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DVD: Bright Star - Die erste Liebe strahlt am hellsten

von Elisabeth Maurer, am 9.6.10


In extremer Detailaufnahme sticht eine Nadel in den feinen Stoff und reiht Stick an Stich akkurat aneinander. Das Nähen eines Kleides bedarf zunächst großer handwerklicher Geschicktheit. Doch allein daraus kann kein vollkommenes Kleidungsstück entstehen. Die Proportionen, die Balance zwischen Schmuck und Schlichtheit, die Farben, die Materialien, dies alles ergibt erst ein Ganzes. Das fertige Stück wird nicht allein durch seinen Nutzen beurteilt, es spricht weitere Sinne an, das allgemeine ästhetische Empfinden, das Gefühl beim Befühlen der Stoffe, die Wirkung der Farben.

Auch bei der Dichtung ist Handwerk vonnöten zum Finden der richtigen Wörter, bei der Konstruktion der Zeilen und Strophen in Rhythmus und Inhalt. Doch laut dem großen romantischen Lyriker John Keats muß auch ein Gedicht vornehmlich mit den Sinnen wahrgenommen werden, ohne es gleich zu analysieren.

So verweist die Nadel, deren Aufnahmen Bright Star eröffnen, auch auf die sich knüpfende Verbindung zwischen Fanny und John Keats, auf deren realer Liebesgeschichte das Drehbuch von Jane Campion basiert. Hier wird in vielen kleinen Episoden, Blicken und mit einigem Hin und Her die Entstehung der eigentlich unmöglichen Liebe erzählt. Fanny (Abbie Cornish) entwirft und näht am liebsten leicht extravagante Kleider, betrachtet dies aber nicht als eine oberflächliche Beschäftigung und widmet sich mit großer Überlegtheit dem Phänomen Mode. Bei einem Nachbarn trifft sie auf den erfolglosen, jungen Dichter John Keats (Ben Whishaw), der sofort hinter ihre zunächst freche und flatterhafte Fassade blicken kann. Durch ihn beginnt sich Fanny auch für Lyrik zu interessieren und so verwandelt sich ihre von Anfang an spürbare Zuneigung schnell in Verliebtheit. Doch hat Keats kein Geld und wird dann auch noch schwerkrank, was den Wunsch für ein glückliches Ende ihrer Beziehung in das Reich ihrer gemeinsamen Phantasie und Träume verweist.


Nahezu jedes einzelne Frame des Films eignet sich dazu, es sich an die Wand zu hängen. Die moosbewachsenen, knorrigen Äste der Bäume, die sich im Wind aufblähenden, bestickten Vorhänge, die sommerlichen Blumenwiesen im Abendlicht. Vielfach werden dazu Keats romantische, mit viel Mystik versehene Zeilen rezitiert. Es liegt nicht fern, seine obenerwähnte Anleitung zum richtigen Wahrnehmen von Lyrik, die eher über die Sinne denn über eine Untersuchung stattfinden soll, auf die Rezeption des Films zu übertragen. Und ja, die wunderschönen Naturaufnahmen und Gedichtzeilen bieten dem Zuschauer großen ästhetischen Genuß. Allerdings bleibt die erzählte Liebesbeschichte, wenn sie auch noch so zart geknüpft wird und so tragisch enden muß, im Grunde belanglos. Fanny wirkt an vielen Stellen wie ein in Selbstmitleid zerfließendes Kind, Keats hingegen wie ein viel zu sensibler Schwächling. Klar spiegeln sich hier Motive der Romantik, doch ohne die passenden Gefühle im Zuschauer zu erzeugen, wird nur eine zu Übergröße aufgeblasene Jugendliebe erlebt, unter der die wirklichen, tiefen Gefühle sowie die großen Probleme des Paares kaum zum Vorschein kommen.

Was dem Film also fehlt, ist gerade die hinter der Oberfläche liegende Dimension. Zwar erfährt der Zuschauer ästhetischen Genuß, doch ist dies fast alles. Jane Campions Werk zeugt hier vor allem von herausragendem Handwerk, doch reicht dies nicht aus, dem Zuschauer ein wirklich befriedigendes Filmerlebnis zu bieten, weder auf der Ebene der Sinne noch auf der des Intellekts.


Die zahlreichen und ansprechend gestalteten Extras der DVD beinhalten neben Trailern, B-Roll, Featurette, Cannes-Promo sowie entfallenen Szenen ein ausführliches Interview mit Jane Campion über ihren Umgang mit dem Leben des Dichters und auch Interviews mit den Hauptdarstellern. Darin beschreibt Ben Whishaw die Arbeitsweise seiner Regisseurin, die eher auf die richtigen Momente und Einfälle wartet, als diese durch sture und ehrgeizige Arbeitsweise zu erzwingen. Hier kann eine Verwandtschaft ihres Vorgehens mit den Ansichten Keats gesehen werden, leider ist ihr Bright Star nicht so gut gelungen wie andere Werke.





Bright Star - Die erste Liebe strahlt am hellsten / Bright Star - Meine Liebe. Ewig / Bright Star
R: Jane Campion
D: Abbie Cornish, Ben Whishaw, Paul Schneider
Großbritannien, Asutralien, Frankreich 2009, 115 Min.
Copyright: Universum Film








Veröffentlichung: 4.6.2010
Bidlformat: 1,85:1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte
Extras: Trailer, Interviews mit Cast und Crew, B-Roll, Featurette, Cannes-Promo, entfallene Szenen


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