Tag für Tag werden die Filme bei
Nippon Connection immer westlicher in ihrer Konzeption. Angefangen hat es gestern mit
Oblivion Island, gesehen an dem Tag, an dem passenderweise mein Notizbuch verloren gegangen ist, und Film für Film baute sich diese Tendenz im Programm auf bis hin zu
Isshin Inudos Zero Focus, eben in Nippon Cinema als Wettbewerb-Film gezeigt.
Zero Focus bezeichnet die Suche des Kameraobjektivs nach den frisch verheirateten Kenichi und Teiko, eine Suche, die wenige Tage später in der Handlung auf Teiko (gespielt von
Ryoko Hirosue, bekannt in Deutschland aus
Nokan – Die Kunst des Ausklangs) übertragen wird. Kenichi ist während einer Dienstreise spurlos verschwunden. Die in durch sinnlich entsprechenden Meeresaufnahmen angekündigten Episoden der Ermittlungen führen nach Kamazawa und decken eine immer mehr verstrickte Konstellation von obskuren Charakteren auf, die mit dem vermeintlichen Sterben Kenichis in Verbindung zu sein scheinen. Ein Kriminalfilm voller Wendepunkte ist
Zero Fokus, die im Namen des Films beschriebene Unklarheit bleibt für einen großen Teil des Films ein begleitender Zustand für den Zuschauer.
Die Ermittlungen Teikos sind gleichzeitig eine Reise des Kennenlernens von ihrem verschwundenen Mannes, denn ihre Ehe war arrangiert worden. So erfährt sie nach und nach von seiner Vergangenheit und von den zwei Frauen, mit denen sein Schicksal verbunden ist.
Zero Fokus ist aber gleichzeitig ein Epochenbild. Mit Archivaufnahmen anfangend, dokumentiert der Film das Japan nach dem zweiten Weltkrieg, die Verhältnisse zwischen Männern und Frauen im Mittelpunkt. Parallel zu Teikos Suche nach Klarheit bezüglich des Todes und Lebens ihres Mannes kandidiert in Kamazawa zum ersten Mal in der japanischen Geschichte eine Frau als Bürgermeister. Kräftig unterstützt wird sie von Sachiko (
Miki Nakatani,
Memories of Matsuko), eine der zwei Frauen, die mit Teikos Ehemann durch ihr Schicksal in den Jahren nach dem Krieg verbunden waren. Während er als Polizist Frauen verhaften sollte, die mit amerikanischen G.I.s gegen Entgelt sexuelle Verhältnisse pflegten, arbeiteten diese zwei Frauen genau in dieser Branche.
Durch sie kam Kenichi dazu, die bittere Seite des Krieges vor allem für die Frauen näher kennenzulernen, und sich als Japaner mit ihnen verbunden zu fühlen und es entwickelte sich ein Verhältnis zwischen den drei. Wie aber die Kandidatur einer Frau für den Bürgermeisterposten bebildert, änderten sich die Zeiten, die Verhältnisse und die allgemeine Einstellungen der Menschen. Diese Änderungen betrafen aber nicht Kenichi und die zwei Frauen, die durch ihre Verbindung zueinander ständig an ihre belastende Vergangenheit erinnert wurden. Die Ehe mit Teiko wird aus dieser Perspektive, als sein Versuch, ein neues Leben mit einer jungen Frau anzufangen, durchleuchtet. Und dieser Versuch kostete ihm das Leben. Ebenso geschieht es mit den zwei Frauen, die, gefangen in der Vergangenheit, nicht ein Teil der Gegenwart werden können, ein Teil der Welt, in der Frauen und Männer gleichberechtigt sind.
Ein melodramatischer Kriminalfilm ist
Zero Fokus, der handwerklich mit viel Geschick umgesetzt ist und immer wieder durch etwas unkonventionelle Kameraeinstellungen überrascht, und der nicht zuletzt durch die Besetzung ein breites Publikum überzeugt.
Zero Focus / Zero no shoten
R: Isshin Inudo
D: Ryoko Hirosue, Miki Nakatani, Tae Kimura
Japan, 2009, 130 Min.
Tag für Tag werden die Filme bei
Nippon Connection immer westlicher in ihrer Konzeption. Angefangen hat es gestern mit
Oblivion Island, gesehen an dem Tag, an dem passenderweise mein Notizbuch verloren gegangen ist, und Film für Film baute sich diese Tendenz im Programm auf bis hin zu
Isshin Inudos Zero Focus, eben in Nippon Cinema als Wettbewerb-Film gezeigt.
Zero Focus bezeichnet die Suche des Kameraobjektivs nach den frisch verheirateten Kenichi und Teiko, eine Suche, die wenige Tage später in der Handlung auf Teiko (gespielt von
Ryoko Hirosue, bekannt in Deutschland aus
Nokan – Die Kunst des Ausklangs) übertragen wird. Kenichi ist während einer Dienstreise spurlos verschwunden. Die in durch sinnlich entsprechenden Meeresaufnahmen angekündigten Episoden der Ermittlungen führen nach Kamazawa und decken eine immer mehr verstrickte Konstellation von obskuren Charakteren auf, die mit dem vermeintlichen Sterben Kenichis in Verbindung zu sein scheinen. Ein Kriminalfilm voller Wendepunkte ist
Zero Fokus, die im Namen des Films beschriebene Unklarheit bleibt für einen großen Teil des Films ein begleitender Zustand für den Zuschauer.
Die Ermittlungen Teikos sind gleichzeitig eine Reise des Kennenlernens von ihrem verschwundenen Mannes, denn ihre Ehe war arrangiert worden. So erfährt sie nach und nach von seiner Vergangenheit und von den zwei Frauen, mit denen sein Schicksal verbunden ist.
Zero Fokus ist aber gleichzeitig ein Epochenbild. Mit Archivaufnahmen anfangend, dokumentiert der Film das Japan nach dem zweiten Weltkrieg, die Verhältnisse zwischen Männern und Frauen im Mittelpunkt. Parallel zu Teikos Suche nach Klarheit bezüglich des Todes und Lebens ihres Mannes kandidiert in Kamazawa zum ersten Mal in der japanischen Geschichte eine Frau als Bürgermeister. Kräftig unterstützt wird sie von Sachiko (
Miki Nakatani,
Memories of Matsuko), eine der zwei Frauen, die mit Teikos Ehemann durch ihr Schicksal in den Jahren nach dem Krieg verbunden waren. Während er als Polizist Frauen verhaften sollte, die mit amerikanischen G.I.s gegen Entgelt sexuelle Verhältnisse pflegten, arbeiteten diese zwei Frauen genau in dieser Branche.
Durch sie kam Kenichi dazu, die bittere Seite des Krieges vor allem für die Frauen näher kennenzulernen, und sich als Japaner mit ihnen verbunden zu fühlen und es entwickelte sich ein Verhältnis zwischen den drei. Wie aber die Kandidatur einer Frau für den Bürgermeisterposten bebildert, änderten sich die Zeiten, die Verhältnisse und die allgemeine Einstellungen der Menschen. Diese Änderungen betrafen aber nicht Kenichi und die zwei Frauen, die durch ihre Verbindung zueinander ständig an ihre belastende Vergangenheit erinnert wurden. Die Ehe mit Teiko wird aus dieser Perspektive, als sein Versuch, ein neues Leben mit einer jungen Frau anzufangen, durchleuchtet. Und dieser Versuch kostete ihm das Leben. Ebenso geschieht es mit den zwei Frauen, die, gefangen in der Vergangenheit, nicht ein Teil der Gegenwart werden können, ein Teil der Welt, in der Frauen und Männer gleichberechtigt sind.
Ein melodramatischer Kriminalfilm ist
Zero Fokus, der handwerklich mit viel Geschick umgesetzt ist und immer wieder durch etwas unkonventionelle Kameraeinstellungen überrascht, und der nicht zuletzt durch die Besetzung ein breites Publikum überzeugt.
Zero Focus / Zero no shoten
R: Isshin Inudo
D: Ryoko Hirosue, Miki Nakatani, Tae Kimura
Japan, 2009, 130 Min.
Nippon Connection: Zero Focus