von Sven Safarow und Ciprian David
Auftakt, von Sven Safarow
Selbstbewusst präsentieren sich die fünf Regisseure des Episodenfilms Crush vor der Kamera, und bestellen die verschiedensten Getränke. Natürlich wird nach Wodka verlangt, aber auch Whiskey, Kaffee, sogar heißes Wasser werden bestellt. Dann setzen sich die Fünf ins Kino. Crush beginnt. Ein seltsam humoriger Einstieg in einen Episodenfilm über die Liebe. Aber er verdeutlicht auch, dass jeder der fünf Regisseure seinen eigenen Ansatz an das Thema verfolgt, jeder Regisseur erschafft in jeder Episode seinen eigenen Kosmos. So könnte das vorliegende Werk in seiner Gesamtheit heterogener nicht sein, und das macht Crush so widersprüchlich wie lebendig.
Petr Buslov betonte bei der Eröffnung, dass dieser Film eigentlich nicht von der Liebe an sich handele, sondern über das „Davor“, über die Bedingungen, die eintreten müssen, damit Liebe möglich ist. Gleichzeitig versicherte er, dass Crush kein Spiegelbild des heutigen Russlands darstellt. Ein Spiegelbild des zeitgenössischen russischen Kinos ist er auf jeden Fall.
Selbstbewusst präsentieren sich die fünf Regisseure des Episodenfilms Crush vor der Kamera, und bestellen die verschiedensten Getränke. Natürlich wird nach Wodka verlangt, aber auch Whiskey, Kaffee, sogar heißes Wasser werden bestellt. Dann setzen sich die Fünf ins Kino. Crush beginnt. Ein seltsam humoriger Einstieg in einen Episodenfilm über die Liebe. Aber er verdeutlicht auch, dass jeder der fünf Regisseure seinen eigenen Ansatz an das Thema verfolgt, jeder Regisseur erschafft in jeder Episode seinen eigenen Kosmos. So könnte das vorliegende Werk in seiner Gesamtheit heterogener nicht sein, und das macht Crush so widersprüchlich wie lebendig.
Petr Buslov betonte bei der Eröffnung, dass dieser Film eigentlich nicht von der Liebe an sich handele, sondern über das „Davor“, über die Bedingungen, die eintreten müssen, damit Liebe möglich ist. Gleichzeitig versicherte er, dass Crush kein Spiegelbild des heutigen Russlands darstellt. Ein Spiegelbild des zeitgenössischen russischen Kinos ist er auf jeden Fall.
Shame, von Sven Safarow
Ein frustrierter Journalist in der Routine des Alltags. Keine spannenden Skandale à la Watergate beschäftigen ihn, nein, es geht um defekte Rohre in einem trostlosen Altbau. Er befragt die Anwohner dazu, manche sind redselig, zu redselig, wollen nur, dass man ihnen zuhört. Andere wollen schlicht und einfach in Ruhe gelassen werden.
Einer der Anwohner ist besonders verschroben, spielt sich als Beschützer einer gewissen Olya auf. Dass der Journalist sich einmischt, gefällt ihm nicht. Dieser beginnt, sich für die geheimnisvolle Olya zu interessieren, der Beschützer will ihn daran hindern, auch mit Gewalt.
Wer ist diese Olya, dass er sich für sie prügelt, nicht mehr klar denkt, sich zum Affen macht? Der Journalist muss es erfahren. Aber Olya ist einfach nur ein Mädchen. Und der Kerl ist einfach nur verliebt. Es ist so banal, wie es klingt. Aber der Journalist kann nicht anders, als den armen Kerl zu beneiden.
„Er ist dumm“, sagt Olya hilflos.
„Nein“, sagt der Journalist weise.
Ein frustrierter Journalist in der Routine des Alltags. Keine spannenden Skandale à la Watergate beschäftigen ihn, nein, es geht um defekte Rohre in einem trostlosen Altbau. Er befragt die Anwohner dazu, manche sind redselig, zu redselig, wollen nur, dass man ihnen zuhört. Andere wollen schlicht und einfach in Ruhe gelassen werden.
Einer der Anwohner ist besonders verschroben, spielt sich als Beschützer einer gewissen Olya auf. Dass der Journalist sich einmischt, gefällt ihm nicht. Dieser beginnt, sich für die geheimnisvolle Olya zu interessieren, der Beschützer will ihn daran hindern, auch mit Gewalt.
Wer ist diese Olya, dass er sich für sie prügelt, nicht mehr klar denkt, sich zum Affen macht? Der Journalist muss es erfahren. Aber Olya ist einfach nur ein Mädchen. Und der Kerl ist einfach nur verliebt. Es ist so banal, wie es klingt. Aber der Journalist kann nicht anders, als den armen Kerl zu beneiden.
„Er ist dumm“, sagt Olya hilflos.
„Nein“, sagt der Journalist weise.
To Feel, von Ciprian David
„Digital“ schreit die förmliche Kleidung des Films. Eine DV-Kamera ist simuliert, samt Logo, Aufnahmedatum, und ein ständig an das Vergehen der Zeit erinnernder Timecode.
Ein polnisches Mädchen reist für ein paar Tage nach Rußland. Dort trifft sie auf einen Jungen. Er spricht Russisch, sie Polnisch. Es gibt nichts zu verstehen, fühlen sollte man, denn Verstehen bringt auch nichts, erklärt der Junge dem Mädchen, ohne dass sie nur ein Wort davon begreift. Die Kamera zeichnet auf.
Wieder zurück, wird sie von ihrem Freund mit der Kassette konfrontiert, mit dem Jungen auf der Kassette, den man nicht versteht, den man aber irgendwie verstanden haben muss. Ist alles zwischen dem jungen Paar noch beim Alten?
Das An- und Ausschalten der Kamera lässt sich natürlich im omnipräsenten Timecode nachvollziehen, die Erzählung weist Lücken auf, die Lücken sind das große Unbekannte, denn die Zeit fließt nicht fortlaufend, sondern sprunghaft. Doch die Fragen beziehen sich immer auf das Aufgezeichnete. Was gibt es zu verstehen? Fühlen soll man es. Digital. Abblende auf Blau.
Urgent Repair, von Ciprian David
Ein Schustergehilfe, ein Schusterladen in einem Keller, eine Türglocke, eine Glühbirne, ein Bett, Schuhe und Beine. Hier erreicht schon die Welt in Urgent Repair ihre Grenzen. Die einsame Welt des Hauptcharakters ist beste Voraussetzung für eine existenzialistische Liebesgeschichte.
Und genau das versteht Petr Buslov mit viel Subtilität zu inszenieren. Der Gehilfe verliebt sich in eine Kundin. Eine Kundin, die er nur über die weißen Stöckelschuhe und über das Bild ihrer Beine kennt, durch das Kellerfenster gesehen.
Durch Zitate, wie etwa die mit Schuhen umgesetzte Adaptierung von Charlie Chaplins Tischballet, verwandelt zu einer Liebesgeschichte, oder das auf Warhol verweisende Bild der Schuhe, das sich der Hauptcharakter in Übergröße an die Wand malt, aber auch durch Spiele mit Genrekonventionen, durch extensive Anwendung von Nahaufnahmen, gestaltet der Regisseur eine kompakte Welt der Entstehung der Liebe.
Ein Unfall, die Begegnung, das Martyrium. Abblende auf Rot.
Kim, von Ciprian David
Ein Zirkusartist wird in eine Anstalt für Geisteskranke auf einer Insel eingeliefert. Ein Arzt, eine Ärztin, das sonstige Personal und die geistesabwesenden Patienten umgeben ihn. Ein Zauberer ist der Artist. Er kann Strom erzeugen, sogar die Interferenzen im Fernsehen kann er verschwinden lassen. Doch die Ärztin lässt sich nicht beeindrucken von seinen Liebeserklärungen.
Verrücktheit und Liebe stehen für Freiheit, aber auch für die Unmöglichkeit der Freiheit, denn alle sind gleich auf dieser Insel. Platz für Liebe gibt es dort nicht. Und alle Ausbrüche der Individualität werden weggewischt, wie das große, auf dem Asphalt gemalte Gesicht der Ärztin, die diese Liebeserklärung nicht entgegennehmen will.
Hört die Liebe nicht auf, kommen Psychopharmaka zur Hilfe, bis hin zum Wegtilgen der Persönlichkeit. Allein die stillen
Tränen im Augenwinkel erinnern an eine verlorene Individualität.
Prawn Kiss, von Sven Safarow
Ein Mann, verkleidet als Shrimp, versucht Leute für ein Restaurant zu begeistern, das sich auf Meeresfrüchte spezialisiert. Viel demütigender kann ein Job kaum werden, er hat also nichts zu verlieren. So küsst er jeden vorbeiziehenden Passanten, ob männlich oder weiblich. Aber die meisten Passanten halten nichts von der Liebe, die er verschenkt.
Als er es sich schließlich mit einer Gruppe Matrosen verscherzt, beginnt sein Martyrium. Er wird bis zur Besinnungslosigkeit geprügelt, was Kirill Serebrennikov in einer übertrieben gewalttätigen, expressionistischen Sequenz zelebriert. Doch der Shrimp, blutüberströmt, lässt sich nicht unterkriegen, auch nach der willkürlichen Polizeibrutalität zweier Milizionäre bleibt er standhaft. Schließlich findet er eine Frau, die seine Liebe erwidert. Zusammen fliehen sie vor ihrem Ehemann, der in einer pathetischen Geste ausruft: „Ira! Ich werde dich umbringen! Ich liebe dich!“
Die Beiden retten sich auf einen Müllfrachter. Shrimp hat sein Fahrrad gefunden.
Als er es sich schließlich mit einer Gruppe Matrosen verscherzt, beginnt sein Martyrium. Er wird bis zur Besinnungslosigkeit geprügelt, was Kirill Serebrennikov in einer übertrieben gewalttätigen, expressionistischen Sequenz zelebriert. Doch der Shrimp, blutüberströmt, lässt sich nicht unterkriegen, auch nach der willkürlichen Polizeibrutalität zweier Milizionäre bleibt er standhaft. Schließlich findet er eine Frau, die seine Liebe erwidert. Zusammen fliehen sie vor ihrem Ehemann, der in einer pathetischen Geste ausruft: „Ira! Ich werde dich umbringen! Ich liebe dich!“
Die Beiden retten sich auf einen Müllfrachter. Shrimp hat sein Fahrrad gefunden.
Crush / Korotkoe zamykanie
R: Petr Buslov, Alexey German Jr., Boris Khlebnikov, Kirill Serebrennikov, Ivan Vyrypaev
D: Yuri Chursin, Ivan Dobronravov, Alexei Filminov, Karolina Grushka, Karim Pakachakov, Alexander Yatsenko
Russland, 2009, 95. Min









