Tim Burtons Reise in die Welt von Lewis Caroll mag schon im Ansatz große Hoffnungen wecken, im Falle der hochgesteckten Erwartungen scheint die Messlatte für Burton diesmal doch etwas zu hoch gelegen zu haben. Die Frage, die sich stellt, ist, ob sich das Konzept Burton in den letzten Produktionen (Charlie und die Schokoladenfabrik,Sweeney Todd) nicht doch festgefahren hat und reiner Selbstzweck wurde, ohne den sonst üblichen anderen Blick auf die Dinge. Denn so wirklich „typisch Burton“ ist Alice im Wunderland nur auf dem Papier. Was bleibt also von einem visuell reizvollen Film, der vor die 3D Offensive der Disney Studios gespannt wurde und im Zuge des Erfolges von James CameronsAvatar – Aufbruch nach Pandora für Kasse sorgte, weil das Publikum von Tiefenwirkung und neuer räumlichen Wahrnehmung nicht genug bekommt? Die Technik ist noch lange nicht so verbreitet und zugänglich, auf dass sie in jedem Wohnzimmer steht, daher wird man mehrheitlich auf konventionelle Weise die Traumreise durchs Wunderland auf DVD oder BluRay antreten. Aber nicht nur deshalb muss man sich erst einmal mit einer flachen, zweidimensionalen Ausgabe der Alice in Burtonland begnügen.
Möglicherweise sind es gerade die skurrilen Figuren, die zu viel Aufmerksamkeit erhalten und dadurch eher wieder für Monotonie sorgen. Obwohl die revolutionären Bewohner des Unterlands wie es nun heißt, mit prominenten Synchronstimmen aufwarten, wie das weiße Kaninchen (Michael Sheen), Grinsekatze (Stephen Fry), Bayard der Bluthund (Timothy Spall) oder die Raupe Absolem (Alan Rickman), tragen sie zwar in ihrer Ausgestaltung unübersehbar die Handschrift Burtons, aber wirken einfach zu sehr wie reißbretthafte Charaktere. Auch wollen die beiden Königinnen, Anne Hathaway als weiße Königin und die unvermeidliche Helena Bonham Carter als rote Königin, trotz guter Anlage der grotesken Figuren Unterland nicht wirklich lebendig werden. Die Performance von Johnny Depp als Hutmacher trägt ihren ganz speziellen Teil dazu bei, dass die schrägen Außenseiterfiguren, die Alice, gespielt von Mia Wasikowska, durch das Wunderland begleiten, die Oberhand gewinnen und sich darin hoffnungslos verlieren. Johnny Depp scheint mit einem ganz speziellen Problem zu kämpfen, das ihn in seiner Arbeit immer wieder einholt, die brillante Verkörperung des Jack Sparrow. Der Piratenkapitän schwingt immer wieder mit, ganz besonders wenn der Focus so stark auf den Schauspieler fällt wie es im Wunderland der Fall ist. Für Überraschung sorgt seine Darstellung in keinster Weise, allerdings wirkt die überzogene Figur des Hutmachers auch nicht nachhaltig genug um so viel Aufmerksamkeit zu rechtfertigen, etwas weniger Johnny und mehr Platz für Alice wäre hier ratsam gewesen.
Der lineare Abenteuerplot schafft den Eindruck eines eher familienfreundlichen Themenpark-Erlebnisses. Alice ist auf einer klassischen Heldenreise und fühlt sich so gar nicht als Auserwählte, soll aber die prophezeite Bedrohung durch den Jabberwoky (synchronisieret von Sir Christopher Lee) abwenden. Den Kern der Geschichte, die Fabel von Erwachsenwerden und Selbstbestimmung lässt die Drehbuchautorin Linda Woolverton (Der König der Löwen, Die Schöne und das Biest) bestehen. Versöhnlich mag am Ende die Erkenntnis sein, dass Fantasie der Antrieb des menschlichen Handelns ist. Es ist ein gut gemeinter Rat für den Alltag an sechs unmögliche Dinge noch vor dem Frühstück zu denken, denn dann kann alles passieren. Doch verfällt die Inszenierung in eine eindringliche, moralisch vordergründige Ausgestaltung, die in der bunten Plastikwelt bestens aufgehoben ist. Selbstironie ist kaum zu finden, das Gute ist eben Gut, das Böse ist traditionell Böse, wenn auch bunt, aber klar definiert. Der Langatmigkeit des Plots steht der exzellenten Einsatz digitaler Technik gegenüber und bietet besten Schauwert in immer wieder neuen Kompositionen der Bildinhalte, verbunden mit einem wunderbar emotionalen Soundtrack aus der Feder von Danny Elfman.
Aber bietet Wunderland keinen Platz für andere Einsichten? Ist die Nähe zwischen Caroll und Burton so groß, dass es nur einen Konsens geben kann? Berücksichtigt man Burtons Comic Bearbeitung der Batman Figur (Batman und besondersBatman Returns) so hätte man durchaus mehr erwarten können: eine neue Interpretation der Vorlage in der die Handschrift des Regisseurs nicht nur zum mannigfachen Beiwerk wird. Es mag den Anschein haben, dass in dieser Produktion sehr viel Studiopolitik und Zugeständnis dafür gesorgt haben, dass trotz aller guter Voraussetzungen, die gegeben sind, um Alice zu einem typischen Burton Film zu machen, das Werk zu sehr in Routine verfällt, als dass eine überzeugende Wirkung erzielt wird, die alle Elemente unter einen Hut bringt und damit wirklich unterhaltend ist. Die Next Generation Alice ist ein digitales Übermärchen, stromlinienförmig und schön anzuschauen, das seine nachhaltige Wirkung im Verlauf der Traumreise verliert und etwas zu sehr an seiner Opulenz erstickt.
Alice im Wunderland / Alice in Wonderland
R: Tim Burton D: Mia Wasikowska, Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Anne Hathaway
Format: 16:9 1,78,1 geeignet für alle Formate
Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Türkisch, Arabisch
Extras: Der verrückte Hutmacher, Alles über Alice, Spezialeffeckte im Wunderland
USA, 2010, 104 Min. Disney
Tim Burtons Reise in die Welt von Lewis Caroll mag schon im Ansatz große Hoffnungen wecken, im Falle der hochgesteckten Erwartungen scheint die Messlatte für Burton diesmal doch etwas zu hoch gelegen zu haben. Die Frage, die sich stellt, ist, ob sich das Konzept Burton in den letzten Produktionen (Charlie und die Schokoladenfabrik,Sweeney Todd) nicht doch festgefahren hat und reiner Selbstzweck wurde, ohne den sonst üblichen anderen Blick auf die Dinge. Denn so wirklich „typisch Burton“ ist Alice im Wunderland nur auf dem Papier. Was bleibt also von einem visuell reizvollen Film, der vor die 3D Offensive der Disney Studios gespannt wurde und im Zuge des Erfolges von James CameronsAvatar – Aufbruch nach Pandora für Kasse sorgte, weil das Publikum von Tiefenwirkung und neuer räumlichen Wahrnehmung nicht genug bekommt? Die Technik ist noch lange nicht so verbreitet und zugänglich, auf dass sie in jedem Wohnzimmer steht, daher wird man mehrheitlich auf konventionelle Weise die Traumreise durchs Wunderland auf DVD oder BluRay antreten. Aber nicht nur deshalb muss man sich erst einmal mit einer flachen, zweidimensionalen Ausgabe der Alice in Burtonland begnügen.
Möglicherweise sind es gerade die skurrilen Figuren, die zu viel Aufmerksamkeit erhalten und dadurch eher wieder für Monotonie sorgen. Obwohl die revolutionären Bewohner des Unterlands wie es nun heißt, mit prominenten Synchronstimmen aufwarten, wie das weiße Kaninchen (Michael Sheen), Grinsekatze (Stephen Fry), Bayard der Bluthund (Timothy Spall) oder die Raupe Absolem (Alan Rickman), tragen sie zwar in ihrer Ausgestaltung unübersehbar die Handschrift Burtons, aber wirken einfach zu sehr wie reißbretthafte Charaktere. Auch wollen die beiden Königinnen, Anne Hathaway als weiße Königin und die unvermeidliche Helena Bonham Carter als rote Königin, trotz guter Anlage der grotesken Figuren Unterland nicht wirklich lebendig werden. Die Performance von Johnny Depp als Hutmacher trägt ihren ganz speziellen Teil dazu bei, dass die schrägen Außenseiterfiguren, die Alice, gespielt von Mia Wasikowska, durch das Wunderland begleiten, die Oberhand gewinnen und sich darin hoffnungslos verlieren. Johnny Depp scheint mit einem ganz speziellen Problem zu kämpfen, das ihn in seiner Arbeit immer wieder einholt, die brillante Verkörperung des Jack Sparrow. Der Piratenkapitän schwingt immer wieder mit, ganz besonders wenn der Focus so stark auf den Schauspieler fällt wie es im Wunderland der Fall ist. Für Überraschung sorgt seine Darstellung in keinster Weise, allerdings wirkt die überzogene Figur des Hutmachers auch nicht nachhaltig genug um so viel Aufmerksamkeit zu rechtfertigen, etwas weniger Johnny und mehr Platz für Alice wäre hier ratsam gewesen.
Der lineare Abenteuerplot schafft den Eindruck eines eher familienfreundlichen Themenpark-Erlebnisses. Alice ist auf einer klassischen Heldenreise und fühlt sich so gar nicht als Auserwählte, soll aber die prophezeite Bedrohung durch den Jabberwoky (synchronisieret von Sir Christopher Lee) abwenden. Den Kern der Geschichte, die Fabel von Erwachsenwerden und Selbstbestimmung lässt die Drehbuchautorin Linda Woolverton (Der König der Löwen, Die Schöne und das Biest) bestehen. Versöhnlich mag am Ende die Erkenntnis sein, dass Fantasie der Antrieb des menschlichen Handelns ist. Es ist ein gut gemeinter Rat für den Alltag an sechs unmögliche Dinge noch vor dem Frühstück zu denken, denn dann kann alles passieren. Doch verfällt die Inszenierung in eine eindringliche, moralisch vordergründige Ausgestaltung, die in der bunten Plastikwelt bestens aufgehoben ist. Selbstironie ist kaum zu finden, das Gute ist eben Gut, das Böse ist traditionell Böse, wenn auch bunt, aber klar definiert. Der Langatmigkeit des Plots steht der exzellenten Einsatz digitaler Technik gegenüber und bietet besten Schauwert in immer wieder neuen Kompositionen der Bildinhalte, verbunden mit einem wunderbar emotionalen Soundtrack aus der Feder von Danny Elfman.
Aber bietet Wunderland keinen Platz für andere Einsichten? Ist die Nähe zwischen Caroll und Burton so groß, dass es nur einen Konsens geben kann? Berücksichtigt man Burtons Comic Bearbeitung der Batman Figur (Batman und besondersBatman Returns) so hätte man durchaus mehr erwarten können: eine neue Interpretation der Vorlage in der die Handschrift des Regisseurs nicht nur zum mannigfachen Beiwerk wird. Es mag den Anschein haben, dass in dieser Produktion sehr viel Studiopolitik und Zugeständnis dafür gesorgt haben, dass trotz aller guter Voraussetzungen, die gegeben sind, um Alice zu einem typischen Burton Film zu machen, das Werk zu sehr in Routine verfällt, als dass eine überzeugende Wirkung erzielt wird, die alle Elemente unter einen Hut bringt und damit wirklich unterhaltend ist. Die Next Generation Alice ist ein digitales Übermärchen, stromlinienförmig und schön anzuschauen, das seine nachhaltige Wirkung im Verlauf der Traumreise verliert und etwas zu sehr an seiner Opulenz erstickt.
Alice im Wunderland / Alice in Wonderland
R: Tim Burton D: Mia Wasikowska, Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Anne Hathaway
Format: 16:9 1,78,1 geeignet für alle Formate
Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Türkisch, Arabisch
Extras: Der verrückte Hutmacher, Alles über Alice, Spezialeffeckte im Wunderland
USA, 2010, 104 Min. Disney
Im Wesentlichen stimme ich zu: Der Film sieht fabelhaft aus, die Enttäuschung über die konventionelle, langweilige Story überwiegt aber. Schade, denn nach "Sweeney Todd" hatte ich wirklich hohe Erwartungen an den neuen Burton.
Ich würde zwar nicht so weit gehen den Film als überwiegende Enttäuschung zu bezeichnen aber grundsätzlich stimme ich sowohl dem Review als auch dem Kommentar von Dr. Borzel zu. Bleibt zu hoffen, dass der nächste Burton wieder gewohnte Qualität liefert....
3 Kommentare zu "DVD: Alice im Wunderland"
Im Wesentlichen stimme ich zu: Der Film sieht fabelhaft aus, die Enttäuschung über die konventionelle, langweilige Story überwiegt aber. Schade, denn nach "Sweeney Todd" hatte ich wirklich hohe Erwartungen an den neuen Burton.
Ich würde zwar nicht so weit gehen den Film als überwiegende Enttäuschung zu bezeichnen aber grundsätzlich stimme ich sowohl dem Review als auch dem Kommentar von Dr. Borzel zu. Bleibt zu hoffen, dass der nächste Burton wieder gewohnte Qualität liefert....
Dr. Borstel meinte ich natürlich ;-)
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