Nine ist eine Synthese des Films. Und wenn nicht, dann zumindest eine seiner Inspirationsquellen. Den Inhalt aus
Fellinis 8½ übernehmend, dazu die Form des darauf basierenden Musicals
Nine addierend, ein bisschen aus
Fellinis La Dolce Vita dazu mischend, schickt
Rob Marshall die Crème de la Crème der internationalen Schauspiel-Stars auf die Leinwand.
Fellinis Guido Anselmi, schon seit der Heirat mit dem Musical Nine zu Guido Contini geworden, bekommt in Rob Marshalls Nine seine melodramatische Tiefe vom Schauspieler Daniel Day Lewis. In tiefster Schaffenskrise versunken, schafft er es nicht sein Drehbuch weiter als Seite eins – Seite keins zu bringen. Krank wird er auch immer wenn er einen Film machen muss. Und die ganze Filmindustrie verfolgt ihn. Als ob das nicht reichen würde, sind ihm die Frauen aus seinem Leben ständig auf den Fersen, ob wirklich oder als Einbildung. Und die ganze Welt vergisst nicht ihn an seine letzten Filme zu erinnern, an die Flops, die natürlich keiner mag.
Aus der einheitlichen Welt von Fellinis 8½ nimmt sich Nine die Leitmotive, die Charaktere, macht sie zu kleinen alleinstehenden Episoden, und vervielfacht die Klarheit der Botschaft. Obwohl es sich da, nach Peter Greenaway, um die Film-innewohnende „Psychodrama – mit all der Pseudo-Supermarkt-freudschen Analyse des Charakters […] das schon so lange geht“ handelt. Ein Verdienst des Films in dieser Hinsicht ist, dass er sich filmischer Mittel bedient um seine Episodenstruktur zu erlangen. Körnige Aufnahmen geben Stimmungen wieder. Die Theaterbühne wird regelmäßig zum Ort wahrer Gefühle und Gefühlsausbrüche (und gewinnt dadurch einen Ritualcharakter), während der diegetische Alltag des Films als eine Vernetzung von Intrigen, Lügen, Formalitäten und Koketterie die Gesellschaft beschreibt. So wird für Guido die Garderobe zum Ort der Meditation und ihre Leiterin, Lilli (Judy Dench), zu seinem innigsten Berater.
Die Starparade darf aber nicht vergessen werden. Die Frauen aus Guidos Leben bekommen jede für sich isoliert ihren Moment, der Reihe nach, sowohl auf der Musicalbühne, als auch in der diegetischen Welt des Films, wie in einer Ausstellung. Von lasziver Nacktheit (Penelope Cruz) zum Statuesk (Sophia Loren), von beeindruckender Gefühlsintensität (Marion Cotillard) zum Exponent des Sexualtriebs (Fergie), vom Casual Flirt(Kate Hudson) zur klassischen, selbstbewussten Grazie (Nicole Kidman) entfalten sie die Facetten von Guido, bieten sich aber auch als Trophäen seiner nie aufhörenden Sucht nach mehr, alles besitzen, alles verschlingen wollend, an.
Es gibt keinen Film, sagt Guido seiner Crew im Film, und hört auf mit der Regie. Als er dann doch weitermacht, nachdem er das Kind in sich abgelegt zu haben scheint, erreicht Nine seinen Schluss, da folgt die Abblende. In der Literatur würde man Nine als Schulausgabe bezeichnen und dafür wird er auch entsprechend von der Kritik verpönt, wobei gerade hier sein Meritus liegen könnte, indem er durch seinen Glamour und seine Starbesetzung aufmerksam macht und manchen Zuschauer zu seinen Ursprüngen, zu Fellini führt.
Rezension erschienen in Screenshot
NINE
R: Rob Marshall
D:Sophia Loren, Judi Dench, Penelope Cruz, Nicole Kidman, Stacy Ferguson, Kate Hudson, Ricky Tognazzi, Giuseppe Cederna
USA 2009, 109 Min.
Senator
Nine ist eine Synthese des Films. Und wenn nicht, dann zumindest eine seiner Inspirationsquellen. Den Inhalt aus
Fellinis 8½ übernehmend, dazu die Form des darauf basierenden Musicals
Nine addierend, ein bisschen aus
Fellinis La Dolce Vita dazu mischend, schickt
Rob Marshall die Crème de la Crème der internationalen Schauspiel-Stars auf die Leinwand.
Fellinis Guido Anselmi, schon seit der Heirat mit dem Musical Nine zu Guido Contini geworden, bekommt in Rob Marshalls Nine seine melodramatische Tiefe vom Schauspieler Daniel Day Lewis. In tiefster Schaffenskrise versunken, schafft er es nicht sein Drehbuch weiter als Seite eins – Seite keins zu bringen. Krank wird er auch immer wenn er einen Film machen muss. Und die ganze Filmindustrie verfolgt ihn. Als ob das nicht reichen würde, sind ihm die Frauen aus seinem Leben ständig auf den Fersen, ob wirklich oder als Einbildung. Und die ganze Welt vergisst nicht ihn an seine letzten Filme zu erinnern, an die Flops, die natürlich keiner mag.
Aus der einheitlichen Welt von Fellinis 8½ nimmt sich Nine die Leitmotive, die Charaktere, macht sie zu kleinen alleinstehenden Episoden, und vervielfacht die Klarheit der Botschaft. Obwohl es sich da, nach Peter Greenaway, um die Film-innewohnende „Psychodrama – mit all der Pseudo-Supermarkt-freudschen Analyse des Charakters […] das schon so lange geht“ handelt. Ein Verdienst des Films in dieser Hinsicht ist, dass er sich filmischer Mittel bedient um seine Episodenstruktur zu erlangen. Körnige Aufnahmen geben Stimmungen wieder. Die Theaterbühne wird regelmäßig zum Ort wahrer Gefühle und Gefühlsausbrüche (und gewinnt dadurch einen Ritualcharakter), während der diegetische Alltag des Films als eine Vernetzung von Intrigen, Lügen, Formalitäten und Koketterie die Gesellschaft beschreibt. So wird für Guido die Garderobe zum Ort der Meditation und ihre Leiterin, Lilli (Judy Dench), zu seinem innigsten Berater.
Die Starparade darf aber nicht vergessen werden. Die Frauen aus Guidos Leben bekommen jede für sich isoliert ihren Moment, der Reihe nach, sowohl auf der Musicalbühne, als auch in der diegetischen Welt des Films, wie in einer Ausstellung. Von lasziver Nacktheit (Penelope Cruz) zum Statuesk (Sophia Loren), von beeindruckender Gefühlsintensität (Marion Cotillard) zum Exponent des Sexualtriebs (Fergie), vom Casual Flirt(Kate Hudson) zur klassischen, selbstbewussten Grazie (Nicole Kidman) entfalten sie die Facetten von Guido, bieten sich aber auch als Trophäen seiner nie aufhörenden Sucht nach mehr, alles besitzen, alles verschlingen wollend, an.
Es gibt keinen Film, sagt Guido seiner Crew im Film, und hört auf mit der Regie. Als er dann doch weitermacht, nachdem er das Kind in sich abgelegt zu haben scheint, erreicht Nine seinen Schluss, da folgt die Abblende. In der Literatur würde man Nine als Schulausgabe bezeichnen und dafür wird er auch entsprechend von der Kritik verpönt, wobei gerade hier sein Meritus liegen könnte, indem er durch seinen Glamour und seine Starbesetzung aufmerksam macht und manchen Zuschauer zu seinen Ursprüngen, zu Fellini führt.
Rezension erschienen in Screenshot
NINE
R: Rob Marshall
D:Sophia Loren, Judi Dench, Penelope Cruz, Nicole Kidman, Stacy Ferguson, Kate Hudson, Ricky Tognazzi, Giuseppe Cederna
USA 2009, 109 Min.
Senator
Nine, von Rob Marshall (2010)