Während den täglich bei
goEast stattfindenden Filmgesprächen mit den Regisseuren der Wettbewerbsfilme beschrieb
Peter Călin Netzer seinen Film als das Zusammentreffen eines hervorragenden Drehbuchs (geschrieben von
Tudor Voican) auf den besten Schauspieler der entsprechenden Altersgruppe (
Victor Rebengiuc). Während
Tudor Voican spätestens durch die Mitarbeit zum Drehbuch von
California Dreamin‘(Nesfârşit) eine Spur in der Filmgeschichte hinterlassen hat, ist
Victor Rebengiuc seit vier Jahrzenten einer der prominentesten Schauspieler des rumänischen Kinos.
Medalia de onoare ist der zweite Langfilm von
Peter Călin Netzer, nach
Maria, und entstand als eine rumänisch-deutsche Koproduktion.
Mit einem feinen Humor, der bei einem internationalen Publikum Einklang findet, erzählt der Film die Geschichte von Ion I. Ion (I. steht, bezeichnend für die allgemein an die an den rumänischen Schriftsteller
Ion Luca Caragiale angelehnte Ironie des Films, für Ion), dem eine Ehrenmedaille für seine Verdienste im Zweiten Weltkrieg anläßlich 50. Jubiläum des Kriegsendes verliehen wird. Überzeugt, dass es sich um einen Irrtum handeln soll, forscht dieser nach den Gründen hinter dieser Verleihung. Bei den zuständigen Behörden stößt er nur auf Bürokratie, also packt er seine alten Briefe aus der Kriegszeit aus und findet gleich potentielle Spuren. Davon beflügelt, entwickelt sich eine skurril übertriebene Geschichte um die Heldentaten des Protagonisten, der bald zum Ehrenmodell der Nachbarschaft wird und sogar als Befürworter ihrer Angelegenheiten beim Präsidenten des Staates auftritt.
Der Film ist eine psychoanalytische Studie über einen alten Mann ohne Selbstwert. Seit sechs Jahren spricht seine Frau nicht mehr mit ihm, nachdem er seinen Sohn, der während des kommunistischen Regimes ins Ausland fliehen wollte, denunziert hat. Der Sohn, mittlerweile in Kanada, will ebenfalls nichts von ihm hören. So wird die Ehrenmedaille für Ion unbewusst die Gelegenheit, seine Integrität zu restaurieren, und, wie der Film zeigt, sie mehr und mehr selber und ohne es zu merken, zu fabrizieren. Immer mehr inszeniert und identifiziert sich Ion mit dem mit einem halben Gramm Gold beschichteten Blechstück, immer mehr gefällt er sich in der Rolle des moralischen Patriarchen der Blockgemeinde.
Doch das Unheil lässt nicht lange auf sich warten, die Verleihung war ein Irrtum, die Medaille gehört Ion J. Ion (J. steht natürlich für Jean) und muss zurückerstattet werden. Ions Rennen um seine eben errungene und bereits wiederverlorene Identität nimmt damit existenzialistische Züge an. Ohne Medaille ist er ein Niemand, gerade jetzt, wo alle ihn verehren, wo sogar sein Sohn eingewilligt hat, wieder nach Rumänien auf Besuch zu kommen. So erlebt der Zuschauer in Begleitung vom von Victor Rebengiuc meisterhaft verkörperten Antihelden die unwahrscheinlichsten Abenteuer um die besagte Ehrenmedaille, bis hin zum tragischen Finale, zum Moment der Selbstwahrnehmung.
Dem Einfallsreichtum des Drehbuches und der schauspielerischen Brillianz von
Rebengiuc kommt ein stilsicherer, präziser
Peter Călin Netzer entgegen, dessen Film durch seine handwerkliche Fertigkeit und ironische Leichtigkeit ehrenhaft die osteuropäische Tradition der im Rahmen des diesjährigen Symposiums von goEast zu sehenden Filme fortsetzt.
Medalia de onoare erhielt bereits Preise bei den Film Festivals in Thessaloniki und Turin. In Wiesbaden läuft er im Wettbewerb.
Wir haben uns mit
Peter Călin Netzer über Film in Rumänien unterhalten:
Link.
Weitere Termine:
Frankfurt: Samstag, 24.04, 18:00, Cinestar Metropolis.
Wiesbaden: Montag, 26.04, 20:00, Alpha.
Kinostart: Herbst 2010.
Medal of Honor/ Ehrenmedaille / Medalia de Onoare
R: Peter Călin Netzer
D: Victor Rebengiuc, Camelia Zorlescu, Mircea Andreescu
Rumänien, 2009, 105 Min.
Während den täglich bei
goEast stattfindenden Filmgesprächen mit den Regisseuren der Wettbewerbsfilme beschrieb
Peter Călin Netzer seinen Film als das Zusammentreffen eines hervorragenden Drehbuchs (geschrieben von
Tudor Voican) auf den besten Schauspieler der entsprechenden Altersgruppe (
Victor Rebengiuc). Während
Tudor Voican spätestens durch die Mitarbeit zum Drehbuch von
California Dreamin‘(Nesfârşit) eine Spur in der Filmgeschichte hinterlassen hat, ist
Victor Rebengiuc seit vier Jahrzenten einer der prominentesten Schauspieler des rumänischen Kinos.
Medalia de onoare ist der zweite Langfilm von
Peter Călin Netzer, nach
Maria, und entstand als eine rumänisch-deutsche Koproduktion.
Mit einem feinen Humor, der bei einem internationalen Publikum Einklang findet, erzählt der Film die Geschichte von Ion I. Ion (I. steht, bezeichnend für die allgemein an die an den rumänischen Schriftsteller
Ion Luca Caragiale angelehnte Ironie des Films, für Ion), dem eine Ehrenmedaille für seine Verdienste im Zweiten Weltkrieg anläßlich 50. Jubiläum des Kriegsendes verliehen wird. Überzeugt, dass es sich um einen Irrtum handeln soll, forscht dieser nach den Gründen hinter dieser Verleihung. Bei den zuständigen Behörden stößt er nur auf Bürokratie, also packt er seine alten Briefe aus der Kriegszeit aus und findet gleich potentielle Spuren. Davon beflügelt, entwickelt sich eine skurril übertriebene Geschichte um die Heldentaten des Protagonisten, der bald zum Ehrenmodell der Nachbarschaft wird und sogar als Befürworter ihrer Angelegenheiten beim Präsidenten des Staates auftritt.
Der Film ist eine psychoanalytische Studie über einen alten Mann ohne Selbstwert. Seit sechs Jahren spricht seine Frau nicht mehr mit ihm, nachdem er seinen Sohn, der während des kommunistischen Regimes ins Ausland fliehen wollte, denunziert hat. Der Sohn, mittlerweile in Kanada, will ebenfalls nichts von ihm hören. So wird die Ehrenmedaille für Ion unbewusst die Gelegenheit, seine Integrität zu restaurieren, und, wie der Film zeigt, sie mehr und mehr selber und ohne es zu merken, zu fabrizieren. Immer mehr inszeniert und identifiziert sich Ion mit dem mit einem halben Gramm Gold beschichteten Blechstück, immer mehr gefällt er sich in der Rolle des moralischen Patriarchen der Blockgemeinde.
Doch das Unheil lässt nicht lange auf sich warten, die Verleihung war ein Irrtum, die Medaille gehört Ion J. Ion (J. steht natürlich für Jean) und muss zurückerstattet werden. Ions Rennen um seine eben errungene und bereits wiederverlorene Identität nimmt damit existenzialistische Züge an. Ohne Medaille ist er ein Niemand, gerade jetzt, wo alle ihn verehren, wo sogar sein Sohn eingewilligt hat, wieder nach Rumänien auf Besuch zu kommen. So erlebt der Zuschauer in Begleitung vom von Victor Rebengiuc meisterhaft verkörperten Antihelden die unwahrscheinlichsten Abenteuer um die besagte Ehrenmedaille, bis hin zum tragischen Finale, zum Moment der Selbstwahrnehmung.
Dem Einfallsreichtum des Drehbuches und der schauspielerischen Brillianz von
Rebengiuc kommt ein stilsicherer, präziser
Peter Călin Netzer entgegen, dessen Film durch seine handwerkliche Fertigkeit und ironische Leichtigkeit ehrenhaft die osteuropäische Tradition der im Rahmen des diesjährigen Symposiums von goEast zu sehenden Filme fortsetzt.
Medalia de onoare erhielt bereits Preise bei den Film Festivals in Thessaloniki und Turin. In Wiesbaden läuft er im Wettbewerb.
Wir haben uns mit
Peter Călin Netzer über Film in Rumänien unterhalten:
Link.
Weitere Termine:
Frankfurt: Samstag, 24.04, 18:00, Cinestar Metropolis.
Wiesbaden: Montag, 26.04, 20:00, Alpha.
Kinostart: Herbst 2010.
Medal of Honor/ Ehrenmedaille / Medalia de Onoare
R: Peter Călin Netzer
D: Victor Rebengiuc, Camelia Zorlescu, Mircea Andreescu
Rumänien, 2009, 105 Min.
Medalia de onoare / Ehrenmedaille