
Die größte Frage und wichtigste Entscheidung seitens der Filmemacher bei einem Film, der sich mit einer derartigen Ikone wie Ernesto „Che“ Guevara beschäftigt, ist die nach der Perspektive. Um es anhand des berühmten, kontrastreichen Porträts des bekanntesten Revolutionärs zu formulieren: Wird das Weiß gezeigt? Oder das Schwarz? Oder wird gar versucht das ausdifferenzierte Bild der wahren Figur hinter dem Bild zu ergründen? Objektivität ist von vorneherein ausgeschlossen, irgendeine Perspektive muß eingenommen werden, denn immer findet eine Auswahl statt. So wird viel gerätselt ob der Erzählhaltung von
Steven Soderberghs zweiteiligem
Che. Klar ist, Geschichtsunterricht wird nicht abgehalten, auch handelt es sich nicht um ein melodramatisches Biopic.
Die ersten Bilder des Films und die letzten geben zumindest einen Hinweis darauf, welcher Aspekt Guevaras (
Benicio Del Toro) Leben den Schwerpunkt der Filme bilden soll. Das erste Bild zeigt in Detailaufnahme seine Kampfstiefel, dann ist die Zigarre zu sehen. Hier wird auf die zu Ches Mythos gehörenden Utensilien verwiesen, aber vor allem auf sein Selbstverständnis. Denn er befindet sich zu diesem Zeitpunkt bei einem Interview im New York des Jahres 1964 in seiner Rolle als Industrieminister der kubanischen Regierung, und dennoch sieht er aus wie fünf Jahre zuvor als Guerilla im Dschungel. Der zweite Teil schließt mit der Aufnahme von Ches Kopf, zugedeckt von einem Tuch, denn er ist tot. Hinter dem grauen Stoff das berühmte Gesicht, das zur Ikone werden wird. Die Leiche liegt auf einer Seitentrage eines Helikopters, der über den bolivianischen Urwald fliegt. Die Kamera schwenkt auf die Bäume weit unten, es folgt eine Überblendung auf Wasser. Wieder ein Schwenk und wir sehen Che an Bord des Schiffes, das ihn 1957 nach Kuba bringt. Der Rückgriff auf dieses Bild, das im ersten Teil den Beginn seiner Existenz als Guerrilla kennzeichnet, macht noch einmal in aller Deutlichkeit klar, daß
Soderbergh an Ches Leben und Einsatz als Guerrilla interessiert ist, dies die Essenz der Filme ist.
Doch wie ist sein Blick darauf? Als Grundlage seiner Beschäftigung mit der Figur zog
Soderbergh Ches Tagebücher heran.
Che Revolucion beruht auf den Tagebüchern, die er während der Revolution anfertigte,
Che Guerrilla dann auf seinen bolivianischen Aufzeichnungen. Somit beruht der Film auf Ches eigenen Erinnerungen. Bestimmend für die Frage nach der Perspektive ist schließlich die Tatsache, daß Ches Tod nur durch eine subjektive Einstellung aus seiner eigenen Sicht heraus gezeigt wird. Lange Sekunden ist der erdige Boden der kleinen Hütte zu sehen, in der er exekutiert wurde. Das Bild zuckt einige Male und wird unscharf, ein unangenehmer hoher Ton ist zu hören. Also stellt
Soderbergh Film die subjektive Sichtweise von Guevara dar. Dies zeigt auch die Konzentration auf das Geschehen in seiner Umgebung. Zwar gibt es Sprünge zu anderen Handlungsorten und Ereignissen, bei denen Che nicht zugegen ist, doch einen Überblick erhält der Zuschauer nicht, und es handelt sich dabei um Dinge, von denen Che im nachhinein benachrichtigt wurde und sie so in seine Texte mit aufnehmen konnte. Allerdings sind seine Tagebücher nicht die eines privaten Mannes, der seine persönlichen Erinnerungen und Gefühle aufschreibt. Sie sind von vorneherein zur Veröffentlichung gedacht gewesen und stellen vielmehr eine Darlegung der Situation aus seiner Sicht und seiner generellen Einstellungen zum Unternehmen dar. Daher findet sich im Film fast nichts über die private Person Ches, seine Vergangenheit, seine Ehen. Auch gibt es deswegen keine Versuche der Psychologisierung des Charakters. Dies wurde vielfach als dokumentarisch empfunden, als rein beobachtend. Dieser Eindruck entsteht womöglich auch durch die Dramaturgie, die wenig Wert auf Spannungsaufbau und klassische Höhepunkte legt. Doch zeigen die vielen Aufnahmen des Alltags beim Marsch durch den Dschungel, sei es im ersten Teil der in Kuba oder im zweiten der in Bolivien, wie Zeltaufschlagen, Nahrungssuche und die Schlichtung von Streitigkeiten innerhalb der Gruppe eben die Erfahrungen Ches, die er auch in den Tagebüchern beschrieb. Seine Revolution bestand nicht nur aus Kämpfen, sondern vor allem auch aus Marschieren, dem Leben mit den anderen Guerrillas und den Gedanken über die Situation im Land.
Doch obschon
Soderbergh sich an den Tagebüchern Che Guevaras orientiert, greift er trotzdem durch die Auswahl der gezeigten Episoden in den Eindruck, den sein Weg hinterläßt, ein. Zum Beispiel wird ausgespart, daß gleich bei der Landung auf Kuba ein Großteil der Revolutionäre starben. Stattdessen ist als erstes Gefecht die erfolgreiche Einnahme eines Militärstützpunktes zu sehen. Als zweite Ebene des ersten Teils dient ein Besuch Che Guevaras in New York, als er schon Teil der kubanischen Regierung war. Während dieses Besuchs spricht er vor der UN und wird von einer Journalistin interviewt. Immer wieder werden seine Aussagen als Kommentar der Szenen des Guerrillakampfes gezeigt. Die Interviewszenen sowie seine Rede vor den Delegierten der UN beinhalten wie seine Tagebücher seine Sicht auf die Revolution. Einmal sagt er zu der Reporterin sinngemäß „Auf diesem Marsch mit Verletzten durch den Dschungel wurde ich zu dem Revolutionär, der ich bin“. Im Umgang mit seinen Männern erscheint Che grundsätzlich gerecht und bedacht, genauso weitschauend handelt er im Gefecht. Zudem legt er an sich dieselben strengen Maßstäbe an, mit denen er auch die anderen mißt. Als reale Person wirkt dies vielleicht zu perfekt. Doch ist dies hier nicht Che in seiner Gesamtheit. Es ist der Guerrilla, der Revolutionär und zwar so, wie er nach außen gesehen werden wollte und vor allem, wie er sich selbst wünschte zu sein.
Soderbergh zeigt also den Che, den Che selbst gerne sehen würde, wenn er einen Film über sich sehen könnte. Die soll nicht heißen, daß es sich unbedingt um ein geschöntes Bild von ihm handeln muß. Es geht hier ja gar nicht um den Menschen, sondern um die Ideen dahinter. Dies sind genau die Ideen, die er in den Tagebüchern, dem Interview und der Rede ausdrückt.
Der zweite Teil zeigt keine Sprünge in die Zukunft, wie sie im ersten durch die Szenen in New York enthalten sind. Diese sind schwarzweiß und grobkörnig, erwecken so beinahe den Anschein von Archivmaterial und verweisen somit auf die Außenwirkung seines Auftritts, aber auch darauf, daß sich für ihn sein realer Beitrag nicht so sehr auf Ebene der Politik sondern im Guerrilladasein bestand. Allerdings greift
Soderbergh auch für den zweiten Teil auf ein weiteres Schriftstück Ches zurück, nämlich einen Abschiedsbrief an Fidel Castro, den er schrieb bevor er all seine Ämter niederlegte und Kuba verließ. Zu Beginn liest Fidel diesen Brief öffentlich vor.
Soderbergh filmt dies schräg von einem Fernseher ab. Hier steht wieder der Verweis darauf, daß Ches Botschaft vermittelt werden soll. Daß der Film mit einem Abschiedsbrief beginnt, deutet natürlich zudem auf das Ende Ches vorweg. Der zweite Teil zeigt dann im Weiteren auch linear Ches Ankunft in Bolivien und das Scheitern seiner Revolution. Nach Bolivien kann er nur verkleidet gelangen und unter falschem Namen. Che ist also am Anfang des Films nicht wirklich er selbst, erst im Dschungel Boliviens wird er wieder der Guerrilla, die scheinbar einzig denkbare Lebensart für ihn. Mit seiner Frau und Kindern ist er nämlich auch nur kurz einmal zu sehen, allerdings ebenfalls in Verkleidung. Trotz des folgenden langen Wegs des Scheiterns, wird nie ein Zweifel an Ches Überzeugungen laut. Auch sagt er noch kurz vor seinem Tod, daß auch sein Fall zu einem Erfolg führen kann. So zeigt der Film keineswegs den Untergang des Guerrillas. Soderbergh streut sogar einen kleinen Hinweis auf Ches späteren Triumph, wenn durch den Abflug des Helikopters, der seine Leiche transportiert, den Bauern Staub ins Gesicht geblasen wird. Konnte Che es nicht schaffen, sie während seines Aufenthalts in Bolivien zu erreichen, so wird ihnen vielleicht sein Tod die Augen für die Verhältnisse öffnen.
Die beiden Filme präsentieren dem Zuschauer also vor allem die politischen Ideen Ches und seine konkreten moralischen Überzeugungen. Dies stellt weder ein Heldengemälde, noch eine Entmystifizierung, noch ein Psychogramm dar, sondern am ehesten eine Würdigung der hinter seinem Tun stehenden Gedanken. Zudem wird ein guter Einblick vom Leben der Guerrillas vermittelt, der auch prägend für Ches Charakter gewesen ist.
Soderbergh betitelt Che in dem auf der Bonus-DVD, die dem ersten Teil beiliegt, enthaltenem Interview den Revolutionär als „pain in the ass“. Er drückt aus, daß Che als derart streng und hart empfunden wurde, daß viele sich in seiner Gegenwart unwohl fühlten. Genau diese lebensbestimmende Überzeugung bringt der Film und Ches Aufzeichnungen zum Vorschein.
Neben dem recht ausführlichen Interview mit dem Regisseur befindet sich auch noch eines mit
Benicio Del Toro und Fidel-Castro-Darsteller
Demian Bichir in den Extras.
Del Toro fällt es sichtlich schwer, sich zu seiner Rolle zu äußern, doch wird dadurch seine herausragende schauspielerische Leistung hervorgehoben. So sehr er im Interview gestikuliert und stammelt, als Che wirkt er stets klarsichtig und bestimmt. Daneben enthält die Bonus-DVD noch ein leider nur aus Filmausschnitten und erwähnten Interviews zusammengeschnittenes Making Of. Trotzdem lohnt sich die Anschaffung der DVD, auch weil es dadurch möglich ist, beide Filme als Gesamtheit zu sehen.
Che Revolucion / Che: The Argentine
R: Steven Soderbergh
D: Benicio Del Toro, Julia Ormond, Demian Bichir
Frankreich, Spanien, USA 2008, 126 Min.
Copyright: Senator
Veröffentlichung: 2. Juli 2010
Bildformat: 2,35:1
Sprache: Deutsch, Spanisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Interviews, Making Of, Trailer
Che Guerrilla R: Steven Soderbergh
D: Benicio Del Toro, Franka Potente, Demian Bichir
Frankreich, Spanien, USA 2008, 130 Min.
Copyright: Senator
Veröffentlichung: 2. Juli 2010
Bildformat: 2,35:1
Sprache: Deutsch, Spanisch
Untertitel: Deutsch

Die größte Frage und wichtigste Entscheidung seitens der Filmemacher bei einem Film, der sich mit einer derartigen Ikone wie Ernesto „Che“ Guevara beschäftigt, ist die nach der Perspektive. Um es anhand des berühmten, kontrastreichen Porträts des bekanntesten Revolutionärs zu formulieren: Wird das Weiß gezeigt? Oder das Schwarz? Oder wird gar versucht das ausdifferenzierte Bild der wahren Figur hinter dem Bild zu ergründen? Objektivität ist von vorneherein ausgeschlossen, irgendeine Perspektive muß eingenommen werden, denn immer findet eine Auswahl statt. So wird viel gerätselt ob der Erzählhaltung von
Steven Soderberghs zweiteiligem
Che. Klar ist, Geschichtsunterricht wird nicht abgehalten, auch handelt es sich nicht um ein melodramatisches Biopic.
Die ersten Bilder des Films und die letzten geben zumindest einen Hinweis darauf, welcher Aspekt Guevaras (
Benicio Del Toro) Leben den Schwerpunkt der Filme bilden soll. Das erste Bild zeigt in Detailaufnahme seine Kampfstiefel, dann ist die Zigarre zu sehen. Hier wird auf die zu Ches Mythos gehörenden Utensilien verwiesen, aber vor allem auf sein Selbstverständnis. Denn er befindet sich zu diesem Zeitpunkt bei einem Interview im New York des Jahres 1964 in seiner Rolle als Industrieminister der kubanischen Regierung, und dennoch sieht er aus wie fünf Jahre zuvor als Guerilla im Dschungel. Der zweite Teil schließt mit der Aufnahme von Ches Kopf, zugedeckt von einem Tuch, denn er ist tot. Hinter dem grauen Stoff das berühmte Gesicht, das zur Ikone werden wird. Die Leiche liegt auf einer Seitentrage eines Helikopters, der über den bolivianischen Urwald fliegt. Die Kamera schwenkt auf die Bäume weit unten, es folgt eine Überblendung auf Wasser. Wieder ein Schwenk und wir sehen Che an Bord des Schiffes, das ihn 1957 nach Kuba bringt. Der Rückgriff auf dieses Bild, das im ersten Teil den Beginn seiner Existenz als Guerrilla kennzeichnet, macht noch einmal in aller Deutlichkeit klar, daß
Soderbergh an Ches Leben und Einsatz als Guerrilla interessiert ist, dies die Essenz der Filme ist.
Doch wie ist sein Blick darauf? Als Grundlage seiner Beschäftigung mit der Figur zog
Soderbergh Ches Tagebücher heran.
Che Revolucion beruht auf den Tagebüchern, die er während der Revolution anfertigte,
Che Guerrilla dann auf seinen bolivianischen Aufzeichnungen. Somit beruht der Film auf Ches eigenen Erinnerungen. Bestimmend für die Frage nach der Perspektive ist schließlich die Tatsache, daß Ches Tod nur durch eine subjektive Einstellung aus seiner eigenen Sicht heraus gezeigt wird. Lange Sekunden ist der erdige Boden der kleinen Hütte zu sehen, in der er exekutiert wurde. Das Bild zuckt einige Male und wird unscharf, ein unangenehmer hoher Ton ist zu hören. Also stellt
Soderbergh Film die subjektive Sichtweise von Guevara dar. Dies zeigt auch die Konzentration auf das Geschehen in seiner Umgebung. Zwar gibt es Sprünge zu anderen Handlungsorten und Ereignissen, bei denen Che nicht zugegen ist, doch einen Überblick erhält der Zuschauer nicht, und es handelt sich dabei um Dinge, von denen Che im nachhinein benachrichtigt wurde und sie so in seine Texte mit aufnehmen konnte. Allerdings sind seine Tagebücher nicht die eines privaten Mannes, der seine persönlichen Erinnerungen und Gefühle aufschreibt. Sie sind von vorneherein zur Veröffentlichung gedacht gewesen und stellen vielmehr eine Darlegung der Situation aus seiner Sicht und seiner generellen Einstellungen zum Unternehmen dar. Daher findet sich im Film fast nichts über die private Person Ches, seine Vergangenheit, seine Ehen. Auch gibt es deswegen keine Versuche der Psychologisierung des Charakters. Dies wurde vielfach als dokumentarisch empfunden, als rein beobachtend. Dieser Eindruck entsteht womöglich auch durch die Dramaturgie, die wenig Wert auf Spannungsaufbau und klassische Höhepunkte legt. Doch zeigen die vielen Aufnahmen des Alltags beim Marsch durch den Dschungel, sei es im ersten Teil der in Kuba oder im zweiten der in Bolivien, wie Zeltaufschlagen, Nahrungssuche und die Schlichtung von Streitigkeiten innerhalb der Gruppe eben die Erfahrungen Ches, die er auch in den Tagebüchern beschrieb. Seine Revolution bestand nicht nur aus Kämpfen, sondern vor allem auch aus Marschieren, dem Leben mit den anderen Guerrillas und den Gedanken über die Situation im Land.
Doch obschon
Soderbergh sich an den Tagebüchern Che Guevaras orientiert, greift er trotzdem durch die Auswahl der gezeigten Episoden in den Eindruck, den sein Weg hinterläßt, ein. Zum Beispiel wird ausgespart, daß gleich bei der Landung auf Kuba ein Großteil der Revolutionäre starben. Stattdessen ist als erstes Gefecht die erfolgreiche Einnahme eines Militärstützpunktes zu sehen. Als zweite Ebene des ersten Teils dient ein Besuch Che Guevaras in New York, als er schon Teil der kubanischen Regierung war. Während dieses Besuchs spricht er vor der UN und wird von einer Journalistin interviewt. Immer wieder werden seine Aussagen als Kommentar der Szenen des Guerrillakampfes gezeigt. Die Interviewszenen sowie seine Rede vor den Delegierten der UN beinhalten wie seine Tagebücher seine Sicht auf die Revolution. Einmal sagt er zu der Reporterin sinngemäß „Auf diesem Marsch mit Verletzten durch den Dschungel wurde ich zu dem Revolutionär, der ich bin“. Im Umgang mit seinen Männern erscheint Che grundsätzlich gerecht und bedacht, genauso weitschauend handelt er im Gefecht. Zudem legt er an sich dieselben strengen Maßstäbe an, mit denen er auch die anderen mißt. Als reale Person wirkt dies vielleicht zu perfekt. Doch ist dies hier nicht Che in seiner Gesamtheit. Es ist der Guerrilla, der Revolutionär und zwar so, wie er nach außen gesehen werden wollte und vor allem, wie er sich selbst wünschte zu sein.
Soderbergh zeigt also den Che, den Che selbst gerne sehen würde, wenn er einen Film über sich sehen könnte. Die soll nicht heißen, daß es sich unbedingt um ein geschöntes Bild von ihm handeln muß. Es geht hier ja gar nicht um den Menschen, sondern um die Ideen dahinter. Dies sind genau die Ideen, die er in den Tagebüchern, dem Interview und der Rede ausdrückt.
Der zweite Teil zeigt keine Sprünge in die Zukunft, wie sie im ersten durch die Szenen in New York enthalten sind. Diese sind schwarzweiß und grobkörnig, erwecken so beinahe den Anschein von Archivmaterial und verweisen somit auf die Außenwirkung seines Auftritts, aber auch darauf, daß sich für ihn sein realer Beitrag nicht so sehr auf Ebene der Politik sondern im Guerrilladasein bestand. Allerdings greift
Soderbergh auch für den zweiten Teil auf ein weiteres Schriftstück Ches zurück, nämlich einen Abschiedsbrief an Fidel Castro, den er schrieb bevor er all seine Ämter niederlegte und Kuba verließ. Zu Beginn liest Fidel diesen Brief öffentlich vor.
Soderbergh filmt dies schräg von einem Fernseher ab. Hier steht wieder der Verweis darauf, daß Ches Botschaft vermittelt werden soll. Daß der Film mit einem Abschiedsbrief beginnt, deutet natürlich zudem auf das Ende Ches vorweg. Der zweite Teil zeigt dann im Weiteren auch linear Ches Ankunft in Bolivien und das Scheitern seiner Revolution. Nach Bolivien kann er nur verkleidet gelangen und unter falschem Namen. Che ist also am Anfang des Films nicht wirklich er selbst, erst im Dschungel Boliviens wird er wieder der Guerrilla, die scheinbar einzig denkbare Lebensart für ihn. Mit seiner Frau und Kindern ist er nämlich auch nur kurz einmal zu sehen, allerdings ebenfalls in Verkleidung. Trotz des folgenden langen Wegs des Scheiterns, wird nie ein Zweifel an Ches Überzeugungen laut. Auch sagt er noch kurz vor seinem Tod, daß auch sein Fall zu einem Erfolg führen kann. So zeigt der Film keineswegs den Untergang des Guerrillas. Soderbergh streut sogar einen kleinen Hinweis auf Ches späteren Triumph, wenn durch den Abflug des Helikopters, der seine Leiche transportiert, den Bauern Staub ins Gesicht geblasen wird. Konnte Che es nicht schaffen, sie während seines Aufenthalts in Bolivien zu erreichen, so wird ihnen vielleicht sein Tod die Augen für die Verhältnisse öffnen.
Die beiden Filme präsentieren dem Zuschauer also vor allem die politischen Ideen Ches und seine konkreten moralischen Überzeugungen. Dies stellt weder ein Heldengemälde, noch eine Entmystifizierung, noch ein Psychogramm dar, sondern am ehesten eine Würdigung der hinter seinem Tun stehenden Gedanken. Zudem wird ein guter Einblick vom Leben der Guerrillas vermittelt, der auch prägend für Ches Charakter gewesen ist.
Soderbergh betitelt Che in dem auf der Bonus-DVD, die dem ersten Teil beiliegt, enthaltenem Interview den Revolutionär als „pain in the ass“. Er drückt aus, daß Che als derart streng und hart empfunden wurde, daß viele sich in seiner Gegenwart unwohl fühlten. Genau diese lebensbestimmende Überzeugung bringt der Film und Ches Aufzeichnungen zum Vorschein.
Neben dem recht ausführlichen Interview mit dem Regisseur befindet sich auch noch eines mit
Benicio Del Toro und Fidel-Castro-Darsteller
Demian Bichir in den Extras.
Del Toro fällt es sichtlich schwer, sich zu seiner Rolle zu äußern, doch wird dadurch seine herausragende schauspielerische Leistung hervorgehoben. So sehr er im Interview gestikuliert und stammelt, als Che wirkt er stets klarsichtig und bestimmt. Daneben enthält die Bonus-DVD noch ein leider nur aus Filmausschnitten und erwähnten Interviews zusammengeschnittenes Making Of. Trotzdem lohnt sich die Anschaffung der DVD, auch weil es dadurch möglich ist, beide Filme als Gesamtheit zu sehen.
Che Revolucion / Che: The Argentine
R: Steven Soderbergh
D: Benicio Del Toro, Julia Ormond, Demian Bichir
Frankreich, Spanien, USA 2008, 126 Min.
Copyright: Senator
Veröffentlichung: 2. Juli 2010
Bildformat: 2,35:1
Sprache: Deutsch, Spanisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Interviews, Making Of, Trailer
Che Guerrilla R: Steven Soderbergh
D: Benicio Del Toro, Franka Potente, Demian Bichir
Frankreich, Spanien, USA 2008, 130 Min.
Copyright: Senator
Veröffentlichung: 2. Juli 2010
Bildformat: 2,35:1
Sprache: Deutsch, Spanisch
Untertitel: Deutsch
Che Revolucion und Che Guerrilla von Steven Soderbergh