EDITORIAL:

Willkommen bei NEGATIV - Filmmagazin und Diskussionsplattform zum Thema Film! - Wir wünschen viel Spass beim Lesen!
Aktuell:
KINO: Artikelserie Inception. Es laufen The Expendables, Salt, Duell der Magier und Ich und Orson Welles. Dazu die Highlights Enter the Void und The Happiest Girl in the World. Bald: Zwischen uns das Paradies.
DVD und BluRay: Das Drama Cherrybomb, A Serious Man von den Coens, A Single Man, Legion, Burtons Alice im Wunderland, The Visitor, Die Fremde, Paris by Night of the Living Dead und die Serie Thunderbirds.
FESTIVALS: Wir waren beim Fantasy Filmfest! Und bald startet Lucas!
WEITBLICK: Durch die Nacht mit... Noé, Korine, LaBruce, wir stellen sie vor. Dazu Emmy Awards mit Videos.
GAMES: NEGATIV auf der Gamescom in Köln!
GEWINNSPIEL: Freikarten für Mary und Max, Pianomania, Black Death und Resident Evil Afterlife. Tolle Fanartikel zu A Serious Man, Verrückt nach Dir, Cherrybomb, The American und Ponyo!

DVD: (500) Days of Summer

von Sascha Eggers, am 7.4.10




In einer Grußkartenfirma entwirft Tom Hansen (Joseph Gordon-Levitt) neue Slogans. Eigentlich wollte er Architekt werden, muss sein Leben jetzt jedoch in dem, für ihn langweiligen, Bürojob fristen. Auch im Privatleben ist er frustriert, wartet er doch darauf, dass ihm eines Tages die Frau seiner Träume über den Weg läuft. Aber tatsächlich passiert dies: Summer Finn (Zooey Deschanel), die neue Assistentin seines Chefs, verdreht ihm schon bei der ersten Begegnung den Kopf. Als sie sich dann auch noch als The Smiths-Fan herausstellt, ist es komplett um Tom geschehen. Und auch sie findet Gefallen an ihm und schläft mit ihm, jedoch will sie keine Beziehung eingehen und alles unverbindlich halten, was alsbald zu Komplikationen zwischen den beiden führt.

Eigentlich ist der Plot also relativ konventionell, aber Marc Webbs Debütfilm (500) Days of Summer erzählt die Beziehungsgeschichte von Summer und Tom nicht chronologisch, sondern springt zwischen den 500 gemeinsamen Tagen hin und her. Außerdem bietet er kurze Animationen, absurde Off-Kommentare und sogar eine Tanznummer, die ihn von durchschnittlichen Liebeskomödien unterscheiden. Allerdings wirken gegen Ende hin manche Animationen arg darum bemüht, besonders zu sein, etwas weniger hätte dem Film hier auch gereicht.

Doch die sympathischen Hauptdarsteller, die Erzählweise und der tolle Indiepop-Soundtrack (u.a. mit Regina Spektor, Doves, Black Lips und Zooey Deschanels eigener Band She & Him) machen den Film zu einer der besseren romantischen Komödien der letzten Jahre. Leider kann die DVD-Veröffentlichung da nicht mithalten, außer dem Hauptfilm enthält sie lediglich einige entfallene und erweiterte Szenen.


R: Marc Webb
D: Joseph Gordon-Levitt, Zooey Deschanel
USA, 2009 (2010), 91 min.
Twentieth Century Fox

4 Kommentare zu "DVD: (500) Days of Summer"

Elisabeth Maurer hat gesagt…

Die Darsteller mochte ich zwar auch und manche Einfälle waren originell, aber insgesamt war mir der Film extrem unsympathisch, weil er diese eigentlich belanglose und langweilige Liebesgeschichte mit ein paar Spielereien aufmotzt, die aber meinem Eindruck nach nur dazu dienten, den Film cool und durchgestylt erscheinen zu lassen, aber nichts weiter dahinter steckte. In Wahrheit ist es eine sehr durchschnittliche Liebesgeschichte, die irgendwie modern und ungewöhnliche wirken will, es aber gar nicht ist.

Sascha Eggers hat gesagt…

Ich kann es völlig verstehen, wenn Du die Geschichte zu belanglos fandest. Die Geschichte selber ist natürlich auch trivial, aber der Film erzählt sie sehr gekonnt und unterhaltend, so dass für mich eine eigentlich langweilige Story, aber trotzdem ein guter Film dabei herausspringt.

christiansfoyer hat gesagt…

hm, langweilig und/oder belanglos würde ich den eher nicht nennen, die Erzählstruktur hatte für mich den Sinn, die Fehlwahrnehmungen in Toms Erinnerungen zu verdeutlichen, in denen manche Momente nach näherem und längerem Hinsehen doch ganz anders passiert sind, als es zunächst den Anschein macht. Damit hat der Film es großartig hinbekommen, Höhen und Tiefen einer Beziehung mal auf eine erfrischend andere Weise zu zeigen, die für mich in keinem Moment aufgesetzt oder dahergezwungen wirkte

Ciprian David hat gesagt…

Wie, Elisabeth, mochte ich den Film auch nicht, und ich denke wir bieten hier ein klassisches Beispiel der zwei groben Arten von wie dieser Film rezipiert wurde.
Für mich war es kaltblutiger Marketing, nicht Film im wahrsten Sinne. Die Strategie, das Indiehafte an Filme auszuloten bevor es komplett aus der Mode gerät. (Weil, natürlich, was mal Indie war ist jetzt nicht mehr Indie, sondern BigStudios in Indie Kleidung. Und diese Tatsache, dass die großen Studios den kleinen diesen Identitätsmerkmal weggestohlen haben, tut mir weh).
Tom war so ein Prototyp für sich. Der leise, coole, aber ach so nette Typ, mit einer definiert originellen Persönlichkeit, jedoch einen festen Ort in der Gesellschaft schafft er es wie alle anderen die so cool sind urbanmäßig ein Hemd mit Chucks und eine Messenger Tasche zu vereinen. Natürlich ist er ein Antiheld der nicht unbemerkt gehen kann, dass sind sie doch alle.
Summer gehts auch nicht besser, irgendwo zwischen Hippie, eigenwillig, originell, aber vor allem Indiependent strahlt sie in allen Richtungen (darunter lässt sich natürlich der Antiheld der "wussten nur die Mädchen was für nen guten freund er Eigentlich abgibt" anstecken).

Und eigenwillig un originell sind auch Markenzeichen, deswegen werden sie auch bezeichnend für die Narationsstrategie im Film, der, wieder, irgendwo zwischen Episodenfilm, weils Indie-inhärent ist, Rückwärts Erzähltem(Memento natürlich nicht vergessen, das potenzielle Publikum hat ihn noch unter den sehr Guten in Erinnerung), und natürlich (wir kommen doch alle aus dem Internet) vor und Zurückspulen. So hat man die Dramaturgie dann doch zu was originelles gemacht.

Wie oft im Indiefilm, geht es um das Feeling, vielmehr als um Psychologie, oder was man sonst mit Film so assoziert, aber der hier ist doch so oft abgenützt worden, dass es sich (zumindest für mich) nicht anders anfühlt, als der letzte Hammer der Hollywood Actionschiene.

Natürlich sind die beide das Spiegelbild einer Generation, genau der Indiegeneration, die sich mittlerweile im Berufsumfeld etabliert hat und ungefähr genau so ein Crossover abgibt wie die Alt68er. Und das ist der Verdienst dieses Films, die Abbildung dieser Tatsache, aber arüber hinaus schaue ich lieber weg.

Schreibe ein Kommentar