Im Frühjahr 2010 erwartet das Kinopublikum eine Reihe von Filmen, die Homosexualität thematisieren. Neben der Großproduktion
I love you Phillip Morris bringt
Pro-Fun Media Filme wie
Roberto CastónsAnder,
Marco Bergers Plan B und
Mehdi Ben Attias ersten Langfilm
Le Fil – Die Spur unserer Sehnsucht in die Kinos.
Le Fil erzählt die Geschichte des Andersseins des jungen Architekten Malik(
Antonin Stahly), der kurz nach dem Tod seines Vaters in seine Heimat Tunesien zurückkehrt. Eine Kommunikationsbarriere scheint zwischen ihm und der strengen Mutter (
Claudia Cardinale) jedes Mal zu entstehen, wenn er ihr das Geständnis seiner Sexualität ablegen möchte. Parallel dazu nehmen seine Sexualität und sein Bedürfnis nach Freiheit immer größere Dimensionen an.
Mit
Le Fil wird ein Gesellschaftsporträt Tunesiens in Bezug auf Homosexualität gezeichnet. Keine soziale Schicht wird von der Kamera geschont: männliche Prostituierte, die Polizei, die Aristokratie, Menschen aus traditionellen oder westlich orientierten Milieus – alle haben das Tabuisieren des Themas gemeinsam. Ob durch groben, direkten Hass, durch Kategorisierung als Sünde oder durch einen spielerischen, unernsten Umgang mit dem Thema, die ganze Welt um Malik teilt sein Anliegen nicht.
Auf vielen Ebenen des Films wird das Problem von Regisseur
Mehdi Ben Attia behandelt. So wird die Musik stellenweise dissonant um die innere Zerrissenheit Maliks zu reflektieren. Jugend und Eltern werden einander als Generationenportraits gegenüber gestellt, die ersten mit Gelassenheit oder Respektlosigkeit das Phänomen betrachtend, wie die männlichen Prostituierten oder die ständig feiernde Jugend aus der Oberschicht. Auf der anderen Seite die Älteren mit ihrem weisen Humor, radikaler Intoleranz, oder, wie Maliks Mutter, mit mangelndem Verständnis für eine neue Welle von sozialen Konflikten, die die nachfolgenden Generationen mit sich bringen. Eine ganze Serie von Charakteren wird aufgebaut, die unterschiedliche Aspekte der Situation des Protagonisten spiegeln. Die innere Landschaft Maliks wird durch das Einfügen von Traumsequenzen ergänzt, die ihm im Gespräch mit seinem toten Vater zeigen. Nicht zu vergessen ist der Faden, der in Maliks Wahnvorstellungen seit der Kindheit an ihm haftet und ihn seiner Bewegungsfreiheit beraubt, und nur nach seinem Coming Out zusammen mit seinem Partner, Bilal, verschwindet.
Selten im Kino wird die existenzielle Lage von Homosexuellen so deutlich in Dialogen offengelegt und doch metaphorisch gehalten wie durch die Figuren Malik und Bilal (
Salim Kechiouche). Die innerliche Unruhe und Qual des sich nicht öffentlich bekennenden Homosexuellen wird schlicht in einem Satz synthetisiert, als der letztere sagt, dass Türsteher nicht von den Fußschmerzen eines Discobesuchers wüssten, dessen Schuhe zu klein sind.
Doch ähnlich wie Malik an den tunesischen Einstellungen gegenüber Sexualität leidet, unterliegt der Film einer formellen Grobheit, die ihn leider vielmehr als Zeitdokument, denn als Spielfilm wertvoll macht. Die Kamera und der Schnitt führen auf eine Fernsehoptik zurück, die inhaltliche Zusammensetzung wirkt stellenweise lose und weithergeholt, die Mehrzahl an metaphorischen Ebenen und Episoden schreien nach einseitiger Deutung, was
Le Fil seiner Subtilität beraubt.
Le fil - Die Spur unserer Sehnsucht / Le fil
R: Mehdi Ben Attia
D: Salim Kechiouche, Antonin Stahly, Claudia Cardinale
Frankreich / Belgien / Tunesien, 2010, 93 Min.
Pro-Fun Media
Im Frühjahr 2010 erwartet das Kinopublikum eine Reihe von Filmen, die Homosexualität thematisieren. Neben der Großproduktion
I love you Phillip Morris bringt
Pro-Fun Media Filme wie
Roberto CastónsAnder,
Marco Bergers Plan B und
Mehdi Ben Attias ersten Langfilm
Le Fil – Die Spur unserer Sehnsucht in die Kinos.
Le Fil erzählt die Geschichte des Andersseins des jungen Architekten Malik(
Antonin Stahly), der kurz nach dem Tod seines Vaters in seine Heimat Tunesien zurückkehrt. Eine Kommunikationsbarriere scheint zwischen ihm und der strengen Mutter (
Claudia Cardinale) jedes Mal zu entstehen, wenn er ihr das Geständnis seiner Sexualität ablegen möchte. Parallel dazu nehmen seine Sexualität und sein Bedürfnis nach Freiheit immer größere Dimensionen an.
Mit
Le Fil wird ein Gesellschaftsporträt Tunesiens in Bezug auf Homosexualität gezeichnet. Keine soziale Schicht wird von der Kamera geschont: männliche Prostituierte, die Polizei, die Aristokratie, Menschen aus traditionellen oder westlich orientierten Milieus – alle haben das Tabuisieren des Themas gemeinsam. Ob durch groben, direkten Hass, durch Kategorisierung als Sünde oder durch einen spielerischen, unernsten Umgang mit dem Thema, die ganze Welt um Malik teilt sein Anliegen nicht.
Auf vielen Ebenen des Films wird das Problem von Regisseur
Mehdi Ben Attia behandelt. So wird die Musik stellenweise dissonant um die innere Zerrissenheit Maliks zu reflektieren. Jugend und Eltern werden einander als Generationenportraits gegenüber gestellt, die ersten mit Gelassenheit oder Respektlosigkeit das Phänomen betrachtend, wie die männlichen Prostituierten oder die ständig feiernde Jugend aus der Oberschicht. Auf der anderen Seite die Älteren mit ihrem weisen Humor, radikaler Intoleranz, oder, wie Maliks Mutter, mit mangelndem Verständnis für eine neue Welle von sozialen Konflikten, die die nachfolgenden Generationen mit sich bringen. Eine ganze Serie von Charakteren wird aufgebaut, die unterschiedliche Aspekte der Situation des Protagonisten spiegeln. Die innere Landschaft Maliks wird durch das Einfügen von Traumsequenzen ergänzt, die ihm im Gespräch mit seinem toten Vater zeigen. Nicht zu vergessen ist der Faden, der in Maliks Wahnvorstellungen seit der Kindheit an ihm haftet und ihn seiner Bewegungsfreiheit beraubt, und nur nach seinem Coming Out zusammen mit seinem Partner, Bilal, verschwindet.
Selten im Kino wird die existenzielle Lage von Homosexuellen so deutlich in Dialogen offengelegt und doch metaphorisch gehalten wie durch die Figuren Malik und Bilal (
Salim Kechiouche). Die innerliche Unruhe und Qual des sich nicht öffentlich bekennenden Homosexuellen wird schlicht in einem Satz synthetisiert, als der letztere sagt, dass Türsteher nicht von den Fußschmerzen eines Discobesuchers wüssten, dessen Schuhe zu klein sind.
Doch ähnlich wie Malik an den tunesischen Einstellungen gegenüber Sexualität leidet, unterliegt der Film einer formellen Grobheit, die ihn leider vielmehr als Zeitdokument, denn als Spielfilm wertvoll macht. Die Kamera und der Schnitt führen auf eine Fernsehoptik zurück, die inhaltliche Zusammensetzung wirkt stellenweise lose und weithergeholt, die Mehrzahl an metaphorischen Ebenen und Episoden schreien nach einseitiger Deutung, was
Le Fil seiner Subtilität beraubt.
Le fil - Die Spur unserer Sehnsucht / Le fil
R: Mehdi Ben Attia
D: Salim Kechiouche, Antonin Stahly, Claudia Cardinale
Frankreich / Belgien / Tunesien, 2010, 93 Min.
Pro-Fun Media
Le fil - Die Spur unserer Sehnsucht