
Regisseur
Toshiaki Toyoda ist ein Nippon-Veteran, schon sein Regiedebüt
Pornostar (1998) wurde bei
Nippon Connection aufgeführt und läuft dieses Jahr anläßlich des Jubiläums auch noch einmal in der Retrospektive. Die letzten vier Jahre allerdings blieb er der Leinwand fern, erst jetzt veröffentlicht er mit
The Blood of Rebirth einen neuen Film.
Die Kamera bewegt sich zu Beginn wie aus dem Himmel in die Welt hinunter, gleitet dabei über schroffe Felsen hinab während die Schreie von Sklaventreibern zu hören sind, die erschöpfte Arbeiter antreiben. Denn dieses Land, Japan vor einigen Jahrhunderten, steht unter der Herrschaft eines herzlosen Fürsten (
Mayuu Kusakari). Dieser hat bezeichnenderweise seine Festung eben genau in diese toten Steine bauen lassen, denn seine gesamte Haltung ist menschen- und lebensverachtend. So ist es für ihn zum Beispiel ein großes Vergnügen, Fischen den Kopf abzuhacken und ihnen beim Zappeln und Zucken zuzuschauen. Auch das Leben seiner Untergebenen zählt nichts für ihn. Ganz anders sieht es mit seinem eigenen aus. Von einer der zahlreichen Frauen, die der Fürst für sich beansprucht, mit einer schmerzhaften und immer weiter fortschreitenden Krankheit infiziert, versucht er alles, seine Gesundheit zu bessern und sein Leben zu retten. Daher bestellt er auch den Masseur Oguri (
Tatsuya Nakamura) in sein Haus, damit dieser ihn heilt. Oguri ist ein großer Meister seiner Kunst, versteht es also, seine Kunden von den Verspannungen und Schmerzen ihres Körpers zu befreien. Als Heiler ist seine Figur somit mit dem Leben verbunden, andererseits versteht er auch die Einengungen durch das irdische Leben. So wagt er es gar gegenüber dem Fürsten zu behaupten, daß die Angst vor dem Tod, die alle Menschen haben, nicht unbedingt berechtigt sein muß, da danach einfach eine weitere, ähnliche, vielleicht sogar bessere Welt folgen wird. Diese Einstellung muß den Fürsten natürlich beleidigen und so gibt er dem Masseur giftigen Sake zu trinken.
Angekommen im Leben nach dem Tod entscheidet sich Oguri jedoch gegen den Himmel, sondern dafür, als Geist auf die Erde zurückzukehren, um die Welt von der Herrschaft des Fürsten zu befreien und dabei außerdem noch Terute (
Kiyohiko Shibukawa), eine Dienerin in der Festung, vor seinen Übergriffen zu retten. Ihm wird also seine menschliche Gestalt wiedergegeben, doch muß er seinen Körper erst wieder richtig zum Leben erwecken, bevor er gegen den Fürsten antreten kann. Dazu benötigt er die Hilfe von Menschen, denn er muß zu einer bestimmten Quelle gebracht werden. Einige versuchen ihm zu helfen, doch ist ihnen der Weg immer zu beschwerlich, erst als ihn Terute findet, die vor dem Fürsten geflohen ist, kommt er seinem Ziel näher. Unermüdlich zieht die junge Frau ihn auf einer Bahre durch das Land. Der zur Unbeweglichkeit gezwungene Oguri schaut dabei in die Welt um ihn. Die Kamera zeigt auf dieser Reise die beiden, wie sie sich durch die Natur bewegen. Zunächst fallen um sie herum Blütensamen herab - ihr Aufbruch ist die Saat für sein neues Leben. Dann laufen sie durch starken Regen - ihre Fortbewegung läßt den Samen wachsen. Später scheint die Sonne auf ihren Weg - den Weg zu seiner Wiedergeburt. Es finden sich auch Subjektiven Oguris, die, weil er liegt, verdreht auf der Leinwand erscheinen und so noch stärker den Eindruck einer fortlaufenden Bewegung hervorrufen. Die Naturbilder zeigen natürlich das vielfältige Leben in der Welt und die Schönheit dieses Lebens, doch finden sich in ihnen auch immer Hinweise auf das Ende des Lebens. So liegt ein Tierskelett im Waldboden oder am Flußufer finden sich Steingräber. Diese Verbindung von Leben und Tod ist der Kreislauf der Natur, sie anzunehmen eine Grundanforderung an die Menschen, wenn sie ein zufriedenes Leben führen wollen.

Der Fürst hingegen begegnet weder Leben noch Tod mit Achtung, sieht nur seine eigenen Wünsche und nimmt sich selbst dadurch viel zu wichtig. Als er bemerkt, daß Terute verschwunden ist, verfolgt er sie. In einem Akt selbstloser Liebe opfert sich die Frau für Oguri, damit dieser den letzten Schritt auf dem Weg zu der lebensspendenden Quelle unternehmen kann. Sie selbst wird vom Fürsten getötet, der sie lieber tot sieht, als daß er ihre Ablehnung ertragen könnte. Mit ihrem Tod beginnt eine der beeindruckensten Sequenzen des Films. In Zeitlupe wird gezeigt wie sie Oguri in einem Boot auf einen See hinausschiebt bevor der Fürst sie erreicht und mit seinem Schwert ermordet. Daraufhin treibt Oguri über das Wasser bis er an einem Ufer strandet. Dort schleppt er sich an Land und findet eine heiße Quelle vor. In ihr rotgefärbtes Wasser steigt er hinab. Die Kamera zeigt ihn von oben wie er untertaucht, bewegt sich dann nach oben, während er wie ein Fötus im Mutterleib im warmen Wasser bleibt. Dazwischen werden Bilder geschnitten, die seinen bisherigen Weg beschreiben. Wieder wird die Natur gezeigt und immer wieder das Seil, an dem Terute ihn zog, und sie selbst. Sie ermöglicht ihm den Weg zurück ins Leben, ist die Mutter seiner Wiedergeburt. Deutlich wird dies durch die Aufnahme des zerreißenden Seils, gleich einer Nabelschnur wird kurz vor der Geburt die Verbindung zur Mutter unterbrochen. Die Sequenz endet mit Oguri, der, wieder in Zeitlupe, gezeigt wird wie er aus dem Wasser auftaucht. In dieser sehr langen Einstellung erhebt er sich aus der Quelle, schreit mehrfach laut und äußerst zornig, schlägt dazu mit den Fäusten um sich. Sein magerer Körper ist angespannt, jeder Muskel zeichnet sich ab. Über seinem Herzen prangt eine Tätowierung, die vorher nicht zu sehen war. Es handelt sich um einen Schmetterling. Oguri ist hier wie der aus dem Kokon geschlüpfte, wunderschöne Schmetterling, gleichzeitig das Neugeborene, und das pure, gewaltigste Leben.
Mit seiner wiedergewonnen Kraft tritt er seinem Mörder entgegen. Er gibt sich als Heiler aus und bietet ihm etwas von dem lebensspendenden Wasser der Quelle an, doch bevor der Fürst darin baden kann, enthauptet Oguri ihn. Nachdem er seine selbstauferlegte Aufgabe erfüllt hat, trennt er sich ohne Zögern den eigenen Kopf ab. Beide Häupter landen in dem Kessel mit dem Heilwasser, in dem sich die beiden weiterbekämpfen. Als die Gefolgsmänner sie wieder hinausfischen, ist alles Fleisch von ihnen abgefallen und die Totenschädel haben sich ineinander so verbissen, daß sie ein Yin-und-Yang-Zeichen formen. Es ist nicht mehr festzustellen, welcher Schädel zu wem gehört. Dieses Schlußbild symbolisiert die Dualität des Seins, das Nebeneinander von Leben und Tod. Die beiden Hauptcharaktere waren Gegensätze in der Einstellung zur Welt. Durch seine Wiedergeburt hat es Oguri geschafft seinen Gegenpart ebenfalls unschädlich zu machen und dadurch die Welt von ihm zu befreien.
Der Film ist deswegen herausragend, weil er sein Thema durch derart schöne und aussagekräftige Bilder zu erzählen vermag. Auch durch die vielen Zeitlupen, die teilweise sehr langen Einstellungen und die assoziative Montage tragen vor allem die Bilder zum Transport der Stimmung bei. Zur Unterstützung ihrer Kraft trägt der Musikeinsatz bei. Die für einen historischen Film eher ungewöhnlichen Stücke der Band Twin Tail entrücken die Aufnahmen aus dem geschichtlichen Zusammenhang und unterstreichen so die universelle Aussage des Films.
The Blood of Rebirth wird noch einmal am Sonntag, dem 18.4. um 20:15 im Kino Orfeos Erben im Rahmen der Nippon Connection zu sehen sein.
Toshiaki Toyodas Debütfilm
Pornostar läuft heute, am 17.4., um 20:00 Uhr unter Anwesenheit des Regisseurs im
Mal Seh’n Kino. Danach findet das ausführliche Filmemachergespräch mit
Toyoda ab 22:30 Uhr im Festivalzentrum statt.
The Blood of Rebirth / Yomigaeri no chi
R: Toshiaki Toyoda
D: Tatsuya Nakamura, Mayuu Kusakari, Kiyohiko Shibukawa
Japan, 2009, 83 Min.

Regisseur
Toshiaki Toyoda ist ein Nippon-Veteran, schon sein Regiedebüt
Pornostar (1998) wurde bei
Nippon Connection aufgeführt und läuft dieses Jahr anläßlich des Jubiläums auch noch einmal in der Retrospektive. Die letzten vier Jahre allerdings blieb er der Leinwand fern, erst jetzt veröffentlicht er mit
The Blood of Rebirth einen neuen Film.
Die Kamera bewegt sich zu Beginn wie aus dem Himmel in die Welt hinunter, gleitet dabei über schroffe Felsen hinab während die Schreie von Sklaventreibern zu hören sind, die erschöpfte Arbeiter antreiben. Denn dieses Land, Japan vor einigen Jahrhunderten, steht unter der Herrschaft eines herzlosen Fürsten (
Mayuu Kusakari). Dieser hat bezeichnenderweise seine Festung eben genau in diese toten Steine bauen lassen, denn seine gesamte Haltung ist menschen- und lebensverachtend. So ist es für ihn zum Beispiel ein großes Vergnügen, Fischen den Kopf abzuhacken und ihnen beim Zappeln und Zucken zuzuschauen. Auch das Leben seiner Untergebenen zählt nichts für ihn. Ganz anders sieht es mit seinem eigenen aus. Von einer der zahlreichen Frauen, die der Fürst für sich beansprucht, mit einer schmerzhaften und immer weiter fortschreitenden Krankheit infiziert, versucht er alles, seine Gesundheit zu bessern und sein Leben zu retten. Daher bestellt er auch den Masseur Oguri (
Tatsuya Nakamura) in sein Haus, damit dieser ihn heilt. Oguri ist ein großer Meister seiner Kunst, versteht es also, seine Kunden von den Verspannungen und Schmerzen ihres Körpers zu befreien. Als Heiler ist seine Figur somit mit dem Leben verbunden, andererseits versteht er auch die Einengungen durch das irdische Leben. So wagt er es gar gegenüber dem Fürsten zu behaupten, daß die Angst vor dem Tod, die alle Menschen haben, nicht unbedingt berechtigt sein muß, da danach einfach eine weitere, ähnliche, vielleicht sogar bessere Welt folgen wird. Diese Einstellung muß den Fürsten natürlich beleidigen und so gibt er dem Masseur giftigen Sake zu trinken.
Angekommen im Leben nach dem Tod entscheidet sich Oguri jedoch gegen den Himmel, sondern dafür, als Geist auf die Erde zurückzukehren, um die Welt von der Herrschaft des Fürsten zu befreien und dabei außerdem noch Terute (
Kiyohiko Shibukawa), eine Dienerin in der Festung, vor seinen Übergriffen zu retten. Ihm wird also seine menschliche Gestalt wiedergegeben, doch muß er seinen Körper erst wieder richtig zum Leben erwecken, bevor er gegen den Fürsten antreten kann. Dazu benötigt er die Hilfe von Menschen, denn er muß zu einer bestimmten Quelle gebracht werden. Einige versuchen ihm zu helfen, doch ist ihnen der Weg immer zu beschwerlich, erst als ihn Terute findet, die vor dem Fürsten geflohen ist, kommt er seinem Ziel näher. Unermüdlich zieht die junge Frau ihn auf einer Bahre durch das Land. Der zur Unbeweglichkeit gezwungene Oguri schaut dabei in die Welt um ihn. Die Kamera zeigt auf dieser Reise die beiden, wie sie sich durch die Natur bewegen. Zunächst fallen um sie herum Blütensamen herab - ihr Aufbruch ist die Saat für sein neues Leben. Dann laufen sie durch starken Regen - ihre Fortbewegung läßt den Samen wachsen. Später scheint die Sonne auf ihren Weg - den Weg zu seiner Wiedergeburt. Es finden sich auch Subjektiven Oguris, die, weil er liegt, verdreht auf der Leinwand erscheinen und so noch stärker den Eindruck einer fortlaufenden Bewegung hervorrufen. Die Naturbilder zeigen natürlich das vielfältige Leben in der Welt und die Schönheit dieses Lebens, doch finden sich in ihnen auch immer Hinweise auf das Ende des Lebens. So liegt ein Tierskelett im Waldboden oder am Flußufer finden sich Steingräber. Diese Verbindung von Leben und Tod ist der Kreislauf der Natur, sie anzunehmen eine Grundanforderung an die Menschen, wenn sie ein zufriedenes Leben führen wollen.

Der Fürst hingegen begegnet weder Leben noch Tod mit Achtung, sieht nur seine eigenen Wünsche und nimmt sich selbst dadurch viel zu wichtig. Als er bemerkt, daß Terute verschwunden ist, verfolgt er sie. In einem Akt selbstloser Liebe opfert sich die Frau für Oguri, damit dieser den letzten Schritt auf dem Weg zu der lebensspendenden Quelle unternehmen kann. Sie selbst wird vom Fürsten getötet, der sie lieber tot sieht, als daß er ihre Ablehnung ertragen könnte. Mit ihrem Tod beginnt eine der beeindruckensten Sequenzen des Films. In Zeitlupe wird gezeigt wie sie Oguri in einem Boot auf einen See hinausschiebt bevor der Fürst sie erreicht und mit seinem Schwert ermordet. Daraufhin treibt Oguri über das Wasser bis er an einem Ufer strandet. Dort schleppt er sich an Land und findet eine heiße Quelle vor. In ihr rotgefärbtes Wasser steigt er hinab. Die Kamera zeigt ihn von oben wie er untertaucht, bewegt sich dann nach oben, während er wie ein Fötus im Mutterleib im warmen Wasser bleibt. Dazwischen werden Bilder geschnitten, die seinen bisherigen Weg beschreiben. Wieder wird die Natur gezeigt und immer wieder das Seil, an dem Terute ihn zog, und sie selbst. Sie ermöglicht ihm den Weg zurück ins Leben, ist die Mutter seiner Wiedergeburt. Deutlich wird dies durch die Aufnahme des zerreißenden Seils, gleich einer Nabelschnur wird kurz vor der Geburt die Verbindung zur Mutter unterbrochen. Die Sequenz endet mit Oguri, der, wieder in Zeitlupe, gezeigt wird wie er aus dem Wasser auftaucht. In dieser sehr langen Einstellung erhebt er sich aus der Quelle, schreit mehrfach laut und äußerst zornig, schlägt dazu mit den Fäusten um sich. Sein magerer Körper ist angespannt, jeder Muskel zeichnet sich ab. Über seinem Herzen prangt eine Tätowierung, die vorher nicht zu sehen war. Es handelt sich um einen Schmetterling. Oguri ist hier wie der aus dem Kokon geschlüpfte, wunderschöne Schmetterling, gleichzeitig das Neugeborene, und das pure, gewaltigste Leben.
Mit seiner wiedergewonnen Kraft tritt er seinem Mörder entgegen. Er gibt sich als Heiler aus und bietet ihm etwas von dem lebensspendenden Wasser der Quelle an, doch bevor der Fürst darin baden kann, enthauptet Oguri ihn. Nachdem er seine selbstauferlegte Aufgabe erfüllt hat, trennt er sich ohne Zögern den eigenen Kopf ab. Beide Häupter landen in dem Kessel mit dem Heilwasser, in dem sich die beiden weiterbekämpfen. Als die Gefolgsmänner sie wieder hinausfischen, ist alles Fleisch von ihnen abgefallen und die Totenschädel haben sich ineinander so verbissen, daß sie ein Yin-und-Yang-Zeichen formen. Es ist nicht mehr festzustellen, welcher Schädel zu wem gehört. Dieses Schlußbild symbolisiert die Dualität des Seins, das Nebeneinander von Leben und Tod. Die beiden Hauptcharaktere waren Gegensätze in der Einstellung zur Welt. Durch seine Wiedergeburt hat es Oguri geschafft seinen Gegenpart ebenfalls unschädlich zu machen und dadurch die Welt von ihm zu befreien.
Der Film ist deswegen herausragend, weil er sein Thema durch derart schöne und aussagekräftige Bilder zu erzählen vermag. Auch durch die vielen Zeitlupen, die teilweise sehr langen Einstellungen und die assoziative Montage tragen vor allem die Bilder zum Transport der Stimmung bei. Zur Unterstützung ihrer Kraft trägt der Musikeinsatz bei. Die für einen historischen Film eher ungewöhnlichen Stücke der Band Twin Tail entrücken die Aufnahmen aus dem geschichtlichen Zusammenhang und unterstreichen so die universelle Aussage des Films.
The Blood of Rebirth wird noch einmal am Sonntag, dem 18.4. um 20:15 im Kino Orfeos Erben im Rahmen der Nippon Connection zu sehen sein.
Toshiaki Toyodas Debütfilm
Pornostar läuft heute, am 17.4., um 20:00 Uhr unter Anwesenheit des Regisseurs im
Mal Seh’n Kino. Danach findet das ausführliche Filmemachergespräch mit
Toyoda ab 22:30 Uhr im Festivalzentrum statt.
The Blood of Rebirth / Yomigaeri no chi
R: Toshiaki Toyoda
D: Tatsuya Nakamura, Mayuu Kusakari, Kiyohiko Shibukawa
Japan, 2009, 83 Min.
Nippon Connection: The Blood of Rebirth