
Ausgangspunkt der Mockumentary ist ein Deutschland, in dem Hämatophagie (=Vampirismus) als Krankheit anerkannt ist und wo durch Integrationsprogramme versucht wird, die Infizierten in die Gesellschaft einzubinden. Erster Schritt zum gelingenden Zusammenleben ist, dass sich die Vampire von künstlichem Blut ernähren. Außerdem werden sie in familienartige Lebensgemeinschaften zusammengebracht und es wird versucht, sie zurück in ein geregeltes Arbeitsleben zu bewegen. Bei diesen Integrationsmaßnahmen ergeben sich selbstverständlich Schwierigkeiten, zudem sehen sich die Infizierten auch Anfeindungen durch ihre noch lebenden Mitbürger ausgesetzt. Um die Lebensrealität der Untoten und die Wirksamkeit der Integration zu untersuchen, begleitet ein Dokumentarfilmteam unter der Leitung der Journalistin Lucy van Zandt den jungen Vampir Kevin Schmidtke (
Johannes Franke). Kevin war bei seiner Infizierung 19 Jahre alt und lebt mittlerweile seit zehn Jahren als Vampir. Seine Zeit verbringt er mit gelegentlichen Komparsenauftritten in Werbespots und als Leadsänger der wenig erfolgreichen Vampir-Band „Los Feratus“. Während der Dreharbeiten werden die Dokumentarfilmer vor allem mit der Ablehnung konfrontiert, die die Menschen den Vampiren entgegen bringen, auf der anderen Seite aber auch mit der Ziellosigkeit der gezähmten Vampire selbst.
Der Film spinnt das Szenario sehr weit und entwirft ein komplexes Bild einer Gesellschaft, die sich mit der Integration von Vampiren auseinandersetzen muss. Das geht von speziellen Bankangeboten für die Infizierten, über Dealer, die Echtblut verkaufen, Aufklärungsfilme und Vampir-Politikern bis hin zu Arbeitsamtmitarbeitern, die extra für Untote da sind. Der Mann vom Arbeitsamt hat dann auch die lustigste Zeile des Films: “Wissen Sie, was wirklicher Horror ist? Unsterbliche Langzeitarbeitslose!“. Leider reichen die vielen, mitunter schon amüsanten Ideen aber ansonsten nicht aus, die Fake-Dokumentation zu einer guten Satire einer Gesellschaft im Integrationszwang zu machen. Viele Ideen sind auch einfach eher uninteressant, werden nicht weiter behandelt und gehen so irgendwann verloren, so zum Beispiel Kevins Metalband. Der Zuschauer hat leider oftmals das Gefühl, die Macher waren zu sehr in ihre Geschichte und Ausgangsidee verliebt und haben darüber vergessen, das Satirische und Unterhaltende auszufeilen.

Am wohlsten fühlt man sich wahrscheinlich sogar als das Filmteam in den Untergrund der Vampirgemeinschaft eingeschmuggelt wird. Hier sind die klassischen Vampire zu finden, sogar unter der Herrschaft eines Grafen. Besonders diese Szene leidet unter der Low-Budget-Umsetzung und den teilweise nicht sehr überzeugenden Darstellern. Trotzdem ist klar: So sollen Vampire sein! Und hier wird dann der spannendste Aspekt des Films deutlich. Denn auch seine schwarz-weißen Bilder verweisen auf die klassische Darstellung der Blutsauger. Die Integrierten büßen alle Attribute ihrer freien Artgenossen ein. Sie verlieren ihre Macht, ihren starken Willen, ihre Anmut und ihren Stolz, zurückbleiben antriebslose und planlose Unterdrückte. Vor allem ist auch nichts mehr zu spüren von ihrer sexuellen Anziehungskraft, ja, sie sind sogar alle impotent. So kann der Film als ein Kommentar gelesen werden zu den Weiterentwicklungen des Vampirmythos in der jüngsten Vergangenheit. Werke wie die
Twilight-Reihe benutzen den Mythos, um reaktionäre Werte unter Jugendlichen zu verbreiten. Der Film parodiert die gegenwärtigen Versuche, Vampire als Highschoolschüler, Rockstars oder gar Maskottchen von Kampagnen pro sexueller Enthaltsamkeit vor der Ehe darzustellen. Denn die Integration des Mythos, die Zähmung der Legenden, muss scheitern.
Kevin – Die Vampirdoku enthält also einige interessante Ideen zur modernen Realität des Vampirmythos und auch sind den Machern einige amüsante Einfälle bei der Entwicklung ihres Ausgangsszenarios gekommen. Als Satire muss der Film aber als gescheitert angesehen werden, da es ihm, vor allem auch im Vergleich zu anderen Vertretern des Mockumentary-Genres, erstaunlicherweise an einem fehlt: dem nötigen Biss.
Auf der DVD befinden sich neben entfallenen Szenen, Trailershow und Informationen über den Regisseur, eine Leseprobe von
Christian von Asters Kurzgeschichte „Suck This!“ und das gleichnamige Comic als pdf, die als Vorlage für den Film dienten.
Kevin - Die Vampirdoku / Kevin - Integration eines Mythos
R: Christian von Aster
D: Johannes Franke, Ralf Esche, Peter Treuner, Maurice May, Jana Schletter, Alexander Aue
Deutschland 2008, 71 Min.
Copyright: Epix Media
Veröffentlichung: 30.4.2010
Bildformat: 16:9
Sprachen: Deutsch
Extras: Christian von Aster „Über sich selbst“, Bildergalerie „Hinter den Kulissen“, Leseprobe Christian von Aster „Suck This!“, entfallene Szenen, Comic „Suck This!“ als pdf, Trailershow

Ausgangspunkt der Mockumentary ist ein Deutschland, in dem Hämatophagie (=Vampirismus) als Krankheit anerkannt ist und wo durch Integrationsprogramme versucht wird, die Infizierten in die Gesellschaft einzubinden. Erster Schritt zum gelingenden Zusammenleben ist, dass sich die Vampire von künstlichem Blut ernähren. Außerdem werden sie in familienartige Lebensgemeinschaften zusammengebracht und es wird versucht, sie zurück in ein geregeltes Arbeitsleben zu bewegen. Bei diesen Integrationsmaßnahmen ergeben sich selbstverständlich Schwierigkeiten, zudem sehen sich die Infizierten auch Anfeindungen durch ihre noch lebenden Mitbürger ausgesetzt. Um die Lebensrealität der Untoten und die Wirksamkeit der Integration zu untersuchen, begleitet ein Dokumentarfilmteam unter der Leitung der Journalistin Lucy van Zandt den jungen Vampir Kevin Schmidtke (
Johannes Franke). Kevin war bei seiner Infizierung 19 Jahre alt und lebt mittlerweile seit zehn Jahren als Vampir. Seine Zeit verbringt er mit gelegentlichen Komparsenauftritten in Werbespots und als Leadsänger der wenig erfolgreichen Vampir-Band „Los Feratus“. Während der Dreharbeiten werden die Dokumentarfilmer vor allem mit der Ablehnung konfrontiert, die die Menschen den Vampiren entgegen bringen, auf der anderen Seite aber auch mit der Ziellosigkeit der gezähmten Vampire selbst.
Der Film spinnt das Szenario sehr weit und entwirft ein komplexes Bild einer Gesellschaft, die sich mit der Integration von Vampiren auseinandersetzen muss. Das geht von speziellen Bankangeboten für die Infizierten, über Dealer, die Echtblut verkaufen, Aufklärungsfilme und Vampir-Politikern bis hin zu Arbeitsamtmitarbeitern, die extra für Untote da sind. Der Mann vom Arbeitsamt hat dann auch die lustigste Zeile des Films: “Wissen Sie, was wirklicher Horror ist? Unsterbliche Langzeitarbeitslose!“. Leider reichen die vielen, mitunter schon amüsanten Ideen aber ansonsten nicht aus, die Fake-Dokumentation zu einer guten Satire einer Gesellschaft im Integrationszwang zu machen. Viele Ideen sind auch einfach eher uninteressant, werden nicht weiter behandelt und gehen so irgendwann verloren, so zum Beispiel Kevins Metalband. Der Zuschauer hat leider oftmals das Gefühl, die Macher waren zu sehr in ihre Geschichte und Ausgangsidee verliebt und haben darüber vergessen, das Satirische und Unterhaltende auszufeilen.

Am wohlsten fühlt man sich wahrscheinlich sogar als das Filmteam in den Untergrund der Vampirgemeinschaft eingeschmuggelt wird. Hier sind die klassischen Vampire zu finden, sogar unter der Herrschaft eines Grafen. Besonders diese Szene leidet unter der Low-Budget-Umsetzung und den teilweise nicht sehr überzeugenden Darstellern. Trotzdem ist klar: So sollen Vampire sein! Und hier wird dann der spannendste Aspekt des Films deutlich. Denn auch seine schwarz-weißen Bilder verweisen auf die klassische Darstellung der Blutsauger. Die Integrierten büßen alle Attribute ihrer freien Artgenossen ein. Sie verlieren ihre Macht, ihren starken Willen, ihre Anmut und ihren Stolz, zurückbleiben antriebslose und planlose Unterdrückte. Vor allem ist auch nichts mehr zu spüren von ihrer sexuellen Anziehungskraft, ja, sie sind sogar alle impotent. So kann der Film als ein Kommentar gelesen werden zu den Weiterentwicklungen des Vampirmythos in der jüngsten Vergangenheit. Werke wie die
Twilight-Reihe benutzen den Mythos, um reaktionäre Werte unter Jugendlichen zu verbreiten. Der Film parodiert die gegenwärtigen Versuche, Vampire als Highschoolschüler, Rockstars oder gar Maskottchen von Kampagnen pro sexueller Enthaltsamkeit vor der Ehe darzustellen. Denn die Integration des Mythos, die Zähmung der Legenden, muss scheitern.
Kevin – Die Vampirdoku enthält also einige interessante Ideen zur modernen Realität des Vampirmythos und auch sind den Machern einige amüsante Einfälle bei der Entwicklung ihres Ausgangsszenarios gekommen. Als Satire muss der Film aber als gescheitert angesehen werden, da es ihm, vor allem auch im Vergleich zu anderen Vertretern des Mockumentary-Genres, erstaunlicherweise an einem fehlt: dem nötigen Biss.
Auf der DVD befinden sich neben entfallenen Szenen, Trailershow und Informationen über den Regisseur, eine Leseprobe von
Christian von Asters Kurzgeschichte „Suck This!“ und das gleichnamige Comic als pdf, die als Vorlage für den Film dienten.
Kevin - Die Vampirdoku / Kevin - Integration eines Mythos
R: Christian von Aster
D: Johannes Franke, Ralf Esche, Peter Treuner, Maurice May, Jana Schletter, Alexander Aue
Deutschland 2008, 71 Min.
Copyright: Epix Media
Veröffentlichung: 30.4.2010
Bildformat: 16:9
Sprachen: Deutsch
Extras: Christian von Aster „Über sich selbst“, Bildergalerie „Hinter den Kulissen“, Leseprobe Christian von Aster „Suck This!“, entfallene Szenen, Comic „Suck This!“ als pdf, Trailershow
DVD: Kevin - Die Vampirdoku