
Das Spielfilmdebüt des Animationsregisseurs
Andrey Khrzhanovskiy nimmt sich der Lebensgeschichte des russischen Dichters und Nobelpreisträgers
Joseph Brodsky an. Dennoch ist
Room and a Half alles andere als ein Biopic, eher eine Variation, eine Meditation über
Brodskys Beziehung zur Heimat und zu seinen Eltern.
Wir sehen den alten
Brodsky auf einem Dampfer, Erinnerungen durchdringen ihn. Er denkt an seine Kindheit in Leningrad zurück, den Zweiten Weltkrieg, das Aufwachsen in der Stalinzeit, die Denunzianten („Die Juden sind ruhig“, protokolliert ein wachsamer Nachbar), die fehlende Privatsphäre, Tagträumereien und Phantasien kommen hinzu (ein Gespräch mit
Stalin als Chefkoch; Musikinstrumente, die durch die Luft fliegen).
Brodsky wird älter, entdeckt den Westen durch das Kino, schwärmt für
Zarah Leander, macht seine ersten Erfahrungen mit Frauen, aber auch mit der Bespitzelung durch den KGB.
Später, 1972 wird er von der Sowjetunion ausgebürgert (aufgrund seines "Parasitentums"), wird Professor an der Universität in Michigan. Seine Eltern wünschen ihn noch einmal zu sehen, bevor sie sterben.
So kommt
Brodskys Dampfer schließlich im heutigen St. Petersburg an, er sieht, wie die Stadt sich verändert hat, wie „verwestlicht“ sie ist, und muss lächeln. Er findet die alte Wohnung, und trifft seine Eltern endlich an. Doch alle drei sind sie nur Geister, die im Tod zueinander gefunden haben.
Regisseur
Khrzhanovskiy wollte seinem Helden das Wiedersehen und die Rückkehr nicht nehmen lassen, auch wenn diese so niemals stattgefunden haben.
Und das sind auch die zentralen Themen des Films, Erinnerung und Wiederkehr.
Brodsky träumt im fernen Westen nur vom Wiedersehen, und seine Erinnerungen bestimmen sein gesamtes Leben.
Khrzhanovskiy greift zu zahlreichen stilistischen Mitteln um
Brodskys Erinnerungen zu illustrieren, so finden z.B. animierte Sequenzen genauso Verwendung wie Dokumentaraufnahmen
Brodskys. Auch werden Filmszenen bewusst verfremdet, um ihnen einen dokumentarischen Anstrich zu verpassen.
So entsteht eine faszinierende Collage, sehr bunt, assoziativ, überbordend, immer interessant, aber auch sehr ausschweifend. Und auch wenn die erste Hälfte noch sehr erfrischend ist, so entstehen in der zweiten Hälfte leichte dramaturgische Schwierigkeiten. Man hat den Eindruck, als hätte
Khrzhanovskiy dem Film nur sehr widerwillig ein Ende verpasst, zu sehr verliert er sich in der melancholischen Gedankenwelt
Brodskys. Dennoch ist ebenjene Melancholie die besondere Stärke des Films, gepaart mit einer wehmütigen, doch niemals verklärenden Nostalgie.
Khrzhanovskiy wollte viel, vielleicht zu viel für seinen ersten Spielfilm, und man kann
Room and a Half zu Recht als überambitioniert bezeichnen, aber nicht mehr als er engagiert ist. Politisch, wie persönlich.
Room and a Half/Poltory komnaty ili sentimentalnoe puteshestvie na rodinu
R: Andrey Khrzhanovskiy
D: Grigoriy Dityatkovskiy, Alisa Frejndlikh, Sergei Yursky
Russland, 2008, 130 min.

Das Spielfilmdebüt des Animationsregisseurs
Andrey Khrzhanovskiy nimmt sich der Lebensgeschichte des russischen Dichters und Nobelpreisträgers
Joseph Brodsky an. Dennoch ist
Room and a Half alles andere als ein Biopic, eher eine Variation, eine Meditation über
Brodskys Beziehung zur Heimat und zu seinen Eltern.
Wir sehen den alten
Brodsky auf einem Dampfer, Erinnerungen durchdringen ihn. Er denkt an seine Kindheit in Leningrad zurück, den Zweiten Weltkrieg, das Aufwachsen in der Stalinzeit, die Denunzianten („Die Juden sind ruhig“, protokolliert ein wachsamer Nachbar), die fehlende Privatsphäre, Tagträumereien und Phantasien kommen hinzu (ein Gespräch mit
Stalin als Chefkoch; Musikinstrumente, die durch die Luft fliegen).
Brodsky wird älter, entdeckt den Westen durch das Kino, schwärmt für
Zarah Leander, macht seine ersten Erfahrungen mit Frauen, aber auch mit der Bespitzelung durch den KGB.
Später, 1972 wird er von der Sowjetunion ausgebürgert (aufgrund seines "Parasitentums"), wird Professor an der Universität in Michigan. Seine Eltern wünschen ihn noch einmal zu sehen, bevor sie sterben.
So kommt
Brodskys Dampfer schließlich im heutigen St. Petersburg an, er sieht, wie die Stadt sich verändert hat, wie „verwestlicht“ sie ist, und muss lächeln. Er findet die alte Wohnung, und trifft seine Eltern endlich an. Doch alle drei sind sie nur Geister, die im Tod zueinander gefunden haben.
Regisseur
Khrzhanovskiy wollte seinem Helden das Wiedersehen und die Rückkehr nicht nehmen lassen, auch wenn diese so niemals stattgefunden haben.
Und das sind auch die zentralen Themen des Films, Erinnerung und Wiederkehr.
Brodsky träumt im fernen Westen nur vom Wiedersehen, und seine Erinnerungen bestimmen sein gesamtes Leben.
Khrzhanovskiy greift zu zahlreichen stilistischen Mitteln um
Brodskys Erinnerungen zu illustrieren, so finden z.B. animierte Sequenzen genauso Verwendung wie Dokumentaraufnahmen
Brodskys. Auch werden Filmszenen bewusst verfremdet, um ihnen einen dokumentarischen Anstrich zu verpassen.
So entsteht eine faszinierende Collage, sehr bunt, assoziativ, überbordend, immer interessant, aber auch sehr ausschweifend. Und auch wenn die erste Hälfte noch sehr erfrischend ist, so entstehen in der zweiten Hälfte leichte dramaturgische Schwierigkeiten. Man hat den Eindruck, als hätte
Khrzhanovskiy dem Film nur sehr widerwillig ein Ende verpasst, zu sehr verliert er sich in der melancholischen Gedankenwelt
Brodskys. Dennoch ist ebenjene Melancholie die besondere Stärke des Films, gepaart mit einer wehmütigen, doch niemals verklärenden Nostalgie.
Khrzhanovskiy wollte viel, vielleicht zu viel für seinen ersten Spielfilm, und man kann
Room and a Half zu Recht als überambitioniert bezeichnen, aber nicht mehr als er engagiert ist. Politisch, wie persönlich.
Room and a Half/Poltory komnaty ili sentimentalnoe puteshestvie na rodinu
R: Andrey Khrzhanovskiy
D: Grigoriy Dityatkovskiy, Alisa Frejndlikh, Sergei Yursky
Russland, 2008, 130 min.
goEast: Room and a Half