Nach ihrem Regiedebüt
Wild Berries (2003) und dem bei den Filmfestspielen in Cannes gelaufenen
Sway (2006) gilt Regisseurin
Miwa Nishikawa als eine der großen Hoffnungen unter den jungen japanischen Filmemachern. Ihr letzter Film,
Dear Doctor, war bei
Nippon Connection zu sehen.
Sehr auf internationale Wirkung angelegt ist
Dear Doctor, was sich schon an der hochkarätigen Besetzung bemerkt macht:
Tsurube Shokufutei als Doktor Osamu Ino, Japans berühmtester Comedian,
Eita als Assistenzarzt Soma, einer der berühmtesten jungen Schauspieler in Japan,
Kaoru Yachigusa als die Witwe Kaduko Torikai, mittlerweile eine Schauspiellegende(die beiden letzten Schauspieler waren auf Nippon Connection dieses Jahr auch in
Toads Oil zu sehen). Diese großen Namen können weltweit Publikum anziehen. Zugunsten der Internationalität tauscht der Film auch die sonst im Festival dominierenden typischen Erzählmuster, die sehr an den Bildern orientiert sind, gegen einer Handlungs- und Dramaturgie-Zentriertheit.
Ort des Geschehens ist ein einsamer, abgelegener Ort, der durch die Klänge einer Westerngitarre in der ersten Einstellung charakterisiert ist. Ein Arzt fährt auf einem Fahrrad auf einer einsamen Straße, als plötzlich extradiegetische Stimmen das Verschwinden des Arztes besprechen. Wie es sich herausstellt, ist der Fahrradfahrer kein Arzt, er hatte einen Arztkittel auf dem Weg gefunden. Der Fahrradfahrer kommt im Dorf an, wo die Polizei ihn gleich befragt.
Parallel zu den Ermittlungen um das Verschwinden des Arztes wird die Geschichte des verschwundenen Doktors Osamu Ino erzählt. Dieser, stellen die Polizisten fest, hat sich drei Jahre im Dorf als Arzt ausgegeben und die Praxis der Gemeinde geführt, obwohl er eigentlich gar kein Mediziner war. Nach einem Erzählmuster à la Hollywood wird der Hauptcharakter in
Dear Doctor zuerst in Ungnade geschleudert, um während der Handlung des Films im Auge des Zuschauers rehabilitiert zu werden. Denn Doktor Ino wird Szene für Szene dem Publikum ans Herz wachsen, so wie er es auch bei den Dorfbewohnern vermag, als Arzt und seelischer Betreuer der Dorfgemeinde. Die Leidenschaft, mit der er seinen Wahlberuf betreibt, bringt ihn oft dazu, sich weiterbilden zu müssen, so dass er immer mehr der Arzt wird, der er behauptet zu sein. Vor allem aber profiliert er sich als Mensch und ergänzt seine fachliche Kompetenz durch die Unermüdlichkeit, mit der er sich auf sehr individuelle und intime Weise um seine Patienten kümmert.
Doch eines Tages fällt er als Hochstapler auf und muss fliehen, die große Frage des Films offen lassend, wie sein Verlassen des Dorfes in einem beeindruckenden Spiel mit visuellen Konventionen bebildert: Ein Mensch, den der Film als einen sehr fürsorglichen Arzt beschrieben hat, fährt weg vom Dorf, den Anfang des Films symmetrisch aus der Gegenperspektive durchleuchtend.
Dear Doctor ist ein sehr westlich inszeniertes Melodram, ein mit Pathos und großen Gefühlen geladener Film, der sich Zeit nimmt, sehr stimmungsvoll seine Nebencharaktere vorzustellen und Menschenbilder schafft, wie das Kino selten zu bieten hat.
Dear Doctor
R: Miwa Nishikawa
D: Tsurube Shofukutei, Eita, Kaoru Yachigusa, Kimiko Yo
Japan, 2009, 127 Min.
Nach ihrem Regiedebüt
Wild Berries (2003) und dem bei den Filmfestspielen in Cannes gelaufenen
Sway (2006) gilt Regisseurin
Miwa Nishikawa als eine der großen Hoffnungen unter den jungen japanischen Filmemachern. Ihr letzter Film,
Dear Doctor, war bei
Nippon Connection zu sehen.
Sehr auf internationale Wirkung angelegt ist
Dear Doctor, was sich schon an der hochkarätigen Besetzung bemerkt macht:
Tsurube Shokufutei als Doktor Osamu Ino, Japans berühmtester Comedian,
Eita als Assistenzarzt Soma, einer der berühmtesten jungen Schauspieler in Japan,
Kaoru Yachigusa als die Witwe Kaduko Torikai, mittlerweile eine Schauspiellegende(die beiden letzten Schauspieler waren auf Nippon Connection dieses Jahr auch in
Toads Oil zu sehen). Diese großen Namen können weltweit Publikum anziehen. Zugunsten der Internationalität tauscht der Film auch die sonst im Festival dominierenden typischen Erzählmuster, die sehr an den Bildern orientiert sind, gegen einer Handlungs- und Dramaturgie-Zentriertheit.
Ort des Geschehens ist ein einsamer, abgelegener Ort, der durch die Klänge einer Westerngitarre in der ersten Einstellung charakterisiert ist. Ein Arzt fährt auf einem Fahrrad auf einer einsamen Straße, als plötzlich extradiegetische Stimmen das Verschwinden des Arztes besprechen. Wie es sich herausstellt, ist der Fahrradfahrer kein Arzt, er hatte einen Arztkittel auf dem Weg gefunden. Der Fahrradfahrer kommt im Dorf an, wo die Polizei ihn gleich befragt.
Parallel zu den Ermittlungen um das Verschwinden des Arztes wird die Geschichte des verschwundenen Doktors Osamu Ino erzählt. Dieser, stellen die Polizisten fest, hat sich drei Jahre im Dorf als Arzt ausgegeben und die Praxis der Gemeinde geführt, obwohl er eigentlich gar kein Mediziner war. Nach einem Erzählmuster à la Hollywood wird der Hauptcharakter in
Dear Doctor zuerst in Ungnade geschleudert, um während der Handlung des Films im Auge des Zuschauers rehabilitiert zu werden. Denn Doktor Ino wird Szene für Szene dem Publikum ans Herz wachsen, so wie er es auch bei den Dorfbewohnern vermag, als Arzt und seelischer Betreuer der Dorfgemeinde. Die Leidenschaft, mit der er seinen Wahlberuf betreibt, bringt ihn oft dazu, sich weiterbilden zu müssen, so dass er immer mehr der Arzt wird, der er behauptet zu sein. Vor allem aber profiliert er sich als Mensch und ergänzt seine fachliche Kompetenz durch die Unermüdlichkeit, mit der er sich auf sehr individuelle und intime Weise um seine Patienten kümmert.
Doch eines Tages fällt er als Hochstapler auf und muss fliehen, die große Frage des Films offen lassend, wie sein Verlassen des Dorfes in einem beeindruckenden Spiel mit visuellen Konventionen bebildert: Ein Mensch, den der Film als einen sehr fürsorglichen Arzt beschrieben hat, fährt weg vom Dorf, den Anfang des Films symmetrisch aus der Gegenperspektive durchleuchtend.
Dear Doctor ist ein sehr westlich inszeniertes Melodram, ein mit Pathos und großen Gefühlen geladener Film, der sich Zeit nimmt, sehr stimmungsvoll seine Nebencharaktere vorzustellen und Menschenbilder schafft, wie das Kino selten zu bieten hat.
Dear Doctor
R: Miwa Nishikawa
D: Tsurube Shofukutei, Eita, Kaoru Yachigusa, Kimiko Yo
Japan, 2009, 127 Min.
Nippon Connection: Dear Doctor