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goEast: Francesca

von Ciprian David, am 26.4.10



Als vorletzte Vorführung beim goEast-Festival wird derjenige rumänische Film gezeigt, der in erster Linie für seine Skandalträchtigkeit berühmt wurde. In Rumänien selber war seine Entstehungsphase von Vorurteilen von allen Seiten begleitet. Regisseur Bobby Pǎunescu gehört eben zu den Menschen, die nicht nur viel Geld haben, sondern auch aus einer Familie stammen, die zumindest medial als berüchtigt gilt. Die Hauptdarstellerin ist Monica Bârlǎdeanu, die als Freundin des Regisseurs, Fotomodel und Schauspielerin ein Klischee ergänzte. Nicht zuletzt kommt die Tatsache hinzu, dass nach der Premiere auf dem Filmfestival in Venedig die weiteren Vorführungen des Films in der Stadt zuerst verboten wurden. Schuld dafür sind die harten Äußerungen eines Charakters über Alessandra Mussolini und den Bürgermeister von Verona.

Eben diese harte, sehr natürliche Sprache macht den Film zunächst aus und führt durch ihre Farbigkeit und Schonungslosigkeit einen rohen Naturalismus ein, der jede Idee von Märchen verbannt. Und genau so ein Märchen wünscht sich Francesca, stellvertretender Exponent der sozialen Orientierungslosigkeit in Rumänien. Ein italienisches Märchen, in dem sie emigrieren möchte, um einen Kindergarten für rumänische Minoritäten zu gründen. Ihre Chance solle das sein, sagt ihre Mutter, die einzige Person, die sie in ihrem Vorhaben unterstützt, anstatt, wie die anderen, bei denen sie sich Rat holt (in ihrer Suche nach Halt), immer zu ihrem Vorhaben passendere Gruselgeschichten über Rumänen in Italien aufzutischen. Die Wahrheit dahinter wird sie aber nie erleben können, Italien wird für sie ein fernes Land bleiben.

Nicht nur diese Geschichten kündigen das düstere Ende des Films an. Wie in einem Film Noir schnallen sich die Probleme aus Francescas Umfeld um sie herum wie ein Gürtel, vor allem ihr Freund, selber ein Immigrant aus Moldau, hat sich in obskuren Geschäften und Schulden verwickelt und die schon am Anfang des Films drohenden Geldeintreiber werden immer unheimlicher.

Der Film beeindruckt durch die Sprache und die Qualität der Dialoge, aber auch durch die meist langen Einstellungen (typisch für die rumänische Neue Welle), die den Schauspielern die Gelegenheit bieten, mit ihrer Leistung das Publikum zu begeistern. Die Szenen zeugen von einer natürlichen Direktheit und von inszenatorischen Einfällen, die selten im Kino zu sehen sind und aus fast jedem dramaturgischen Zwischenraum ein köstliches Ereignis machen. So etwa das Leeren des sich in dem Zahnbecher gesammelten Wassers beim Zähneputzen, oder die Begegnungen zwischen Francescas Freund, Mițǎ (Doru Boguta, Moartea domnului Lǎzǎrescu), und den Geldeintreibern, in denen Körpergewalt formell durch ihr Gegenteil (Umarmungen) ersetzt wird oder auf psychische Gewalt verlagert wird und doch hautnah zu spüren ist.

Francesca ist Bobby Pǎunescus erster Langfilm und entstand in Zusammenarbeit mit Cristi Puiu (Moartea domnului Lǎzǎrescu), welcher sich als Produzent beteiligt hat.



Termine:
Wiesbaden, Dienstag, 27.04, 18:00, Alpha


Francesca
R: Bobby Pǎunescu
D: Monica Bârlǎdeanu, Doru Boguta, Luminiţa Gheorghiu
Rumänien, 2009, 94 Min.


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