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DVD: Die Katze

von Christian Alt, am 6.3.10














Düsseldorf - die reiche Stadt am Rhein hat es nicht leicht. Ständig wird sie von ihrer Schwesterstadt Köln in den Schatten gestellt. Köln ist bunt,laut und fröhlich, Düsseldorf hingegen langweilig und verschnarcht. Seit Dominik Grafs "Die Katze" kann sich Düsseldorf in einer Linie mit Städten wie New York, Los Angeles oder Tokio sehen, liefert sie hier doch einen exzellenten Schauplatz für einen packenden Thriller ab.

Es sollte eigentlich ein ganz normaler Banküberfall für Britz (Ralf Richter) und Junghein (Heinz Hoenig) werden, doch plötzlich finden sie sich in einer Geiselnahme wieder. Dabei werden sie von Drahtzieher Probek (Götz George) instruiert, der, mit modernster Überwachungstechnik ausgerüstet, jeden Schritt der anrückenden Polizei mitverfolgt. Während Polizeihauptkommissar Voss (Joachim Kemmer) die Situation unter Kontrolle zu bringen versucht, hat Probek einen ganz anderen Plan.

Dass die Katze kein klassischer Heist-Movie à la Hollywood ist, obwohl er ständig mit Klischees spielt, wird schnell klar. Denn der eigentliche Überfall ist nur Fassade, hinter der sich ein Film über die Grenzen der Überwachungstechnik verbirgt. Wie Schachspieler sitzen Probek und Voss hinter ihren Funkgeräten, warten ab und geben Anweisungen. Somit sind alle anderen Charaktere lediglich Schachfiguren, die alle ihre feste Rolle in Probeks Spiel haben. Der Film wird so zum Psychogramm zweier Männer, die beide gleich undurchsichtig scheinen.
Dabei zeigt der Film auf, welche Risiken sich hinter der ständigen Funkkommunikation der Polizeiarbeit verbergen - dabei spielt der Film im Jahr 1987, ein solches Szenario wäre mit den heutigen Mitteln der Überwachungstechnik noch einmal verschärft. Statt einem "Inside-Man" ist es in "die Katze" eben ein "Outside-Man", der den Gangstern Vorteile verschafft.

"Die Katze" tut sich schwer mit Schwarz-Weiß-Malerei. Es gibt keine Helden, jeden Charakter trifft Schuld. So essen die Polizeikommissare schon mal ausgedehnt zu Mittag, während in der Bank die Geiselnahme noch in vollem Gange ist. Der Zuschauer tut sich schwer sich für eine der beiden Seiten zu entscheiden, was vor allen Dingen Götz Georges fantastisch-geheimnisvollem Spiel verschuldet ist. Ihm gegenüber steht ein grandioser Joachim Kemmer, der seinen Charakter Voss ständig auf dem schmalen Grat zwischen guter und böser Bulle balancieren lässt.
Dabei darf die femme fatale natürlich auch nicht fehlen: Mit Gudrun Landgrebes eindrucksvollem Spiel nimmt sie jeden in ihren Bann.

"Die Katze" ist neu in der FAZ-Edition "Momente des deutschen Film" erschienen und bietet neben der wie so oft spartanischen Ausstattung ein umfangreiches Booklet in einem ansprechenden Digipack. Des Weiteren findet sich auf der DVD ein Interview mit Regisseur Dominik Graf.

Abgesehen von der ein oder anderen unfreiwillig komischen Szene, die aus der allzeit präsenten 80er-Jahre-Ästhetik entspringt, ist Dominik Grafs "Die Katze" ein wirklich außergewöhnlicher Thriller. Mit den klassischen Genremitteln spielend, sie dabei aber nie langweilig wirken zu lassen, gelingt ihm grandios. Somit bleibt nur eine absolute Kaufempfehlung für diesen ausgezeichneten Film.




R: Dominik Graf
D: Götz George, Gudrun Landgrebe, Heinz Hoenig, Joachim Kemmer, Ralf Richter
BRD 1988 (2010 DVD), 118 Min.
AL!VE AG



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