Ist es Einbildung oder häufen sich Filme mit Endzeitthematik derzeit? Und was sagt das über unsere Welt und unsere Stimmung aus? Da gibt es die Actionspektakel wie 2012, mindestens ein Meisterwerk, nämlich The Road, und Filme, die irgendwo dazwischen liegen wie The Book of Eli. In Legion nun ist der Grund für die Apokalypse der eigentlich klassische, sie ist gottgemacht. Doch haben sich nicht die Menschen von Gott abgewandt, im Gegenteil ist es Gott, der einfach den Glauben verlor. Daher schickt er seine Engelsarmee wie damals die Sintflut auf die Erde. Die Engel ergreifen Besitz über Menschen und verwandeln sie dadurch in zombieartige Monster. Doch wozu und gerade jetzt? Die Antwort findet sich an einem dieser Unorte, der spätestens seit dem New Hollywood so typisch für das amerikanische Kino ist: eine Tankstelle mit Diner und Trailern irgendwo mitten in der Wüste. Und diese trägt auch noch den Namen „Paradise Falls“. Dort jedoch lebt die Frau, die die Zukunft der Menschheit in sich trägt. Natürlich handelt es sich dabei um einen Sohn, der an Heiligabend zur Welt kommen soll. Gott aber will diesen neuen Messias nicht und beauftragt daher Erzengel Michael (Paul Bettany) das Baby zu töten. Doch dieser ist so gefestigt in seinen Glauben an das Gute in den Menschen, daß er sich auf deren Seite schlägt. Mit einem Kofferraum voll Waffen fährt der Engel nach Paradise Falls.
In der heruntergekommenen Oase haben sich eine Handvoll Menschen gesammelt, jeder für sich ein perfektes Beispiel für die Verlorenheit der Menschen, wegen der Gott sie verachtet, Michael sie aber liebt. Kellnerin Charlie (Adrianne Palicki) zum Beispiel, die Hochschwangere, weiß nicht wer der Vater des Kindes ist und wie sie es schaffen soll, es großzuziehen. Dagegen möchte Jeep (Lucas Black), der Sohn des Besitzers (Dennis Quaid), ihr gern helfen, doch weist Charlie ihn zurück. Zu den Ansässigen gesellen sich eine zerstrittene, wohlhabende Familie mit aufmüpfiger Tochter, deren Auto liegengeblieben ist, sowie ein junger Mann, der offenbar schon einmal auf die schiefe Bahn geraten war und daher den Kontakt zu seinem Sohn verlor. Die zusammengewürfelte Gruppe muß sich nun unter Michaels Anleitung gegen die Scharen von Besessenen wehren, die sich dem Diner nähern und dem Kind sowie allen anderen nach dem Leben trachten.
Natürlich wirft das ganze Szenario so einige Logikfragen auf. Warum zum Beispiel wird nie einer der Hauptpersonen von einem Engel besessen? Doch glücklicherweise hat das Ganze einen ironischen Unterton und kann daher einfach als Effekt- und Actionspektakel unterhalten. Klar werden in den Dialogen Glaubensdiskussionen angerissen, doch erstaunlicherweise ist es gerade Engel Michael, der diese stümperhaften Einwände der Menschen im Keim erstickt. Worum es geht, ist das Überleben der Menschheit zu sichern, sodaß selbst Gott am Ende ihre Qualitäten erkennen muß. Es scheint die Ansicht zugrunde zu liegen, daß die Menschen sowieso aufgrund ihrer limitierten Einsicht im großen Weltgeschehen verloren sein müssen, einzige Lösung ist es, ihnen eine Waffe zur Verteidigung in die Hand zu drücken. So können wenigstens einige Hoffnungsträger, wie der selbstlose Jeep und das Neugeborene, gerettet werden. In der Riege der jüngeren Endzeitszenarien hat Legion also von dem Ziel seiner Figuren aus gesehen am meisten mit The Road gemeinsam, denn auch dort geht es um das Überleben der wenigen noch irgendwie als gut zu bezeichnenden Menschen. Selbstverständlich hat er aber eine grundsätzlich andere Herangehensweise, will eben vor allem unterhalten.
Bei der Umsetzung der Kampfszenen beweist Regieneuling Scott Charles Stewart, der eigentlich Fachmann für Spezialeffekte ist (Iron Man, Pirates oft the Caribbean), Einfallsreichtum, bedient sich aber auch an Klassikern des Zombie- sowie des Endzeitgenres. Vor allem die Atmosphäre der abgeschiedenen Wüstengegend und die selbst schon Endzeit ausstrahlenden, kaputten und verrosteten Gebäude von Paradise Falls bleiben im Gedächtnis. Und obschon Legion weit entfernt ist von dem absurden Witz in der Art von From Dusk Till Dawn, gibt es bei der Begegnung mit den Zombies einige sehr gelungene Ideen, als Beispiel sei der Eismann genannt. Stewarts nächstes Projekt ist die Comicverfilmung Priest, ebenfalls wieder mit Paul Bettany. Da dort eine Vorlage zugrunde liegt, wird er vielleicht, was Dramaturgie und Dialoge betrifft, noch etwas dazu gewinnen und das Publikum kann sich auf den kommenden Film freuen.
Bis dahin bietet die DVD-Veröffentlichung von Legion die Möglichkeit, sich kurzweilig unterhalten zu lassen. Die DVD beinhaltet drei gut gemachte und ansprechende Featurettes, eines über die Actionszenen, eines über die Besetzung und die Arbeit an den Figuren, sowie ein drittes über die aufwendige Postproduction am Computer.
Legion
R: Scott Charles Stewart
D: Paul Bettany, Dennis Quaid, Adrianne Palicki, Lucas Black, Kate Walsh
USA 2010, 96 Min.
Copyright: Sony Pictures Home Entertainment
Bildformat: 16:9
Tonformat: 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch, Türkisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Extras: Gestaltung der Apokalypse - Hintergrund der technischen Effekte, Letzte Verteidigungslinie der Menschheit - Besetzung und Figuren Von Pixels zum Bild - Ein Blick auf die Visuellen Effekte
FSK: 16
Veröffentlichung: 26.8.2010
Ist es Einbildung oder häufen sich Filme mit Endzeitthematik derzeit? Und was sagt das über unsere Welt und unsere Stimmung aus? Da gibt es die Actionspektakel wie 2012, mindestens ein Meisterwerk, nämlich The Road, und Filme, die irgendwo dazwischen liegen wie The Book of Eli. In Legion nun ist der Grund für die Apokalypse der eigentlich klassische, sie ist gottgemacht. Doch haben sich nicht die Menschen von Gott abgewandt, im Gegenteil ist es Gott, der einfach den Glauben verlor. Daher schickt er seine Engelsarmee wie damals die Sintflut auf die Erde. Die Engel ergreifen Besitz über Menschen und verwandeln sie dadurch in zombieartige Monster. Doch wozu und gerade jetzt? Die Antwort findet sich an einem dieser Unorte, der spätestens seit dem New Hollywood so typisch für das amerikanische Kino ist: eine Tankstelle mit Diner und Trailern irgendwo mitten in der Wüste. Und diese trägt auch noch den Namen „Paradise Falls“. Dort jedoch lebt die Frau, die die Zukunft der Menschheit in sich trägt. Natürlich handelt es sich dabei um einen Sohn, der an Heiligabend zur Welt kommen soll. Gott aber will diesen neuen Messias nicht und beauftragt daher Erzengel Michael (Paul Bettany) das Baby zu töten. Doch dieser ist so gefestigt in seinen Glauben an das Gute in den Menschen, daß er sich auf deren Seite schlägt. Mit einem Kofferraum voll Waffen fährt der Engel nach Paradise Falls.
In der heruntergekommenen Oase haben sich eine Handvoll Menschen gesammelt, jeder für sich ein perfektes Beispiel für die Verlorenheit der Menschen, wegen der Gott sie verachtet, Michael sie aber liebt. Kellnerin Charlie (Adrianne Palicki) zum Beispiel, die Hochschwangere, weiß nicht wer der Vater des Kindes ist und wie sie es schaffen soll, es großzuziehen. Dagegen möchte Jeep (Lucas Black), der Sohn des Besitzers (Dennis Quaid), ihr gern helfen, doch weist Charlie ihn zurück. Zu den Ansässigen gesellen sich eine zerstrittene, wohlhabende Familie mit aufmüpfiger Tochter, deren Auto liegengeblieben ist, sowie ein junger Mann, der offenbar schon einmal auf die schiefe Bahn geraten war und daher den Kontakt zu seinem Sohn verlor. Die zusammengewürfelte Gruppe muß sich nun unter Michaels Anleitung gegen die Scharen von Besessenen wehren, die sich dem Diner nähern und dem Kind sowie allen anderen nach dem Leben trachten.
Natürlich wirft das ganze Szenario so einige Logikfragen auf. Warum zum Beispiel wird nie einer der Hauptpersonen von einem Engel besessen? Doch glücklicherweise hat das Ganze einen ironischen Unterton und kann daher einfach als Effekt- und Actionspektakel unterhalten. Klar werden in den Dialogen Glaubensdiskussionen angerissen, doch erstaunlicherweise ist es gerade Engel Michael, der diese stümperhaften Einwände der Menschen im Keim erstickt. Worum es geht, ist das Überleben der Menschheit zu sichern, sodaß selbst Gott am Ende ihre Qualitäten erkennen muß. Es scheint die Ansicht zugrunde zu liegen, daß die Menschen sowieso aufgrund ihrer limitierten Einsicht im großen Weltgeschehen verloren sein müssen, einzige Lösung ist es, ihnen eine Waffe zur Verteidigung in die Hand zu drücken. So können wenigstens einige Hoffnungsträger, wie der selbstlose Jeep und das Neugeborene, gerettet werden. In der Riege der jüngeren Endzeitszenarien hat Legion also von dem Ziel seiner Figuren aus gesehen am meisten mit The Road gemeinsam, denn auch dort geht es um das Überleben der wenigen noch irgendwie als gut zu bezeichnenden Menschen. Selbstverständlich hat er aber eine grundsätzlich andere Herangehensweise, will eben vor allem unterhalten.
Bei der Umsetzung der Kampfszenen beweist Regieneuling Scott Charles Stewart, der eigentlich Fachmann für Spezialeffekte ist (Iron Man, Pirates oft the Caribbean), Einfallsreichtum, bedient sich aber auch an Klassikern des Zombie- sowie des Endzeitgenres. Vor allem die Atmosphäre der abgeschiedenen Wüstengegend und die selbst schon Endzeit ausstrahlenden, kaputten und verrosteten Gebäude von Paradise Falls bleiben im Gedächtnis. Und obschon Legion weit entfernt ist von dem absurden Witz in der Art von From Dusk Till Dawn, gibt es bei der Begegnung mit den Zombies einige sehr gelungene Ideen, als Beispiel sei der Eismann genannt. Stewarts nächstes Projekt ist die Comicverfilmung Priest, ebenfalls wieder mit Paul Bettany. Da dort eine Vorlage zugrunde liegt, wird er vielleicht, was Dramaturgie und Dialoge betrifft, noch etwas dazu gewinnen und das Publikum kann sich auf den kommenden Film freuen.
Bis dahin bietet die DVD-Veröffentlichung von Legion die Möglichkeit, sich kurzweilig unterhalten zu lassen. Die DVD beinhaltet drei gut gemachte und ansprechende Featurettes, eines über die Actionszenen, eines über die Besetzung und die Arbeit an den Figuren, sowie ein drittes über die aufwendige Postproduction am Computer.
Legion
R: Scott Charles Stewart
D: Paul Bettany, Dennis Quaid, Adrianne Palicki, Lucas Black, Kate Walsh
USA 2010, 96 Min.
Copyright: Sony Pictures Home Entertainment
Bildformat: 16:9
Tonformat: 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch, Türkisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Extras: Gestaltung der Apokalypse - Hintergrund der technischen Effekte, Letzte Verteidigungslinie der Menschheit - Besetzung und Figuren Von Pixels zum Bild - Ein Blick auf die Visuellen Effekte
FSK: 16
Veröffentlichung: 26.8.2010
Irgendwie zu dogmatisch, zu aufmerksam keiner Szene die Gelegenheit zu berauben, dem Zuschauer über "besser sein" was beizubringen. Und das als Sci-Fi Endzeit Film mit Engel mit stählernen Flügel. Natürlich abgesehen von der Albernheit der ganzen Geschichte.
Und mit einem überambitioniert tragischem Paul Bettany. Dennis Quaid hingegen erobert einem schon mit den ersten Zeilen.
Immer wieder kommen aber schön fotografierte Bilder vor.
3 Kommentare zu "DVD: Legion"
Irgendwie zu dogmatisch, zu aufmerksam keiner Szene die Gelegenheit zu berauben, dem Zuschauer über "besser sein" was beizubringen.
Und das als Sci-Fi Endzeit Film mit Engel mit stählernen Flügel. Natürlich abgesehen von der Albernheit der ganzen Geschichte.
Und mit einem überambitioniert tragischem Paul Bettany. Dennis Quaid hingegen erobert einem schon mit den ersten Zeilen.
Immer wieder kommen aber schön fotografierte Bilder vor.
Da hat der Regisseur aber Fallout 3 gespielt, oder?
http://fallout.wikia.com/wiki/Paradise_Falls
;)
da könnte man erstaunlich viele Motive aus Fallout wiederfinden.
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