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Das Leuchten der Stille

von Oliver Schmitt, am 10.6.10


Im Sommer 2001 passt die Welt John Tyrees (Channing Tatum) zunächst noch auf den Rücken eines Surfboards, auf dem er vor der Küste Floridas auf den Wellen schaukelt. Der junge Soldat der US Armee verbringt hier seinen Heimaturlaub an den Stränden, wo er die Seele baumeln lässt und seinen muskelbepackten Oberkörper bräunt. Hier lernt er Savannah kennen und es ist Liebe auf den ersten Blick zwischen dem grüblerischen Außenseiter und der sanften, gutmütigen Studentin. Trotz der kurzen Zeit von Johns zweiwöchigem Urlaub und obwohl er so gar nicht in Savannahs Strandclique passen will, entwickelt sich der Flirt zu einer tiefergehenden Romanze. Savannah (Amanda Seyfried) erweist sich als Wunderbalsam für Johns Seele, öffnet den verschlossen Soldaten, lernt seine schwierige Vergangenheit kennen und selbst das komplizierte Verhältnis zu Johns leicht autistischem Vater beginnt sich durch Savannahs Anwesenheit zu bessern. Beide beginnen Pläne für eine gemeinsame Zukunft zu schmieden. Zwölf Monate soll die verbliebene Dienstzeit Johns noch andauern in der er als Mitglied der Special Forces rund um die ganze Welt zum Einsatz kommt. Danach soll einem Leben mit Savannah nichts mehr im Wege stehen. In dieser Zeit muss sich die junge Liebe auf romantische Briefwechsel beschränken, die aber zunächst der Beziehung eine noch gefühlsbetontere Ebene verschafft.

Diese Aussichten werden mit den Attentaten des 11. Septembers mit einem Schlag hinweggefegt. Die Welt gerät ins Schwanken und ebenso die Beziehung der beiden Liebenden. John wird sich nicht gegen das Pflichtbewusstsein seines Berufsethos stellen können und er erfüllt die offene Forderung seines Landes und verlängert seine Dienstzeit. Das Ereignis das völlig fern am Horizont auftaucht wird zum tragischen Wendepunkt ihrer Liebe. Was bleibt sind die unzähligen leidenschaftlichen Briefe, die nach wie vor das Fundament des Verhältnisses bilden, was aber nicht ausreichend zu sein scheint. Einer dieser Briefe trägt dann auch die Nachricht zu John, der über das Ende der Beziehung kündet. Savannah wird sich für jemanden Anderen entscheiden, einer Zukunft als Soldatenbraut scheint sie nicht gewachsen zu sein. John flüchtet sich in ein Leben in der Army.

Es wäre keine Nicholas Sparks Verfilmung wenn es bei diesem Ausgang der Geschichte bleiben würde. Nach der wohl bekanntesten Umsetzung „Message in the bottle“, folgten in den letzten zehn Jahren zahlreiche Verfilmungen des Bestseller Autors. In diesem Jahr finden sich mit Das Leuchten der Stille und Mit Dir an meiner Seite gleich zwei Interpretationen seiner Romane in den Kinos. Immer wieder kommen in diesen Geschichten Menschen aus schwierigen Situationen zusammen und immer wieder ist es eine Krise, die den Fortlauf der Handlung bestimmt. Liebe und Verlust sind zentrale Elemente der Erzählungen, wie auch in der Arbeit des Regisseurs Lasse Hallström (Gottes Werk und Teufels Beitrag, Chocolat) der die Geschichte der beiden mit vielen ruhigen Einstellungen und empathischen Bildern erzählt.

Wenn man jeglichen kritischen Gedanken ausblendet, den die beiden fast zu perfekten Menschen aufkommen lassen, dann kann der Film durchaus durch seine Schlichtheit überzeugen. Hallström mindert dankbarerweise die Gefahr allzu großes Pathos aufkommen zu lassen, auch wenn es nicht ganz ohne wehende Flaggen im Hintergrund geht, werden die Ereignisse und Entscheidungen um den 11. September relativ knapp gehalten. Es ist eine einfache Geschichte einer wahren Liebe, die alle Unwegsamkeit des Lebens überdauern kann, ein Wunsch der tief in der Geschichte des romantischen Films verwurzelt ist. Auch wenn beide Hauptfiguren es nicht schaffen die Tragik ihres Schicksals deutlich zu machen, die Betroffenheit trotz der guten Harmonie der Darsteller eher gering ausfällt, so schafft es doch die Atmosphäre des Films durch die entschleunigten langsamen Sommerbilder an Floridas Stränden zu stillen Momenten zuführen, die versuchen jenes Band das zwischen den Figuren entsteht zum Leuchten zu bringen.



Das Leuchten der Stille / Dear John
R.: Lasse Hallström
D.: Channing Tatum, Amanda Seyfried, Richard Jenkins
USA 2010 108 Min
Kinostart: 06.05.2010
Copyright Kinowelt


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