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Eine pervertierte Screwballkomödie - Femina Ridens (1969)

von Sven Safarow, am 14.2.10



Der wohlhabende Arzt und Philanthrop Dr. Sayer (Philippe Leroy) gerät mit der strebsamen Journalistin Maria (Dagmar Lassander) in ein Streitgespräch. Sie arbeitet an einem Artikel über die Sterilisierung in Indien, die sie befürwortet. Warum sollten sich nur Frauen um Vorsichtsmaßnahmen (wie die Pille) kümmern, fragt sie. Er hingegen hält dies für untragbar: „The pill has no lasting effect while a sterilisation means permanent incapacity. It’s barbarous, monstrous!“
Doch es bleibt nicht beim bloßen Gedankenaustausch. Sayer entführt Maria und bringt sie in sein Herrenhaus, das schon viele Frauen betreten, aber nie wieder verlassen haben. Maria, gegen ihren Willen festgehalten, wird mit der Philosophie dieses Mannes konfrontiert, und einer psychischen wie physischen Folter ausgesetzt.

Regisseur Piero Schivazappa war hauptsächlich fürs italienische Fernsehen tätig. Über seine wenigen Kinoarbeiten ist so gut wie nichts bekannt. Nur Femina Ridens aka The Frightened Woman genießt bescheidene Berühmtheit in Kennerkreisen, ein Film, der ein weitaus größeres Publikum verdient hätte.
Was Schivazappa hier präsentiert, kann man durchaus als pervertierte Screwballkomödie bezeichnen, denn so einen Geschlechterkampf hat man nur selten gesehen.

Auf der einen Seite haben wir die junge, selbstbewusste, arbeitstätige Frau, auf der anderen Seite den Mann, der seine soziale Stellung gefährdet sieht. Sayer ist äußerst besorgt um die männliche Potenz und Fruchtbarkeit. Den Frauen wirft er vor: „You’ve been planning to make yourself self-sufficient. Socially and sexually self-sufficient.“
Eine Schreckensvision für einen Mann, an dem die sexuelle Revolution wie ein Schnellzug vorübergerast ist. Sayer hat nicht nur Angst vor der Emanzipation, es geht ihm vor allem um die Rolle des Mannes: „They already set to collect sperm from the healthiest and more intelligent men and deep-freeze it.“


Die neue, moderne Frau ist der Vorbote für eine „herrenlose“ Zukunft. Die künstliche Befruchtung würde der Frau erlauben, ihr Kind nach eigenen Kriterien „auszuwählen“, der Vater würde nicht mehr gebraucht, seine Funktion reduziert auf ein „test tube of sperm“.
In seiner Paranoia sieht Sayer eine Welt, die von Frauen allein bevölkert wird. So sind all seine Taten, mögen sie so sehr Stärke und Macht demonstrieren, von existentieller Angst dominiert. Der Bedeutungsverlust des Mannes, den Sayer fürchtet, lässt sich mit seinem Narzissmus und Selbstverständnis nicht vereinbaren.
So versucht er ständig, Maria klein zu halten, sie auf ihre Körperlichkeit zurückzuwerfen, kurz: sie zum Objekt zu reduzieren.

Leicht hätte aus dem Film ein düsteres, dialoglastiges Kammerspiel werden können (was natürlich seinen Reiz hätte), aber Schivazappa lässt lieber Bilder sprechen, Bilder, die so abwechslungsreich wie symbolhaft sind, und den Film (parallel zu dem starken Soundtrack) antreiben.

Schivazappa präsentiert Sayers Anwesen als futuristisch anmutende Playboyvilla, durchzogen von Pop-Art-Motiven und einer Architektur, die sich besonders durch kalte Symmetrie und Symbolik auszeichnet.
Auch Sayer selbst scheint perfekt in das ästhetische Anwesen verwoben: er ist aalglatt, kühl, darauf bedacht (körperliche) Perfektion auszustrahlen. So wirkt er in seiner Geschlossenheit, seiner eigenen Symmetrie, als käme auch er direkt aus dem Reagenzglas.


Doch all das kann seine geistige Instabilität nicht kaschieren. So wendet sich das Blatt, und Maria gewinnt in diesem Duell mehr und mehr die Oberhand. Ein Geschlechterkrieg par excellence, der auch von der phantastischen Musik von Stelvio Cipriani unterstützt wird.

Cipriani zieht hier jegliche Register seines Könnens, und offeriert Stücke verschiedenster Genres. So erklingen barocke Melodien, romantische Walzer, unterkühlter Jazz, und eingängiger Pop. Die Musik überzeugt auch durch parodistische Züge: so wird eine Szene, in der Sayer und Maria kurz vor dem Geschlechtsakt stehen, mit einem Western-Soundtrack à la Morricone untermalt.

Philippe Leroy, der Macho des französischen und italienischen Kinos (Das wilde Auge, Milano Kaliber 9), ist die Idealbesetzung des arroganten Frauenfeinds, sein konzentriertes Spiel verleiht Sayer eine gewisse Unberechenbarkeit, die überrascht und fesselt.
Dagmar Lassander, die in ihrer Karriere schon mit Mario Bava, Lucio Fulci und Riccardo Freda gearbeitet hatte, ist der perfekte Gegenpart. In der ersten Hälfte des Films wirkt sie zugeknöpft und verklemmt, die zweite Hälfte dominiert sie mit ihrer Freizügigkeit und Natürlichkeit.

Femina Ridens ist eine echte Entdeckung. Er ist zweifellos ein Kind seiner Zeit, das ausgesprochen gut gealtert ist, was vor allem daran liegt, dass sich der Film nicht zu ernst nimmt: oft werden Situationen ironisch durchbrochen (ob durch Musik oder Bilder), was dem Ganzen eine besondere Leichtigkeit verleiht, ohne jedoch trivial zu werden. Pop-Art im besten Sinne.

Femina ridens
R: Piero Schivazappa
D: Philippe Leroy, Dagmar Lassander, Lorenza Guerrieri
Italien, 1969, 108 Min.
Cemo Film

















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