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Das Konzert

von Elisabeth Maurer, am 2.8.10


1998 drehte der aus Rumänien stammende und in Frankreich lebende Regisseur Radu Mihaileanu den Film Zug des Lebens, der heute in Diskussionen über den filmischen Umgang mit dem Nationalsozialismus in Form von Komödien und Satiren in einem Atemzug mit Lubitschs Sein oder Nicht Sein, Chaplins Der große Diktator und Benignis Das Leben ist schön genannt wird. Sein Film handelt von einem kleinen jüdischen Dorf in Osteuropa, dessen Bewohner sich, um sich vor dem Konzentrationslager zu retten, kurzerhand selbst deportieren. Mihaileanu bediente sich in der Figurenzeichnung einiger Klischees, stattete die Charaktere aber auch mit psychologischer Tiefe aus und gab seinem Film einen sehr ironischen und satirischen Ton.

Sein neuer Film Das Konzert weckt zunächst einige Erinnerungen an sein früheres Werk. Denn auch hier gibt es eine Gruppe von Unterdrückten, die sich durch Verkleidung und Maskerade aus ihrem Elend befreien wollen. Es handelt sich dabei um die ehemaligen Musiker des Bolschoi-Orchesters und ihrem Dirigenten Andrei Filipov (Aleksei Guskov), die vor über 30 Jahren auf dem Höhepunkt ihres ehrgeizigen Tschaikowsky-Konzerts von der kommunistischen Partei gestoppt wurden, weil Filipov jüdische Musiker einsetzte. Seither führen alle ein erbärmliches Leben. Filipov selbst ist Putzmann in dem Konzerthaus, wo er damals selbst dirigierte. Bei seiner Arbeit fällt ihm aber ein Fax in die Hände, das das derzeitige, eher mittelmäßige Bolschoi-Orchester nach Paris zu einem Gastspiel einlädt. Filipov sieht seine Chance gekommen, sich selbst und seine Musiker von ihrem Schmerz zu befreien, indem sie sich als Orchester ausgeben und das Konzert spielen. Erstaunlicherweise schaffen sie es tatsächlich nach Frankreich. Dort jedoch hat Filipov mit der Moral seiner Musiker zu kämpfen, die sich alle durch ihre Faszination für das reiche Land und vor allem die möglichen Geldquellen kaum aufs Musizieren konzentrieren können. Vor allem aber verbindet ihn mit der jungen französischen Solo-Violinistin Anne-Marie (Mélanie Laurent aus Inglourious Basterds), die er für das Konzert angefordert hat, eine Geschichte, die bis in die Zeit des alten Bolschoi-Orchesters zurückreicht.


Die intendierte Interpretation des Films legt Mihaileanu seinem Hauptcharakter Filipov selbst in den Mund: Die vollkommende Harmonie eines Orchesters aus einzelnen Musikern und Instrumenten sei wahrer Kommunismus, nicht die von der Partei praktizierte Unmenschlichkeit. Ein bißchen zu pädagogisch und etwas zu korrekt kommt diese Aussage daher. Auch gelingt dem Regisseur das Spiel mit den Klischees der Osteuropäer und Juden weniger gut wie in Zug des Lebens. Denn (ohne zuviel von Zug des Lebens zu verraten) hier fehlt die Umkehrung der Geschehnisse und die Satire, weshalb die Darstellung der Menschen oftmals zu aufdringlich klischiert wirkt. Trotzdem lassen sich einige sehr amüsante Momente entdecken. Vor allem aber das Finale mit dem Konzert fesselt und berührt, hauptsächlich durch die Schauspielleistung von Laurent, Guskov und Dmitri Nazarov als Sascha. Zudem bewirkt die Musik und besonders ihre wirklich immer vollkommenere Harmonie auch, den Zuschauer doch noch in Gleichklang mit der Geschichte zu bringen.



Das Konzert / Le Concert
R: Radu Mihaileanu
D: Aleksei Guskov, Mélanie Laurent, Dmitri Nazarov
Belgien, Frankreich, Italien, Rumänien 2009, 119 Min.
Start: 29. Juli 2010
Copyright: Concorde


3 Kommentare zu "Das Konzert"

Ciprian David hat gesagt…

Obwohl der Gesamteindruck den Film nicht über die Grenzen der handwerklich gut umgesetzten Arthouse-Komödien situiert, weist er eine Vielzahl an großartigen Einfälle aus.

Die Verhandlungsszene um das Sponsoring des Orchesters bleibt für mich eine der großen Momente der Filmgeschichte:)

simon hat gesagt…

Also dieses Ende ... haben die auf der Filmhochschule geschlafen, als man das durchgenommen hat?
Eigentlich ein guter Film, aber die Auflösung von einer Off-Stimme ohne Klarheit über die Situation darbieten zu lassen ist meines Erachtens alles andere als gelungen.

Anonym hat gesagt…

Das ist kein Film für angehende Filhochschulabsolventen.
Es geht um verschiedene Charaktere mit verschiedenen Sichten, die jeweils nicht in der Lage sind, die Wahrheit auszusprechen.
Das schafft am Ende die Musik, als Stimme aus dem Off.

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