„Die fabelhafte der Welt der Amélie“ trifft
„Ocean‘s Eleven“ – kann das gutgehen? Dass es funktionieren kann zeigt eindrucksvoll
Rian Johnsons Film
„Brothers Bloom“.
Sie sind schon merkwürdig, diese beiden Brüder. Stephen (Mark Ruffalo) und Bloom (Adrien Brody) wurden bereits als Kinder von einer Pflegefamilie zur anderen übergeben, nie hielten es die neuen Eltern länger als ein paar Wochen mit ihnen aus. Früh bemerkten beide ihr größtes Talent, den Trickbetrug, und nahmen schon als Kinder ihre Spielkameraden aus. Doch zwanzig Jahre später hat Bloom keine Lust mehr auf das ewige Schauspiel, steigt aus der Bande aus und will in Montenegro ein neues Leben beginnen. Seinem Bruder gelingt es, ihn zu einem letzten Job zu überreden: Die exzentrische Milliardärin Penelope (Rachel Weisz) soll der krönende Abschluss ihrer Diebesgeschichte werden. Doch dann läuft alles anders als geplant.
Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst. Für Stephen hat dieser Spruch jedoch keine Gültigkeit. In unglaublicher Detailverliebtheit, welche beinahe an die des russischen Realismus grenzt, schafft er für seine Betrügereien so ausgefeilte wie skurrile Hauptcharaktere mitsamt den dazugehörigen Nebenfiguren. Dabei wird der gesamte Film zum Trickbetrug, nie kann man sicher sein, ob ein Charakter gerade aufrichtig ist oder ob doch nur alles zum Plan gehört. Film und Betrug verschmelzen zu einer unauflöslichen Einheit. Der Zuschauer wird somit aus seiner Passivität gerissen und versucht den gesamten Film über, Stephens wirklichen Plan herauszufinden. Und genau wie in den besten Romanen ist in „Brothers Bloom“ alles ein klein wenig anders als in der Realität. Die beiden scheinen mit ihren Melonen und Tweedsakkos aus den goldenen Zwanzigern das Bild des klassischen Gentlemanverbrechers zu persiflieren. Alle Schauplätze wirken seltsam anachronistisch, die Geschehnisse werden wie in „Die fabelhafte Welt der Amélie“ behutsam-großväterlich aus dem Off kommentiert. Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson versucht also, die Welt des Romans in die Realität zu tragen und das gelingt im tadellos.
Dabei übernimmt er allerdings auch das große Manko von Literaturverfilmungen. Durch die zunehmende Komplexität der Handlung mitsamt der genretypischen plot twists, verliert man im letzten Drittel des Films leicht den Überblick. Wo man im Buch noch einmal nachlesen könnte, ist im Film dafür leider keine Zeit. Hier hätte eine behutsame Reduzierung dem Drehbuch sehr gut getan.
Ebenfalls zauberhaft ist die schauspielerische Leistung. Hier sticht besonders Rachel Weisz heraus, die die exzentrische Penelope fantastisch trifft. Neben ihr kann dann nur noch der Adrien Brody brillieren, der mit dem ewig melancholischen und antriebslosen Bloom genau das Gegenteil von Penelope verkörpert. Einzig und allein der sonst so ausgezeichnete Mark Ruffalo spielt nicht sein volles Potential aus. Allzu oft bleibt er zu blass und unauffällig.
Da man in den letzten Jahren ja schon beinahe jede Variante des Gangsterfilms gesehen hat, zeigt Rian Johnson mit „Brothers Bloom“, dass es auch anders geht. Der unaufdringliche Film vermischt eine klassische Geschichte mit der genialen Phantasie eines Autoren und bleibt dabei herrlich unernst.
Brothers Bloom / The Brothers Bloom
R: Rian Johnson
D: Adrien Brody, Mark Ruffalo, Rachel Weisz, Robbie Coltrane, Maximilian Schell
USA 2008
Universum Film
„Die fabelhafte der Welt der Amélie“ trifft
„Ocean‘s Eleven“ – kann das gutgehen? Dass es funktionieren kann zeigt eindrucksvoll
Rian Johnsons Film
„Brothers Bloom“.
Sie sind schon merkwürdig, diese beiden Brüder. Stephen (Mark Ruffalo) und Bloom (Adrien Brody) wurden bereits als Kinder von einer Pflegefamilie zur anderen übergeben, nie hielten es die neuen Eltern länger als ein paar Wochen mit ihnen aus. Früh bemerkten beide ihr größtes Talent, den Trickbetrug, und nahmen schon als Kinder ihre Spielkameraden aus. Doch zwanzig Jahre später hat Bloom keine Lust mehr auf das ewige Schauspiel, steigt aus der Bande aus und will in Montenegro ein neues Leben beginnen. Seinem Bruder gelingt es, ihn zu einem letzten Job zu überreden: Die exzentrische Milliardärin Penelope (Rachel Weisz) soll der krönende Abschluss ihrer Diebesgeschichte werden. Doch dann läuft alles anders als geplant.
Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst. Für Stephen hat dieser Spruch jedoch keine Gültigkeit. In unglaublicher Detailverliebtheit, welche beinahe an die des russischen Realismus grenzt, schafft er für seine Betrügereien so ausgefeilte wie skurrile Hauptcharaktere mitsamt den dazugehörigen Nebenfiguren. Dabei wird der gesamte Film zum Trickbetrug, nie kann man sicher sein, ob ein Charakter gerade aufrichtig ist oder ob doch nur alles zum Plan gehört. Film und Betrug verschmelzen zu einer unauflöslichen Einheit. Der Zuschauer wird somit aus seiner Passivität gerissen und versucht den gesamten Film über, Stephens wirklichen Plan herauszufinden. Und genau wie in den besten Romanen ist in „Brothers Bloom“ alles ein klein wenig anders als in der Realität. Die beiden scheinen mit ihren Melonen und Tweedsakkos aus den goldenen Zwanzigern das Bild des klassischen Gentlemanverbrechers zu persiflieren. Alle Schauplätze wirken seltsam anachronistisch, die Geschehnisse werden wie in „Die fabelhafte Welt der Amélie“ behutsam-großväterlich aus dem Off kommentiert. Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson versucht also, die Welt des Romans in die Realität zu tragen und das gelingt im tadellos.
Dabei übernimmt er allerdings auch das große Manko von Literaturverfilmungen. Durch die zunehmende Komplexität der Handlung mitsamt der genretypischen plot twists, verliert man im letzten Drittel des Films leicht den Überblick. Wo man im Buch noch einmal nachlesen könnte, ist im Film dafür leider keine Zeit. Hier hätte eine behutsame Reduzierung dem Drehbuch sehr gut getan.
Ebenfalls zauberhaft ist die schauspielerische Leistung. Hier sticht besonders Rachel Weisz heraus, die die exzentrische Penelope fantastisch trifft. Neben ihr kann dann nur noch der Adrien Brody brillieren, der mit dem ewig melancholischen und antriebslosen Bloom genau das Gegenteil von Penelope verkörpert. Einzig und allein der sonst so ausgezeichnete Mark Ruffalo spielt nicht sein volles Potential aus. Allzu oft bleibt er zu blass und unauffällig.
Da man in den letzten Jahren ja schon beinahe jede Variante des Gangsterfilms gesehen hat, zeigt Rian Johnson mit „Brothers Bloom“, dass es auch anders geht. Der unaufdringliche Film vermischt eine klassische Geschichte mit der genialen Phantasie eines Autoren und bleibt dabei herrlich unernst.
Brothers Bloom / The Brothers Bloom
R: Rian Johnson
D: Adrien Brody, Mark Ruffalo, Rachel Weisz, Robbie Coltrane, Maximilian Schell
USA 2008
Universum Film
DVD: Brothers Bloom