Stellen wir uns einmal folgendes vor: bei der deutschen Bundestagswahl 2009 erhält nicht die CDU oder die SPD die meisten Stimmen, sondern eine, erst im Jahre 2004 gegründete, Partei namens Die PARTEI (Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative). Wie die Partei dies geschafft hat, wird in dieser Dokumentation durch Originalaufnahmen sowie Interviews mit Parteigrößen wie Martin Sonneborn nachgestellt.
Natürlich ist Die PARTEI nur ein satirisches Produkt der Zeitschrift Titanic. Jedoch hat die Partei schon an mehreren Landtagswahlen teilgenommen und hätte dies wie 2005 auch bei der Bundestagswahl 2009 getan, hätte sie der Bundeswahlleiter zugelassen (was beiläufig zu Gratis-Marketing für den Film führte, der in diesem Zeitraum in die Kinos kam). Der Film ordnet also die Aktionen der PARTEI in den fiktiven Kontext des Wahlsiegs ein und bleibt dabei bei einem klassichen politischen (TV-)Dokumentarstil. Würden Sonneborn und Konsorten einmal wirklich an die Macht kommen würden die öffentlich-rechtlichen Sender genau so eine Dokumentation über sie drehen.
Der dokumentarische Charakter wird also sehr gut nachgeahmt (und wirkt dadurch ungemein interessanter, als Hape Kerkelings halbherziger Horst Schlämmer-Film, der zeitgleich mit Die PARTEI zur Bundestagswahl anlief). Der Stil passt auch zur Performance der PARTEI-Mitglieder, die sich die Phrasen und Gesten der Berufspolitiker erschreckend genau abgeschaut haben und so von ahnungslosen Bürgern und sogar einigen Bundestagsabgeordneten auch für voll genommen werden. Selbst die größte georgische Oppositionspartei geht der PARTEI auf den Leim und lädt sie zum Staatsbesuch ein. Man bekommt beim Betrachten des Films unweigerlich das Gefühl, dass jeder, der sich Politiker nennt, seinen Thesen Gehör verschaffen kann, selbst wenn es ihnen, wie der PARTEI, um den Wiederaufbau der Mauer geht.
Man kann die Leistung, eine so exakte Kopie einer wirklichen Partei zu kreieren, gar nicht genug würdigen. Das filmische Dokument dieser satirischen Meisterleistung kann da nicht ganz mithalten. Das nicht an jeder Stelle ein Witz um des Effektes willen kommt, ist in Ordnung, um wirklichkeitsgetreu zu bleiben. Insgesamt gibt es aber doch zu viele langweilige Szenen im ganzen Film, vor allem wenn man bedenkt, dass die dargestellten Aktionen aus einem Zeitraum von fünf Jahren stammen. Ein bisschen Wiedergutmachung leistet hier die Bonus-DVD, auf der sich u.a. eine grandiose Wahlkampfrede Heinz Strunks befindet (bei Youtube gibt es hier und hier eine leicht abgewandelte Version von einer anderen Veranstaltung), welche perfekt die Parolen des heutigen Politikbetriebs parodiert. Allerdings ist hier fraglich, wieso dies nicht im Hauptfilm auftaucht.
Die PARTEI
R: SMAC
D: Martin Sonneborn, Samira El Ouassil, Thomas Hintner, Helge Schneider
Deutschland 2009, 90 min.
Copyright: Titanic Filmverleih / Eye See Movies
Tonformat: Dolby Digital 2.0
Bildformat: 16:9
Sprachen: Deutsch
Untertitel: Englisch
Extras: Booklet, Kamingespräche mit Martin Sonneborn, Bonus-Clips, Wahlwerbespots









