
„Koreaner lieben Melodram“ lässt Regisseur
Jae-yong Kwak seinen Protagonisten in
My Sassy Girl sagen, und die Erfahrung bestätigt diese Aussage für den Rest der Welt: Melodramen befinden sich meistens an der Spitze der Kinocharts. Große Gefühle, Melodramatik und ein originelles Drehbuch machten auch diesen Film zur erfolgreichsten Liebeskomödie Koreas.
Doch was macht
My Sassy Girl besonders? In den letzten Jahren haben einige ähnlichen asiatischen Filme die Herzen der westlichen Zuschauer erobert. Filme wie
Chan-wook Parks
I’m a Cyborg but That’s OK, wie
Sion Sonos Love Exposure oder wie
Jae-yong Kwaks späterer Film
Cyborg She verwenden alle das gleiche Rezept. Ein junges Paar, der Junge noch nicht erwachsen, das Mädchen ein origineller Typ mit Tendenz zur Exzentrik, muss eine Serie von Konflikten überwinden, um schließlich zueinander zu finden. Meistens werden diese Konflikte von einer Reihe von merkwürdigen Ereignissen gerahmt, die teils von der Natur des Mädchens ausgelöst werden, teils durch äußere Ursachen, und durch die der Jungen mehrere Proben zu bestehen hat. Im Kern ein pures Hollywood-Rezept, das vielleicht vom Weg Harrison Fords als Indiana Jones zur goldenen Statue im Tempel am besten in einer Szene synthetisiert wird. Doch in all diesen Filmen schaffen es die Regisseure ihre markante Autorenpatine zu hinterlassen, wodurch sie einen Mehrwert als Teil eines Gesamtwerks des Regisseurs gewinnen.
My Sassy Girl war insofern bahnbrechend, als dass er der Wegbereiter für diese anderen Filme war, der Film, der sich traute, verrückt genug zu sein, um zu entzücken, und konventionell genug, um erfolgreich zu sein.
Die Boy meets Girl Geschichte ist in
My Sassy Girl eine der Unterjochung des Jungen durch das autoritäre und eigenwillige Mädchen. Wenn beim Kennenlernen der Zufall dafür sorgte, dass er, Kyun-woo (
Tae-hyun Cha), sich um sie (
Gianna Jun) kümmert, sich für sie prügeln, demütigen oder einsperren lässt, dann machte ihr Charakter diese Art von Geschehnissen zwischen den beiden zum Ritual. Ihr Eigensinn prägt nicht nur ihre Beziehung, sondern auch die Handlung und die Dramaturgie des Films, ihn zu einem unkonventionellen und dadurch umso genießbareren Streifen machend. Passenderweise macht das formelle Gerüst des Films mit: Szenen werden oft elliptisch oder ohne Kausalitätsbezüge aneinandergereiht oder unterbrochen. Die Impulsivität des Mädchens, der Verlauf der Beziehung zwischen den beiden und die Konstruktion des Films unterliegen alle zum großen Teil dem Zufall. Es geht so weit, dass der Zuschauer sich plötzlich in humorvollen Exkursen in im ursprünglichen Film gerahmten Filmen befindet, um über traditionelle asiatische Genres und ihre Kernaussagen vis à vis von Paaren zu schmunzeln, und um dann einen Schnitt weiter wieder vom Humor des eigentlichen Films zu kosten. Doch - dem Zufall soll man eine Brücke bauen – eine neue Ebene macht sich auf, und rahmt den in zwei Hälften plus Verlängerung organisierten Film. Während er sich verliebt, ringt sie damit, den verstorbenen Anderen zu vergessen.
My Sassy Girl ist sicherlich kein schlechter Film, aber er hat seine Schwächen. Trotz aller vermittelten Spontaneität und Frische der Handlungseinfälle, trotz seiner lebensnahen und gleichzeitig phantastischen Umsetzung der Liebesgeschichte, zählt er auch nicht wenige abgenützte Szenen, die ihn einem Teil seines Glanzes berauben. Ebenso schwankt es auch auf der Schauspielebene, zwischen höchstqualitativen Augenblicken und welchen, die als unpassend überzeichnet enttäuschen. Besonders ein Vergleich mit
Cyborg She hebt den am Anfang seiner Karriere noch leicht unsicheren Ausdruck von
Jae-yong Kwak hervor.
Die um einige Minuten gekürzte Kinofassung des Films erschien bei
Splendid Film im Rahmen des Sublabels
Amasia. Zu den Extras gehören ein ausführliches, vielmehr zeitfüllendes als informatives Making of und einige kurze Interviews mit dem Regisseur und den Hauptdarstellern.
My Sassy Girl / Yeopgijeogin geunyeo
R: Jae-yong Kwak
D: Tae-hyun Cha, Gianna Jun
Südkorea, 2001, 119 Min.
Splendid Home Entertainment
Veröffentlichung: 25.Juni.2010
Bildformat: 1.78:1 (16:9 Anamorph)
Sprachen: Deutsch DD 5.1, Koreanisch DD 2.0
Untertitel: Deutsch
FSK 12
Extras: Making-of, Interview mit Regisseur und Protagonisten.

„Koreaner lieben Melodram“ lässt Regisseur
Jae-yong Kwak seinen Protagonisten in
My Sassy Girl sagen, und die Erfahrung bestätigt diese Aussage für den Rest der Welt: Melodramen befinden sich meistens an der Spitze der Kinocharts. Große Gefühle, Melodramatik und ein originelles Drehbuch machten auch diesen Film zur erfolgreichsten Liebeskomödie Koreas.
Doch was macht
My Sassy Girl besonders? In den letzten Jahren haben einige ähnlichen asiatischen Filme die Herzen der westlichen Zuschauer erobert. Filme wie
Chan-wook Parks
I’m a Cyborg but That’s OK, wie
Sion Sonos Love Exposure oder wie
Jae-yong Kwaks späterer Film
Cyborg She verwenden alle das gleiche Rezept. Ein junges Paar, der Junge noch nicht erwachsen, das Mädchen ein origineller Typ mit Tendenz zur Exzentrik, muss eine Serie von Konflikten überwinden, um schließlich zueinander zu finden. Meistens werden diese Konflikte von einer Reihe von merkwürdigen Ereignissen gerahmt, die teils von der Natur des Mädchens ausgelöst werden, teils durch äußere Ursachen, und durch die der Jungen mehrere Proben zu bestehen hat. Im Kern ein pures Hollywood-Rezept, das vielleicht vom Weg Harrison Fords als Indiana Jones zur goldenen Statue im Tempel am besten in einer Szene synthetisiert wird. Doch in all diesen Filmen schaffen es die Regisseure ihre markante Autorenpatine zu hinterlassen, wodurch sie einen Mehrwert als Teil eines Gesamtwerks des Regisseurs gewinnen.
My Sassy Girl war insofern bahnbrechend, als dass er der Wegbereiter für diese anderen Filme war, der Film, der sich traute, verrückt genug zu sein, um zu entzücken, und konventionell genug, um erfolgreich zu sein.
Die Boy meets Girl Geschichte ist in
My Sassy Girl eine der Unterjochung des Jungen durch das autoritäre und eigenwillige Mädchen. Wenn beim Kennenlernen der Zufall dafür sorgte, dass er, Kyun-woo (
Tae-hyun Cha), sich um sie (
Gianna Jun) kümmert, sich für sie prügeln, demütigen oder einsperren lässt, dann machte ihr Charakter diese Art von Geschehnissen zwischen den beiden zum Ritual. Ihr Eigensinn prägt nicht nur ihre Beziehung, sondern auch die Handlung und die Dramaturgie des Films, ihn zu einem unkonventionellen und dadurch umso genießbareren Streifen machend. Passenderweise macht das formelle Gerüst des Films mit: Szenen werden oft elliptisch oder ohne Kausalitätsbezüge aneinandergereiht oder unterbrochen. Die Impulsivität des Mädchens, der Verlauf der Beziehung zwischen den beiden und die Konstruktion des Films unterliegen alle zum großen Teil dem Zufall. Es geht so weit, dass der Zuschauer sich plötzlich in humorvollen Exkursen in im ursprünglichen Film gerahmten Filmen befindet, um über traditionelle asiatische Genres und ihre Kernaussagen vis à vis von Paaren zu schmunzeln, und um dann einen Schnitt weiter wieder vom Humor des eigentlichen Films zu kosten. Doch - dem Zufall soll man eine Brücke bauen – eine neue Ebene macht sich auf, und rahmt den in zwei Hälften plus Verlängerung organisierten Film. Während er sich verliebt, ringt sie damit, den verstorbenen Anderen zu vergessen.
My Sassy Girl ist sicherlich kein schlechter Film, aber er hat seine Schwächen. Trotz aller vermittelten Spontaneität und Frische der Handlungseinfälle, trotz seiner lebensnahen und gleichzeitig phantastischen Umsetzung der Liebesgeschichte, zählt er auch nicht wenige abgenützte Szenen, die ihn einem Teil seines Glanzes berauben. Ebenso schwankt es auch auf der Schauspielebene, zwischen höchstqualitativen Augenblicken und welchen, die als unpassend überzeichnet enttäuschen. Besonders ein Vergleich mit
Cyborg She hebt den am Anfang seiner Karriere noch leicht unsicheren Ausdruck von
Jae-yong Kwak hervor.
Die um einige Minuten gekürzte Kinofassung des Films erschien bei
Splendid Film im Rahmen des Sublabels
Amasia. Zu den Extras gehören ein ausführliches, vielmehr zeitfüllendes als informatives Making of und einige kurze Interviews mit dem Regisseur und den Hauptdarstellern.
My Sassy Girl / Yeopgijeogin geunyeo
R: Jae-yong Kwak
D: Tae-hyun Cha, Gianna Jun
Südkorea, 2001, 119 Min.
Splendid Home Entertainment
Veröffentlichung: 25.Juni.2010
Bildformat: 1.78:1 (16:9 Anamorph)
Sprachen: Deutsch DD 5.1, Koreanisch DD 2.0
Untertitel: Deutsch
FSK 12
Extras: Making-of, Interview mit Regisseur und Protagonisten.
DVD: My Sassy Girl