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DVD: Das Zimmer im Spiegel

von Ciprian David, am 2.8.10


Weg von der gängigen filmischen Umgangsart mit dem Zweiten Weltkrieg bewegt sich Regisseur Rudi Gaul mit seinem Debutfilm Das Zimmer im Spiegel. Verallgemeinernde politische Aussagen, Humor, oder Antikriegs-Konstruktionen ausschließend, komponiert der junge Filmemacher seinen Film um einen einzigen Charakter.

Die Herausforderung des Films wird auf zwei Ebenen aufgebaut: Als Gerüst wird die subjektive Wirklichkeit der Protagonistin genommen, die bald nicht mehr durch die Grenzen der Vernunft von einer durch Angst und Fantasie erzeugten Traumwelt getrennt wird. Die an der Frau angelehnten Erzählperspektive lässt den Zuschauer bald Realität und Fantasie in den sich immer ändernden Räumen nicht mehr trennen. Für die Umsetzung der erschaffenen Welt des Kammerspiels werden Film- und Literaturgeschichte zu Hilfe gebeten.

Einen großen Anspruch stellt sich das unabhängige Filmteam mit Das Zimmer im Spiegel. Das Leben einer versteckten jüdischen Ärztin (Kirstin Fischer) in einer Dachwohnung in und gleichzeitig isoliert vom München der NS-Zeit soll den Zuschauer in eine Lynch-artige Welt entführen, die durch ihre Geräuschkulisse und Schattenspiele mehr über das Innenleben und die Orientierung der Frau erzählt, als die ganze nicht gezeigte Welt außerhalb der Wohnung.

Aufwendig und dennoch karg wird die Welt der Protagonistin gestaltet, zunächst in einem Noir-Look, der durch seine Beleuchtung an 80 Jahre alte Aufnahmen erinnert, der sich aber nach und nach ihrer Welt anpasst, und sich immer expressionistischer und inkohärenter zeigt. Herausfordernd reihen sich immer mehr stilistisch geladene Bilder aneinander, immer sichtlicher bemüht, mit der sich in perpetueller Transformation befindenden Welt der Protagonistin mitzuhalten. Der alles andere als sparsame Umgang mit extravaganten Einstellungen verlagert somit leider die Aufmerksamkeit vom Kern des Films auf die visuelle, oftmals zu plastisch wirkende Oberfläche, sodass nicht selten die einzige Konstante im Film zwei Packungen Zigaretten zu sein scheint, die nie leer werden.

Das Zimmer im Spiegel weist als erster Film eines jungen Regisseurs ungeahnte Komplexität und einen bemerkenswerten motivischen Reichtum auf, wodurch Rudi Gaul es schafft, trotz der stilistischen Unsicherheiten, auf sich aufmerksam zu machen.

Der Film erscheint auf DVD zusammen mit einem um die Entstehung der Räumlichkeiten konstruiertem Making-of, einer Vorstellung der zur Herstellung des Films eigens gegründeten Produktionsfirma „Schattengewächs“, und einem interessanten Set von Fragen zum Film, die der Regisseur selbst als Anstoß für Interpretationen des Films niedergeschrieben hat.






Das Zimmer im Spiegel
R: Rudi Gaul
D: Kirstin Fischer, Eva Wittenzellner, Dragan Mija Kovic, Klaus Münster
Deutschland, 2009 (2010), 108 Min.
Copyright MFA+

Veröffentlichung: 15.Juli.2010
Bildformat: 1.78:1 (16:9)
Sprache: DD5.1 Deutsch
Untertitel: Englisch
Extras: Trailer, Making of, 10 Fragen, Schattengewächse Infos
FSK 12.


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