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DVD: Der Dorflehrer

von Ciprian David, am 13.4.10




„Klar kann ich Dir verzeihen. Und jetzt lass uns einfach ficken. Komm, wir müssen ja nicht gleich von Liebe reden!“
„Für mich ist es nichts ohne Liebe.“
Zwischen all den großen Problemen dieser Welt merkt niemand, dass es überall Menschen gibt, deren Liebe nicht erwidert wird, sagt der Regisseur Bohdan Sláma im sich als Bonusmaterial auf der DVD zum Film befindenden Making of. Und darauf wird mit diesem Film hingewiesen.

In die kleine Welt eines Dorfes kommt am Anfang des Films Petr (Pavel Liska), um seine neue Stelle als Biologielehrer anzutreten. Als schüchterner Fremder stellt er sich den Kindern vor, sichtlich bedrückt von der Anwesenheit des Schulleiters und fängt seinen Unterricht an. Ein Schneckenhaus zeigt er den Schülern dabei. Ein Schneckenhaus, das keine Schnecke ist, auch keine Weinbergschnecke, sondern einfach ein Haus, eine Chronik eines Lebens, das einmal in ihm stattgefunden hat. Die Menschen sind Teil der Natur, erklärt er so die Botschaft des Films, und die Natur soll man kennen, um sich zu selber zu kennen.

Viel weiß man nicht über den neuen Dorflehrer. Er hat seine Stelle in einem Gymnasium in Prag gekündigt, um auf dem Land zu unterrichten. Fragen dazu beantwortet er mit Schweigen. Plötzlich wohnt er bei Marie (Zuzana Bydzovská) und eine sanfte Annäherung scheint zwischen den beiden stattzufinden. Die Melancholie, mit der Pavel Liska seinen Charakter wunderbar bekleidet, findet in Maries Hingabe zu ihren alltäglichen Arbeiten eine Spiegelung, doch als diese den ersten Schritt wagt, weicht er ab.

Ein Besuch von Petr bei seinen Eltern in Prag erklärt alles genauso abrupt, wie der Film bisher verlief. Petr ist unfähig, eine Beziehung einzugehen, weil er sich selber nicht kennt, weil er es deswegen bisher noch nie geschafft hat, jemanden zu lieben, und weil diese Unfähigkeit, Liebe zu erwidern, ihn zu einem einsamen Menschen macht. Zum zweiten Mal lässt der Film seine Botschaft aussprechen, diesmal von Petr Eltern: Einsamkeit ist schrecklich. Zwei anständige Menschen sollen doch über Differenzen hinaus die gemeinsame Brücke für eine Beziehung finden.

Von nun an liegen alle Karten auf dem Tisch und der Zuschauer darf entspannt einer im Film zentralen Frage nachgehen: „Wie macht man das?“. Glauben, Selbstschätzung, oder Liebe treten nebeneinander als Aspekte des sich auf jemanden in einer Beziehung Einlassens und werden auf mehreren Ebenen mehr oder weniger metaphorisch variiert. Marie, mit ihrer unglücklichen Vergangenheit, eine zwischen den Hürden des Alltags hin und her schwebende Nomadin, die diese Hürden mit unermüdlicher Kraft angeht, genießt nur die kleinen Momenten des Glücks, die ihr das Dasein anbietet, und bietet dadurch ein einzigartiges Beispiel der Poesie des Lebens auf dem Land. Petr, als der ständig andere, der nicht akzeptierte, befindet sich auf einer perpetuellen Suche nach der Nächstenliebe. Maries Sohn (Ladislav Sedivý), in seiner pubertären Unsicherheit, unternimmt die größte Reise seines Lebens, um zu erfahren, dass das Ziel dieser Reise woanders lag. Gar die auf ihre Züchter angewiesenen Tiere werden zu Vorführern des Strebens nach einer Verbindung zu einem liebeswürdigen Nächsten.

Eine ständig sanft, oft im Kreis bewegte Kamera umwebt und verfolgt diese Suchenden, ihre Horizonte immer im Blick habend, sie immer mit der Umwelt um sie herum vergleichend, ihnen immer zeigend, dass die gesuchte Weite sich in der unmittelbaren Nähe befindet, nur auf ein kleines Eingeständnis der Gemeinsamkeit wartend, um sich in Freude aufzulösen.

Die von Bohdan Sláma gewählte Perspektive des Suchenden erzeugt in Der Dorflehrer ein einzigartiges, einheitliches Bild des Menschen, das die Unterschiede zwischen Großstadt und Dorf verschwinden lässt, und gleichzeitig mit sanften, aber sehr sicheren Bewegungen das Klischee der Pseudoidyllik des Landes in den Augen des Städters sprengt. Insofern ist es nicht unangebracht, den zweiten Satz nochmal zu wiederholen: „Für mich ist es nichts ohne Liebe.“



Der Dorflehrer
R: Bohdan Sláma
D: Pavel Liska, Zuzana Bydzovská, Ladislav Sedivý
Tschechien, Frankreich, Deutschland, 2008 (2010), 116 Min.
(c)Neue Visionen
Format: PAL
Bildformat: Widescreen
Sprache: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Tschechicsch), Dolby Digital 2.0 (Deutsch, Tschechisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Veröffentlichung: 02.04.2010


Extras:
-Making Of
-Trailer


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