Der letzte Film des
zehnten goEast-Filmfestivals ist
Chameleon, den Ungarn 2010 als offiziellen Oscar-Kandidaten ins Rennen schickte. Regisseurin
Krisztina Goda erzählt die Geschichte von Gábor (
Ervin Nagy), einem sympathischen Betrüger und Schwindler, der (vorwiegend gutsituierte) Frauen ausnimmt, indem er sich an sie ranmacht, sie umgarnt, und sie soweit dazu bringt, ein gemeinsames Konto zu eröffnen, welches er dann leer räumt.
Dasselbe hat er auch mit der Balletttänzerin Hanna (
Gabriella Hámori) vor. Er gibt sich als Arzt aus, und gewinnt sie für sich, doch je länger er mit ihr zusammen ist, desto mehr empfindet er für sie. Sein Gewissen meldet sich, zum ersten Mal. Gábor möchte ihr eine Beinoperation bezahlen, damit sie wieder tanzen kann, doch dazu braucht er 40.000 €, und bis er die hat, muss noch eine Menge gelogen werden.
Chameleon zeigt uns einen charismatischen
con man, perfekt verkörpert von
Ervin Nagy. Sein Gábor erinnert uns an andere „hinreißend verdorbene“ Schurken wie
Steve Martin und
Michael Caine aus
Dirty Rotten Scoundrels oder
Leonardo DiCaprio aus
Catch Me If You Can. Auch er stammt aus bescheidenen Verhältnissen, die ihn auf alles Materielle fixiert haben. Der Traum des im Waisenhaus aufgewachsenen Gábor ist es, ein Haus zu haben, denn „wenn du ein Haus hast, bist du jemand“. Das Sein bestimmt das Bewusstsein.
Die Tatsache, dass Gábor im Verlauf der Handlung sein Gewissen entdeckt, verleiht seinen weiteren Betrügereien zwar einen noblen Anstrich, doch das rettet ihn nicht vor den unausweichlichen Konsequenzen. Um für Hanna das Geld aufzutreiben baut er ein Lügengebilde auf, das früher oder später zusammenbrechen muss. So wird der Zuschauer im letzten Drittel des Films Zeuge von Gábors quälendem Untergang. Es scheint, als würde das ganze Leid, das er Anderen in der Vergangenheit beschert hat, zu ihm zurückkommen.
Und erst am Ende, wenn er selbst betrogen wird, wenn er feststellt, dass auch er benutzt wurde, da stellt sich ein Moment der Selbsterkenntnis ein. Und Gábor verschwindet, wie der Held in
Edgar Ulmers Detour, in die Nacht, mit dem Wissen, das erste Mal in einen Spiegel gesehen zu haben.
Chameleon/Kaméleon
R: Krisztina Goda
D: Ervin Nagy, Gabriella Hámori, Zsolt Trill
Ungarn, 2008, 105 Min.
Der letzte Film des
zehnten goEast-Filmfestivals ist
Chameleon, den Ungarn 2010 als offiziellen Oscar-Kandidaten ins Rennen schickte. Regisseurin
Krisztina Goda erzählt die Geschichte von Gábor (
Ervin Nagy), einem sympathischen Betrüger und Schwindler, der (vorwiegend gutsituierte) Frauen ausnimmt, indem er sich an sie ranmacht, sie umgarnt, und sie soweit dazu bringt, ein gemeinsames Konto zu eröffnen, welches er dann leer räumt.
Dasselbe hat er auch mit der Balletttänzerin Hanna (
Gabriella Hámori) vor. Er gibt sich als Arzt aus, und gewinnt sie für sich, doch je länger er mit ihr zusammen ist, desto mehr empfindet er für sie. Sein Gewissen meldet sich, zum ersten Mal. Gábor möchte ihr eine Beinoperation bezahlen, damit sie wieder tanzen kann, doch dazu braucht er 40.000 €, und bis er die hat, muss noch eine Menge gelogen werden.
Chameleon zeigt uns einen charismatischen
con man, perfekt verkörpert von
Ervin Nagy. Sein Gábor erinnert uns an andere „hinreißend verdorbene“ Schurken wie
Steve Martin und
Michael Caine aus
Dirty Rotten Scoundrels oder
Leonardo DiCaprio aus
Catch Me If You Can. Auch er stammt aus bescheidenen Verhältnissen, die ihn auf alles Materielle fixiert haben. Der Traum des im Waisenhaus aufgewachsenen Gábor ist es, ein Haus zu haben, denn „wenn du ein Haus hast, bist du jemand“. Das Sein bestimmt das Bewusstsein.
Die Tatsache, dass Gábor im Verlauf der Handlung sein Gewissen entdeckt, verleiht seinen weiteren Betrügereien zwar einen noblen Anstrich, doch das rettet ihn nicht vor den unausweichlichen Konsequenzen. Um für Hanna das Geld aufzutreiben baut er ein Lügengebilde auf, das früher oder später zusammenbrechen muss. So wird der Zuschauer im letzten Drittel des Films Zeuge von Gábors quälendem Untergang. Es scheint, als würde das ganze Leid, das er Anderen in der Vergangenheit beschert hat, zu ihm zurückkommen.
Und erst am Ende, wenn er selbst betrogen wird, wenn er feststellt, dass auch er benutzt wurde, da stellt sich ein Moment der Selbsterkenntnis ein. Und Gábor verschwindet, wie der Held in
Edgar Ulmers Detour, in die Nacht, mit dem Wissen, das erste Mal in einen Spiegel gesehen zu haben.
Chameleon/Kaméleon
R: Krisztina Goda
D: Ervin Nagy, Gabriella Hámori, Zsolt Trill
Ungarn, 2008, 105 Min.
goEast: Chameleon