Ein sexuelles Stöhnen bekommt ein weibliches Gesicht und ein Handy, um zwei Worte auszusprechen: „Komm her!“. Eine mehrfach kodierte und programmatische Einladung, wie der Zuschauer in wenigen Augenblicken feststellen wird: Eine Einladung des Protagonisten zum unmittelbar darauf folgenden Sexualakt. Eine Einladung des Publikums an der Intimität des Gezeigten teilzunehmen und doch Distanz zu bewahren. Eine Einladung zum Film von RP Kahl, wie der Zwischentitel ankündigt. Schließlich, im Nachhinein, eine Einladung zur Genese dieser Einladung. Doch zum in den Filmen von Thome so omnipräsenten Bett muss zuerst, wie der Titel ankündigt, ein Zugang verschafft werden.
Ein Film ohne Drehbuch und ohne Budget, ein Film, bei dem die Frage nach dem Kameramann ihren Platz nicht findet, soll gedreht werden. Zwei Schauspieler und ein leeres Loft zur Abschirmung von der Kälte draußen sind zunächst die einzigen Bestandteile der unbewussten Suche einer Regisseurin nach dem diskursiven Zugang zur Erotik. Der Ausgangspunkt: „Du schaust sie an. Und in dem Moment verliebst Du Dich in sie. Und sie in dich. Ohne dass du es willst.“
Zunächst werden sinngemäß die Protagonisten des intradiegetischen Films als Objekte betrachtet. Ihnen beim Ficken zuzusehen, ist für die Regisseurin der Sinn des Films. Doch nach und nach entwickelt sich ein erotisches Machtdreieck, sie wird in den Bann des kleinen Universums mit hineingezogen, und verliert die Position der Beobachterin. Der Film scheitert.
Über sechs Tage wird die Involution des zu drehenden Films parallel zum Identitätswandel der Regisseurin untersucht. Die zunächst als Zusammentreffen von Identität und Raum definierte Erotik wird in fünf thematischen Kapiteln durch das Begehren, die sakrale Dimension, durch den Willen und erst am Ende durch die Körperlichkeit ergänzt und aus der Perspektive der Beobachterin, anfangs durch die Kamera, dann immer weniger vermittelt, erlernt. Das sechste Kapitel ist der Moment der Erkenntnis, die Vervollkommnung der Regisseurin als erotische Frau. „Ich für mich und die Kamera“ legt als Motto die Verhältnisse fest: der vermittelte Zugang wird für die Protagonistin überflüssig, diese Position übernimmt in der mehrere Minuten langen Masturbationsszene das Publikum. Daraufhin erneut die Einladung, wieder Publikum und Protagonisten ansprechend: „Komm her!“.
Ein Kammerspiel lebt von Schauspielern und Dialogen. In dieser Hinsicht meistern Miriam Mayet, Lana Cooper und Matthias Faust ihre Rollen mit Bravur. Ebenso stechen die Dialoge heraus, die durch ihre Bedeutungsträchtigkeit eine Ebene der Auseinandersetzung mit der Akzeptanz von Pornografie im Kunstfilm einräumen. Nicht unbeachtet sollen in dieser Hinsicht die effektvollen Pausen zwischen den Zeilen bleiben, die jedem Satz das nötige Gewicht verleihen, ebenso wie die schwarzen Blenden auf der Schnittebene und das streng 4:3 Bildformat, woraus sich eine stärkere Aussagekraft für die digitalen Bilder ergibt.
RP Kahl wird heute Bedwayspersönlich im Mainzer Capitol und im Orfeos Erben in Frankfurt vorstellen. Die Besucher dürfen sich jeweils auf ein anschließendes Filmgespräch mit dem Regisseur freuen.
Bedways
R: RP Kahl
D: Miriam Mayet, Matthias Faust, Lana Cooper
Deutschland 2010 76
Reverse Angle
Ein sexuelles Stöhnen bekommt ein weibliches Gesicht und ein Handy, um zwei Worte auszusprechen: „Komm her!“. Eine mehrfach kodierte und programmatische Einladung, wie der Zuschauer in wenigen Augenblicken feststellen wird: Eine Einladung des Protagonisten zum unmittelbar darauf folgenden Sexualakt. Eine Einladung des Publikums an der Intimität des Gezeigten teilzunehmen und doch Distanz zu bewahren. Eine Einladung zum Film von RP Kahl, wie der Zwischentitel ankündigt. Schließlich, im Nachhinein, eine Einladung zur Genese dieser Einladung. Doch zum in den Filmen von Thome so omnipräsenten Bett muss zuerst, wie der Titel ankündigt, ein Zugang verschafft werden.
Ein Film ohne Drehbuch und ohne Budget, ein Film, bei dem die Frage nach dem Kameramann ihren Platz nicht findet, soll gedreht werden. Zwei Schauspieler und ein leeres Loft zur Abschirmung von der Kälte draußen sind zunächst die einzigen Bestandteile der unbewussten Suche einer Regisseurin nach dem diskursiven Zugang zur Erotik. Der Ausgangspunkt: „Du schaust sie an. Und in dem Moment verliebst Du Dich in sie. Und sie in dich. Ohne dass du es willst.“
Zunächst werden sinngemäß die Protagonisten des intradiegetischen Films als Objekte betrachtet. Ihnen beim Ficken zuzusehen, ist für die Regisseurin der Sinn des Films. Doch nach und nach entwickelt sich ein erotisches Machtdreieck, sie wird in den Bann des kleinen Universums mit hineingezogen, und verliert die Position der Beobachterin. Der Film scheitert.
Über sechs Tage wird die Involution des zu drehenden Films parallel zum Identitätswandel der Regisseurin untersucht. Die zunächst als Zusammentreffen von Identität und Raum definierte Erotik wird in fünf thematischen Kapiteln durch das Begehren, die sakrale Dimension, durch den Willen und erst am Ende durch die Körperlichkeit ergänzt und aus der Perspektive der Beobachterin, anfangs durch die Kamera, dann immer weniger vermittelt, erlernt. Das sechste Kapitel ist der Moment der Erkenntnis, die Vervollkommnung der Regisseurin als erotische Frau. „Ich für mich und die Kamera“ legt als Motto die Verhältnisse fest: der vermittelte Zugang wird für die Protagonistin überflüssig, diese Position übernimmt in der mehrere Minuten langen Masturbationsszene das Publikum. Daraufhin erneut die Einladung, wieder Publikum und Protagonisten ansprechend: „Komm her!“.
Ein Kammerspiel lebt von Schauspielern und Dialogen. In dieser Hinsicht meistern Miriam Mayet, Lana Cooper und Matthias Faust ihre Rollen mit Bravur. Ebenso stechen die Dialoge heraus, die durch ihre Bedeutungsträchtigkeit eine Ebene der Auseinandersetzung mit der Akzeptanz von Pornografie im Kunstfilm einräumen. Nicht unbeachtet sollen in dieser Hinsicht die effektvollen Pausen zwischen den Zeilen bleiben, die jedem Satz das nötige Gewicht verleihen, ebenso wie die schwarzen Blenden auf der Schnittebene und das streng 4:3 Bildformat, woraus sich eine stärkere Aussagekraft für die digitalen Bilder ergibt.
RP Kahl wird heute Bedwayspersönlich im Mainzer Capitol und im Orfeos Erben in Frankfurt vorstellen. Die Besucher dürfen sich jeweils auf ein anschließendes Filmgespräch mit dem Regisseur freuen.
Bedways
R: RP Kahl
D: Miriam Mayet, Matthias Faust, Lana Cooper
Deutschland 2010 76
Reverse Angle
SPIEGEL ONLINE wählt BEDWAYS als einzigen deutschen Film unter die Top8 des Jahres 2010 als den ultimativen BERLIN-FILM: http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,735688-5,00.html /// In die Videotheken kommt BEDWAYS ab 11. Februar 2011 und in den Verkauf am 4. März 2011. Zum Bestpreis kann man aber jetzt schon auf Amazon vorbestellen! http://www.amazon.de/gp/product/B004HHHO06?ie=UTF8&tag=wwwindiespiri-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=6742&creativeASIN=B004HHHO06 /// Werde auch BEDWAYS-Freund: www.facebook.com/bedways
Bedways hat mir ausgesprochen schlecht gefallen. Von den sexsüchtigen Ansatz der einen schmalbrüstigen Darstellerin Miriam Mayet und Möchtegernfilmerin, bis hin zum exhibitionistischen Ansatz der anderen Darstellerin Lana Cooper.Den künstlerischen Anspruch kannn ich nicht teilen, zumal dem Filmchen nach 65min die Luft ausgeht. Ich weiß nicht, ob sog. Independent-Produktionen mit anfänglichen Schhwanzgelutsche etc. auf sich aufmerksam macchen müssen ?! Der Film erschließt sich mir leider, wie den anderen tausendene "Jubelnden" Kritikern, nicht. Dann schon lieber "Mainstream" a la "Vincent sucht Meer"... MfG Heiko
Gerade auf Arte gesehen & für einen klassischen Fall von "Don't believe the Hype" befunden Zum Thema Pornografie im Kunstfilm wurde bereits in den 70ern (USA, Italien) das komplette Register ästhetischer Grenzgänge gezogen, da werden dererlei halbherzige Versuche einer vor Kompromissbereitschaft und Provokationsverdrossenheit nur so dahinsiechender deutschen Filmstudentenlandschaft über den Klee gelobt. "Effektvolle Pausen", "Schwarzblenden" und "4:3" erhöhen die Aussagekraft, soso...ja klar doch. In erster Linie sieht man hier eine lieblose Bildgestaltung, wacklige Dialogstrukturen mit enorm abgehackten P.A.U.S.E.N., unglaublich lahmarschige Figuren und eine Lightversion der "Vervollkommnung der Regisseurin als erotische Frau". Lieber Rezensent - bitte lass es bleiben.... mfg roman
ich kann bedways nicht in diesem zusammenhang sehen. seit der zeit der auslotung ästhetischer grenzgänge ist einiges anders geworden hierzulande. die filmförderung und das filmemachen haben sich, gegenseitig bedingt, als ein sehr prüdes mechanismus eingerastert. und ich meine bedways ist in diesem rahmen zu betrachten. natürlich ist der moment der provokation in diesem zusammenhang viel minimalistischer, dennoch im zeitgenössischen rahmen soll er nciht unbeachtet bleiben. lieblose bildgestaltung, wackelige dialostrukturen - das genau ist der gegenteil dessen, womit sich der deutsche film bemüht, sein orthodoxer geist zu kaschieren.
heisst alles nicht, dass du in unrecht liegst roman, wenn du es aus der anderen perspektive siehst.
Wenn man dem Film etwas anrechnen kann, dann ist es der Versuch, eine Art von Erotik zu erzeugen, bzw. abzubilden, die sich gängigen Klichees entzieht. Das ist interessant, jedenfalls weit interessanter als Filme -ob nun mit oder ohne künstlerischem Anspruch- mit immergleichen Frauenbildern (großer Busen, immer zu Diensten) und den entsprechenden Männerbildern. Derlei eindimensionale Erotik kann nur langweilen oder als W...-vorlage taugen. Wem's genügt... Ob die Geschichte des Films funktioniert ist fraglich, aber das ist nicht immer der adäquate Maßstab für einen Film oder auch ein Buch. Mich erinnert der Film darin an Roches neues Buch. Da ereifern sich auch die "Kritiker" darüber, daß die Technik und der Plot nicht gut sei. Darum geht es meiner Ansicht nach gar nicht. Vielmehr ist es der Versuch, eine zutiefst persönliche Sache, das erotische Empfinden, zu zeigen, zu vermitteln, sodaß es für andere sichtbar und nachfühlbar wird. Und das schafft sowohl das Buch, als auch der Film wie ich finde! Zudem hat mir die Ästhetik des Films sehr gefallen, das Berlinesque, den individuellen Ausdruck der Darsteller. Man mag den ein oder anderen Darsteller vielleicht als zu zögerlich wahrnehmen, aber das verleiht dem Film doch auch mehr Authentizität. Ich glaube jedenfalls einem Mann in dieser Situation eher, wenn ich ihm seine Selbstzweifel und seine Nervosität anmerke, als dem coolen, aber langweiligen Macher, der die Situation beherrscht. Dazu muß man jedoch bereit sein, über immer noch gängige Rollenklischees hinauszugehen. Und das ist nach Jahrzehnten der genormten Abbildung von Sexualität doch ein begrüßenswerter Versuch! Mein Fazit: Anregend.
6 Kommentare zu "Bedways - die Kritik"
SPIEGEL ONLINE wählt BEDWAYS als einzigen deutschen Film unter die Top8 des Jahres 2010 als den ultimativen BERLIN-FILM: http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,735688-5,00.html /// In die Videotheken kommt BEDWAYS ab 11. Februar 2011 und in den Verkauf am 4. März 2011. Zum Bestpreis kann man aber jetzt schon auf Amazon vorbestellen! http://www.amazon.de/gp/product/B004HHHO06?ie=UTF8&tag=wwwindiespiri-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=6742&creativeASIN=B004HHHO06 /// Werde auch BEDWAYS-Freund: www.facebook.com/bedways
Hat Spiegel den Räuber und Im Schatten versäumt? Zum Glück haben wir es nicht! Bedways hat mit aber ausgesprochen gut gefallen!
Bedways hat mir ausgesprochen schlecht gefallen. Von den sexsüchtigen Ansatz der einen schmalbrüstigen Darstellerin Miriam Mayet und Möchtegernfilmerin, bis hin zum exhibitionistischen Ansatz der anderen Darstellerin Lana Cooper.Den künstlerischen Anspruch kannn ich nicht teilen, zumal dem Filmchen nach 65min die Luft ausgeht. Ich weiß nicht, ob sog. Independent-Produktionen mit anfänglichen Schhwanzgelutsche etc. auf sich aufmerksam macchen müssen ?! Der Film erschließt sich mir leider, wie den anderen tausendene "Jubelnden" Kritikern, nicht. Dann schon lieber "Mainstream" a la "Vincent sucht Meer"... MfG Heiko
Gerade auf Arte gesehen & für einen klassischen Fall von "Don't believe the Hype" befunden
Zum Thema Pornografie im Kunstfilm wurde bereits in den 70ern (USA, Italien) das komplette Register ästhetischer Grenzgänge gezogen, da werden dererlei halbherzige Versuche einer vor Kompromissbereitschaft und Provokationsverdrossenheit nur so dahinsiechender deutschen Filmstudentenlandschaft über den Klee gelobt. "Effektvolle Pausen", "Schwarzblenden" und "4:3" erhöhen die Aussagekraft, soso...ja klar doch. In erster Linie sieht man hier eine lieblose Bildgestaltung, wacklige Dialogstrukturen mit enorm abgehackten P.A.U.S.E.N., unglaublich lahmarschige Figuren und eine Lightversion der "Vervollkommnung der Regisseurin als erotische Frau". Lieber Rezensent - bitte lass es bleiben.... mfg roman
ich kann bedways nicht in diesem zusammenhang sehen. seit der zeit der auslotung ästhetischer grenzgänge ist einiges anders geworden hierzulande. die filmförderung und das filmemachen haben sich, gegenseitig bedingt, als ein sehr prüdes mechanismus eingerastert. und ich meine bedways ist in diesem rahmen zu betrachten. natürlich ist der moment der provokation in diesem zusammenhang viel minimalistischer, dennoch im zeitgenössischen rahmen soll er nciht unbeachtet bleiben. lieblose bildgestaltung, wackelige dialostrukturen - das genau ist der gegenteil dessen, womit sich der deutsche film bemüht, sein orthodoxer geist zu kaschieren.
heisst alles nicht, dass du in unrecht liegst roman, wenn du es aus der anderen perspektive siehst.
vg
Wenn man dem Film etwas anrechnen kann, dann ist es der Versuch, eine Art von Erotik zu erzeugen, bzw. abzubilden, die sich gängigen Klichees entzieht. Das ist interessant, jedenfalls weit interessanter als Filme -ob nun mit oder ohne künstlerischem Anspruch- mit immergleichen Frauenbildern (großer Busen, immer zu Diensten) und den entsprechenden Männerbildern. Derlei eindimensionale Erotik kann nur langweilen oder als W...-vorlage taugen. Wem's genügt...
Ob die Geschichte des Films funktioniert ist fraglich, aber das ist nicht immer der adäquate Maßstab für einen Film oder auch ein Buch. Mich erinnert der Film darin an Roches neues Buch. Da ereifern sich auch die "Kritiker" darüber, daß die Technik und der Plot nicht gut sei. Darum geht es meiner Ansicht nach gar nicht. Vielmehr ist es der Versuch, eine zutiefst persönliche Sache, das erotische Empfinden, zu zeigen, zu vermitteln, sodaß es für andere sichtbar und nachfühlbar wird. Und das schafft sowohl das Buch, als auch der Film wie ich finde! Zudem hat mir die Ästhetik des Films sehr gefallen, das Berlinesque, den individuellen Ausdruck der Darsteller. Man mag den ein oder anderen Darsteller vielleicht als zu zögerlich wahrnehmen, aber das verleiht dem Film doch auch mehr Authentizität. Ich glaube jedenfalls einem Mann in dieser Situation eher, wenn ich ihm seine Selbstzweifel und seine Nervosität anmerke, als dem coolen, aber langweiligen Macher, der die Situation beherrscht. Dazu muß man jedoch bereit sein, über immer noch gängige Rollenklischees hinauszugehen. Und das ist nach Jahrzehnten der genormten Abbildung von Sexualität doch ein begrüßenswerter Versuch!
Mein Fazit: Anregend.
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