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Knight and Day

von Ciprian David, am 19.7.10


Tom Cruise und Cameron Diaz, das Erfolgsduo aus Vanilla Sky, treten diesen Sommer erneut zusammen auf der Leinwand an. Die führende Hand gehört dem Regisseur James Mangold, der sich damit deutlich von den Filmen, die ihn etabliert haben - Cop Land, Walk the Line, und Todeszug nach Yuma - distanziert. Knight and Day ist ein typischer Sommerfilm, eine romantische Actionkomödie.

Über die ganze Filmlänge bleiben die zwei Protagonisten im Mittelpunkt: Von ihrem Zusammenprall auf einem Flughafen am Anfang, über zahlreiche atemberaubende Abenteuer zwischen dem Absturz des Flugzeugs, in dem sie sich kennenzulernen anfangen, und den überraschendsten Szenerien in Brooklyn, Österreich oder Sevilla, bis hin zum Ende, wo sie, weit weg vom Radar ihrer Verfolger, als Paar zueinander finden.

Tom Cruise spielt Roy Miller, den allwissenden ehemaligen Geheimagenten, der jede Situation mit seinem Können, aber auch mit einem unwiderstehlichen Charme meistert. Umhüllt von einer mysteriösen Aura, erweckt er nicht nur die Aufmerksamkeit des Zuschauers, sondern auch das Interesse June Havens (natürlich Cameron Diaz), eine junge Frau mit einem relativ ruhigen Leben, einer gewissen Leidenschaft für Autos und in einer schwankenden Beziehung mit einem Feuerwehrmann lebend. Dann gibt es noch die Verfolger – eine Kolonne von schwarzen Geländewägen, anscheinend der CIA angehörend, die durch dramaturgische Wendungen die Sympathie des Zuschauers für Roy Miller abwechselnd abschwächen oder verstärken lassen.

Knight and Day ist leichte Kost, die für gute Unterhaltung sorgt und von großen Ansprüchen als Film ablässt. Dennoch wirkt er für den Zuschauer positiv überraschend. Zum einem liegt das an der Tatsache, dass er als Hybrid zwischen Action, Komödie und Romanze sehr kurzweilig und abwechslungsreich ist. Die Romanze rückt immer mehr in den Mittelpunkt, sie behauptet sich zunehmend als Gegenpart zu den temporeichen Actionszenen und das Wechselspiel zwischen der romantischen und der Action-Komponente entwickelt selbst dramaturgische Züge. Die komödiantischen Aspekte bestärken gekonnt die Bemühungen der Romanze, gegen die Angriffe der Actionepisoden zu wirken.

Und natürlich sympathisiert man als Zuschauer mit dem Zustandekommen des Paares. Vor allem, weil dieses, verglichen mit der typischen Vorgehensweise in Romantikkomödien auf Umwegen erfolgen muss. Schon am Anfang des Films wird dieser Aspekt verdeutlicht. Roy und June fangen im Flugzeug ein Gespräch miteinander an, ein romantisches, aber eben kitschiges, plattes, auf eine kurze Affäre zugehendes Gespräch. Doch in der kurzen Pause, in der sie die Toilette benutzt, wird dieser potenzielle Verlauf des Films demontiert: Roy tötet alle anderen Passagiere des Flugzeug und bringt die Action-Komponente mit in die Handlung, mit ihrer Frische und ihrem Temporeichtum, an die sich alle Elemente des Films anpassen werden müssen.

Konsequent in dieser Hinsicht werden oft Szenen abrupt unterbrochen. Auf eine Art, die dem Medium Film schon in seinen Anfangsjahren als inhärent anerkannt worden ist, werden Szenerien rund um die Welt durch ein einfaches Einschläfern und Aufwachen von June gewechselt. Die um Roy Miller erschaffene filmische Welt ist eine pur filmische, die den Gesetzen der realen Welt nicht immer untergeordnet ist, genauso wie die Liebesgeschichte der Protagonisten eine ungewöhnliche ist. Bezeichnend ist ihre erste körperliche Annäherung, in einer wundervoll kitschigen Szene auf einer einsamen Insel, die Roy als Versteck dient. Natürlich darf auch dort die Romanze nicht unversehrt entstehen, aber ein großartige Moment der Annäherung zweier Filmcharakteren wird erzeugt: der manische Roy ist dermaßen galant June gegenüber, dass er ihr zeigt, wie sie sich, wenn notwendig, aus seinem Griff befreien kann. Die gesammelte Spannung des bisherigen Konflikts zwischen den beiden wurde auf diese Szene hinaus kanalisiert, und schon rollen sie umarmt über den Boden, die Energie bereit in einen Kuss ausbrechen zu lassen. Statt Kuss folgen aber Schüsse und Explosionen.

Knight and Day ist vielleicht der beste Film des Sommers in seiner Kategorie, und jedenfalls einen Kinobesuch wert, auch wenn der eine oder andere Zuschauer tendieren sollte, beim Namen Tom Cruise nicht an den großen Schauspieler aus Last Samurai, Vanilla Sky oder Eyes Wide Shut zu denken.


Knight and Day
R: James Mangold
D: Tom Cruise, Cameron Diaz, Peter Sarsgaard
USA, 2010, 109 Min.
FSK 12.
20th Century Fox


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