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DVD: A Serious Man

von Sven Safarow, am 20.8.10

Die Filme der Coen-Brüder werden stets auf seltsame Arten rezipiert. Für die Einen sind die Werke einfach nur absurde Komödien, Unterhaltung, aber auf hohem Niveau, was bedeutet, dass nur die Schlaumeier drüber lachen (dürfen). Wenn sich Leerstellen einschleichen, dann sagt man gern: „Ach, die Coen-Brüder! Das ist halt deren Humor!“
Manche erfreuen sich auch an den Leerstellen und amüsieren sich darüber hinter vorgehaltener Hand, als wären sie Eingeweihte.
Dann gibt es die Puristen, die die Filme als „postmoderne Mätzchen“ abtun, als formalistisches Spiel um des Spiels willen. Kaltes, totes Kino. Diese Leute vergessen, dass die Ironie bei den Coens ein beliebtes Stilmittel ist, aber kein Credo.
Die Filme der Coen-Brüder mögen clever sein (oder wenigstens clever verpackt), mal mehr, mal weniger ironisch, unbarmherzig- oft aber auch tragisch. Es ist nicht immer eine offensichtliche Tragik, aber sie schwingt immer mit, und sie wirkt.
Die Tragik ist ein differenzierendes Element- sie markiert die Grenze zwischen kaltem Kult wie Pulp Fiction und düsterem Krimi wie Fargo. Sie definiert die Charaktere der Coen-Brüder: Traurige Clowns.

Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg) ist ein weiterer trauriger Clown. Ein unscheinbarer Physiklehrer, der in seinem Beruf aufgeht (doch nicht zu sehr), sich aber aus dem richtigen Leben so sehr heraushält wie möglich. Das merkt man vor allem, wenn ihm seine Frau die Scheidung nahe legt, und er sie lediglich entgeistert anstarrt.
„Du weißt, dass wir Probleme haben“, sagt sie, worauf er antwortet: „Haben wir?“
Gopnik, ein absoluter normaler Typ, aus der jüdischen Gemeinde, lebt irgendwo im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten in den 50er Jahren. Er hat zwei Kinder, ein Junge, der gern Dope raucht, und ein Mädchen, das sich gern die Haare wäscht, und eine Frau, die ihn mit einem älteren, unattraktiven, und furchtbar netten Mann betrügt.
Gopnik, der nach der Maxime lebt „Ich hab doch überhaupt nichts gemacht!“ wird mit immer mehr Problemen konfrontiert. Er muss aus dem gemeinsamen Haus verschwinden, um in ein Junggesellenappartement zu ziehen, Bestechungsversuche über sich ergehen lassen, sich um seinen labilen Bruder kümmern, der illegales Glücksspiel betreibt, und vieles mehr. So sucht er in seiner Sinnkrise den Rat von diversen Rabbis, die für seine Probleme jedoch alle unterqualifiziert scheinen.
In letzter Zeit quälen uns Ethan und Joel Coen ganz besonders mit der Sinnlosigkeit menschlichen Handelns. Am Ende von No Country for Old Men steht die grausame Ziellosigkeit des spontanen, unmotivierten Mordens. In Burn After Reading wird der Gedanke auf die Spitze getrieben, denn jedes Handlungselement fungiert lediglich als McGuffin, als Anstoß zu weiteren Handlungen, die alle ins Nichts führen.
Larry Gopnik sucht in A Serious Man nach dem Sinn der schlimmen Ereignisse, die ihn überrollen, und stößt dabei nur auf leere Menschen, hohle Phrasen. Doch auf die Idee, in sich selbst zu gehen, kommt er nicht.

Gopnik hat versucht, sein Leben so still und heimlich wie es geht über die Bühne zu bringen, so dass es kaum auffällt. Er will niemandem was Böses, aber nicht viel darüber hinaus. Er hat Frau und Kinder, so wie viele in seiner näheren Umgebung. So gliedert er sich so gut es geht ein, um in der Anonymität Schutz zu suchen. Die Probleme, die ihn verfolgen, erinnern ihn an seine nackte Existenz, an seine Angst vor dem Leben. So lange er diese Angst nicht überwindet, werden die Probleme nicht verschwinden. Jede Tat hat Konsequenzen, sagt er einmal einem Schüler, der einen Bestechungsversuch unternimmt. Was er nicht versteht, ist dass auch Nichtstun Konsequenzen nach sich zieht.






A Serious Man
R: Ethan und Joel Coen
D: Michael Stuhlbarg, Richard Kind, Adam Arkin, Fred Melamed, Amy Landecker
USA, UK, Frankreich 2009, 98 Min.








Veröffentlichung: 13.08.2010
Bildformat: 1,85:1 (anamorph/ 16:9)
Sprache: Deutsch Dolby Digital 5.1, Englisch Dolby Digital 5.1
Untertitel: Deutsch
Extras: Making Of, div. Featurettes, Interviews, Trailer, TV Spots, B-Roll, Wendecover
FSK: 12


 

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