeit im Puls der Großstadt.
Berlin Calling
R: Hannes Stöhr
D: Paul Kalkbrenner, Rita Lengyel, Corinna Harfouch
Deutschland, 2008, 100 Min.
Sabotage Films / Movienet
Ein Film über Musik ist meistens eine komische Mischung zwischen der Musik, von der er handelt, natürlich, den Macher(n) dieser Musik und der Geschichte der Macher oder dieser Musik.
Berlin Calling besitzt alle diese Attribute, als Film über Musik funktioniert er jedoch nicht richtig. Sein Inhalt lässt ihn leider auf der Ebene eines Videoclips schweben, getragen von den „eins eins eins – und eins eins eins – und geil geil geil geil geil“ der elektronischen Musik, eine Aussage, der acht Jahren nach der Erscheinung von
Rainald Götzs
Rave nichts hinzuzufügen ist.
Inhaltlich erzählt der Film die Geschichte der Entstehung des gleichnamigen Musikalbums und die der Drogentherapie des Machers, DJ Ickarus (gespielt von Paul Kalkbrenner), die gleichzeitig seine Befreiung vom Rausch der Musik oder wie Götz damals sagte, vom Rave ist. Vollgepumpt mit Medikamenten, seinen Höhen und Tiefen beraubt, gelingt es dem Hauptcharakter seine Drogensucht und sein Ego zu überwinden und gleichzeitig einen international zum Hit werdendes Album (welches deswegen nicht „Techno, Titten und Trompeten“ heißen darf) zu produzieren.
Optisch erzählt der Film eine im deutschen Kino der letzten Jahre oft wiederkehrende Geschichte: die des inhaltslosen Stils, der Entfernung von der Realität zugunsten des Looks. Ein vielleicht perfider Trick, denn Glamour und Style sind der Musikindustrie eigen. Aber davon wird man schnell müde, denn die einzige Szene, die realitätsnaher wirkt, zeigt den Eingang einer Diskothek. Leider verweilt man dort, wie üblich, nicht lange.
Es gibt in Berlin Calling viele Versuche, Ideen zu materialisieren, sie bleiben aber nur Ansätze. Wie etwa das Bild des Künstlers als eine Kreativitätsinsel, als Einzelgänger, wie die Unmöglichkeit, dem Rausch des Nachtlebens zu entgehen, oder wie eine Anstalt die ruckartig zum Zuhause wird, nachdem man die Beziehungen draußen vernichtet hat. Diese Ansätze werden aber im Sog der Handlung weggetilgt, der politischen Korrektheit oder den Fluss der „schönen“ Bilder folgend.
So bleibt Berlin Calling ein gut gemachter Clip, den man mit oder ohne Bild genießen kann, wann immer es einem „urban“ im Herzen ist. Und doch darum geht es immer, um das Gefühl, dass man hat wenn man dabei ist, um das Inhaltlose das die Menschen in seinem Bann hält, um das Verschwinden von Zeit im Puls der Großstadt.
Berlin Calling
R: Hannes Stöhr
D: Paul Kalkbrenner, Rita Lengyel, Corinna Harfouch
Deutschland, 2008, 100 Min.
Sabotage Films / Movienet
Hannes Stöhr - Berlin Calling