Zwischen Polizeirevier, Tanzkurs, ehemaligen und neuen Freunde sucht die einsame Polizistin Gelya (
Alisa Khazanova) nach einem Partner, nach einem Mitmenschen, dem sie sich auf ihre natürliche, ehrliche Art anvertrauen kann, als Mensch und als Frau.
Nikolay Khomerikis Film blickt auf eine Gesellschaft, in der ehrliche Beziehungen zwischen Menschen nicht möglich sind. Alle ehrlichen Kommunikationsversuche Gelyas werden von ihren Kollegen auf dem Polizeirevier durch möglichst bunt mit Schimpfwörtern bespickte Beleidigungen gekontert. Nach und nach wird deutlich, dass die ganze Gesellschaft unter dem, was man vor einige Jahrhunderte Etikett nannte, leidet, die aber eine sehr zeitgenössische Form durch die Beleidigungen erhält und Kommunikation unmöglich macht. Alles natürlich viel verbunden mit der Sexualität, die im Verlauf des Films möglichst groteske verbale Gestalten annimmt.
Nikolay Khomeriki lässt Gelya bei einer ganzen Reihe von Menschen Zuneigung suchen. So versucht sie immer wieder während des Films, ihren Kollegen Dimych (
Boris Kamorzin) zu überzeugen, mit ihr einen Tanzkurs zu besuchen. Doch seine Reaktionen zeugen nur von Frauenverachtung und animalischen Trieb, die jede Möglichkeit der Annäherung verbarrikadieren. Als Metapher der Zukunft steht ein Waisenkind, um dessen Verbleib sich Gelya beruflich bemüht. Doch ein mütterlicher Annäherungsversuch Gelyas wird von dem Kleinen mittels einem, durch das Prisma seines Alters umso schockierenderen Vokabular zurückgewiesen.
Gelyas melancholische Einsamkeit erreicht mit jeder Erniedrigung und Abweisung zunehmend existenzialistischere Dimensionen. Sie sucht die Nähe eines Unbekannten, der durch seine Einfachheit und Ehrlichkeit die Illusion einer Besserung entstehen lässt. Wenige Stunden später soll es zur sexuellen Begegnung kommen, wobei er aber daran scheitert von der Objektivierung Gelyas abzulassen, und sie, wie die anderen, alleine lässt.
So begibt sich Gelya auf ihrer Liebesodyssee weiter, in ihrem alten Freundeskreis nur noch als Polizeiuniform wahrgenommen, von einem Dichter nur als unantastbarer nackter Körper auf ein Objekt der Betrachtung reduziert, im Tanzkurs einsam unter bedrückend intimen Paaren Schritte übend, ja sich sogar sich auf eine Wette um die Impotenz eines Kollegen mit den anderen Polizistinnen einlassend.
Doch der Moment der Versöhnung wartet auf sie am Ende dieser Reise. Dimych geht endlich mit ihr tanzen und plötzlich entsteht in den einfachen, mühsam aneinander geübten Tanzschritten eine Kommunikationsmöglichkeit zwischen den beiden. Glücklich fragt ihn Gelya nach der Tanzstunde, ob er nochmal mitkommen möchte, und er bejaht. Aber er scheitert wieder an die Kommunikation, er wagt den Schritt nicht über die Schimpfbarriere hinaus, so muss sie fort, eine der traurigsten und schönsten „Ich liebe dich“s des Kinos hinterlassend.
Tale in the Darkness / Das Märchen der Dunkelheit / Skazka pro temnotu
R: Nikolay Khomeriki
D: Alisa Khazanova, Boris Kamorzin, Yuriy Safarov
Russland, 2009, 76 Min.
Zwischen Polizeirevier, Tanzkurs, ehemaligen und neuen Freunde sucht die einsame Polizistin Gelya (
Alisa Khazanova) nach einem Partner, nach einem Mitmenschen, dem sie sich auf ihre natürliche, ehrliche Art anvertrauen kann, als Mensch und als Frau.
Nikolay Khomerikis Film blickt auf eine Gesellschaft, in der ehrliche Beziehungen zwischen Menschen nicht möglich sind. Alle ehrlichen Kommunikationsversuche Gelyas werden von ihren Kollegen auf dem Polizeirevier durch möglichst bunt mit Schimpfwörtern bespickte Beleidigungen gekontert. Nach und nach wird deutlich, dass die ganze Gesellschaft unter dem, was man vor einige Jahrhunderte Etikett nannte, leidet, die aber eine sehr zeitgenössische Form durch die Beleidigungen erhält und Kommunikation unmöglich macht. Alles natürlich viel verbunden mit der Sexualität, die im Verlauf des Films möglichst groteske verbale Gestalten annimmt.
Nikolay Khomeriki lässt Gelya bei einer ganzen Reihe von Menschen Zuneigung suchen. So versucht sie immer wieder während des Films, ihren Kollegen Dimych (
Boris Kamorzin) zu überzeugen, mit ihr einen Tanzkurs zu besuchen. Doch seine Reaktionen zeugen nur von Frauenverachtung und animalischen Trieb, die jede Möglichkeit der Annäherung verbarrikadieren. Als Metapher der Zukunft steht ein Waisenkind, um dessen Verbleib sich Gelya beruflich bemüht. Doch ein mütterlicher Annäherungsversuch Gelyas wird von dem Kleinen mittels einem, durch das Prisma seines Alters umso schockierenderen Vokabular zurückgewiesen.
Gelyas melancholische Einsamkeit erreicht mit jeder Erniedrigung und Abweisung zunehmend existenzialistischere Dimensionen. Sie sucht die Nähe eines Unbekannten, der durch seine Einfachheit und Ehrlichkeit die Illusion einer Besserung entstehen lässt. Wenige Stunden später soll es zur sexuellen Begegnung kommen, wobei er aber daran scheitert von der Objektivierung Gelyas abzulassen, und sie, wie die anderen, alleine lässt.
So begibt sich Gelya auf ihrer Liebesodyssee weiter, in ihrem alten Freundeskreis nur noch als Polizeiuniform wahrgenommen, von einem Dichter nur als unantastbarer nackter Körper auf ein Objekt der Betrachtung reduziert, im Tanzkurs einsam unter bedrückend intimen Paaren Schritte übend, ja sich sogar sich auf eine Wette um die Impotenz eines Kollegen mit den anderen Polizistinnen einlassend.
Doch der Moment der Versöhnung wartet auf sie am Ende dieser Reise. Dimych geht endlich mit ihr tanzen und plötzlich entsteht in den einfachen, mühsam aneinander geübten Tanzschritten eine Kommunikationsmöglichkeit zwischen den beiden. Glücklich fragt ihn Gelya nach der Tanzstunde, ob er nochmal mitkommen möchte, und er bejaht. Aber er scheitert wieder an die Kommunikation, er wagt den Schritt nicht über die Schimpfbarriere hinaus, so muss sie fort, eine der traurigsten und schönsten „Ich liebe dich“s des Kinos hinterlassend.
Tale in the Darkness / Das Märchen der Dunkelheit / Skazka pro temnotu
R: Nikolay Khomeriki
D: Alisa Khazanova, Boris Kamorzin, Yuriy Safarov
Russland, 2009, 76 Min.
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