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Predators

von Dennis Vetter, am 31.7.10



Das 80er Jahre Action Kino ist schon ein kurioses Sammelsurium von schrägen Figuren, skurrilen Plots und vor allem hanebüchenen Dialogen. Dennoch entstanden in dieser Zeit einige Stoffe, die – wenn sie auch teils deutlich in ihrem Zeitkontext verhaftet sind – heute noch funktionieren. Einer der bekanntesten Höhepunkte dieser Kinoära ist wohl der Film Predator von 1987, den Action Experte John McTiernan ein Jahr vor seinem noch erfolgreicheren Blockbuster Die Hard fertig stellte. Das Konzept des Films war simpel: Eine Gruppe von Elitesoldaten um Allround-Kampfmaschine Arnold Schwarzenegger wird in den Dschungel Süd-Amerikas geschickt, um ein Guerillacamp auszuradieren und vermisste amerikanische Soldaten ausfindig zu machen. Während ihrer Mission stoßen die muskelbepackten Tough-Guys auf einen garstigen, außerirdischen Jäger, der es sich aus reiner Schadenfreude zum Ziel gesetzt hat, mit seiner überlegenen Technik und Körperkraft ein Gruppenmitglied nach dem anderen brutal umzubringen.

Ähnlich wie ein Jahr zuvor im Sequel zu Ridley Scotts Alien stand hier die Kombination von Horrorelementen mit der actionlastigen Präsentation einer detailliert ausgearbeiteten Alienspezies im Zentrum des Films. Ein Konzept, das bei beiden Filmen hervorragend funktionierte und überzeugende, sehr stimmungsvolle Szenarien hinterließ. In beiden Fällen wurde durch die überlegenen Gegenspieler in großem Maße die in den 80er Jahren verbreitete Überbetonung von Waffengewalt demontiert und den Figuren blieb als einziger Ausweg ihr Intellekt – was letztenendes in einer Annäherung an die faszinierenden, außerirdischen Gegenparts und in der direkten, körperlichen Konfrontation mündete.

Der Erfolg der beiden Spezies beim Publikum zog im Falle von Predator ein missglücktes und im Falle von Aliens (James Cameron) zwei nicht wirklich gelungene Sequels nach sich. In jüngster Vergangenheit erfuhren die Stoffe eine Wiederbelebung im Rahmen der Aliens vs. Predator-Reihe. Was als Videospiel zahlreiche Möglichkeiten bot und dank großer Sorgfalt hervorragend funktionierte, scheiterte in bisher zwei Verfilmungen des Konzeptes fatal. Denn das Prinzip dieser Leinwandadaptionen ist eher simpel: Man nehme einige Menschen und konfrontiere sie mit möglichst vielen Aliens und Predators, auf das hieraus ein effektgeladenes Actionspektakel entstehe. Insbesondere die Predator-Anhängerschaft wartet somit seit rund 20 Jahren auf eine ernstzunehmende, filmische Fortsetzung des Stoffes, die dem Original gerecht werden kann. Seit einiger Zeit verspricht Predators mit seinem an die Alien-Fortsetzung angelehnten Titel, einem hochinteressanten Cast (u.a. Adrien Brody & Laurence Fishburne), dem ungarischen Regisseur Nimród Antal (Kontroll) sowie Robert Rodriguez als Produzent, diese Lücke zu schließen. Das Resultat ist seit dem 22.07. im Kino zu sehen und recht unerwartet ausgefallen, für einige sicherlich enttäuschend und nicht völlig zufriedenstellend, aber je nach Betrachtungsweise sehr unterhaltsam.


Der Plot des Films bietet zunächst nicht wirklich Überraschungen. Ein Haufen von Söldnern aus aller Herren Länder kracht mit Fallschirmen – und natürlich bis an die Zähne bewaffnet – in ein unbekanntes Walgebiet und geht sich gegenseitig an die Gurgel. Zwischen lautem Schreien, Kugelhagel und aufkommenden Faustkämpfen behält einer sofort die Ruhe und schafft souverän Ordnung. Das Ergebnis: Die zusammengewürfelte Truppe überwindet schnell ihre Verwirrung, beruhigt sich und wird sich darüber klar, dass sich keiner über die Umstände der Situation im Klaren ist. So weit so gut. Die Suche nach Orientierungspunkten steht an, hilft aber spätestens beim Anblick fremder Planeten am Horizont wenig weiter und führt die Zweckgemeinschaft bloß in die Arme wütender, außerirdischer Jagdhunde. Schnell ist also die Grundsituation des Films geklärt. Eine außerirdische Spezies – eine detaillierte Beschreibung erübrigt sich wohl nach den zahlreichen Medienauftritten der Predators – hat sich auf der Erde gnadenlose Jäger und Mörder gesucht, um sie auf einem Dschungelplaneten als Trainings-Beute für die eigenen Krieger auszusetzen. Natürlich kennt ein Gruppenmitglied die Geschehnisse des Originalfilms und so ist bald ein Plan entworfen: Egal wie viele von ihnen da draußen sind, sie sollen sterben!


Was nun folgt, kann sich jeder Kenner der bisherigen Filme zum Thema vermutlich in etwa denken und fragt sich weniger was denn passiert, sondern eher wie es passiert. Genau hierin liegt die Besonderheit von Nimród Antals Adaption des Stoffes. Was den Zuschauer erwartet ist der gelungene Versuch, möglichst viele der Stärken des Original-Predators zu übernehmen, jedoch ohne sich dabei der Lächerlichkeit preiszugeben oder in ein sinnfreies Spektakel im Stil der AvP-Reihe zu verfallen. Sein Ausweg aus diesem Dilemma: Er präsentiert Predators mit einem gewaltigen Augenzwinkern. Schon ein Blick auf die zusammengewürfelte Protagonistentruppe, bestehend unter anderem aus einem Yakuza-Killer, der im Anzug durch den Wald stapft, einem mexikanischen Drogengeldeintreiber (unmöglich ernst zu nehmen: Danny Trejo!), einem Serienkiller, einem Ellen Ripley-Verschnitt und natürlich dem völlig überzeichneten Anführer der Truppe (Adrien Brody), die allesamt klischeebeladener kaum sein könnten, entlarvt jeden Ansatz von Ernsthaftigkeit als spöttisch zu belächelnde Illusion. Predators reiht mit großer Freude Plottwists, die absurder kaum sein könnten, drastisch überstilisierte Passagen (Duell auf der Wiese!) und Dialoge, die selbst zu Zeiten des Originals übertrieben gewirkt hätten, ohne Gnade aneinander und macht so bei ironischer Betrachtung mit einem Bier in der Hand einen Heidenspaß.


Zwischen den actiondominierten Passagen des Films, deutet Antal hin und wieder Handlungsmotive an, die das inhaltliche Potenzial des Originals aufgreifen, beispielsweise in dem er die fragwürdige Natur der Protagonisten anspricht. Er belässt diese Motive jedoch stets bei einer kurzen Erwähnung, übersteigert sie bis ins Absurde (Die Ereignisse in der Grube zum Schluss des Films) und spricht ihnen so letztlich jede Bedeutung ab. Predators macht Spaß, ja, vielleicht ist er auch die einzig mögliche Neuauflage der Vorlage im heutigen Kontext. Dennoch geben Antal und Rodriguez hier einen der spannendsten Science Fiction Stoffe der jüngeren Vergangenheit endgültig der Lächerlichkeit preis und werden damit sicherlich so manchen Predator-Fan sehr und vor allem endgültig enttäuschen.

Predators
R: Nimród Antal
D: Adrien Brody, Topher Grace, Alice Braga, Walton Goggins, Oleg Taktarov, Laurence Fishburne, Danny Trejo
USA 2010, 107 Min.
Copyright: 20th Century Fox
Kinostart: 22.07.2010


4 Kommentare zu "Predators"

Anonym hat gesagt…

Totaler Käse was Sie hier geschrieben haben.

Dennis Vetter hat gesagt…

Nun ja, ein Film wirkt nun mal auf jeden der ihn sieht anders, auch die Situation in der man ihn schaut beeinflusst den Eindruck. In meinem Fall kam vor allem der Humor zur Geltung. Wie würden Sie Predators denn einschätzen? Ihr Kommentar ist leider etwas wenig aufschlussreich.

Anonym hat gesagt…

Genau! Vergessen wir nicht,daß Rodriguez zur Ober-Sarkasmo-Truppe Hollywoods gehört und sich aus diesem Blickwinkel betrachtet erstaunlich uneigennützig an die Grundmetaphern des Originals hält. Zum Thema Alien-Fortsetzungen muß gesagt werden,daß jeder Teil der Reihe Ausdruck des künstlerischen Stils der jeweiligen Regisseure ist: klaustrophobisch das Fincher-Sequel; französisch-burlesk der Jeunet-Film. Das Thema ist jedem zugänglich,der daraus eine Story stricken will und wird insofern ständig von unterschiedlichsten Seiten betrachtet und beschrieben. Der Faktor Fortsetzung ist zweitrangig bis irrelevant und jede diesbezügliche Erwartungshaltung zur Enttäuschung verdammt.

Dennis Vetter hat gesagt…

Schön, dass sich noch eine ernstgemeinte Antort findet. Der Film verdient zweifellos Respekt für seinen sehr gelungenen Zugang zum 80er Actionkino.

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