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Uwe Boll-Special Teil 2: Darfur (2009)

von Sven Safarow, am 20.7.10

Uwe Boll ist kein Regisseur der leisen Töne. Wenn ihn ein Thema künstlerisch und menschlich interessiert, verwandelt er dieses in eine filmische Dampfwalze, eine donnernde Stellungnahme, die keinen Kompromiss zulässt. Der Darfur-Konflikt ist solch ein Thema: ein seit 2003 andauernder Genozid, der von den westlichen Medien hauptsächlich ignoriert wird.
Boll hat mit Darfur einen harten, bitteren Film gedreht, der eine klare Funktion hat: Den Konflikt wieder ins Gespräch zu bringen, Druck auszuüben, die Politik zu mobilisieren.

Filme gegen das Vergessen gibt es viele, man denke nur an die vielen Filme, die sich des Holocausts annehmen. Doch zwischen diesen Filmen und den Gräueln, die sie anprangern, existiert meist eine nicht unerhebliche zeitliche Distanz. Bolls Darfur hingegen weist auf einen Konflikt hin, der aktueller nicht sein könnte, was seinem Film eine eigene Brisanz verleiht. Während Filme wie Schindlers Liste, Sophies Entscheidung oder Der Pianist eher den Geschichtsunterricht ergänzen, will Darfur Geschichte vor dem Vergessen bewahren, und ins öffentliche Bewusstsein zurückbringen.

Ein amerikanisches Journalistenteam, begleitet von zwei Soldaten der Afrikanischen Union, besucht ein Flüchtlingsdorf in Darfur. Die Menschen sind allesamt gezeichnet durch Flucht, Vertreibung, Vergewaltigung und Mord. Ein ganzes Dorf traumatisiert, doch die Journalisten halten emotionale Distanz, sind professionell.
Als bewaffnete Reitermilizen, die Dschandschawid, auftauchen, eskaliert die Situation. Die Dschandschawid richten ein Massaker an, die Journalisten fliehen, doch zwei von ihnen beschließen, zurückzugehen und den Dorfbewohnern zu helfen.

Darfur beginnt plötzlich und unvermittelt, Zeit für Exposition oder Charakterisierung bleibt nicht. Der Zuschauer wird in die Situation reingeworfen, wird dazu verdammt zuzusehen. So wird das Dilemma der Journalisten direkt spürbar: Sie sehen das Unrecht, sie sind live dabei, sind jedoch dazu bestimmt, in der Beobachterrolle zu verharren. Alles andere würde den Tod bedeuten.
Die Journalisten in Darfur (verkörpert u.a. von Kristanna Loken, Billy Zane, Edward Furlong, Matt Frewer und David O’Hara (aus Hotel Ruanda)) stehen für die Hilflosigkeit des Westens angesichts der humanitären Katastrophe. Sie können die Gräuel dokumentieren, aber nicht stoppen- zu kompliziert der Konflikt, dessen Spuren auch auf diverse wirtschaftliche Interessen verweisen.

Die nervöse Handkamera lässt uns nicht einen Augenblick der Ruhe, jede einzelne Szene ist von einer ungewissen Spannung. Dazu verleihen die besonderen Drehbedingungen den Szenen eine zusätzliche Schärfe: Nicht nur wurden die meisten Dialoge improvisiert (ein Verfahren, das Boll auch in Siegburg und Rampage anwendet), auch die Beteiligung echter Sudan-Flüchtlinge und Überlebender vermittelt ein raues Gefühl verstörender Authentizität, welches nur von marginalen Irritationen gestreift wird (der eher klischeehafte Soundtrack scheint den Film weniger zu unterstützen, als zu beschallen).
Diese Aspekte machen den Film zu einem höchst intuitiven Werk: spontan im besten Sinne, doch klar und deutlich auf eine Aussage hin konzipiert.

Darfur ist keine nüchterne politische Analyse im Stile Francesco Rosis, sondern ein Aufschrei, eine emotionale Entrüstung, wütend und brutal, expressiv und ehrlich, in seiner Verzweiflung Elem Klimovs Komm und sieh, einem Vorbild Bolls, nicht unähnlich.
Die Tatsache, dass Amnesty International und berühmte Regisseure wie Ron Howard, und Terry George sich positiv zum Film äußern, mag ein gutes Zeichen sein, und der Intention des Films entsprechen. Doch erst politische Konsequenzen bringen den erhofften Erfolg. Bis dahin herrscht Ungewissheit.
Darfur
R: Uwe Boll
D: Kristanna Loken, Billy Zane, Edward Furlong, Matt Frewer, David O'Hara, Noah Danby, Sammy Sheik, Hakeem Kae-Kazim 
USA 2009, ca, 98 Min.
(c) Event Film Distribution 
Bilder: Splendid Film



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