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Die Legende von Aang – Peace Through Superior Firepower

von Dennis Vetter, am 11.8.10



Avatar hat es kürzlich eindrucksvoll demonstriert: Das Kino ist in Zeiten von digitalen Effekten und 3D-Projektion mehr denn je ein Möglichkeitsraum, der die Zuschauer immer wieder überraschen kann. Gleichermaßen bietet es aber auch den Filmschaffenden selbst eine eindrucksvolle Palette von Optionen, um selbst aufwändigste Ideen auf vielfältige Art und Weise umzusetzen. Dass es dabei auch im Kontext der stark reglementierten Blockbuster-Produktionen Hollywoods hin und wieder möglich ist, gegen Erwartungshaltungen anzusteuern und mit hohen Budgets Neues auszutesten, zeigt der aktuelle Film von M. Night Shyamalan: Die Legende von Aang (Trotz kreativer Freiheit in der Umsetzung: Ironischerweise lautete der ursprüngliche Titel des Films ebenfalls Avatar...). Shyamalan ist nach seinen Erfolgen wie The Sixth Sense, Unbreakable oder Signs wohl einer der derzeit am stärksten auf ein Genre reduzierten Regisseure. So verwundert es kaum, dass er nach zahlreichen Mystery-Thrillern nun etwas Abwechslung sucht.

Gefunden hat er diese Abwechslung in der Leinwandadaption eines Stoffes, der bereits in Form von Büchern und einer Zeichentrickserie große Erfolge verbuchen konnte. Von 2004 bis 2008 wurde die Animationsserie Avatar – Der Herr der Elemente von Michael Dante Di Martino und Bryan Konietzko in drei Staffeln ausgestrahlt und feierte große Erfolge bei dem jungen und alten Publikum des Kinder- und Jugendsenders Nickelodeon. Shyamalan gehört wohl ebenfalls zu den Fans der Serie und versucht ihr nun in mehreren Filmen bildgewaltig, actionreich und pädagogisch wertvoll gerecht zu werden – natürlich in 3D. Das Ergebnis seines ambitionierten Projektes ist bedauerlicherweise etwas ernüchternd.



Dabei hätte das Szenario der Serie durchaus Potenzial für Unterhaltung im Großformat: Die Legende von Aang präsentiert eine mittelalterliche Fantasywelt, die in vier Reiche aufgeteilt ist. Jedes der Reiche ist einem Element zugeordnet und weist Bewohner auf, die das jeweilige Element durch das sogenannte ‚Bending’ – eine Art Tai Chi Performance – nach ihrem Willen beeinflussen können. Ein einzelner Krieger, der Avatar, wird in jeder Generation wiedergeboren und bewahrt den Frieden innerhalb dieser Konstellation durch seine allen überlegene Fähigkeit, alle vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft kontrollieren zu können. Zum Beginn der Erzählung ist dieser Avatar seit 100 Jahren verschwunden und das Feuer-Reich droht den Rest der Welt zu unterjochen. Als er in Gestalt des kleinen Mönchs Aang aus einem versehentlichen Schlaf unter dem Eis wiederkehrt, gilt es also einiges wieder in Ordnung zu bringen. Hierzu muss Aang jedoch zunächst seine Ausbildung beenden, denn er hat in seiner Vergangenheit erst eines der vier Elemente gemeistert. Begleitet von den zwei unnatürlich hilfsbereiten Dorfbewohnern, die ihn zufällig weckten, macht er sich sonderbar zielstrebig auf den Weg ins Abenteuer.

Der Film lässt sich nicht lange Zeit, um sein Szenario zu etablieren und schnell überschlagen sich - plausibel erzählt oder nicht - die zahllosen Ereignisse der umfangreichen Serie. Fast fühlt man sich mit einer Art Der Herr der Ringe auf Speed konfrontiert, wenn man in kürzester Zeit ganze Reiche in Unruhe verfallen sieht und Liebesgeschichten im Zeitraffer vorgesetzt bekommt. An seinem Tempo krankt Shyamalans Film vermutlich am meisten, noch mehr als an seinen künstlich wirkenden Kostümen, seinen platten Szenarien oder seinen schablonenhaften Figuren bzw. Fabelwesen. Die Legende von Aang ist zwar visuell recht eindrucksvoll und durch seine Ruhelosigkeit nie wirklich langatmig, wirkt aber letztlich seltsam lieblos. Fesseln will der Film primär durch seine Charaktere, leider wirken deren Dialoge aber zuweilen schlichtweg lächerlich. Einzig die Dynamik zwischen Noah Ringer (Aang) und Dev ‚Slumdog Millionare’ Patel (Prinz Zuko) entfaltet hin und wieder etwas Substanz.



Die Legende von Aang wickelt seine epische Handlung in recht kurzer Zeit ab und liefert zunächst nicht wirklich Höhepunkte. Mit seinem aufwendigen, erfrischend pazifistischen Showdown weckt er kurz vor Ende allerdings doch noch etwas Interesse. Umso mehr stört es, hier mit einem dreisten Cliffhanger abgespeist zu werden und den Fortgang des Geschehens nicht weiter verfolgen zu können. Zumindest dieser Moment lässt eine kleine Hoffnung zurück, dass Shyamalan in seinen Fortsetzungen (so sie denn produziert werden...) genug Routine entwickeln wird, um seiner Geschichte auch abseits von Feuereffekten etwas Wärme zu verleihen – man darf gespannt sein.


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Die Legende von Aang
R: M. Night Shyamalan
D: Noah Ringer, Dev Patel, Nicola Peltz, Jackson Rathbone, Shaun Toub, Aasif Mandvi, Cliff Curtis
USA 2010, 103 Min.
Copyright: Paramount
Kinostart: 19.08.2010


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