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DVD: Black Dynamite - Harte Kost aus den USA

von Dennis Vetter, am 1.8.10

Black Dynamite. Eine gefährliche Metapher. Eine Anspielung auf die Kriminalität der schwarzen Bevölkerung Amerikas? Ein geschmackloser Witz? Gerade als mit Amerikas schwarzem Präsidenten Barack Obama endlich eine erste Hoffnung aufkeimen konnte, das Land hätte seine archaische Sklavenhaltervergangenheit der brutalen Unterwerfung dunkelhäutiger Mitmenschen endlich hinter sich gelassen, sieht man sich konfrontiert mit einem Film, der in keinster Weise mit den Grundsätzen der Menschenwürde vereinbar ist. Afroamerikaner werden hier als gewaltfixierte, sexualisierte Muskelberge ohne Gehirn dargestellt und dabei als Projektionsfläche für Spott und Rassenhass etabliert - ganz ohne Sinn wird hier vorgegangen, ganz ohne Respekt, ganz ohne Taktgefühl. Menschen als Karikaturen ihrer selbst: Ein trauriges Zeugnis des modernen Kapitalismus, das berührt, nachdenklich macht und ehrlich gesehen als ein Vexierbild des Lebens selbst funktioniert. Wenn alles Fiktion und Künstlichkeit ist, wozu benötigt man dann noch Moral?

Doch wer ist Black Dynamite – und viel wichtiger: Warum, Black Dynamite, warum diese Gewaltexzesse? Der sonderbare Protagonist des Films ist ein rassistischer, großmäuliger Vietnamveteran und ein Aufreißer, der seine kriegerischen Fähigkeiten scheinbar im Tausch für seinen Intellekt erhalten hat. Frauen sind für Black Dynamite nur Lustobjekte, daran lassen seine plumpen Sprüche wenig Zweifel. Er sucht sie in Massen auf und feiert mit ihnen dionysische Lustorgien, um die Leere zu füllen, die seit Kriegsende und dem Ende seiner Zusammenarbeit mit dem der CIA seinen Alltag bestimmt. Als ein Verbrecherboss seinen Bruder ermordet und beginnt, Alkohol zu verteilen sowie Drogen in Waisenhäusern zu verkaufen, sieht er erneut die Gelegenheit, ein Blutbad anzurichten und beschreitet mit seinen großen Füßen prompt den blutigen Weg der blutigen Selbstjustiz. Der blutige Film erschöpft sich darin, die nun folgenden blutigen Gewaltexzesse möglichst publikumswirksam auszuschlachten und mit blutig-absurden, schlecht gemachten Plot-Twists oder lächerlichen Charakteren zu garnieren. Der aufmerksame Zuschauer merkt Regisseur Scott Sanders leider von der ersten Minute ab seine mangelnde Erfahrung an. Ohne Taktgefühl liefert er die Figuren des Films der Willkür und der Missgunst des Publikums aus und macht aus dem ernstzunehmenden Stoff jugendlicher Drogenopfer ein lächerliches Spektakel, das in jeder Minute auf Kosten von Minderheiten geht.



Ist nun dieser Film, Black Dynamite, ein Fehlschlag auf ganzer Linie? Trotz seiner Schwächen, kann dies nicht behauptet werden. Zunächst ist Scott Sanders ein afro-amerikanischer Regisseur, was erste Zweifel an den Intentionen seines Werks weckt. Beim genauen Hinsehen entfalten sich erste Feinheiten: Zwischen den Zeilen funktioniert Black Dynamite auch als Kritik seiner selbst. Vor allem der Hauptdarsteller Michael Jai White kann hier begeistern. In einer Szene des Films, behauptet er zu Lächeln, doch seine Lebensfreude scheint verloren und alles was sein Gesicht zeigt, ist eine versteinerte Miene. Krieg und Gewalt werden zwar ausgiebig gezeigt, aber in derartigen Szenen aufs Schärfste verurteilt. Fest steht: Hier ist ein neuer Stern am Schauspielhimmel zu sehen, der es schafft, einen missverständlichen Film mit seiner hypnotischen Präsenz ganz und gar in die richtige Richtung zu lenken. Dies wird besonders deutlich, wenn er seine sonderbar melancholischen Augen hin und wieder in die Ferne schweifen lässt und aus der von Sanders recht misslungen inszenierten Handlung auszubrechen scheint. Denn dann wird für eine Sekunde klar: Irgendwo hinter dem Bildkader und zwischen all dem Tod und der Zerstörung sucht er vergebens nach dem American Dream, nach einer strahlenden Wiese, auf der alle Menschen gleichberechtigt miteinander durch die Blumen tanzen. Mit seiner überdeutlich gespielten Ablehnung gegenüber der Ausbeutung durch die CIA und somit durch den US-Staatsapparat bringt er diesen Aspekt immer wieder treffend zum Ausdruck – Momente des Films, die vielleicht sogar von Sanders selbst integriert wurden. Hat ihn hier stellenweise tatsächlich das schlechte Gewissen im Hinblick auf die Konsequenzen seines Films eingeholt? Eine Frage, die nicht klar beantwortet werden kann. Fest steht: Für den aufmerksamen Zuschauer besitzt der schwierige Film Black Dynamite vielleicht die Sprengkraft, das Dargestellte aufzubrechen und in seiner Problematik zu entlarven.



Aber reicht dieser leise Hoffnungsschimmer aus, um ihn flächendeckend zu vermarkten und vielleicht manche Zuschauer damit zu korrumpieren? Für den Durchschnittsbetrachter bleibt der Film untragbar, ein blutiger Baustein in der gewaltigen Mauer, die die Bevölkerungsgruppen der Welt auch heute unterschwellig voneinander trennt. Es bleibt zu hoffen, dass dies von den lebensnotwendigen Medienkontrollorganen Deutschlands rasch bemerkt wird und zu einer radikalen Beschlagnahmung führt. Generell ist zu vermerken: Viel häufiger sollten Filme mit solch fragwürdigen Inhalten durch eine effektivere und noch radikalere Zensur dem unmündigen Publikum vorenthalten werden. Denn auch im Informationszeitalter ist nicht garantiert, dass falsche Botschaften nicht doch den ein oder anderen Hörer finden. Trotz aller Möglichkeiten, die sich hier bieten: Der kritische Blick auf Scott SandersBlack Dynamite macht zwar betroffen und wütend, er kann für seine Unfähigkeit jedoch nicht belangt werden. Somit wird er wohl auch weiterhin als Filmregisseur tätig sein. Besorgte Vorahnungen sind hier unvermeidlich und es kann nur gehofft werden, dass dieser Dilettant mit noch unüberlegteren Werken nicht noch größeren Schaden anrichtet...


Unser Autor Christian Alt ließ sich nicht davon abbringen, die hier angebrachte Kritik mit einer belanglosen Gegendarstellung zu kommentieren. Diese lautet wie folgt...

Why, Dennis Vetter, why?

Na na na, Herr Kollege! Ich wusste gar nicht, dass die Frau von Reverend Lovejoy nun auch Filmkritiken schreibt („Kann denn nicht ein einziges Mal jemand an die Kinder denken?“). In ihrer absoluten Humorlosigkeit verkennen Sie, dass Black Dynamite sich und das Genre der Blaxploitation beständig auf die Schippe nimmt. Wo Black Dynamite anfängt greift weder die UN-Menschenrechtcharta, noch hört jemand solchen weinerlichen Turnbeutelvergessern des Kulturpessimismus zu – und das ist auch gut so. Regisseur Scott Sanders und Drehbuchautor Michael Jai White sind scharfe Analysten – sie überspitzen die ungeschriebenen Gesetze des Genres gerade so weit, dass es der Lächerlichkeit preisgegeben wird, der Film gerade als Genrefilm aber immer noch funktioniert.  Das Ergebnis ist einer der lustigsten Filme der letzten Jahre. Sanders spielt immer wieder mit den geltenden Regeln des Filmemachens: Immer wieder hängen Mikrofone im Bild,  schlechte Schnitte irritieren, es finden sich Anschlussfehler noch und nöcher, Stuntmen sind klar als solche erkennbar. Sanders nimmt dadurch von Beginn an jedwede Ernsthaftigkeit aus seinem Werk.

Vermutlich waren sie zu sehr damit beschäftigt auf die armen Drogenopfer zu achten und ein paar Cent in den Klingelbeutel für Ruanda zu schmeißen, als dass sie den Unernst von Black Dynamite bemerkt hätten. Denn diese Diskussionen über political correctness sind einem solchen Film überhaupt nicht angemessen. Jahrzehnte Genderforschung werden hier einfach hinter sich gelassen und nur so können Rückschlüsse auf unsere eigene Gesellschaft gezogen werden. Hier wird die Satire ihrer ureigensten Aufgabe gerecht und fördert in vielen Szenen die Realität zu Tage.  Dabei lässt Black Dynamite die Satiren der letzten Jahre à la Epic Movie, Superhero Movie usw. weit hinter sich. Am ehesten ist er vielleicht mit der genialen Die nackte Kanone-Trilogie vergleichbar und spielt mit dieser in absolut der gleichen Liga.



Black Dynamite ist die Satire des Jahres . Oder anders ausgedrückt: Wir brauchen mehr Präsidenten mit Nunchucks!

Nicht überzeugt? Hier der Trailer:



Immer noch nicht? Ran an die DVD!



Black Dynamite
R: Scott Sanders
USA 2009, 84 Min.
Vertrieb: Universum
Veröffentlichungsdatum: 06.06.2010
Sprache: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Featurettes: „Lighting the Fuse“ & „The Comic Con Expierience“, Deleted Scenes, Black Firecracker TNT, Fight Smack in the Orphanage, Original Trailer


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