Bedways - Regisseur RP Kahl bei der Vorpremiere seines Films in Mainz
Vor wenigen Stunden war RP Kahl im Mainzer Capitol-Kino zu Gast um seinen am Donnerstag startenden Film Bedways vorzustellen.
Der 39-jährige Regisseur und Autor arbeitet außerdem als Schauspieler, hat eine Produktionsfirma und ist in der Auswahlkommission der Kurzspielfilmsektion der Berlinale sowie beim Filmfest Oldenburg. Dem Publikum im Capitol erzählte er freundlich und informativ über seinen neuen Film, hier die Zusammenfassung des Gesprächs:
Eigentlich stammt die Idee zu Bedways aus einer persönlichen Krisenzeit. Nach seinem Dokumentarfilm Mädchen am Sonntag, in dem er vier Schauspielerinnen proträtierte, suchte er nach dem perfekten Drehbuch für einen Film mit diesen Frauen. Zusammen mit einer davon, Laura Tonke, entwickelte er einen Stoff und hatte dann sogar ein fertiges Exposé sowie schon Gespräche mit Filmförderanstalten und Fernsehsendern geführt, als er feststellen mußte, dass er diese Geschichte nicht erzählen möchte.
In dieser Krise machte Kahl sich Gedanken darüber, warum die Darstellung von Sexualität und Erotik im Film so schwierig ist, obwohl sie in andern Künsten, sei es Malerei oder Photographie, viel eher zum Thema wird. Gleichzeitig stieß er auf Filme aus anderen Ländern, wie Shortbus, Nine Songs und Irréversible, die explizite Sexszenen enthielten. Kahl entschied, einen ähnlichen Film nun in Deutschland zu realisieren. Freunde rieten ihm zwar davon ab, doch arbeitet er weiter an der Idee.
Ihm wurde klar, dass eine Produktion des Films auf dem üblichen Weg schwierig werden könnte, da vor allem die Fernsehsender wenig Interesse an dem Stoff haben könnten. Daher musste die Geschichte möglichst mit geringem Budget und einem kleinen Team zu drehen sein. Auch dem Thema entsprach diese eher intime Produktionsart. Bei diesen Überlegungen manifestierte sich die Zahl 7 als Anhaltspunkt in Kahls Planungen. So entstand die Idee, einen Film zu drehen, der an sieben Tagen spielt, in sieben Tagen gefilmt wird, mit einem Team aus sieben Leuten. Hieraus entwickelte sich die Kapitelstruktur von Bedways. Bei der visuellen Gestaltung des Films war Kahl die „Factory-Wirkung“ des Drehorts besonders wichtig, die er in einer leerstehenden Wohnung in Berlin Mitte vorfand. Auch beschäftigte er sich vorab auch mit einer Videoinstallationen und Photographien, die Sexualität zum Thema hatten.
Anders als die Regisseurin im Film, verlief die Arbeit bei Kahl sehr geplant. Er hatte ein fertiges Drehbuch und probte ausführlich mit den Schauspielern, wodurch er einige Stellen des Buches an ihre Persönlichkeiten anpassen konnte. Zur Suche der Schauspieler nahm er sich ein Jahr Zeit. Wichtig war ihm, dass sie eher unbekannte Gesichter hatten und vor allem auch nicht mit ihm befreundet waren. Es wäre ihm peinlich gewesen, Freunden Anweisungen beim Dreh von Sexszenen zu geben. Um bei den intimsten Szenen die Schauspieler zu unterstützen, übernahm Kahl teilweise selbst die Kamera, damit sich nicht zu viele Teammitglieder am Set aufhielten.
Wenn nun das Publikum seinen Film sehen wird, möchte Kahl ihnen ans Herz legen, sich möglichst von allen Vorstellungen, die sie vielleicht schon von Bedways haben, zu befreien. Man solle sich nicht auf die diskutierten Sexszenen konzentrieren oder auf einen emotionalen Höhepunkt warten. Frei und leer rezipiert, funktioniere er laut Kahl am besten.
Als ihn ein amerikanischer Produzent fragte, ob er sich vorstellen könne, die gleiche Geschichte noch einmal mit englischsprachigen Schauspielern zu verfilmen, bejahte Kahl dies nach kurzer Überlegung. Er ist immer noch sehr interessiert an der Geschichte. An einigen Stellen würde er kleine Veränderungen vornehmen, weil er aufgrund der Einschränkungen durch die kleine Produktion doch nicht alles genauso umsetzen konnte, wie er es sich vorgestellt hatte. Doch insgesamt ist Kahl mit dem fertigen Film sehr zufrieden.
Der große Erfolg von Bedways überwältigt ihn dennoch etwas. Auf der Berlinale lief er als Abschlußfilm der Perspektive und startet diese Woche mit über 20 Kopien in ganz Deutschland. Außerdem gibt es Verhandlungen mit dem Ausland und einem Fernsehsender. Da Kahl sein privates Geld in die Produktion investierte, ist dies natürlich doppelt bedeutend für ihn.
Bedways scheint auch schon andere Filmemacher inspiriert zu haben, die sich mit ähnlichen Thematisierungen von Sexualität beschäftigen. Auch Kahl hat eine neue Filmidee, die in eine entsprechende Richtung geht.
Die Mainzer Zuschauer sahen nach dieser Einführung interessiert Kahls Film. Er lud außerdem das Publikum noch dazu ein, Kommentare und Meinungen zu Bedways auf seiner Internetseite zum Film zu hinterlassen, wo er auch ein Blog über seine Deutschlandreise zur Vorstellung des Films führt.
Bedways - Regisseur RP Kahl bei der Vorpremiere seines Films in Mainz
2010-06-02T01:20:00+02:00
Elisabeth Maurer
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