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DVD: Mein halbes Leben

von Christian Alt, am 16.4.10

„Ich hätte schon gerne Kinder, aber vielleicht in einem parallelen Leben“

Der 30. Geburtstag ist für viele ein Schicksalstag, das Coming of Age wird gesellschaftlich erwartet; Schluss muss sein mit der Trödelei, Haftpflichtversicherungen und Altersvorsoge müssen abgeschlossen werden. Aus der Zahl 30 wird eine existenzielle Bedrohung. Dieser Bedrohung sieht sich auch Regisseur Marko Doringer ausgesetzt und so beschließt er, sein bisheriges, halbes Leben Reveu passieren zu lassen. Für diesen filmischen Selbstversuch forscht er nicht nur in seinem eigenen Leben, sondern besucht auch seine damaligen Schulfreunde, um ihr Leben mit 30 zu dokumentieren.

Da gibt es die aufstrebende Modedesignerin, die die Entscheidung, endlich Kinder zu bekommen, von einer Winterkollektion auf die nächste verschiebt, den deprimierten Sporjournalisten, der sich mehr erhofft hätte und den Firmenmanager, der neben seinem vollem Terminkalender für seine Familie Zeit zu finden versucht. Doringer geht hierbei äußerst behutsam vor, große Teile des Films sind mit einer Headcam gefilmt, die die persönliche Beziehung, die zwischen dem Regisseur und seinen Freunden besteht, geschickt einfängt. Die Interviews mit diesen kommen ohne die dazugehörigen Fragen aus - so verstärkt sich der Eindruck des freien Erzählens aus ihrem Leben. Doringer lässt sich selbst bei seiner Spurensuche nicht aus: Immer wieder sind Szenen aus einer Psychotherapie zu sehen, in denen Doringer schonungslos über sein verkrampftes Verhältnis mit seinem Vater spricht. Denn gerade seine Eltern zeigen oft wenig Verständnis für das Leben ihres Sohnes und wünschen ihm geregelte Verhältnisse und eine Frau – so wie bei ihnen eben. Die Szenen mit seinem Vater entbehren nicht einer unfreiwilligen Komik, so bitten diese ihn doch inständig, die Kamera endlich auszuschalten. Sein Vater rät ihm in solchen Momenten folgendes: „Du kannst die Kamera ja für Urlaubsfilme verwenden und dein Studium beenden. Mach das doch! Ich unterstütze dich dabei!“

Aber was kennzeichnet jetzt die Generation der Dreißigjährigen genau? Darauf will der Film keine so rechte Antwort geben. Jeder präsentierte Lebensentwurf scheint seine eigenen Nachteile zu haben, die Wahl liegt bei jedem selbst. Obwohl das Thema auf den ersten Blick recht durchgekaut scheint, schafft es Doringer durch die intelligente Verknüpfung von Interviews und Selbstgesprächen das Problem des Coming of Age auf eine angenehm andere Art und Weise zu beleuchten. Auch wenn diese nicht erhellt.



Mein halbes Leben
R: Marko Doringer
D: Marko Doringer, Thomas Berger, Katharina Harrer
Deutschland 2008 93 Min.
Bildformat: 1,78:1, 16:9
Ton: Dolby Digital 5.1, Dolby Digital Stereo
Sprache: deutsch
Untertitel: deutsch
VÖ: 26.3.2010


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