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DVD: Daybreakers - 2 Disc Special Edition

von Ciprian David, am 21.7.10


Einen Vampirfilm für Erwachsene strebten die Spierig Brothers mit Daybreakers an. Eine gar nicht leicht Aufgabe für die australischen Independents, vor allem weil es sich beim Vampirfilm als Fantasy-Horror-Hybrid um ein auf Unterhaltung ausgerichtetes Genre handelt. Doch dasselbe Ziel erreichte schon 1994 Neil Jordan mit seinem Interview mit einem Vampir, und, in der neueren Vergangenheit, Park Chan-wook mit Durst (Bakjwi), unmöglich ist also die Aufgabe nicht.

Und wie in Durst ist auch in Daybreakers das Zentralthema die Beschäftigung mit der Natur des Vampirseins. Wie man sich selbst als Vampir definiert, wie sich eine Gesellschaft von Vampiren organisiert, wie man als Vampir mit Menschen, also mit Nahrung umgeht - dieses sind die Fragen, die der Film behandelt.

Auch wenn ein Vampirfilm größtenteils von Prothesen, Schminke, Kontaktlinsen und Spezialeffekten ausgemacht wird, nimmt sich Daybreaker Zeit, vor allem am Anfang, um den diskursiven Ton ins Mittelpunkt zu stellen: ein Vampirmädchen, wie zwölf Jahre alt aussehend, aber potentiell viel älter, bringt sich um. In statischen Einstellungen wird der Zuschauer mit dem Unterschied zwischen dem gesehenen Kind und dem vermuteten Alter und die damit zusammenhängende Reife des Mädchens konfrontiert, die eben zum gezeigtem Selbstmord geführt hat.

Was den Film von ähnlichen Geschichten abhebt, ist sein Ausgangspunkt: die Gesellschaft wird von Vampiren dominiert. Menschen sind nur noch ein Teil der Nahrungspyramide und werden als Blutquellen in entsprechend angelegten Farmen am Leben erhalten. Mit Ausnahme von Fledermäusen gibt es keine Tiere mehr auf der Erdoberfläche. Das Blut ist die einzige Komponente, die eine auf den ersten Blick zivilisierte Gesellschaft im Gleichgewicht hält. Sobald die Blutquelle, also Menschen, als Spezies zu verschwinden droht, gerät alles aus den Fugen. In dieser Hinsicht führt der Film eine neue Sorte von Vampiren ein: die Subsiders-Vampire, die durch Blutentzug, Kannibalismus oder Selbstverzehr zu einer neuen Spezies, immer mehr Fledermäusen ähnelnd, mutieren und nur noch von ihrem Blutdurst getrieben werden.

So werden nicht nur die wenigen überlebenden Menschen zum Anlass, das Klassendenken einer Gesellschaft zu durchleuchten, sondern auch die Subsiders, die in der herrschenden Klasse der Vampire eine martialische Haltung gegenüber der Reinheit und Existenz der Rasse erwecken. Dieser Konflikt wird stilistisch auch verdeutlicht. Die Vampirgesellschaft führt ihre Existenz in einem Neo-Noir-Setting, in einem Dekor, das durch dunkle Ecken und Kanten, durch Schatten und 50er Jahre Outfits geprägt ist, und, wie damals in den 50ern (bloß mit Vampiren bevölkert), die konservative, führende Klasse charakterisiert. Gegensätzlich dazu treten die Menschen an, als Rebellen gegen das Establishment, unter der Führung vom American Muscle Cars Liebhaber Lionel Cormac, genannt Elvis und gespielt von Willem Dafoe.

Im Mittelpunkt des Geschehens glänzt neben Willem Dafoe eine Reihe von prominenten Schauspielern: in der Hauptrolle nimmt Ethan Hawke Form in seinem 50er Jahre Anzug an, um den mit den Menschen sympathisierenden Vampir und Hämatologen Edward Dalton schauspielerischen Glanz zu verleihen. Edward Dalton ist der Vertreter der Ethik der Ernährung unter den Vampiren und droht durch seinen freiwilligen Blutentzug selbst zum Subsider zu werden. Entgegengesetzt seiner Ideen tritt Charles Bromley (Sam Neill) als radikaler Kapitalist und überzeugter Vampir auf, um die Wahl zwischen dem von Krankheiten geplagtem Menschensein und die Unsterblichkeit der Vampire zugunsten der letzteren in die Waagschalen zu legen.

Daybreakers ist nach Undead der zweite Film der Spierig Brothers und gleichzeitig ihr erster Film mit einem halbwegs vernünftigen Budget. Und vielleicht genau im Budget liegen die Stärken und Schwächen des Films begründet. Makellos vom Werbekameramann Ben Nott fotografiert, ist der Film jedoch ein Kompromiss zwischen dem Bemühen, möglichst vielen Ideen einen Ausdruck zu verleihen, und seiner auf 94 Minuten beschränkten Länge. So passiert es oft, dass kondensierte Dialoge eher platt wirken, anstatt eine weitere Perspektive aufzumachen, oder dass in manchen Szenen zu viel Interpretation vom Zuschauer verlangt wird. Umso mehr kommt das Bonusmaterial der Special Edition zur Geltung, das in einem ausführlichen Making-of viele Hintergründe des Films erklärt und ergänzt. Wenn auch kein großes Ereignis der Filmgeschichte, ist Daybreakers ein nicht nur visuell beeindruckender Genrefilm. Und als kleiner Bonus gibt es dazu auf der zweiten DVD den ersten Film der Spierig Brothers: der einfache doch beeindruckende The Big Picture.





Daybreakers
R: Peter und Michael Spierig
D: Ethan Hawke, Willem Dafoe, Sam Neill
Australien, USA, 2010, 94 Min.
Sunfilm Entertainment
Veröffentlichungstermin: 27. Aug. 2010
Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Englisch
Bildformat: 16:9 - 2.35:1
Extras: Doku über die Entstehung des Films, Storyboards, Audiokommentar der Regisseuren, Kurzfilm The Big Picture


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