The Expendables (2010)
Sylvester Stallone hat es vollbracht, den Geist des 80er Actionfilms ins 21. Jahrhundert zu retten. Sein neustes Werk The Expendables übertrifft sogar noch in vielerlei Hinsicht den bereits meisterlichen John Rambo, der mit seiner Geradlinigkeit, Kompromisslosigkeit und der überzogenen Brutalität schon wie ein Relikt aus archaischen Zeiten anmutete. Hatte Stallone noch die Möglichkeit bei den Fortsetzungen seiner größten Erfolge auf bereits etablierte Figuren zurückzugreifen, beschritt er in The Expendables unbegangene Pfade, indem er die Führungsriege vergangener und gegenwärtiger Testosteronspektakel, die Koryphäen des Genres vor einer Kamera vereinte: Jason Statham, Dolph Lundgren, Jet Li, Mickey Rourke, Gary Daniels mimen natürlich wieder knallharte Typen, die ihre Probleme lieber mit Fäusten bzw. Waffengewalt lösen, anstatt sich versöhnender Worte zu bedienen. Böse Zungen würden behaupten, dass den Darstellern die Option einer friedlichen Auseinandersetzung generell verwehrt bleibt, da sie auch nach Jahren im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht fähig waren, sich die Sprache anzueignen (Schwarzenegger, Li) oder ihre unverständliche Nuschelei (Stallone, Rourke) abzustellen.
Die Story ist so simpel wie genial. The Expendables: Stallone, Statham, Lundgren, Li, Terry Crews, Randy Couture – eine Söldnertruppe mit dem Auftrag den südamerikanischen Diktator General Garza (David Zayas) zu stürzen. Doch die Ereignisse nehmen einen unvorhersehbaren Verlauf, da sich herausstellt, dass der skrupellose Herrscher nur eine Marionette des ehemaligen CIA-Mannes Monroe (Eric Roberts) ist. Zudem tragen einige Mitglieder der Söldnerbande noch einen inneren Konflikt aus; die Figur von Stallone entdeckt wieder menschliche Gefühle aufgrund der Begegnung mit der Freiheitskämpferin Sandra (Giselle Itie). Emotionen dieser Art stehen allerdings im Widerstreit mit der kalten, materialistischen Wirklichkeit des Killer-Metiers.
Anstatt mich zuerst der Frage zu widmen, was der Film dem Publikum bietet, möchte ich erst einmal festhalten, was vom Zuschauer erwartet wird. Als hilfreich erweist sich auf jeden Fall eine gehörige Portion Humor. Die intendierte Komik – in Form von markanten Dialogen – fungiert als offenkundiges Indiz für eine lockere, aber niemals völlig ironische Herangehensweise von Regisseur und Drehbuchautor. Zu diesen durchaus beabsichtigten Momenten der Belustigung gesellen sich auch unfreiwillige, die sich vor allem im Zusammenhang mit der Unbeweglichkeit von Stallones Gesicht, der Übererfüllung sämtlicher Klischees des Genres und einer nicht nachvollziehbaren Versöhnung ergeben. Wurde in John Rambo noch größter Wert auf Seriosität gelegt, geht es in The Expendables ein wenig entspannter zur Sache. Dies war wohl auch ausschlaggebend für das Wunder einer ungekürzten deutschen Kinofassung, denn was in Stallones neustem Werk wieder an rabiater Gewalt präsentiert wird, mag den Ein oder Anderen zwar erschrecken, erscheint letztendlich aber nur konsequent im Rahmen einer Rückbesinnung auf das Actionkino der 1980er Jahre.
Einige Größen des Genres tauchen nicht den Credits auf, als da wären zu nennen: Chuck Norris, Jean-Claude Van Damme, Steven Seagal, Michael Dudikoff. Aber bereits die Besetzung von Gary Daniel, der dem Mainstream-Publikum wohl nicht geläufig sein wird, zeugt schon von dem Bestreben ein vollständiges Bild des Actionkinos zu erstellen. Eine Widervereinigung sämtlicher Helden erscheint auch ein wenig utopisch und hätte wohl zu einer gewissen Überladung des Films geführt. Denn schon mit der aktuellen Besetzung zeichnet sich das Problem ab, dass einige Schauspieler wie Dolph Lundgren oder Mickey Rourke zu wenig Screentime erhalten, eine logische Konsequenz der Entscheidung ein Kollektiv ins Zentrum des Interesses zu rücken, anstatt sich auf einen einzigen Helden zu verlassen. Inspirieren ließ sich Stallone wohl eher von Söldnerfilmen wie Die Wildgänse kommen, wo eine Gruppe höchst unterschiedlicher Figuren für den gemeinsamen Erfolg kämpfen muss. Das klassische Muster des untrennbaren Männerverbundes wird bedient, der trotz einiger persönlicher Entgleisungen bestehen bleibt und für den Einzelnen immer ein sichereres Auffang- und Rückhaltesystem bildet.
The Expendables ist ein Film für Fans. Versierte Genrekenner dürfen ihn nicht verpassen. Allein der Cameo-Auftritt Schwarzeneggers, der ausgehend von einem weißen Hintergrund – gottgleich – vor die Kamera tritt und sich ein lässiges Wortduell mit Stallone liefert, ist das Eintrittsgeld wert. Auch die Wahl der Musik, eine schöne Palette klassischer Rock-Songs wie „Mississippi Queen“ oder „The Boys are Back in Town“, überrascht und erlöst den Zuschauer zugleich von der Pseudo-Coolness eines Hip-Hop Soundtracks. Die eher handwerkliche Machart des Films – mit einem einhergehenden Verzicht auf ausgedehnte CGI-Sequenzen – entfaltet zudem einen gewissen Retro-Charme. Zu beanstanden bleiben vielleicht noch der etwas deplatzierte selbstreflexive Monolog von Mickey Rourke über die Schrecken des Krieges, der in Anbetracht der brachialen Metzelei seiner Kollegen unaufrichtig daherkommt und der leidige Nebenplot rund um die Freundin Jason Stathams. Glücklicherweise verzichtet Stallone auf umfassende Psychologisierungen aller Protagonisten, was den Rahmen des Films eindeutig gesprengt hätte, der mit einer Laufzeit von knapp 100 actionbeladenen Minuten den richtigen Weg fernab epischer Dimensionen wählt.
Nachdem John Rambo das Genre also im Alleingang wieder reanimieren konnte, folgt nun auch die Riege der Kollegen dem Anführer Stallone zu neuen und gleichzeitig altbewährten Ufern. Die Haudegen sind einfach nicht zu ersetzen und halten den Actionfilm noch zwanzig Jahre nach dem Ende der 80er am Leben. Mit der Aussparung von postmodernem, doppeldeutigem Firlefanz, aber immer mit einem gehörigen Anteil des guten alten Oneliner- und Sprücheklopfer-Humors präsentiert sich The Expendables als bombastisches Retro-Actionspektakel, das aber im Vergleich mit der hollywoodschen Einheitskost herzhaft erfrischend daherkommt. Die Jungs sind wieder da – weder alt noch veraltet.
> unser Gewinnspiel zum Kinostart
The Expendables
R: Sylvester Stallone
D: Sylvester Stallone, Jet Li, Dolph Lundgren, Mickey Rourke, Jason Statham, Eric Roberts, Terry Crews, Bruce Willis, Arnold Schwarzenegger
USA 2010, 100 Min.
Kinostart: 26.08.2010
Copyright: 20th Century Fox









1 Kommentare zu "The Expendables (2010)"
Machos, Muskeln und Maschinengewehre! Was interessiert da die Story?
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