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DVD: Cherrybomb

von Elisabeth Maurer, am 24.8.10


Zwei junge Frauen in Gymnastikanzügen fliegen in Zeitlupe durch die Luft. Nie ist das Trampolin zu sehen, nie der Umkehrpunkt ihrer Bewegung. So sind sie einfach ein Bild purer Leichtigkeit, Unbeschwertheit und Freiheit.

Dann folgt die Aufnahme von Malachy (Rupert Grint). Er arbeitet in dem großen Sportcenter und beobachtet die Mädchen fasziniert. Das Center jedoch trägt den Namen Titanic und findet sich als Schriftzug auf Malachys Rücken wieder, wodurch klar wird, in welche Richtung seine Geschichte verlaufen wird. Denn er und sein bester Freund Luke (Robert Sheehan) werden niemals so unbelastet wie die beiden Leichtathletikerinnen sein. Die Gründe sind bei beiden verschieden, die Wirkung dieselbe. Der gehorsame Malachy stammt aus gutbürgerlichem Haus, wird aber abgestoßen von dem Snobismus und Engstirnigkeit seiner Eltern. Lukes ganze Familie hingegen, er eingeschlossen, verdienen ihr Geld als Drogendealer. Während sein wesentlich älterer Bruder Chris damit zum wohlhabenden Mann geworden ist, ist der Vater abgestürzt. Luke, der keine Mutter hat, muß also die Elternrolle für den unstabilen Vater übernehmen und gleichzeitig um dessen Leben fürchten, weil Chris ihn am liebsten aus dem Weg geräumt sehen würde.


Ineinander aber haben die beiden unterschiedlichen 16-Jährigen einen verläßlichen Punkt gefunden. In diese Freundschaft dringt Michelle (Kimberley Nixon) ein. Das Mädchen, Tochter des Sportcenter-Leiters, zieht in die Gegend und entfacht einen sich immer mehr steigernden Konkurrenzkampf zwischen den Freunden. Dies tut sie nicht unbedingt aus Boshaftigkeit, sie ist vielmehr ebenso haltlos und gleichzeitig unterdrückt wie die beiden Jungs. Von ihrer Mutter zu ihrem Vater abgeschoben, kehrt sie in ihren kleinen Spielchen mit Malachy und Luke ihre eigentliche Machtlosigkeit gegen die Verhältnisse in ihrem Leben um, in dem sie ihre sexuelle Anziehungskraft als Machtmittel gegen die Pubertierenden einsetzt.

Dies ist der eigentliche Kern des nachhaltig beeindruckenden Films über junge Menschen. Denn einerseits wünschen sie sich wie Erwachsene behandelt zu werden und selbst über ihr Leben bestimmen zu können. Andererseits fehlt ihnen die richtige Leitung auf diesem Weg ins Erwachsenenleben. Und allesamt werden sie von ihren Familien an den falschen Punkten unterdrückt und an vielen anderen einfach überfordert, denn eigentlich sind sie ja doch noch an der Schwelle zwischen Kind und Erwachsenem. So entfaltet sich langsam eine Abwärtsspirale. Es gibt noch einige glückliche Momente, zum Beispiel in einem gemeinsamen Drogenrausch, doch hängt dem allen immer der Vorgeschmack des Untergangs an.


Besonders im Gedächtnis bleibt die Darstellung der drei Jungschauspieler und unter ihnen sticht Robert Sheehan am meisten hervor. Mit Lockenkopf, einem sehr schlanken Körper und immer leicht feuchten Augen strahlt er ein Charisma aus, das an die Sorte genialer, aber melancholischer Künstler wie Jim Morrison erinnert. In seinem Gesicht, vor allem in den Szenen mit seinem Vater, wo er zwischen Hass und Liebe pendelt, zwischen Weinen und Zuschlagen, spiegelt sich die Grenze zwischen Kind und Erwachsenem. Einige filmische Spielereien erscheinen zunächst etwas aufgesetzt, zum Beispiel die Einblendung der SMS-Texte in das Bild, doch entwerfen sie doch mit der Zeit ein Bild dieses Lebens als Jugendlicher, das dem Zuschauer eine Einfühlung ermöglicht. So auch die vielen Detailaufnahmen bei der Discoszene und die zwischengeschnittenen Momentaufnahmen, wie mit dem Fotoapparat gemacht, die diese Augenblicke des Glücks für die Freunde verdeutlicht. Zur Stimmung trägt auch der äußerst gut ausgewählte Soundtrack bei. Wenn natürlich auch stilisiert, wirkt das ganze Szenario doch sehr echt und glaubwürdig.


>2x die DVD gewinnen!






Cherrybomb
R: Lisa Barros D'Sa, Glenn Leyburn
D: Rupert Grint, Robert Sheehan, Kimberley Nixon
Großbritannien 2009, 83 Min.
Copyright: Capelight
DVD-Veröffentlichung: 20.08.2010


 

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