Man hat es schon gut als Cineast. Das Programmkino zeigt ständig interessante und seltene Filme, kleine aber feine Festivals in der Umgebung sorgen für die notwendige Erweiterung des Horizonts, Indie-Labels pressen die geliebten Geheimtipps auf DVD und Blu-ray. Ein wunderschöner, in sich abgeschlossener Mikrokosmos. Aber nicht wirklich repräsentativ. Wenn man wissen will, wie es um den Film und seine Rezipienten steht, dann geht man ins Kino, d.h. ins
Multiplexkino.
Diese Großkinos gibt es seit 1979, vier Jahre nach Erscheinen von
Spielbergs Der weiße Hai, zwei Jahre nach
George Lucas’
Krieg der Sterne. Diese zwei Filme haben die Kinolandschaft für immer verändert, sie waren die ersten so genannten
Blockbuster. Gleichzeitig haben sie den Weg für weitere Blockbuster geebnet, teure Massenproduktionen, die, ausgestattet mit meist enormen Werbebudgets, ihren Weg in die Multiplexkinos finden.
Das Multiplex findet man mittlerweile fast überall auf der ganzen Welt, und es offeriert überall dasselbe Produkt. Es ist ein Walmart für Kinoerzeugnisse. Als neulich im Fernsehen Bilder über die Unruhen in Thailand zu sehen waren, ist mir eine Szene besonders in Erinnerung geblieben: eine zerstörte Einkaufspassage, voller Schutt und Geröll, und Soldaten. Daneben steht, unversehrt, eine Plakatwand. Sie zeigt das Kinoplakat für
Der Kautionscop mit
Gerald Butler und
Jennifer Aniston. Es steckt eine Menge Wahrheit in dieser Szene.
Dass durch die Globalisierung, und anderweitige wirtschaftliche Interessen die Welt immer näher zusammenrückt, ist weder eine Überraschung, noch kann man irgendwen dafür verantwortlich machen. Die Welt ist nun mal ein Dorf, und jeder in diesem Dorf kennt
Elvis, die
Beatles,
Micky Maus, und mittlerweile sogar
Shahrukh Khan. Genauso kennt heutzutage jeder Filme wie
Transformers,
Fluch der Karibik,
Sex and the City,
Twilight. Sie sind Mainstream. Fragt sich nur, wer sie dazu gemacht hat. Repräsentiert der kulturelle Mainstream wirklich das, was die Mehrheit interessiert, was die Mehrheit sehen will?
Das ist die zentrale Frage:
Bestimmt die Mehrheit wirklich den Massengeschmack? Klingt fast wie eine rhetorische Frage, aber nur fast.
Blicken wir einmal nach Amerika, ins Jahr 2007: in einem Land, das einen mehr als umstrittenen Krieg führt, kommt
Transformers heraus, der Film zum Spielzeug. Der Film, den
Steven Spielberg übrigens mitproduzierte, wurde u.a. unterstützt von
Hasbro (dem amerikanischen Spielzeughersteller, der an der Herstellung der kriegerischen Roboter beteiligt war),
General Motors, und dem
US Militär. Dass sich diese dubiosen Beteiligungen ideologisch auf den Film ausgewirkt haben, ist keine sehr kühne Hypothese.
So hat Regisseur
Michael Bay dem Militär ein Mitspracherecht an der Endfassung eingeräumt, zudem wurde der Film vom Militär ganz offiziell als „’Rekrutierungswerkzeug’“ (1) gebraucht, was man dem fertigen Produkt ganz klar ansieht.
Einer von den guten Jungs!
Wir haben also einen Film, aufgeladen mit Äktschn, Special Effects, Infantilität und zweifelhafter Politik. Das allein garantiert noch keine Massenkompatibilität. Diese wird erst durch den zweiten Schritt gewährleistet: Marketing, insbesondere in Form von
Merchandising. Es gibt das Spielzeug zum Film zum Spielzeug, Videospiele, Bücher, Comics, etc.
George Lucas hat damals vorgemacht, wie Merchandising funktioniert, und sein Beispiel hat Schule gemacht (nicht nur im Kino. Auch beliebte Fernsehsendungen sind auf den Merchandise-Zug aufgesprungen, s.
Die Simpsons).
Die verdammten Roboter sind dir damals überall begegnet, im Kino, im Fernsehen, im Radio, beim Fast Food Essen, im Elektronikfachmarkt, im Buchladen. Nicht, weil die Welt voller Spannung auf den neuen
Michael Bay-Film gewartet hat. Nicht, weil ein Film über Spielzeug so ein revolutionäres Konzept ist. Und auch nicht weil
Megan Fox eine so unglaublich versierte, und talentierte Schauspielerin ist. Sondern weil
Transformers über ein enormes Werbebudget verfügte.
Bays Film hatte die finanziellen Möglichkeiten, sich Gehör zu verschaffen. Er hatte die finanziellen Möglichkeiten, zum Mainstream zu werden. Er hat sich praktisch eingekauft in den Mainstream, so wie ein Oligarch in die Politik.
Genius at Work
Und wie steht es mit dem Publikum? Hatte das Publikum letztendlich keine andere Wahl als den Film zu sehen, allein schon weil es dieser gigantischen Werbelawine ausgesetzt war? So einfach ist es leider nicht. Jeder Zuschauer hat die Macht der Entscheidung. Und die meisten Zuschauer haben sich wohl bewusst für
Transformers entschieden. Die Begründung ist immer die gleiche, sie läuft hinaus auf: Unterhaltung.
Ein Wort, vor dem viele Kritiker und Feuilletonbewohner zurückschrecken. Unterhaltung… das ist doch dieses bösartig verdummende Ding ohne jeglichen erzieherischen Vorsatz, ohne höheren Anspruch. Künstlerische Stagnation! Kultureller Massenmord!
Die Unterhaltung wurde schon immer dazu missbraucht, Anspruchsvolles von Anspruchslosem zu trennen. Doch dieses Argument ist mehr als fadenscheinig.
Der Wunsch nach Unterhaltung ist keine Entschuldigung für filmische Verbrechen. Doch
Transformers ist in dem Bewusstsein der Menschen nichts als ein Unterhaltungsfilm, ein Actionfilm, ein Film für Kinder ab 12 Jahre, ein Blockbuster.
Transformers ist innerhalb der „normalen“ Filmindustrie entstanden, er ist denselben Weg gegangen wie viele Filme vor ihm. Es ist nichts Ungewöhnliches an seinem Entstehungsprozess, weil er nicht neu ist. So wird
Transformers „einfach“ nur als Film wahrgenommen, der Blockbuster des Jahres 2007.
Yvan eht nioj!
Was an ideologischem Potential in
Transformers steckt, interessiert also kein Schwein. Vielleicht ist das auch gar nicht schlecht. Vielleicht hat die Rekrutierungsstrategie des US Militärs also versagt? Vielleicht aber wirken die indirekten Anspielungen auch viel stärker und nachhaltiger als die Holzhammermethoden eines offensichtlichen Werbefilms wie
Top Gun?
Doch nicht nur die Ideologie eines Films wie
Transformers ist problematisch: das extrem hohe Budget dieses und ähnlicher Filme vermittelt dem Publikum den Eindruck des Normalen. Blockbuster sagen nämlich ständig, dass es die normalste Sache der Welt ist, ungeheuere Summen zu verschleudern, um den Kinogängern ein prickelndes Jahrmarktgefühl zu vermitteln.
Immer höhere Summen erwecken den Eindruck des Normalen. 1990 war
Terminator 2 mit einem Budget von über 100 Mio. $ der teuerste Film aller Zeiten. Der innovative Geschäftsmann
James Cameron hat diesen Rekord mit
Avatar selbstverständlich getoppt (das ungefähre Budget (zusammen mit dem Werbebudget) nähert sich der halben Milliarde (2)).
Auch wenn sich ein Film wie
Avatar unter dem Deckmantel der technischen Innovation versteckt, kann man das Budget dieses Films nur als dekadent bezeichnen.
Sollte das nicht für Empörung sorgen? Das Werbebudget von 150 Mio. $ sorgt jedenfalls dafür, dass diese Zahl als Rekordbruch aufgefasst wird, als Meilenstein, als sportliche Angelegenheit. Als
Ereignis.
Nun mag man jetzt behaupten, dass all diese Filme ihre Kosten auch wieder einspielen, und dazu noch Gewinn machen. Ist das nicht eine Rechtfertigung für das enorme Budget? Nicht wirklich, wenn man bedenkt, dass bereits vor dem Filmstart hohe Summen durch
Product-Placement, Merchandise Deals, etc. verdient werden.
Aber die Leute wollen es ja doch sehen, wird man jetzt sagen. Oder nicht? Bedienen die Erben von
Lucas und
Spielberg nicht die Wünsche der Zuschauer? Das bezweifle ich. Wenn das öffentliche Bewusstsein dermaßen mit Werbekampagnen voll gepumpt wird, inwiefern kann man da noch vom Massengeschmack reden? Der Begriff ist von vornherein irreführend, denn der Massengeschmack umfasst eben nicht nur den Geschmack der so genannten Masse (also der Mehrheit). Der Massengeschmack wird erst zu einem solchen, nachdem das Kinoerzeugnis alle notwendigen Stationen durchlaufen hat, und im öffentlichen Bewusstsein angekommen ist.
Das ist das Geheimnis der Blockbusterstrategie.
Sie kreiert den Massengeschmack. Ist ja auch logisch. Frei nach
Kleist: Woher soll ich wissen, was mir gefällt, bevor es mir jemand sagt?
Diese
künstlich geschaffene Kulturdominanz domestiziert den Zuschauer vom Kindesalter an. Oder, um es mal mit einem Blockbuster zu erklären: Wir leben alle in der
Matrix!
(1) http://orf.at/070801-15051/?href=http%3A%2F%2Forf.at%2F070801-15051%2F15052txt_story.html
(2) http://www.nytimes.com/2009/11/09/business/media/09avatar.html?_r=1
Man hat es schon gut als Cineast. Das Programmkino zeigt ständig interessante und seltene Filme, kleine aber feine Festivals in der Umgebung sorgen für die notwendige Erweiterung des Horizonts, Indie-Labels pressen die geliebten Geheimtipps auf DVD und Blu-ray. Ein wunderschöner, in sich abgeschlossener Mikrokosmos. Aber nicht wirklich repräsentativ. Wenn man wissen will, wie es um den Film und seine Rezipienten steht, dann geht man ins Kino, d.h. ins
Multiplexkino.
Diese Großkinos gibt es seit 1979, vier Jahre nach Erscheinen von
Spielbergs Der weiße Hai, zwei Jahre nach
George Lucas’
Krieg der Sterne. Diese zwei Filme haben die Kinolandschaft für immer verändert, sie waren die ersten so genannten
Blockbuster. Gleichzeitig haben sie den Weg für weitere Blockbuster geebnet, teure Massenproduktionen, die, ausgestattet mit meist enormen Werbebudgets, ihren Weg in die Multiplexkinos finden.
Das Multiplex findet man mittlerweile fast überall auf der ganzen Welt, und es offeriert überall dasselbe Produkt. Es ist ein Walmart für Kinoerzeugnisse. Als neulich im Fernsehen Bilder über die Unruhen in Thailand zu sehen waren, ist mir eine Szene besonders in Erinnerung geblieben: eine zerstörte Einkaufspassage, voller Schutt und Geröll, und Soldaten. Daneben steht, unversehrt, eine Plakatwand. Sie zeigt das Kinoplakat für
Der Kautionscop mit
Gerald Butler und
Jennifer Aniston. Es steckt eine Menge Wahrheit in dieser Szene.
Dass durch die Globalisierung, und anderweitige wirtschaftliche Interessen die Welt immer näher zusammenrückt, ist weder eine Überraschung, noch kann man irgendwen dafür verantwortlich machen. Die Welt ist nun mal ein Dorf, und jeder in diesem Dorf kennt
Elvis, die
Beatles,
Micky Maus, und mittlerweile sogar
Shahrukh Khan. Genauso kennt heutzutage jeder Filme wie
Transformers,
Fluch der Karibik,
Sex and the City,
Twilight. Sie sind Mainstream. Fragt sich nur, wer sie dazu gemacht hat. Repräsentiert der kulturelle Mainstream wirklich das, was die Mehrheit interessiert, was die Mehrheit sehen will?
Das ist die zentrale Frage:
Bestimmt die Mehrheit wirklich den Massengeschmack? Klingt fast wie eine rhetorische Frage, aber nur fast.
Blicken wir einmal nach Amerika, ins Jahr 2007: in einem Land, das einen mehr als umstrittenen Krieg führt, kommt
Transformers heraus, der Film zum Spielzeug. Der Film, den
Steven Spielberg übrigens mitproduzierte, wurde u.a. unterstützt von
Hasbro (dem amerikanischen Spielzeughersteller, der an der Herstellung der kriegerischen Roboter beteiligt war),
General Motors, und dem
US Militär. Dass sich diese dubiosen Beteiligungen ideologisch auf den Film ausgewirkt haben, ist keine sehr kühne Hypothese.
So hat Regisseur
Michael Bay dem Militär ein Mitspracherecht an der Endfassung eingeräumt, zudem wurde der Film vom Militär ganz offiziell als „’Rekrutierungswerkzeug’“ (1) gebraucht, was man dem fertigen Produkt ganz klar ansieht.
Einer von den guten Jungs!
Wir haben also einen Film, aufgeladen mit Äktschn, Special Effects, Infantilität und zweifelhafter Politik. Das allein garantiert noch keine Massenkompatibilität. Diese wird erst durch den zweiten Schritt gewährleistet: Marketing, insbesondere in Form von
Merchandising. Es gibt das Spielzeug zum Film zum Spielzeug, Videospiele, Bücher, Comics, etc.
George Lucas hat damals vorgemacht, wie Merchandising funktioniert, und sein Beispiel hat Schule gemacht (nicht nur im Kino. Auch beliebte Fernsehsendungen sind auf den Merchandise-Zug aufgesprungen, s.
Die Simpsons).
Die verdammten Roboter sind dir damals überall begegnet, im Kino, im Fernsehen, im Radio, beim Fast Food Essen, im Elektronikfachmarkt, im Buchladen. Nicht, weil die Welt voller Spannung auf den neuen
Michael Bay-Film gewartet hat. Nicht, weil ein Film über Spielzeug so ein revolutionäres Konzept ist. Und auch nicht weil
Megan Fox eine so unglaublich versierte, und talentierte Schauspielerin ist. Sondern weil
Transformers über ein enormes Werbebudget verfügte.
Bays Film hatte die finanziellen Möglichkeiten, sich Gehör zu verschaffen. Er hatte die finanziellen Möglichkeiten, zum Mainstream zu werden. Er hat sich praktisch eingekauft in den Mainstream, so wie ein Oligarch in die Politik.
Genius at Work
Und wie steht es mit dem Publikum? Hatte das Publikum letztendlich keine andere Wahl als den Film zu sehen, allein schon weil es dieser gigantischen Werbelawine ausgesetzt war? So einfach ist es leider nicht. Jeder Zuschauer hat die Macht der Entscheidung. Und die meisten Zuschauer haben sich wohl bewusst für
Transformers entschieden. Die Begründung ist immer die gleiche, sie läuft hinaus auf: Unterhaltung.
Ein Wort, vor dem viele Kritiker und Feuilletonbewohner zurückschrecken. Unterhaltung… das ist doch dieses bösartig verdummende Ding ohne jeglichen erzieherischen Vorsatz, ohne höheren Anspruch. Künstlerische Stagnation! Kultureller Massenmord!
Die Unterhaltung wurde schon immer dazu missbraucht, Anspruchsvolles von Anspruchslosem zu trennen. Doch dieses Argument ist mehr als fadenscheinig.
Der Wunsch nach Unterhaltung ist keine Entschuldigung für filmische Verbrechen. Doch
Transformers ist in dem Bewusstsein der Menschen nichts als ein Unterhaltungsfilm, ein Actionfilm, ein Film für Kinder ab 12 Jahre, ein Blockbuster.
Transformers ist innerhalb der „normalen“ Filmindustrie entstanden, er ist denselben Weg gegangen wie viele Filme vor ihm. Es ist nichts Ungewöhnliches an seinem Entstehungsprozess, weil er nicht neu ist. So wird
Transformers „einfach“ nur als Film wahrgenommen, der Blockbuster des Jahres 2007.
Yvan eht nioj!
Was an ideologischem Potential in
Transformers steckt, interessiert also kein Schwein. Vielleicht ist das auch gar nicht schlecht. Vielleicht hat die Rekrutierungsstrategie des US Militärs also versagt? Vielleicht aber wirken die indirekten Anspielungen auch viel stärker und nachhaltiger als die Holzhammermethoden eines offensichtlichen Werbefilms wie
Top Gun?
Doch nicht nur die Ideologie eines Films wie
Transformers ist problematisch: das extrem hohe Budget dieses und ähnlicher Filme vermittelt dem Publikum den Eindruck des Normalen. Blockbuster sagen nämlich ständig, dass es die normalste Sache der Welt ist, ungeheuere Summen zu verschleudern, um den Kinogängern ein prickelndes Jahrmarktgefühl zu vermitteln.
Immer höhere Summen erwecken den Eindruck des Normalen. 1990 war
Terminator 2 mit einem Budget von über 100 Mio. $ der teuerste Film aller Zeiten. Der innovative Geschäftsmann
James Cameron hat diesen Rekord mit
Avatar selbstverständlich getoppt (das ungefähre Budget (zusammen mit dem Werbebudget) nähert sich der halben Milliarde (2)).
Auch wenn sich ein Film wie
Avatar unter dem Deckmantel der technischen Innovation versteckt, kann man das Budget dieses Films nur als dekadent bezeichnen.
Sollte das nicht für Empörung sorgen? Das Werbebudget von 150 Mio. $ sorgt jedenfalls dafür, dass diese Zahl als Rekordbruch aufgefasst wird, als Meilenstein, als sportliche Angelegenheit. Als
Ereignis.
Nun mag man jetzt behaupten, dass all diese Filme ihre Kosten auch wieder einspielen, und dazu noch Gewinn machen. Ist das nicht eine Rechtfertigung für das enorme Budget? Nicht wirklich, wenn man bedenkt, dass bereits vor dem Filmstart hohe Summen durch
Product-Placement, Merchandise Deals, etc. verdient werden.
Aber die Leute wollen es ja doch sehen, wird man jetzt sagen. Oder nicht? Bedienen die Erben von
Lucas und
Spielberg nicht die Wünsche der Zuschauer? Das bezweifle ich. Wenn das öffentliche Bewusstsein dermaßen mit Werbekampagnen voll gepumpt wird, inwiefern kann man da noch vom Massengeschmack reden? Der Begriff ist von vornherein irreführend, denn der Massengeschmack umfasst eben nicht nur den Geschmack der so genannten Masse (also der Mehrheit). Der Massengeschmack wird erst zu einem solchen, nachdem das Kinoerzeugnis alle notwendigen Stationen durchlaufen hat, und im öffentlichen Bewusstsein angekommen ist.
Das ist das Geheimnis der Blockbusterstrategie.
Sie kreiert den Massengeschmack. Ist ja auch logisch. Frei nach
Kleist: Woher soll ich wissen, was mir gefällt, bevor es mir jemand sagt?
Diese
künstlich geschaffene Kulturdominanz domestiziert den Zuschauer vom Kindesalter an. Oder, um es mal mit einem Blockbuster zu erklären: Wir leben alle in der
Matrix!
(1) http://orf.at/070801-15051/?href=http%3A%2F%2Forf.at%2F070801-15051%2F15052txt_story.html
(2) http://www.nytimes.com/2009/11/09/business/media/09avatar.html?_r=1
Die Blockbusterstrategie und der Massengeschmack
9 Kommentare zu "Die Blockbusterstrategie und der Massengeschmack"
Sich einen "guten" Geschmack zuzulegen - d. h. ein breit gefächertes Interessenspektrum auch abseits des Mainstreams - erfordert permanente Suche bzw. einen ununterbrochenen Arbeitsaufwand. Dieses Prozedere bedarf selbstverständlich eines gewissen Zeitaufwandes, den viele nicht bereit sind aufzunehmen. Aber wer will es Ihnen schon verübeln? Wenn man nicht zu den wenigen "Privilegierten" gehört, die ein Großteil des kulturellen und ökonomischen Kapitals (Bourdieu) für sich beanspruchen, nimmt man halt das, was man die ganze Zeit und die Nase gerieben bekommt - im Rahmen deines Beispiels halt "Transformers". Worauf ich hinaus will: Eine Kritik am Massengeschmack bzw. an desses Herstellung ist immer an eine sehr elitäre Perspektive gebunden; darüber sollte man sich bewusst sein (und das ist jetzt in Bezug auf deinen Text nicht negativ gemeint).
Ich nutze die passende Gelegenheit um mal noch etwas äußerst desillusionierendes von mir zu lassen. Den meisten Leuten ist es doch völlig egal was sie vorgesetzt bekommen solange das entsprechende Angebot über eine eskapistische Dimension verfügt, durch die man seine trostlose Existenz in den Mühlen des Kapitalismus zumindest für einige Momente ausblendet. Das ist ja genau der Sinn der Massenkultur; sie ist der "Geist des Kapitalismus", die ideologische Rechtfertigung: Seht alle her, uns geht es doch gut; wir produzieren Filme für horrende Summen!
Aber das ist ja auch im Prinzip alles schon ein alter Hut; die "Kulturindustire" sitzt fest verankert in ihrem Sattel und wir können uns von ihr nicht befreien.
Irgendwelche grundlegenden Umwälzungen zu fordern, wäre äußerst gefährlich. Die Massenkultur hält die olle Karosse, das fragile Getriebe am Leben. So und jetzt geh ich mir einen Mercedes kaufen und meiner zukünftigen Freundin besorg ich die selben Schuhe wie Sarah Jessica Parker - warum sollte Sex and the City mich schließlich belügen?
Habe da eine ähnliche Einschätzung wie Simon, es geht immer weniger um den Film als Kunstwerk, sondern um das karnevaleske, zirkushafte Drumherum. Neulich habe ich folgende Werbung für einen Film gelesen: Mittwoch im City-Kino Buxtehude (diesmal kein Scherz): Ladies Night "Sex and the City 2" mit Stripper und 100 Liter Prosecco. Der Film spielt hier nur eine untergeordnete Rolle, genauso gut könnte die x-te Wiederholung von Pretty Woman oder Flashdance laufen, es kommt ja auf das Event an. Gerade diese Event- und Sequelkultur führt zwangsläufig zu einer weiteren Spaltung zwischen Multiplex und Arthouse.
Natürlich schlägt man in solchen Diskussionen als Cineast leicht den Ton des Retters des Abendlandes an, wovor ich mich hüten will. Dennoch bin ich der Meinung, dass man dem Publikum die Wahl lassen muss, etwas anderes zu sehen als die puren Mainstreamproduktionen (hier tun die Verleiher mit ihrem Diktat, wieoft ein Film in einem Kino zu sehen sein muss, ihr Übriges). Jedem regelmäßigen Kinogänger wird es wohl schon einmal erlebt haben, dass ein kleine Produktion, die nur in der Sneak Preview läuft, vom Publikum auch goutiert wurde - und das alles ohne mächtige Industriekonglomerate, die Millionen für Werbung ausgegeben haben. Es ist also doch möglich zu unterhalten, ohne Bombastproduktionen sich mit Strippern und Schampus schönzusaufen. Vielleicht gibt es ja doch noch Hoffnung.
Achso, ganz vergessen: Danke für den tollen Artikel!
Bonsoir Messieurs,
Ich stelle mich vor, Besitzer vom Guten Geschmack.
Nein, nicht was Film angeht, meine Spezialität sind Bücher.
Ach wie, in allen Bereichen Guten Geschmack? Sicher doch, dann kaufe ich mir auch ein Mercedes.
O là là, nur Kunst zählt? Aber ich habe nicht die Zeit, mir einen Guten Geschmaque in Balett zu erarbeiten. Es dauert einfach viel zu lange. Ich trainiere lieber Buch und Musik.
Nein, Malerei nicht. Mir fehlt die Zeit eben.
Natürlich habe ich mir den Schwanitz gekauft. Hat doch keine Ahnung von Geschmack, der Herr. Nicht in Buch und Musik, meine Spezialitäten.
Was soll ich nur machen um in allen einen Guten Geschmack zu haben?
Ich lese eben NEGATIV für den Film
Ach ja, ich habe auch vergessen, mich für den tollen Artikel zu bedanken.
Hört sich gut an, Transformers, ich werde ihn mir mal ausleihen.
Wie gesagt, keine Zeit für Guten Geschmack. Und Unterhaltung macht eben Spaß.
Bedanke mich auch für den Artikel:), er legt schön die Blockbusterstrategie frei, die mir z. B. beim Beispiel Transformers so auch nicht bewußt war.
Mit dem Geschmack verhält es sich halt so, daß keiner wirklich einen ganz eigenen, unbeeinflußten entwickeln kann. Er entsteht immer auch in Abgrenzung oder in Anschluß zu anderen Personen, Gruppen, Stilen. Wenn also die NEGATIV-Autoren einen Film wohlwollend rezensieren, steh ich ihm gleich positiver gegenüber;)...
Aber im Ernst: Die Blockbuster manipulieren den Geschmack der breiten Masse durch agressive Werbung und Merchandising. Dabei formen sie wie von Sven beschrieben nicht nur die Meinung gegenüber dem eigentlichen Produkt, sondern gegebenenfalls auch in Hinblick auf andere Themen, wie zum Beispiel die Einstellung zum Militär. Betrachtet man aber "Arthouse"-Filme, so wird eine ähnliche Strategie verwendet, nur hier über die Plattform von Feuilletons oder "hipperen" Werbekampagnen, z. B. über Facebook. Oder auch durch provozierenden, ach so coolen Werbebilder, aktuell im Fall von "Bedways", den ich grad "goutiert" hab und ihn zumindest jetzt so kurz danach eher belanglos fand...
Also, worauf ich hinaus will ist, daß der Geschmack, sei es der der "Masse" oder der der "Cineasten" (ich hasse den Begriff... sorry... mein Geschmack), immer auch durch Manipulation entsteht. Und natürlich nicht nur im Bereich des Films, sondern überall, sei es Musik, Literatur, Politik, Ethik...
Allein der Begriff Geschmack ist ja schon äußerst manipulativ. Man geht nämlich davon aus, dass sein eigenes Schönheitsverständnis auf andere übertragbar ist. Ich muss an dieser Stelle einfach mal Kant zitieren (hab ich im Schwanitz gelesen :P ), der zwischen dem Guten, dem Angenehmen und dem Schönen unterscheidet. Nur bei dem Schönen spielt unser persönliches Interesse keine Rolle. Es ist das "interesselose Wohlgefallen".
Ich glaube man kann das sehr gut übertragen. Im Alltag - wie so oft in der Philosophie - ist es aber fast nicht umsetzbar.
Ein heikles Thema, und ein weites Feld, wie man euren Kommentaren entnehmen kann!
Und es stimmt, dass es sich im "Arthaus-Mainstream" sehr ähnlich verhält (ich erinnere mich an den Hype von "Lost in Translation" (der mir im Übrigen sehr gut gefällt)), wie überhaupt überall in der Kulturindustrie.
Ich bin mir auch der "elitären Perspektive" bewusst, die sich irgendwo nicht vermeiden lässt, wobei ich versucht habe, nicht zu wertend zu schreiben (außer bei Transformers, aber da überwiegen eben die Emotionen;)).
Vielen Dank für eure Kommentare und Anregungen!
Schöner Artikel.
Würde mich jetzt noch über einen flattr Button freuen.
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