
Es gibt Filme, die nicht wissen, was sie uns sagen möchten. Filme, die zu smart sind, um reine Unterhaltungsprodukte darzustellen, aber nicht konsequent genug sind, um eine
message rüberzubringen. Filmische Zwitter, die einerseits das Mainstreampublikum verwirren, andererseits auch „alternatives“ Filmpublikum vergraulen. Gerade solche Filme brauchen, um genug öffentliches Interesse auf sich zu ziehen, zugkräftige Namen, und
Männer, die auf Ziegen starren hat Namen, hat Star Appeal (
Clooney,
Bridges,
Spacey). Außerdem reiht sich der Film ein in die illustre Runde des (berechtigten) hollywoodschen Irakkrieg-Bashing, ist somit eine Art komödiantischer Nachtrag zu Filmen wie
Redacted,
Im Tal von Elah oder
The Hurt Locker.
Dennoch hat der Film (außer dem Thema) nichts mit den eben genannten Filmen zu tun. Was
Männer, die auf Ziegen starren auszeichnet ist eine Art
coenesker Wahnsinn, ein irrsinniger Spott, vor dem nichts und niemand sicher ist.
Ewan McGregor ist der Reporter Bob Wilton, der, um sich und seiner Frau zu beweisen, dass er kein Weichei ist, in den Irak als Kriegsberichterstatter geht. Dort trifft er auf Lyn Cassady (
George Clooney), ein Veteran der so genannten „New Earth Army“, die im Zuge der parapsychologischen Kriegsführung des US-Militärs in den Siebziger Jahren gegründet wurde. Angeführt wurde die „New Earth Army“ von dem Guru Bill Django (
Jeff Bridges), ein Hippie, der einerseits Spiritualität und Naturverbundenheit propagierte, andererseits auch (frei nach Timothy Leary) mit LSD und anderen Halluzinogenen experimentierte. Ziel der Ausbildung war es, den Gegner gänzlich ohne Waffengewalt zu besiegen, sondern mit der Kraft des Geistes. So wurde der Geist getrimmt auf telepathische, hellseherische und sonstige paranormale Fähigkeiten.
So begleitet Bob Lyn auf einer geheimen Mission, auch wenn er nicht genau weiß, was für eine Mission das eigentlich ist, und auf dem Weg geraten sie an Kriminelle, konkurrierende Sicherheitsfirmen, und das Militär, das die parapsychologische Kriegsführung noch nicht aufgegeben hat.
Das Wichtigste vorweg: Der ganze Blödsinn ist wirklich witzig. Das Drehbuch offenbart einen wunderbar albernen Humor, und man darf wieder mal der linksliberalen Hollywoodriege dabei zuschauen, wie sie sich selbst zum Affen macht.
Die Charaktere scheinen alle von anderen Filmen ausgeliehen zu sein.
Ewan McGregor ist so eine Art Obiwan Kenobi im Frühstadium,
Kevin Spacey ist so bösartig wie sein Buddy Ackerman (
Swimming with sharks) oder John Doe (
Se7en);
Bridges macht noch mal den Dude aus
The Big Lebowski, und
George Clooney gibt denselben enthusiastischen Idioten, den er auch in
O Brother, Where Art Thou und
Burn After Reading gibt. Überhaupt wirkt der Film stark von dem Humor der
Coen-Brüder inspiriert, mit dem Unterschied, dass Regisseur
Grant Heslov etwas mehr Sympathie für seine „Idioten“ übrig hat. Die
Coens hätten wahrscheinlich die ein oder andere Figur gnadenlos der Dramaturgie oder dem
shock value geopfert.
Aber die
Coen-Brüder hättten dem Film vielleicht auch eine zusätzliche philosophische Ebene verliehen. Doch
Heslov und Autor
Peter Straughan begnügen sich damit, witzig zu sein (insofern: Mission accomplished).
Überdies haben wir es hier mit einem Film zu tun, der ohne
love interest auskommt, für Hollywoodverhältnisse fast schon subversiv. So reiht sich der beinahe gänzlich frauenlose Film in den brutalen Männerkosmos von Filmen wie
12 Angry Men,
The Thing, und
Reservoir Dogs ein, und lockert diesen enorm auf.

Aber was ist mit der Satire, fragt man sich schließlich. Ist der Film nicht eine köstlich scharfe Satire auf amerikanischen Imperialismus und wild ausufernden Militarismus (der nicht einmal vor
Star Wars-Sprache zurückschreckt)? Eigentlich nicht. Viel kritisiert, analysiert, hinterfragt oder entlarvt wird nicht. Was den Film auszeichnet ist eher ein distanzierter Spott, der vor nichts Halt macht, weder vor
New Age-Philosophie noch vor dem Militär. Und ein gesundes Misstrauen gegenüber staatlicher (und eigentlich jeder Art von) Autorität oder Ideologie ist auch nicht zu verachten.
Männer, die auf Ziegen starren ist also keine scharfzüngige Satire, was soll’s, dafür ist der Film eine wunderbar leichte, absurde Komödie, die Laune macht. Außerdem kommen
Boston-Fans hier voll auf ihre Kosten.
The Men Who Stare at Goats
R: Grant Heslov
D: George Clooney, Ewan McGregor, Jeff Bridges, Kevin Spacey, Robert Patrick
USA 2009, 94 Min.
BBC Films

Es gibt Filme, die nicht wissen, was sie uns sagen möchten. Filme, die zu smart sind, um reine Unterhaltungsprodukte darzustellen, aber nicht konsequent genug sind, um eine
message rüberzubringen. Filmische Zwitter, die einerseits das Mainstreampublikum verwirren, andererseits auch „alternatives“ Filmpublikum vergraulen. Gerade solche Filme brauchen, um genug öffentliches Interesse auf sich zu ziehen, zugkräftige Namen, und
Männer, die auf Ziegen starren hat Namen, hat Star Appeal (
Clooney,
Bridges,
Spacey). Außerdem reiht sich der Film ein in die illustre Runde des (berechtigten) hollywoodschen Irakkrieg-Bashing, ist somit eine Art komödiantischer Nachtrag zu Filmen wie
Redacted,
Im Tal von Elah oder
The Hurt Locker.
Dennoch hat der Film (außer dem Thema) nichts mit den eben genannten Filmen zu tun. Was
Männer, die auf Ziegen starren auszeichnet ist eine Art
coenesker Wahnsinn, ein irrsinniger Spott, vor dem nichts und niemand sicher ist.
Ewan McGregor ist der Reporter Bob Wilton, der, um sich und seiner Frau zu beweisen, dass er kein Weichei ist, in den Irak als Kriegsberichterstatter geht. Dort trifft er auf Lyn Cassady (
George Clooney), ein Veteran der so genannten „New Earth Army“, die im Zuge der parapsychologischen Kriegsführung des US-Militärs in den Siebziger Jahren gegründet wurde. Angeführt wurde die „New Earth Army“ von dem Guru Bill Django (
Jeff Bridges), ein Hippie, der einerseits Spiritualität und Naturverbundenheit propagierte, andererseits auch (frei nach Timothy Leary) mit LSD und anderen Halluzinogenen experimentierte. Ziel der Ausbildung war es, den Gegner gänzlich ohne Waffengewalt zu besiegen, sondern mit der Kraft des Geistes. So wurde der Geist getrimmt auf telepathische, hellseherische und sonstige paranormale Fähigkeiten.
So begleitet Bob Lyn auf einer geheimen Mission, auch wenn er nicht genau weiß, was für eine Mission das eigentlich ist, und auf dem Weg geraten sie an Kriminelle, konkurrierende Sicherheitsfirmen, und das Militär, das die parapsychologische Kriegsführung noch nicht aufgegeben hat.
Das Wichtigste vorweg: Der ganze Blödsinn ist wirklich witzig. Das Drehbuch offenbart einen wunderbar albernen Humor, und man darf wieder mal der linksliberalen Hollywoodriege dabei zuschauen, wie sie sich selbst zum Affen macht.
Die Charaktere scheinen alle von anderen Filmen ausgeliehen zu sein.
Ewan McGregor ist so eine Art Obiwan Kenobi im Frühstadium,
Kevin Spacey ist so bösartig wie sein Buddy Ackerman (
Swimming with sharks) oder John Doe (
Se7en);
Bridges macht noch mal den Dude aus
The Big Lebowski, und
George Clooney gibt denselben enthusiastischen Idioten, den er auch in
O Brother, Where Art Thou und
Burn After Reading gibt. Überhaupt wirkt der Film stark von dem Humor der
Coen-Brüder inspiriert, mit dem Unterschied, dass Regisseur
Grant Heslov etwas mehr Sympathie für seine „Idioten“ übrig hat. Die
Coens hätten wahrscheinlich die ein oder andere Figur gnadenlos der Dramaturgie oder dem
shock value geopfert.
Aber die
Coen-Brüder hättten dem Film vielleicht auch eine zusätzliche philosophische Ebene verliehen. Doch
Heslov und Autor
Peter Straughan begnügen sich damit, witzig zu sein (insofern: Mission accomplished).
Überdies haben wir es hier mit einem Film zu tun, der ohne
love interest auskommt, für Hollywoodverhältnisse fast schon subversiv. So reiht sich der beinahe gänzlich frauenlose Film in den brutalen Männerkosmos von Filmen wie
12 Angry Men,
The Thing, und
Reservoir Dogs ein, und lockert diesen enorm auf.

Aber was ist mit der Satire, fragt man sich schließlich. Ist der Film nicht eine köstlich scharfe Satire auf amerikanischen Imperialismus und wild ausufernden Militarismus (der nicht einmal vor
Star Wars-Sprache zurückschreckt)? Eigentlich nicht. Viel kritisiert, analysiert, hinterfragt oder entlarvt wird nicht. Was den Film auszeichnet ist eher ein distanzierter Spott, der vor nichts Halt macht, weder vor
New Age-Philosophie noch vor dem Militär. Und ein gesundes Misstrauen gegenüber staatlicher (und eigentlich jeder Art von) Autorität oder Ideologie ist auch nicht zu verachten.
Männer, die auf Ziegen starren ist also keine scharfzüngige Satire, was soll’s, dafür ist der Film eine wunderbar leichte, absurde Komödie, die Laune macht. Außerdem kommen
Boston-Fans hier voll auf ihre Kosten.
The Men Who Stare at Goats
R: Grant Heslov
D: George Clooney, Ewan McGregor, Jeff Bridges, Kevin Spacey, Robert Patrick
USA 2009, 94 Min.
BBC Films
Männer, die auf Ziegen starren (2009)