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Alice im Wunderland, 3D - ein Lamento

von Ciprian David, am 17.3.10




Der wichtigste 3D Film dieses Frühjahrs erweist sich als Enttäuschung für den Kinogänger. Nichts sticht wie erwartet aus dem Strom der Fantasy-Produktionen der letzten Zeit heraus um den Zuschauer, und, vor allem, dem Burton-Fan Trost zu spenden. Verloren in Konventionen und geradlinig, fern von irgendwelchen angenehmen Überraschungen verläuft das Geschehen in Alice im Wunderland bis hin zum bitteren, absehbaren Ende.

Doch was bleibt aus diesem Film? Bei der Natur des Mediums anfangend, die unüberschaubaren, zwei kleine und doch so große Zeichen in ihrer potenziellen Bedeutung hinsichtlich einer Renaissance des Kinos, ja, das 3D als Startpunkt nehmend, könnte man sagen, Alice im Wunderland ist ein Film über den Blick, über das Sehen. Eine Idee, die sich schon in den Entstehungsbedingungen dieses Werks spiegelt, als Zusammenarbeit von Tim Burton und den Disney Studios.

Und dabei bleibt es nicht. Alice erzählt die Geschichte eines Mädchens, das unwirkliche Dinge sieht, das mit der Unschuld des Kindes an diese Dinge glaubt und sie nicht infrage stellt, viel lieber bereit ist, anzunehmen, dass es verrückt ist, als dass diese Phantasien Einbildung sind.
Das Mädchen wächst auf und soll heiraten, soll in den Ernst des Lebens einsteigen, Verpflichtungen übernehmen, doch die phantastischen Erscheinungen ihrer Kindheit lassen sie nicht los, dringen in ihre Realität ein und verwirren sie. So entscheidet sie sich, ihnen nachzugehen und landet im Wunderland.
Ein Traum soll dieses Wunderland sein, sagt sich Alice ständig, ihr Traum. Darum soll es darin so vorgehen, wie sie es will, wann sie es will. Doch diese phantastische Welt hat ihren eigenen Willen, für Alice nur als nicht beeinflussbares Gesehenes bleibend. Denn um daran Teil zu nehmen, muss man an die Wirklichkeit dieses Wunderlandes glauben, so wie wir als Zuschauer an die Realität einer 3D-Vorstellung, verglichen mit dem konventionellen Kino, glauben sollen.

Dieser Zwang, an das Gesehene zu glauben, wird auf der Handlungsebene gespiegelt: Die Geschichte ist schon vorgeschrieben, man kann nur Teil davon werden, ohne sie aber zu ändern, ebenso wie der Zuschauer Teil der in ihren Teilen durch den Kinosaal schwebenden Welt wird, ohne sie zu beeinflussen. Und genauso wie sich der Zuschauer mit Filmprotagonisten identifiziert und wie Tim Burton als Filmschaffender eine Kollaboration mit einem großen Studio eingeht, muss Alice ihre Rolle als Heldin des Wunderlands annehmen. Sie führt den Fluss der Geschichte fort, als interaktiver Zuschauer, wie in einem linearen Rollenspiel, ohne Möglichkeit auf dieses zu wirken.

Zurück zur Erwartung des Zuschauers. Man fragt sich implizit, was diesen Film so viel schlechter als andere Burton-Filme machte. Die Geschichte oder die Ausstattung kann es nicht gewesen sein, denn nehme man Sleepy Hollow oder Big Fish als Beispiel, gar Edward mit den Scherenhänden oder Batman, war Alice gar nicht konventioneller in der Erzählweise oder weniger originell in der Gestaltung. Die Erklärung, die mir persönlich übrig bleibt, liegt in der Konfrontation Burtons mit den Ursprüngen seines Stils. Seine früheren Filme sind metaphorisch gesehen Variationen der Geschichte von Alice, das Phantastische ins Reale eindringen lassend. Doch die Intensität der Konfrontation des Realen mit dem Imaginären verschwindet implizit bei einer Geschichte wie Alice im Wunderland, genau wie eine Tasse Wasser im Meer verschwindet. Der Zuschauer wendet seine Augen davon ab und sucht anderswo die Essenz des Films. Leider gibt es diesen anderen Ort nicht.

Hier geht es zu der Kritik von Oliver Schmitt, die zum DVD-Start erschien.


Alice im Wunderland / Alice in Wonderland
R: Tim Burton
D: Mia Wasikowska, Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Anne Hathaway
USA, 2010, 108 Min.
Disney


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