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DVD: Aragami (Edition Asien)

von Ciprian David, am 5.6.10


Regisseur Ryuhei Kitamura ist eine große Ausnahme innerhalb des japanischen Kinos. Als einer der wenigen Independents, der Studios, Produzenten, kurz, das ganze System des Filmemachens am Anfang seiner Karriere umgangen hat, und sich stattdessen bei Bekannten für die ersten Filme das nötige Geld ausgeborgt hat, genoß Kitamura zunächst nur Erfolg im Ausland. Seine frühen Filme, davon am bekanntesten Versus, wurden erst im Nachhinein in den japanischen Kinos gezeigt.

Eine Ausnahme stellt auch Aragami dar. Entstanden als Schnappsidee, wurde der Film in einem gemeinsamen Projekt mit dem Regisseur Yukihiko Tsutsumi realisiert. Die Idee dahinter: Zwei Regisseure, zwei Filme, jeweils ein Raum und zwei Hauptcharaktere. Gegeneinader traten Aragami und 2LDK dann in den Kinos an.

Schon die erste Einstellung deutet durch ihre zuerst schräge Perspektive auf eine durchgehende Manga-Ästhetik hin. An originellen Blickwinkel auf das Geschehen wird im Film keineswegs gespart, was ihn nicht nur eine dramaturgische Dynamik verleiht, sondern auch den Zuschauer die Gelegenheit gibt, sich in das Geschehen gemütlich einzuleben.

Aragami ist ein Kammerspiel. Die Gesamtheit der auftretenden Gestalten beschränkt sich auf vier, davon zwei als Hauptfiguren. Zwei verletzte Krieger kommen an einem Tempel in den Bergen an. Dort wohnt ein mysteriöses Paar, Mann und Frau, die sich um den einen kümmern, der andere soll nicht überlebt haben. Als Entschädigung für den Aufwand soll der geheilte Krieger seinen Wohltäter töten. Eine kleine mythische Welt entfaltet sich dem Zuschauer während des Films: der Wohltäter ist niemand anders als Aragami, der Gott des Krieges, dessen Existenz ihm selbst nur Leid bringt, weswegen er sich auch tot wünscht. Die Grenze zwischen Menschen und Gottheiten verschwindet in Aragami. Auf der Tatsache, dass Sein und Schein selten dasselbe sind, wird eine Fantasiewelt aufgebaut, in der Götter Menschen mit besonderen Fähigkeiten sind, Suchende, die durch einen Akt der Transzendenz, wie es im Falle des auftretenden Kriegers geschieht, zu ihrer wahren Identität finden.

Durch die bereits erwähnte besondere Kameraarbeit, durch eine die Erwartungen des Zuschauers treffende Gestaltung des Sets, aber nicht zuletzt durch ein spannendes Spiel der Protagonisten schafft es Aragami eine unterhaltsame Geschichte zu erzählen. Wie selten zuvor erfolgt durch den gekonnten Einsatz von Nahaufnahmen der Gesichter der Protagonisten und ihrem Schauspiel eine extreme Zeitdehnung, mit dem Ergebnis einer überraschenden Dramaturgie.

Sehr gut ausgestattet ist die DVD: In einem sehr ausführlichen, exklusiven Interview erzählt Regisseur Kitamura über seine Anfänge als Filmemacher, über die Entstehung seiner Filme und über den Kampf um die mittlerweile etablierte Position in Japan. Er schildert die Unterschiede zu den anderen Filmemachern, und bekennt sich als Fan des Fantasy-Action-Kinos. Noch auf der DVD zu findenm sind ein Making-of zu Aragami, ein Videomessage zum Release des Films und eine Trailerschau.

Aragami erschien im Rahmen der, in der Auswahl der Filme, etwas exzentrischen, und genau dadurch umso wertvolleren Edition Asien von Rapid Eye Movies, aus der wir bereits Takashi Miikes Izo, Sion SonosExte – Hair Extensions und Shinya Tsukamotos Vital besprochen haben.





Aragami - Hyper Samurai Sword Action / Aragami
R: Ryuhei Kitamura
D: Takao Osawa, Masaya Kato, Kanae Uotani
Japan, 2003 (2010), 76 Min
Rapid Eye Movies.








Veröffentlichung: 21.05.2010
Bildformat: Widescreen (1.78:1 - anamorph)
Sprachen: Dolby Digital 5.1 in Deutsch, Dolby Digital 2.0 (Stereo) in Japanisch, DTS Digital 5.1 in Deutsch
Untertitel: Deutsch
FSK:16
Extras: Exklusives Interview mit dem Regisseur, Making-of, Videomessage, Trailer


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