
Jane (
Meryl Streep) ist seit zehn Jahren von Ehemann Jake (
Alec Baldwin) geschieden, nachdem dieser eine Affäre mit einer wesentlich jüngere Frau hatte. Er hat diese geheiratet und zieht den fünfjährigen Sohn, der aus einem Seitensprung seiner neuen Frau stammt, mit groß. Die drei Kinder, die Jake mit Jane hat, starten alle gerade in ein eigenes Leben, die älteste Tochter ist verlobt, der Sohn beendet gerade die Uni. Zu diesem Anlaß verbringt das Ex-Ehepaar eine Nacht in demselben New Yorker Hotel und unter Alkoholeinfluß dann sogar in demselben Zimmer, heißt im gleichen Bett. Da er unzufrieden in seiner Ehe ist und sich von seiner jungen Frau durch ihren Kinderwunsch unter Druck gesetzt fühlt, ist Jake sofort begeistert von der Affäre mit Jane und will sie auch fortsetzen, als sie wieder zurück an der Westküste sind. Jane zögert zunächst, doch ist sie einsam und blüht durch Jakes Umwerben auf. Allerdings tritt zur selben Zeit der Architekt Adam (
Steve Martin) in ihr Leben. So stürzt sich Jane in ein Gefühlschaos mit allerlei Hin und Her und Verwechslungen, bis am Ende entschieden werden muß, was für alle Beteiligten die beste Lösung ist und vor allem, wie Jane sich ihr weiteres Leben vorstellt.
Nun heißt die Regisseurin und Drehbuchautorin des Films Nancy Meyers (Was das Herz begehrt, Liebe braucht keine Ferien) und die Zielgruppe ist auch klar. Nämlich genau diese Art gut etablierter, eleganter, gebildeter Frauen ab Mitte Vierzig, wie sie Jane und vor allem ihre drei Freundinnen in perfektester Weise darstellen, die Darstellerinnen und Dialoge in diesen Freundinnengesprächen so stereotypisch, daß es kaum zu fassen ist. Aber gut, so etwas ist zu erwarten bei diesem Film.
Allerdings ist die Hauptdarstellerin bekanntermaßen eine der besten und respektiertesten Schauspielerinnen der Welt, gerade erhielt sie ihre 14. Oscarnomminierung für Julie & Julia, zweimal wurde ihr die Trophäe schon verliehen. Das schürt Hoffnungen, daß der Film vielleicht doch irgendwie besonderer ist wie die üblichen sogenannten Romantic Comedies über Liebespaare in den mittleren Jahren à la Von Frau zu Frau (obschon dort mit Diane Keaton auch eine hervorragende Schauspielerin in einer belanglosen Geschichte besetzt ist). Es gibt natürlich amüsante Momente im Film, wenn zum Beispiel Jane, Jake und Adam allesamt bekifft auf einer Party für den Sohn auftauchen. Und selbstverständlich ist Meryl Streep wie immer sympathisch. Doch im Lauf des Films kommt es sogar dazu, daß sie einem auf die Nerven geht. Immer dieses hysterische Armfuchteln, die verdrehten Augen, dazu die immergleichen Seufzer. Streep wirkt leider zunehmend, wie wenn sie sich selbst parodieren würde.
Schlimmer noch ist die Rolle von Jane. Zwar wird versucht, sie als durchweg sympathische, gar nicht altmodische und selbständige Frau darzustellen, ist sie in Wahrheit das Klischee einer Frau in den sogenannten „mittleren Jahren“, vielleicht sogar einer Frau überhaupt. Sie lebt gern im Grünen, bestellt ihren eigenen blühenden Garten, wünscht sich nichts sehnlicher als eine große Küche (nicht das ihre jetzige irgendwie klein oder schlecht ausgestattet wäre), denn ihr größtes (da auch einziges) Hobby ist Kochen. Natürlich verbrachte sie einige Zeit in Paris, wo sie eine Konditorausbildung machte. Und bei Problemen rennt sie zu ihrem langjährigen Psychiater und tratscht mit ihren Freundinnen bei einem Glas Wein.
Dagegen ist ja nichts einzuwenden, aber muß eine Figur wirklich vollständig aus den bekanntesten Stereotypen aufgebaut sein, ohne irgendeinen Funken von Ungewöhnlichkeit und Eigenartigkeit? Das Prinzip breitet sich auf den gesamten Film aus. Die drei Kinder sind Vorzeigekinder, gutaussehend, erfolgreich und leider sehr gehaltlose Figuren. Nur der angehende Schwiegersohn wurde mit so etwas wie einem eigenen Charakter ausgestattet. Auch das ganze Dekor des Films, speziell die Einrichtung und Gestaltung von Janes Haus, ist nur durchgestylt und unpersönlich. Es ist bemerkenswert und auffällig, daß in mehreren Filmen der jüngsten Zeit, als Beispiele seien (500) Days of Summer und Adam angeführt, eine tiefe Abneigung gegen Farben dokumentiert wird. Alles ist beige, taubenblau, dunkelbraun. Ist das Zeitgeist? Und wenn ja, was sagt es über die Gegenwart und die Menschen aus? Vielleicht gibt es auch in dem Leben der Figuren nichts wirklich Buntes, aus dem Rahmen Fallendes, in irgendeiner Art Auffälliges.
Der Film beginnt mit statischen Aufnahmen der gehobenen Wohnsiedlung an der Küste, mit den Palmen und den fast gleichen, aneinandergereihten Villen, dann ist eine Party zu sehen, wo sich die Leute oberflächlich und aufgesetzt unterhalten. Da rechnet der Zuschauer vielleicht mit einer Art Demontage dieser Gesellschaftsschicht, ein Offenlegen und eine Abkehr von ihrer Belanglosigkeit und Falschheit. Doch im Verlauf des Films wird klar, daß er genau in dieser Umgebung zu Hause ist, sich wohlfühlt und auch vom Publikum dasselbe erwartet.
Zu erwähnen bleibt noch, daß neben den wenigen wirklich lustigen Einfällen einige Stellen, in denen es um Jake geht, aus den ganzen Klischees und Nichtigkeiten herausstechen. Bezeichnenderweise sind dies auch die ergreifendsten und unkomischsten Szenen, wenn nämlich der Vater vielleicht erst nach zehn Jahren endgültig begreift, was er damals zerstörte. Seine Kinder und seine Frau erholen sich von der Trennung, doch ihm selbst hat er für immer einen Zugang zu seiner Familie unmöglich gemacht, muß sie als Außenstehender betrachten und bleibt selbst trotz junger Frau einsam. So ist es also Alec Baldwin, der dem Film ein wenig Charakter verleiht, ansonsten kann nur auf den nächsten Film mit Meryl Streep gehofft werden.
Wenn Liebe So einfach wäre / It's Complicated
R: Nancy Meyers
D: Meryl Streep, Steve Martin, Alec Baldwin
USA, 2009, 120 Min.
Universal

Jane (
Meryl Streep) ist seit zehn Jahren von Ehemann Jake (
Alec Baldwin) geschieden, nachdem dieser eine Affäre mit einer wesentlich jüngere Frau hatte. Er hat diese geheiratet und zieht den fünfjährigen Sohn, der aus einem Seitensprung seiner neuen Frau stammt, mit groß. Die drei Kinder, die Jake mit Jane hat, starten alle gerade in ein eigenes Leben, die älteste Tochter ist verlobt, der Sohn beendet gerade die Uni. Zu diesem Anlaß verbringt das Ex-Ehepaar eine Nacht in demselben New Yorker Hotel und unter Alkoholeinfluß dann sogar in demselben Zimmer, heißt im gleichen Bett. Da er unzufrieden in seiner Ehe ist und sich von seiner jungen Frau durch ihren Kinderwunsch unter Druck gesetzt fühlt, ist Jake sofort begeistert von der Affäre mit Jane und will sie auch fortsetzen, als sie wieder zurück an der Westküste sind. Jane zögert zunächst, doch ist sie einsam und blüht durch Jakes Umwerben auf. Allerdings tritt zur selben Zeit der Architekt Adam (
Steve Martin) in ihr Leben. So stürzt sich Jane in ein Gefühlschaos mit allerlei Hin und Her und Verwechslungen, bis am Ende entschieden werden muß, was für alle Beteiligten die beste Lösung ist und vor allem, wie Jane sich ihr weiteres Leben vorstellt.
Nun heißt die Regisseurin und Drehbuchautorin des Films Nancy Meyers (Was das Herz begehrt, Liebe braucht keine Ferien) und die Zielgruppe ist auch klar. Nämlich genau diese Art gut etablierter, eleganter, gebildeter Frauen ab Mitte Vierzig, wie sie Jane und vor allem ihre drei Freundinnen in perfektester Weise darstellen, die Darstellerinnen und Dialoge in diesen Freundinnengesprächen so stereotypisch, daß es kaum zu fassen ist. Aber gut, so etwas ist zu erwarten bei diesem Film.
Allerdings ist die Hauptdarstellerin bekanntermaßen eine der besten und respektiertesten Schauspielerinnen der Welt, gerade erhielt sie ihre 14. Oscarnomminierung für Julie & Julia, zweimal wurde ihr die Trophäe schon verliehen. Das schürt Hoffnungen, daß der Film vielleicht doch irgendwie besonderer ist wie die üblichen sogenannten Romantic Comedies über Liebespaare in den mittleren Jahren à la Von Frau zu Frau (obschon dort mit Diane Keaton auch eine hervorragende Schauspielerin in einer belanglosen Geschichte besetzt ist). Es gibt natürlich amüsante Momente im Film, wenn zum Beispiel Jane, Jake und Adam allesamt bekifft auf einer Party für den Sohn auftauchen. Und selbstverständlich ist Meryl Streep wie immer sympathisch. Doch im Lauf des Films kommt es sogar dazu, daß sie einem auf die Nerven geht. Immer dieses hysterische Armfuchteln, die verdrehten Augen, dazu die immergleichen Seufzer. Streep wirkt leider zunehmend, wie wenn sie sich selbst parodieren würde.
Schlimmer noch ist die Rolle von Jane. Zwar wird versucht, sie als durchweg sympathische, gar nicht altmodische und selbständige Frau darzustellen, ist sie in Wahrheit das Klischee einer Frau in den sogenannten „mittleren Jahren“, vielleicht sogar einer Frau überhaupt. Sie lebt gern im Grünen, bestellt ihren eigenen blühenden Garten, wünscht sich nichts sehnlicher als eine große Küche (nicht das ihre jetzige irgendwie klein oder schlecht ausgestattet wäre), denn ihr größtes (da auch einziges) Hobby ist Kochen. Natürlich verbrachte sie einige Zeit in Paris, wo sie eine Konditorausbildung machte. Und bei Problemen rennt sie zu ihrem langjährigen Psychiater und tratscht mit ihren Freundinnen bei einem Glas Wein.
Dagegen ist ja nichts einzuwenden, aber muß eine Figur wirklich vollständig aus den bekanntesten Stereotypen aufgebaut sein, ohne irgendeinen Funken von Ungewöhnlichkeit und Eigenartigkeit? Das Prinzip breitet sich auf den gesamten Film aus. Die drei Kinder sind Vorzeigekinder, gutaussehend, erfolgreich und leider sehr gehaltlose Figuren. Nur der angehende Schwiegersohn wurde mit so etwas wie einem eigenen Charakter ausgestattet. Auch das ganze Dekor des Films, speziell die Einrichtung und Gestaltung von Janes Haus, ist nur durchgestylt und unpersönlich. Es ist bemerkenswert und auffällig, daß in mehreren Filmen der jüngsten Zeit, als Beispiele seien (500) Days of Summer und Adam angeführt, eine tiefe Abneigung gegen Farben dokumentiert wird. Alles ist beige, taubenblau, dunkelbraun. Ist das Zeitgeist? Und wenn ja, was sagt es über die Gegenwart und die Menschen aus? Vielleicht gibt es auch in dem Leben der Figuren nichts wirklich Buntes, aus dem Rahmen Fallendes, in irgendeiner Art Auffälliges.
Der Film beginnt mit statischen Aufnahmen der gehobenen Wohnsiedlung an der Küste, mit den Palmen und den fast gleichen, aneinandergereihten Villen, dann ist eine Party zu sehen, wo sich die Leute oberflächlich und aufgesetzt unterhalten. Da rechnet der Zuschauer vielleicht mit einer Art Demontage dieser Gesellschaftsschicht, ein Offenlegen und eine Abkehr von ihrer Belanglosigkeit und Falschheit. Doch im Verlauf des Films wird klar, daß er genau in dieser Umgebung zu Hause ist, sich wohlfühlt und auch vom Publikum dasselbe erwartet.
Zu erwähnen bleibt noch, daß neben den wenigen wirklich lustigen Einfällen einige Stellen, in denen es um Jake geht, aus den ganzen Klischees und Nichtigkeiten herausstechen. Bezeichnenderweise sind dies auch die ergreifendsten und unkomischsten Szenen, wenn nämlich der Vater vielleicht erst nach zehn Jahren endgültig begreift, was er damals zerstörte. Seine Kinder und seine Frau erholen sich von der Trennung, doch ihm selbst hat er für immer einen Zugang zu seiner Familie unmöglich gemacht, muß sie als Außenstehender betrachten und bleibt selbst trotz junger Frau einsam. So ist es also Alec Baldwin, der dem Film ein wenig Charakter verleiht, ansonsten kann nur auf den nächsten Film mit Meryl Streep gehofft werden.
Wenn Liebe So einfach wäre / It's Complicated
R: Nancy Meyers
D: Meryl Streep, Steve Martin, Alec Baldwin
USA, 2009, 120 Min.
Universal
So einfach kann es nicht sein - Wenn Liebe so einfach wäre mit Meryl Streep