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DVD: Abschied von Gestern

von Christian Alt, am 13.3.10


Mit Alexander Kluges Abschied von Gestern erscheint in der FAZ-Reihe „Momente des deutschen Films“ einer der Klassiker der deutschen Filmgeschichte neu auf DVD. Kluges erster Langfilm vollzieht die Entfernung vom Unterhaltungskino der 50er Jahre, wie sie vom Oberhausener Manifest gefordert wird, vollständig und wird somit zu einem ersten Höhepunkt des Neuen Deutschen Films.

Anita G. (Alexandra Kluge) ist eine junge Frau Anfang 20 mit jüdischen Wurzeln, die aus der DDR in den Westen geflüchtet ist. Nachdem sie einer Arbeitskollegin eine Jacke gestohlen hat, steht sie vor Gericht. „Ich friere auch im Sommer.“, gibt sie dem Richter zu Protokoll, der das „nach der Lebenserfahrung für unwahrscheinlich“ hält. Anita wird verurteilt, flieht allerdings vor ihrer Bewährungshelferin. Wieder weiß sie nicht wohin und versucht sich als Vetreterin, Hoteldame und Studentin, kann aber nirgendwo wirklich Fuß fassen.

Sehr kühl präsentiert sich die Bundesrepublik des Jahres 1966 dem Zuschauer. Zwischen Wirtschaftswunder und dem Glauben an eine bessere Zukunft wirkt Anita G. wie ein Störelement. Immer wieder meint es das Schicksal übel mit ihr, doch sie zieht einfach stoisch weiter, nicht wissend, wo ihr Platz in der Gesellschaft ist. Die bundesdeutsche Gesellschaft die in „Abschied von Gestern“ gezeigt wird, ist bereits angekommen und wirkt dabei oft arrogant. So nimmt sich Anitas Bewährungshelferin das Recht heraus, ihre Definition von gutem Handeln als falsch zu kennzeichnen und an der Universität stößt sie nur auf blasierte Dozenten. Bei dieser Darstellung bleibt der Film äußerst distanziert: In Anlehnung an das epische Theater Brechts werden beinah dokumentarische Szenen lose aneinander montiert, oft Träume oder Kindheitserinnerungen eingeschoben. Dabei gehen die Ruhelosigkeit Anitas und die des Films Hand in Hand.

Die neu erschienene DVD kommt in einem schicken Digipack mitsamt Booklet und bietet neben Film auch noch ein 20-minütiges Interview mit einem Redakteur der FAZ, der ausführlich über die Hintergründe des Films berichtet.
Abschied von gestern ist ein wichtiger Film und das nicht nur im historischen Zusammenhang. Überall gibt es Menschen wie Anita, die sich einfach nicht einfügen können, auch wenn sie es noch so wollen. Wir als Gesellschaft müssen einfach die Augen öffnen, unsere Vorurteile beiseite räumen und uns wirklich mit unseren Mitmenschen beschäftigen.



Abschied von gestern - (Anita G.)
R: Alexander Kluge
D: Alexandra Kluge, Hans Korte, Alfred Edel, Hans Brammer
BRD 1966, 88 Min.
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