Mike Judge (Alles Routine, Idiocracy), in den Neunzigern als Vater der bissigen, zynischen Cartoon-Figuren Beavis und Butthead bekannt, setzt mit
Ausgequetscht die Tradition der skurrilen Charaktere in seinem Oeuvre fort, die ihr Vorbild, ganz typisch für
Judge, im profanen Alltag finden. Die Ansammlung von teilweise herrlich überzogenen Figuren macht ganz klar das Herz des Films aus, der allerdings trotz der bemerkenswerten Besetzung mit bekannten Gesichtern nicht immer zünden will.
Joel Reynolds, gespielt von
Jason Bateman (
Up in the Air, Juno) ist das glänzende Beispiel eines Musterunternehmers, der einen makellos unspektakulären, aber erfolgreichen Lebenslauf vorweisen kann. Seine ungeheuer belanglose aber gewinnträchtige Geschäftsidee, die außer ihm kaum einer wirklich nachvollziehen kann, hat ihm zu seinem Lebenswerk verholfen: den kleinindustriellen Betrieb Reynolds Extracts. Joel lebt den amerikanischen Traum, mit dazugehöriger Ehefrau Suzie, dargestellt von
Kristen Wiig in einer heimeligen White Fence Idylle.
Sehr schnell erweist sich, dass dieses augenscheinlich perfekte Leben mit zahlreichen Fallstricken versehen ist, die ihm das Leben schwer machen. Allem voran sein frustrierend lauer Beziehungsalltag, sowie ein überaus aufdringlicher Nachbar, der allzu freundlich und nervtötend zum Bingoabend aufruft. Zwischenzeitlich sorgen immer wieder seine Angestellten für Kopfzerbrechen und bringen gehöriges Chaos in den minutiösen Ablauf der modernen Produktionsstätte, zwischen Fließband und Gabelstapler. Genau hier wird die große Sehnsucht in Joels gepeinigter Unternehmerseele deutlich, nichts sehnlicher wünscht er sich als endlich frei zu sein von diesem Erfolgsmonster, das sein Leben einnimmt. Joel scheint nur noch von Funktionalität bestimmt zu sein, ähnlich der Abfüllanlage, die das Herzstück der Firma bildet.
Die Lösung aller Probleme scheint sich bald zu finden, der Verkauf der Firma und damit ein endlich sorgenfreies Leben. Sein zynischer Partner Brian, verkörpert durch
J.K. Simmons (
Up in the Air, Juno), der sich partout nicht einen einzigen Namen der Angestellten merken will, ermöglicht den Verkauf und eröffnet so das Tor zur Freiheit. Das allerdings noch am selben Tag durch einen schicksalshaften Unfall in der Produktion wieder zugeschlagen wird, bei dem einer der Angestellten einen Hoden verliert. Was bleibt einem gestandenen Amerikaner in solch einer Situation? Ein tiefschürfendes Gespräch mit dem Barmann seines Vertrauens. Dieser findet sich in Joels subversivem Kumpel Dean, besetzt mit
Ben Affleck (
Dogma, State of Play – Stand der Dinge, Pearl Harbour), mit Bart und Langhaarperücke auf den ersten Blick kaum zu erkennen. Dean beschreibt sich selbst als Unternehmer, Heiler und Spiritualist und ist um zahlreiche unsinnige Ratschläge nicht verlegen. Deans scharfsinniger Analyse nach ist Joel zu angespannt und seine sexuelle Frustration, der zentrale Kern seiner Lebenskrise, sei mit der Wahl der richtigen Droge reparabel.
Die Situation verschärft sich als Cindy,
dargestellt von
Mila Kunis (
The Book of Eli, Nie wieder Sex mit der Ex, Max Payne), auftaucht. Cindy ist der fatale Auslöser einer Reihe irrwitziger Entscheidungen, die Joel unter dem Einfluss einer Droge aus der Sammlung von Dean treffen wird. Cindy entpuppt sich als Trickbetrügerin, die aus dem Unfall Kapital schlagen will und jeden um den Finger wickelt, der ihr bei ihrem Plan von Nutzen sein könnte. Sie ist der Typ Frau, welcher trotz aller deutlich ausgesendeten Warnsignale für einen Vorzeigeehemann zwangsläufig zu einer Venusfalle wird.
Man möchte ihr einfach nicht böse sein, schon gar nicht, wenn der beste Kumpel mit einem völlig verrückten Plan aufwartet um ans Ziel spätpubertärer Männerphantasien zu gelangen. Dean entwirft den aberwitzigen Plan, der Joels Frau ein unmoralisches Angebot durch einen als Poolboy getarnten Gigolo verschaffen soll. Dieser Test soll an den Tag bringen ob Joels Ehefrau immer noch am Ehegelübte festhält und sollte es nicht so sein, so wäre es nur gerecht, wenn Joel mit Cindy einen Seitensprung wagen könnte. Dean, als umtriebiger Unternehmer, hat selbstverständlich ganz uneigennützig einen entsprechenden Kontakt parat, der sich in dem wunderbar minderbemittelten Callboy Brad findet. Joel, im Alkohol und Drogennebel eines zu langen Männergespräch versunken und längst nicht mehr Herr seiner Sinne, stimmt zu und löst damit Ereignisse aus, die sein bisher eher beschauliches Leben zu einer einzigen Katastrophe werden lassen.
Es ist ein
Mike Judge Film, der mit einer auffällig verworrenen Geschichte aufwartet, die mit einem niedrigen Budget umgesetzt wurde und vielleicht gerade deshalb von ihren comichaften Typen getragen wird. Auch wenn der Film zunächst etwas verhalten wirkt und sehr langsam sein komödiantisches Potential entfaltet und in manchen Szenen gerne mal im Ansatz verharrt, sorgt er oft genug für ein Schmunzeln, wie im kuriosen Auftritt des KISS Bassisten
Gene Simmons, dessen Figur, der Winkeladvokat Joe Adler, durchaus für eine sehenswerte Einlage sorgt.
Ausgequetscht ist ein durchweg kurzweiliger Film, der als kleine Produktion abseits des Blockbuster Kinos eine gute Figur macht.
Die freundliche Unterstützung von Kinowelt und Bruno Banani ermöglicht es
NEGATIV ein Gewinnspiel zum DVD-Start zu veranstalten. Zu gewinnen gibt es die DVD zum Film sowie zweimal ein hochwertiges Herren-Unterwäscheset! Hier gehts zum
Gewinnspiel!
Ausgequetscht (Extract)
R: Mike Judge
D: Jason Bateman, Ben Affleck, Kirsten Wiig, Mila Kunis
USA 2009, 89 Min, Kinowelt
Sprachen/Ton: Englisch, Deutsch 5.1 (DD)
Untertitel: Deutsch
Bildformat: 1,85:1 anamorph
Extras: Erweiterte Szenen, Featurette über den Regisseur Michael Judge, Geschnittene Szene, Trailer, Fotogalerie, Wendecover
DVD im Verkauf ab 15.07.2010, DVD im Verleih ab 01.06.2010
FSK 12
Mike Judge (Alles Routine, Idiocracy), in den Neunzigern als Vater der bissigen, zynischen Cartoon-Figuren Beavis und Butthead bekannt, setzt mit
Ausgequetscht die Tradition der skurrilen Charaktere in seinem Oeuvre fort, die ihr Vorbild, ganz typisch für
Judge, im profanen Alltag finden. Die Ansammlung von teilweise herrlich überzogenen Figuren macht ganz klar das Herz des Films aus, der allerdings trotz der bemerkenswerten Besetzung mit bekannten Gesichtern nicht immer zünden will.
Joel Reynolds, gespielt von
Jason Bateman (
Up in the Air, Juno) ist das glänzende Beispiel eines Musterunternehmers, der einen makellos unspektakulären, aber erfolgreichen Lebenslauf vorweisen kann. Seine ungeheuer belanglose aber gewinnträchtige Geschäftsidee, die außer ihm kaum einer wirklich nachvollziehen kann, hat ihm zu seinem Lebenswerk verholfen: den kleinindustriellen Betrieb Reynolds Extracts. Joel lebt den amerikanischen Traum, mit dazugehöriger Ehefrau Suzie, dargestellt von
Kristen Wiig in einer heimeligen White Fence Idylle.
Sehr schnell erweist sich, dass dieses augenscheinlich perfekte Leben mit zahlreichen Fallstricken versehen ist, die ihm das Leben schwer machen. Allem voran sein frustrierend lauer Beziehungsalltag, sowie ein überaus aufdringlicher Nachbar, der allzu freundlich und nervtötend zum Bingoabend aufruft. Zwischenzeitlich sorgen immer wieder seine Angestellten für Kopfzerbrechen und bringen gehöriges Chaos in den minutiösen Ablauf der modernen Produktionsstätte, zwischen Fließband und Gabelstapler. Genau hier wird die große Sehnsucht in Joels gepeinigter Unternehmerseele deutlich, nichts sehnlicher wünscht er sich als endlich frei zu sein von diesem Erfolgsmonster, das sein Leben einnimmt. Joel scheint nur noch von Funktionalität bestimmt zu sein, ähnlich der Abfüllanlage, die das Herzstück der Firma bildet.
Die Lösung aller Probleme scheint sich bald zu finden, der Verkauf der Firma und damit ein endlich sorgenfreies Leben. Sein zynischer Partner Brian, verkörpert durch
J.K. Simmons (
Up in the Air, Juno), der sich partout nicht einen einzigen Namen der Angestellten merken will, ermöglicht den Verkauf und eröffnet so das Tor zur Freiheit. Das allerdings noch am selben Tag durch einen schicksalshaften Unfall in der Produktion wieder zugeschlagen wird, bei dem einer der Angestellten einen Hoden verliert. Was bleibt einem gestandenen Amerikaner in solch einer Situation? Ein tiefschürfendes Gespräch mit dem Barmann seines Vertrauens. Dieser findet sich in Joels subversivem Kumpel Dean, besetzt mit
Ben Affleck (
Dogma, State of Play – Stand der Dinge, Pearl Harbour), mit Bart und Langhaarperücke auf den ersten Blick kaum zu erkennen. Dean beschreibt sich selbst als Unternehmer, Heiler und Spiritualist und ist um zahlreiche unsinnige Ratschläge nicht verlegen. Deans scharfsinniger Analyse nach ist Joel zu angespannt und seine sexuelle Frustration, der zentrale Kern seiner Lebenskrise, sei mit der Wahl der richtigen Droge reparabel.
Die Situation verschärft sich als Cindy,
dargestellt von
Mila Kunis (
The Book of Eli, Nie wieder Sex mit der Ex, Max Payne), auftaucht. Cindy ist der fatale Auslöser einer Reihe irrwitziger Entscheidungen, die Joel unter dem Einfluss einer Droge aus der Sammlung von Dean treffen wird. Cindy entpuppt sich als Trickbetrügerin, die aus dem Unfall Kapital schlagen will und jeden um den Finger wickelt, der ihr bei ihrem Plan von Nutzen sein könnte. Sie ist der Typ Frau, welcher trotz aller deutlich ausgesendeten Warnsignale für einen Vorzeigeehemann zwangsläufig zu einer Venusfalle wird.
Man möchte ihr einfach nicht böse sein, schon gar nicht, wenn der beste Kumpel mit einem völlig verrückten Plan aufwartet um ans Ziel spätpubertärer Männerphantasien zu gelangen. Dean entwirft den aberwitzigen Plan, der Joels Frau ein unmoralisches Angebot durch einen als Poolboy getarnten Gigolo verschaffen soll. Dieser Test soll an den Tag bringen ob Joels Ehefrau immer noch am Ehegelübte festhält und sollte es nicht so sein, so wäre es nur gerecht, wenn Joel mit Cindy einen Seitensprung wagen könnte. Dean, als umtriebiger Unternehmer, hat selbstverständlich ganz uneigennützig einen entsprechenden Kontakt parat, der sich in dem wunderbar minderbemittelten Callboy Brad findet. Joel, im Alkohol und Drogennebel eines zu langen Männergespräch versunken und längst nicht mehr Herr seiner Sinne, stimmt zu und löst damit Ereignisse aus, die sein bisher eher beschauliches Leben zu einer einzigen Katastrophe werden lassen.
Es ist ein
Mike Judge Film, der mit einer auffällig verworrenen Geschichte aufwartet, die mit einem niedrigen Budget umgesetzt wurde und vielleicht gerade deshalb von ihren comichaften Typen getragen wird. Auch wenn der Film zunächst etwas verhalten wirkt und sehr langsam sein komödiantisches Potential entfaltet und in manchen Szenen gerne mal im Ansatz verharrt, sorgt er oft genug für ein Schmunzeln, wie im kuriosen Auftritt des KISS Bassisten
Gene Simmons, dessen Figur, der Winkeladvokat Joe Adler, durchaus für eine sehenswerte Einlage sorgt.
Ausgequetscht ist ein durchweg kurzweiliger Film, der als kleine Produktion abseits des Blockbuster Kinos eine gute Figur macht.
Die freundliche Unterstützung von Kinowelt und Bruno Banani ermöglicht es
NEGATIV ein Gewinnspiel zum DVD-Start zu veranstalten. Zu gewinnen gibt es die DVD zum Film sowie zweimal ein hochwertiges Herren-Unterwäscheset! Hier gehts zum
Gewinnspiel!
Ausgequetscht (Extract)
R: Mike Judge
D: Jason Bateman, Ben Affleck, Kirsten Wiig, Mila Kunis
USA 2009, 89 Min, Kinowelt
Sprachen/Ton: Englisch, Deutsch 5.1 (DD)
Untertitel: Deutsch
Bildformat: 1,85:1 anamorph
Extras: Erweiterte Szenen, Featurette über den Regisseur Michael Judge, Geschnittene Szene, Trailer, Fotogalerie, Wendecover
DVD im Verkauf ab 15.07.2010, DVD im Verleih ab 01.06.2010
FSK 12
Ausgequetscht (Extract)
3 Kommentare zu "Ausgequetscht (Extract)"
Das Fazit kann ich so eigentlich unterschreiben, war aber ehrlich gesagt doch etwas zu sehr enttäuscht.
Langweilig hingegen die enthaltenen Extras der DVD, die man sich im Grund schenken hätte können.
Ich will den Film allein wegen MIke Judge sehen, "Office Space" und "Idiocracy" sind tolle Komödien, die wirklich einen ganz anderen Ton anschlagen, als die typischen, spießigen amerikanischen Komödien von heute(ja, ich rede mit dir, Adam Sandler, Jim Carrey, Kevin James, Will Smith, Vince Vaughn, Owen Wilson, Will Ferrell, Martin Lawrence, Eddie Murphy, Zach Braff, Seth Rogen, etc.). Vor allem "Office Space" ist so herrlich... zeitlos, bissig, und dennoch verdammt entspannt.
Allein wegen diesen beiden Filmen (und "Beavis und Butthead"!!!) verdient Mike Judge eine Chance!
Der Film aenelt eher einer Seifenoper.
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