Robert Harris mag Tony Blair nicht. Nicht auf die Art, wie man normalerweise Politiker nicht mag, weil man mit ihrer Politik oder ihrem Haarschnitt nicht einverstanden ist. Nein, Bestsellerautor Harris fühlt sich in gewisser Weise verraten von Blair.
In seiner Zeit als Journalist glaubte Harris noch an New Labour, 1997 begleitete er Blair gar bei seinem Wahlkampf. Doch die anfängliche Begeisterung wich mehr und mehr einer kritischen Distanz. Der politische Bruch kam schließlich durch Blairs Nahost- und Irakpolitik zustande.
Aus dem Geist der Enttäuschung und der Wut entstand der Roman The Ghost, die Geschichte des fiktiven britischen Premiers Adam Lang (unschwer als Blair zu identifizieren), und seinem Memoirenschreiber.
Rache ist süß, so wird Adam Lang als eher unpolitischer, simpel gestrickter Fitnessnarr dargestellt, der seit seiner Cambridge-Zeit nie aufgehört hat, zu schauspielern (= den Leuten etwas vorzumachen). Doch nicht nur das, auch wird ihm eine Affäre mit seiner Sekretärin angedichtet, auch eine politische Marionette der USA soll er sein. Kein schmeichelhaftes Portrait. „I think Tony Blair would see the joke“(1), sagte Harris in einem Interview. Wer’s glaubt!
Wie passt jetzt Roman Polanski in die verzwickte politische Rachephantasie hinein?
Ursprünglich wollte Polanski Harris’ Pompeji verfilmen, und Harris lieferte das Drehbuch dazu, doch letztlich kam der Film nicht zustande. Die Bereitschaft miteinander zu arbeiten blieb bestehen, so adaptierten die Beiden The Ghost, mit dem Ergebnis, dass sich der Film sehr eng an das Buch hält.
In seiner Zeit als Journalist glaubte Harris noch an New Labour, 1997 begleitete er Blair gar bei seinem Wahlkampf. Doch die anfängliche Begeisterung wich mehr und mehr einer kritischen Distanz. Der politische Bruch kam schließlich durch Blairs Nahost- und Irakpolitik zustande.
Aus dem Geist der Enttäuschung und der Wut entstand der Roman The Ghost, die Geschichte des fiktiven britischen Premiers Adam Lang (unschwer als Blair zu identifizieren), und seinem Memoirenschreiber.
Rache ist süß, so wird Adam Lang als eher unpolitischer, simpel gestrickter Fitnessnarr dargestellt, der seit seiner Cambridge-Zeit nie aufgehört hat, zu schauspielern (= den Leuten etwas vorzumachen). Doch nicht nur das, auch wird ihm eine Affäre mit seiner Sekretärin angedichtet, auch eine politische Marionette der USA soll er sein. Kein schmeichelhaftes Portrait. „I think Tony Blair would see the joke“(1), sagte Harris in einem Interview. Wer’s glaubt!
Wie passt jetzt Roman Polanski in die verzwickte politische Rachephantasie hinein?
Ursprünglich wollte Polanski Harris’ Pompeji verfilmen, und Harris lieferte das Drehbuch dazu, doch letztlich kam der Film nicht zustande. Die Bereitschaft miteinander zu arbeiten blieb bestehen, so adaptierten die Beiden The Ghost, mit dem Ergebnis, dass sich der Film sehr eng an das Buch hält.
Ein (namenloser) Ghostwriter (Ewan McGregor) wird mit dem Auftrag betraut, die Memoiren des Ex-Premieres Adam Lang (Pierce Brosnan) zu schreiben. So macht er sich auf den Weg nach Martha’s Vineyard, wo Lang mit seiner Frau Ruth (Olivia Williams), und seinem Stab residiert. Gleichzeitig erschüttert ein politischer Skandal das Leben Langs. Der ehemalige Außenminister Rycart (Robert Pugh) will Lang dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag ausliefern, weil dieser in seiner Amtszeit angeblich Terrorverdächtige hat foltern lassen.
Auch der Ghostwriter sieht sich einiger Probleme konfrontiert, wenn er herausfindet, dass sein Vorgänger, der ehemalige Vertraute Mike McAra, unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen ist.
The Ghostwriter ist ein klassischer Thriller, der sich ganz auf seine spektakulär reißerische Geschichte verlässt. Besonders gelungen ist der klaustrophobe Flair des Settings: trotz der weiten Landschaft ist das Haus auf Martha’s Vineyard von der Außenwelt abgeschnitten. Lang befindet sich in einem Käfig, der von Tag zu Tag kleiner wird: erst ist er in der ganzen Welt zuhause, doch Rycarts Anklage zwingt ihn, in den Vereinigten Staaten zu bleiben (die den Internationalen Strafgerichtshof nicht anerkennen). Dann wird seine Residenz von Presse und Demonstranten belagert, und man kann nicht anders als an Roman Polanskis gegenwärtige Lage zu denken.
Polanksi drehte The Ghostwriter u.a. in Berlin, Potsdam, auf Sylt, Usedom. Nach London, New York, und Martha’s Vineyard durfte er ja nicht. Und jetzt steht er unter Hausarrest in der Schweiz. Eine bittere Ironie, die auch noch dazu beiträgt, dass die mediale Aufmerksamkeit sich von Blair auf Polanski verlagert.
Die Berlinale 2010 stand ganz im Zeichen der Verhaftung Polanskis, so ist der Silberne Bär für die beste Regie, den man ihm in Abwesenheit verlieh, auch eher als Statement zu verstehen.
Zum Film selbst verhielten sich viele Kritiken eher reserviert. Aber das ist kein Wunder, denn für viele Kritiker ist es keine Kunst, einen spannenden Thriller abzuliefern. Ähnlich nüchtern hatte man damals Polanskis Frantic aufgenommen, von dem man sich wohl auch eine Pointe oder Metaebene mehr erhofft hatte.
(1) Harris, Robert zit. nach Hutchinson, Harris: Review: The Ghost by Robert Harris. In:
http://www.guardian.co.uk/books/2007/sep/30/fiction.features3
The Ghostwriter
R: Roman Polanski
D: Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Kim Cattrall, Olivia Williams, Tom Wilkinson, Timothy Hutton, James Belushi, Robert Pugh, Eli Wallach
Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010, 128 Min.
(c) Kinowelt
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