Was wäre wenn? Eine Frage, die in den Möglichkeiten des Kinos von Grund auf angelegt ist. Was wäre in etwa, wenn man zum Mond reisen könnte? Das fragte sich
Georges Meliès schon 1902 in
Le Voyage Dans La Lune. Was wäre, wenn zwei Touristen im Meer vergessen würden und halb verhungert auf ihre ungewisse Rettung hoffen müssten? Im aktuellen Genrekino, wo alles zeigbar und darstellbar scheint, hat mit dem Erfolg von minimalistischen Filmen wie
The Blair Witch Project oder
Open Water ein Trend zur Rückbesinnung auf realitätsnahe Horrorszenarien eingesetzt. Die Andeutung des Schlimmstmöglichen im Banalen ist eine Vorgehensweise, die sich angenehm von gängigen Härteproben voller Blut und Gedärmen abhebt.
Frozen ist einer der aktuellsten Vertreter dieser Stilrichtung und adaptiert in erster Linie das bestehende Prinzip seiner Vorgänger. Drei Winterurlauber werden auf einem Skilift vergessen und müssen eine Woche lang ausharren, bis die Ferienanlage wieder eröffnet wird. Als ihnen dies nach anfänglichen Zweifeln und unermüdlichen Scherzen bewusst wird, schlägt das selbstverständlich auf die Laune. Aus eine verdrängten Ahnung wird Gewissheit, aus Gewissheit schließlich Verzweiflung. Und dann erreicht der Film selbstverständlich auch den Punkt, auf den die Zuschauer geifernd warten: Wenn das Überleben das letzte verbliebene Ziel ist, gehen Menschen über ihre körperlichen Grenzen, opfern sich für andere oder nutzen einander aus, lösen sich in jedem Fall vom starren Korsett der Zivilisation und geben ihrem Selbsterhaltungstrieb nach. Welche Wendung ein derartiges Szenario nimmt, lässt sich nie vorher erahnen, weil es keiner stringenten Abfolge gehorcht. Jede kleine Perspektive auf Rettung kann zu einem Fixpunkt der Handlung werden, jedes verlorene Kleidungsstück kann im Falle von
Frozen den Kältetod bedeuten. Und dann wird sie essenziell, die Frage nach dem „Was wäre wenn“ – denn Leben und Tod liegen nun bloß noch eine Entscheidung auseinander.
Ein Filmkonzept, das den Zuschauer ebenso wie die Protagonisten zum Spielball des Autors macht.
Open Water wählte aus der Freiheit aller Möglichkeiten und Zufälle nicht nur ein hartes Los für seine Figuren, sondern entfaltete über seine Handlung hinweg vor allem ein persönliches Drama zwischen ihnen. Im Vordergrund stand hier vor allem das psychische Leiden – wohl auch angesichts der beschränkten Situation, die abgesehen von Haien nicht wirklich eine Bedrohung beinhaltete.
Frozen ist ein Film, der einen wesentlich körperorientierteren Weg geht. Regisseur
Adam Green (nein, nicht Adam Green) spielt die harten Einwirkungen seines eisigen, hoch über dem Boden gelegenen Schauplatzes auf den Menschen sehr grafisch durch und nutzt dabei nicht nur einige der schlimmsten zur Verfügung stehenden Optionen aus, sondern präsentiert das Resultat auch fast ausnahmslos in Bildern. Nicht selten gehen die Eindrücke dabei aufgrund des naheliegenden Szenarios unter die Haut – zum Teil im wörtlichen Sinne.
Der
Frozen-Zuschauer leidet mit, weil die Figuren des Films allesamt in sehr humorvollen, sympathischen Dialogen vorgestellt werden.
Kevin Zegers,
Shawn Ashmore und
Emma Bell schaffen unschuldige, optimistische und starke Identifikationsfiguren, die angesichts ihrer Situation stets plausibel agieren. Rundum also ein gelungen inszenierter Trip ins Ungewisse, dessen Verlauf ungewöhnlich hart ist und der so vermutlich auch unter dem schockorientierten Publikum Zuspruch finden kann.

Frozen
R: Adam Green
D: Kevin Zegers, Shawn Ashmore, Emma Bell
USA, 2010, 93 Min.
Universum Film
Was wäre wenn? Eine Frage, die in den Möglichkeiten des Kinos von Grund auf angelegt ist. Was wäre in etwa, wenn man zum Mond reisen könnte? Das fragte sich
Georges Meliès schon 1902 in
Le Voyage Dans La Lune. Was wäre, wenn zwei Touristen im Meer vergessen würden und halb verhungert auf ihre ungewisse Rettung hoffen müssten? Im aktuellen Genrekino, wo alles zeigbar und darstellbar scheint, hat mit dem Erfolg von minimalistischen Filmen wie
The Blair Witch Project oder
Open Water ein Trend zur Rückbesinnung auf realitätsnahe Horrorszenarien eingesetzt. Die Andeutung des Schlimmstmöglichen im Banalen ist eine Vorgehensweise, die sich angenehm von gängigen Härteproben voller Blut und Gedärmen abhebt.
Frozen ist einer der aktuellsten Vertreter dieser Stilrichtung und adaptiert in erster Linie das bestehende Prinzip seiner Vorgänger. Drei Winterurlauber werden auf einem Skilift vergessen und müssen eine Woche lang ausharren, bis die Ferienanlage wieder eröffnet wird. Als ihnen dies nach anfänglichen Zweifeln und unermüdlichen Scherzen bewusst wird, schlägt das selbstverständlich auf die Laune. Aus eine verdrängten Ahnung wird Gewissheit, aus Gewissheit schließlich Verzweiflung. Und dann erreicht der Film selbstverständlich auch den Punkt, auf den die Zuschauer geifernd warten: Wenn das Überleben das letzte verbliebene Ziel ist, gehen Menschen über ihre körperlichen Grenzen, opfern sich für andere oder nutzen einander aus, lösen sich in jedem Fall vom starren Korsett der Zivilisation und geben ihrem Selbsterhaltungstrieb nach. Welche Wendung ein derartiges Szenario nimmt, lässt sich nie vorher erahnen, weil es keiner stringenten Abfolge gehorcht. Jede kleine Perspektive auf Rettung kann zu einem Fixpunkt der Handlung werden, jedes verlorene Kleidungsstück kann im Falle von
Frozen den Kältetod bedeuten. Und dann wird sie essenziell, die Frage nach dem „Was wäre wenn“ – denn Leben und Tod liegen nun bloß noch eine Entscheidung auseinander.
Ein Filmkonzept, das den Zuschauer ebenso wie die Protagonisten zum Spielball des Autors macht.
Open Water wählte aus der Freiheit aller Möglichkeiten und Zufälle nicht nur ein hartes Los für seine Figuren, sondern entfaltete über seine Handlung hinweg vor allem ein persönliches Drama zwischen ihnen. Im Vordergrund stand hier vor allem das psychische Leiden – wohl auch angesichts der beschränkten Situation, die abgesehen von Haien nicht wirklich eine Bedrohung beinhaltete.
Frozen ist ein Film, der einen wesentlich körperorientierteren Weg geht. Regisseur
Adam Green (nein, nicht Adam Green) spielt die harten Einwirkungen seines eisigen, hoch über dem Boden gelegenen Schauplatzes auf den Menschen sehr grafisch durch und nutzt dabei nicht nur einige der schlimmsten zur Verfügung stehenden Optionen aus, sondern präsentiert das Resultat auch fast ausnahmslos in Bildern. Nicht selten gehen die Eindrücke dabei aufgrund des naheliegenden Szenarios unter die Haut – zum Teil im wörtlichen Sinne.
Der
Frozen-Zuschauer leidet mit, weil die Figuren des Films allesamt in sehr humorvollen, sympathischen Dialogen vorgestellt werden.
Kevin Zegers,
Shawn Ashmore und
Emma Bell schaffen unschuldige, optimistische und starke Identifikationsfiguren, die angesichts ihrer Situation stets plausibel agieren. Rundum also ein gelungen inszenierter Trip ins Ungewisse, dessen Verlauf ungewöhnlich hart ist und der so vermutlich auch unter dem schockorientierten Publikum Zuspruch finden kann.

Frozen
R: Adam Green
D: Kevin Zegers, Shawn Ashmore, Emma Bell
USA, 2010, 93 Min.
Universum Film
FFF 2010: Frozen